Sportlich gesehen wäre ein Unentschieden nicht ganz das Ergebnis, das sich der SC Freiburg am Donnerstag wünscht: Mit einem Sieg beim Europa-League-Heimspiel gegen Maccabi Tel Aviv stünde die Mannschaft aus dem Breisgau direkt im Achtelfinale des B-Wettbewerbs in Europas internationalem Vereinsfußball.

Politisch gesehen könnte der Sportclub, der sich sofort nach der Auslosung im vergangenen Herbst mit diesem Spiel zu befassen begann, mit einem „Unentschieden“ wohl ganz gut leben. Und bisher scheinen ihm zumindest seine aktiven Kern-Fans diesen Gefallen auch tun zu wollen.

Die Freiburger Fußball-Ultras haben nämlich angekündigt, dem Spiel gegen den israelischen Rekord- und Serienmeister fernzubleiben, allerdings mit einer formalen Argumentation. In einer gemeinsamen Erklärung der Ultra-Gruppen Corillo Ultras, Immer Wieder Freiburg, Supporters Crew Freiburg und Synthesia Ultras 79 wird als Begründung zwar mögliches „Racial Profiling“ bei den angekündigten massiven Einlasskontrollen erwähnt – also die Befürchtung geäußert, es könnte dabei besonders ins Visier geraten, wer dem Äußeren nach etwa als „arabisch“ oder „nordafrikanisch“ erkannt werde.

Ansonsten aber beziehen sich die Ultras allgemein auf die Beschneidung gewohnter „fankultureller Freiheiten“, etwa durch weitgehende Einschränkungen für das Mitführen von Fahnen, Bannern und Transparenten ins Stadion.

Demo, Gegenveranstaltung und viel Polemik

Ausdrücklich heißt es in der fast salomonisch anmutenden Erklärung, die weder den Gegner Maccabi noch dessen Fans kommentiert, man verwahre sich gegen eine „Missinterpretation unserer Entscheidung“. Karten für das Spiel würden nicht weiterverkauft. Und man werde zu verhindern wissen, dass „Einzelne unser Fernbleiben ausnutzen“, um den leer gebliebenen Ultra-Block „für ihre politische Agenda zu instrumentalisieren“.

Bliebe es bei einem Spiel vor stimmungsreduzierter Kulisse, wäre die Lage im Stadion und seinem Umfeld zumindest entschärft. Doch in der Stadt selbst mobilisieren pro-palästinensische Gruppen am Donnerstagnachmittag zu einer Demonstration gegen das Spiel.

Schon in den vergangenen Wochen hatte es entsprechende Kundgebungen gegeben. Auf palästina-solidarischen Social-Media-Accounts wurde mit Slogans wie „Kein Raum für Rassismus und Sportswashing“ oder „Rote Karte für Israel“ mobilisiert; eine Online-Petition forderte den Ausschluss von Maccabi-Fans.

Steht Freiburg vor einem neuen Connewitz?

Wie wird diese Demonstration verlaufen? Die linke Szene in der Uni-Stadt galt lange Zeit als eine der Hochburgen „antideutscher“, pro-israelischer Positionen, die sich etwa um die Theorie-Gruppe ISF (Initiative Sozialistisches Forum) und den Verlag Ça ira kristallisierten.

Doch bisher scheint es, als werde eine Straßenkonfrontation wie am vergangenen Wochenende in Leipzig ausbleiben. Angekündigt ist lediglich eine Saalveranstaltung am Vorabend, auf der erklärt werden soll, weshalb schon die Forderung nach einem Ausschluss der Maccabi-Fans glasklar antisemitisch sei.

Für die Stadt Freiburg freute sich schon im November 2025 eine Sprecherin „auf ein packendes und faires Fußballspiel und natürlich auch auf viele Fans aus unserer Partnerstadt Tel-Aviv“. Der Sportklub selbst erklärt, er sehe im Ausschluss von Fußballfans „grundsätzlich keine geeignete Maßnahme“. Laut seiner Satzung haben sowohl Rassismus als auch Antisemitismus keinen Platz im Stadion.

Wie viel Moral verträgt das Emotionstheater des modernen Fußballs?

Das möchte man ja alles unterschreiben: Es sollte wirklich kein Widerspruch sein, sich konsequent gegen jeden Antisemitismus zu stellen, jüdisches Leben zu schützen und zugleich den Genozid zu benennen, ihn zu verurteilen und Solidarität mit der palästinensischen Zivilbevölkerung zu zeigen.

Aber ist es nicht furchtbar utopisch, solche Zwischentöne im weiteren Rahmen des brodelnden Emotions-Theaters verwirklichen zu wollen, das mit dem Fußball verbunden ist?

Maccabis internationale Kampagnen der vergangenen beiden Jahre stimmen da nicht sehr optimistisch. Auf dem Platz war das Niveau sehr überschaubar, aber jenseits davon waren einige Auswärtsspiele auf Top-Level angesiedelt: Kaum eins blieb ganz ohne Skandal – und zwei Spiele gerieten zum Politikum auf höchster Ebene.

Besonders das Spiel in Amsterdam am 7. November 2024 sorgte für Schlagzeilen, das auf dem Höhepunkt des Gaza-Krieges stattfand. Unmittelbar nach dem Spiel berichteten die Medien über zielgerichtete und organisierte antisemitische Übergriffe gegen Maccabi-Fans.

Selbst Regierungschefs unbeteiligter Drittstaaten wie Olaf Scholz und Joe Biden sowie EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen stellten in Stellungnahmen eine Verbindung zum Holocaust her.

Was im November 2024 in Amsterdam wirklich geschah

Die Tatsache, dass Maccabi-Fans an der Eskalation einen guten Anteil hatten und schon am Abend vor dem Spiel zahlreiche Aggressionsakte und Übergriffe von ihnen selbst ausgegangen waren, wurde zwar im Abschlussbericht der lokalen Behörden klar hervorgehoben. In den Medientenor schaffte es diese ausgewogene Perspektive im Nachhinein freilich nicht mehr.

Dabei hatte der Maccabi-Fanblock im Stadion sogar eine Schweigeminute für die Opfer der damaligen Hochwasserkatastrophe in Spanien massiv gestört, wohl weil die Regierung in Madrid seinerzeit Israels Krieg in Gaza besonders scharf verurteilt hatte.

Diese politisch motivierte Respektlosigkeit gegenüber dem Andenken vollkommen Unbeteiligter hat Maccabi nicht nur viel Sympathie gekostet, sondern war auch ziemlich einmalig. Getoppt wurde der Vorgang allerdings vor wenigen Tagen, als der Chef der britischen West Midlands Police wegen seiner Folgerungen aus dem Geschehen in Amsterdam im Vorjahr zurücktreten musste.

Für das Spiel gegen Aston Villa am 6. November 2025 waren auf sein Geheiß hin die Maccabi-Fans aus Sicherheitsgründen ausgeschlossen worden. Das war aus einer polizeilichen Perspektive nicht vollkommen unplausibel, denn Birmingham ist eine ähnlich multikulturell geprägte und ausufernde Metropolregion wie Amsterdam.

Diejenigen aus der Maccabi-Entourage, die sich offenbar schon von Palästina-Fahnen zu Übergriffen provoziert fühlen, hätten hier ebenso viel Anlass zu Aggressionen gehabt wie umgekehrt diejenigen Teile der lokalen Bevölkerung, die bei israelischen Symbolen rot sehen.

Allerdings hatte die Behörde ihre Entscheidung mit einer extrem schlampigen, offenbar KI-gestützten Recherche begründet. Dabei war bezüglich der tatsächlichen Vorkommnisse in Amsterdam einiges durcheinandergeraten. Da diese Sanktion gegen Maccabi in Großbritannien ohnehin bis auf Regierungsebene politisiert wurde, blieb Polizeichef Craig Guildford am Ende nur der Rücktritt. Und Kommentare in nationalen wie internationalen Medien nahmen das zum Anlass, das einseitige Narrativ bezüglich der Ausschreitungen in Amsterdam abermals aufzuwärmen.

Der Sport muss sich eingestehen, dass er politische Fragen nicht lösen kann

Hätte sich nun auch im Breisgau auf solcher Basis ein Maccabi-Fan-Bann empfohlen, wie es erwähnte Petition verlangte? Eher nein. Denn erstens ist Freiburg nicht Birmingham oder Amsterdam, sondern vergleichsweise überschaubar. Und zweitens kochen die Emotionen um den Krieg in Gaza heute nicht mehr ganz so hoch wie im November 2024; es ist also etwas weniger Pulver im Fass.

Wer diese formale Argumentation zynisch findet – in Gaza und auf der Westbank finden weiterhin schwere Menschenrechtsverletzungen durch Armee und Siedler statt –, muss etwas Unbequemes über das Verhältnis von Sport und Politik lernen:

Sport findet niemals in einem politikfreien Raum statt, oft drängt das Politische sogar massiert in seine Arenen. Zugleich kann Sport allein politische Fragen nicht lösen. Also muss er im Zweifelsfall kleine Brötchen backen und Realpolitik betreiben.

In diesem Sinne treffen die Freiburger Ultras mit ihrer Feststellung ins Schwarze, dass die politischen Konflikte um dieses Spiel herum „die Möglichkeit einer Fankurve zur Positionierung im Rahmen eines Fußballspiels bei weitem übersteigen“.

Und mit ihrer praktischen Folgerung, durch ihr formal begründetes Fernbleiben ein politisches, aber unspezifisches Zeichen zu setzen, haben sie vieles richtig gemacht. Wie gesagt: Ein politisches Unentschieden ist hier wohl das bestmögliche Resultat.

Werdet Fans von Hapoel Tel Aviv – zumindest für einen Abend

Wird der Sportklub seinen prinzipiellen Anspruch, dass Rassismus wie Antisemitismus in seinem Stadion keinen Platz haben, nach dem Spiel am Donnerstag erfüllt sehen? Vermutlich nicht, denn am Zeigen von Bannern kann man ein Publikum hindern, aber nicht am Singen und Rufen.

Dass lautstarke Gruppen von Maccabi-Fans auch im Freiburger Stadion rassistische Gesänge wie „Tod den Arabern“ und Schlimmeres von sich geben werden, ist nach dem Dezember-Auftritt der Israelis in Stuttgart zumindest nicht unwahrscheinlich. Ob und was ihnen entgegenschallt, ist unklar.

An dieser Stelle sei daher ein Hinweis erlaubt: Wer die – neben der ultra-nationalistischen Anhängerschaft von Beitar Jerusalem – auch in Israel für ihre rechten Parolen berüchtigten Maccabi-Fans so richtig ärgern möchte, ohne später zu Klagen über „Antisemitismus“ Anlass zu geben, könnte noch schnell den einen oder anderen Fan-Gesang von Hapoel Tel Aviv erlernen. Der eher liberale, gewerkschaftsnahe Lokalrivale ist Maccabi-Fans zutiefst verhasst und passt viel besser zum SC.

Das Online-Archiv FanChants bietet hierfür ein paar hübsche Vorlagen – und das ist die Art von Politik, die der Sport noch am besten verträgt.

rmalen Argumentation. In einer gemeinsamen Erklärung der Ultra-Gruppen Corillo Ultras, Immer Wieder Freiburg, Supporters Crew Freiburg und Synthesia Ultras 79 wird als Begründung zwar mögliches „Racial Profiling“ bei den angekündigten massiven Einlasskontrollen erwähnt – also die Befürchtung geäußert, es könnte dabei besonders ins Visier geraten, wer dem Äußeren nach etwa als „arabisch“ oder „nordafrikanisch“ erkannt werde.Ansonsten aber beziehen sich die Ultras allgemein auf die Beschneidung gewohnter „fankultureller Freiheiten“, etwa durch weitgehende Einschränkungen für das Mitführen von Fahnen, Bannern und Transparenten ins Stadion.Demo, Gegenveranstaltung und viel Polemik Ausdrücklich heißt es in der fast salomonisch anmutenden Erklärung, die weder den Gegner Maccabi noch dessen Fans kommentiert, man verwahre sich gegen eine „Missinterpretation unserer Entscheidung“. Karten für das Spiel würden nicht weiterverkauft. Und man werde zu verhindern wissen, dass „Einzelne unser Fernbleiben ausnutzen“, um den leer gebliebenen Ultra-Block „für ihre politische Agenda zu instrumentalisieren“.Bliebe es bei einem Spiel vor stimmungsreduzierter Kulisse, wäre die Lage im Stadion und seinem Umfeld zumindest entschärft. Doch in der Stadt selbst mobilisieren pro-palästinensische Gruppen am Donnerstagnachmittag zu einer Demonstration gegen das Spiel.Schon in den vergangenen Wochen hatte es entsprechende Kundgebungen gegeben. Auf palästina-solidarischen Social-Media-Accounts wurde mit Slogans wie „Kein Raum für Rassismus und Sportswashing“ oder „Rote Karte für Israel“ mobilisiert; eine Online-Petition forderte den Ausschluss von Maccabi-Fans.Steht Freiburg vor einem neuen Connewitz? Wie wird diese Demonstration verlaufen? Die linke Szene in der Uni-Stadt galt lange Zeit als eine der Hochburgen „antideutscher“, pro-israelischer Positionen, die sich etwa um die Theorie-Gruppe ISF (Initiative Sozialistisches Forum) und den Verlag Ça ira kristallisierten.Doch bisher scheint es, als werde eine Straßenkonfrontation wie am vergangenen Wochenende in Leipzig ausbleiben. Angekündigt ist lediglich eine Saalveranstaltung am Vorabend, auf der erklärt werden soll, weshalb schon die Forderung nach einem Ausschluss der Maccabi-Fans glasklar antisemitisch sei.Für die Stadt Freiburg freute sich schon im November 2025 eine Sprecherin „auf ein packendes und faires Fußballspiel und natürlich auch auf viele Fans aus unserer Partnerstadt Tel-Aviv“. Der Sportklub selbst erklärt, er sehe im Ausschluss von Fußballfans „grundsätzlich keine geeignete Maßnahme“. Laut seiner Satzung haben sowohl Rassismus als auch Antisemitismus keinen Platz im Stadion.Wie viel Moral verträgt das Emotionstheater des modernen Fußballs? Das möchte man ja alles unterschreiben: Es sollte wirklich kein Widerspruch sein, sich konsequent gegen jeden Antisemitismus zu stellen, jüdisches Leben zu schützen und zugleich den Genozid zu benennen, ihn zu verurteilen und Solidarität mit der palästinensischen Zivilbevölkerung zu zeigen.Aber ist es nicht furchtbar utopisch, solche Zwischentöne im weiteren Rahmen des brodelnden Emotions-Theaters verwirklichen zu wollen, das mit dem Fußball verbunden ist?Maccabis internationale Kampagnen der vergangenen beiden Jahre stimmen da nicht sehr optimistisch. Auf dem Platz war das Niveau sehr überschaubar, aber jenseits davon waren einige Auswärtsspiele auf Top-Level angesiedelt: Kaum eins blieb ganz ohne Skandal – und zwei Spiele gerieten zum Politikum auf höchster Ebene.Besonders das Spiel in Amsterdam am 7. November 2024 sorgte für Schlagzeilen, das auf dem Höhepunkt des Gaza-Krieges stattfand. Unmittelbar nach dem Spiel berichteten die Medien über zielgerichtete und organisierte antisemitische Übergriffe gegen Maccabi-Fans.Selbst Regierungschefs unbeteiligter Drittstaaten wie Olaf Scholz und Joe Biden sowie EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen stellten in Stellungnahmen eine Verbindung zum Holocaust her.Was im November 2024 in Amsterdam wirklich geschahDie Tatsache, dass Maccabi-Fans an der Eskalation einen guten Anteil hatten und schon am Abend vor dem Spiel zahlreiche Aggressionsakte und Übergriffe von ihnen selbst ausgegangen waren, wurde zwar im Abschlussbericht der lokalen Behörden klar hervorgehoben. In den Medientenor schaffte es diese ausgewogene Perspektive im Nachhinein freilich nicht mehr.Dabei hatte der Maccabi-Fanblock im Stadion sogar eine Schweigeminute für die Opfer der damaligen Hochwasserkatastrophe in Spanien massiv gestört, wohl weil die Regierung in Madrid seinerzeit Israels Krieg in Gaza besonders scharf verurteilt hatte.Diese politisch motivierte Respektlosigkeit gegenüber dem Andenken vollkommen Unbeteiligter hat Maccabi nicht nur viel Sympathie gekostet, sondern war auch ziemlich einmalig. Getoppt wurde der Vorgang allerdings vor wenigen Tagen, als der Chef der britischen West Midlands Police wegen seiner Folgerungen aus dem Geschehen in Amsterdam im Vorjahr zurücktreten musste.Für das Spiel gegen Aston Villa am 6. November 2025 waren auf sein Geheiß hin die Maccabi-Fans aus Sicherheitsgründen ausgeschlossen worden. Das war aus einer polizeilichen Perspektive nicht vollkommen unplausibel, denn Birmingham ist eine ähnlich multikulturell geprägte und ausufernde Metropolregion wie Amsterdam.Diejenigen aus der Maccabi-Entourage, die sich offenbar schon von Palästina-Fahnen zu Übergriffen provoziert fühlen, hätten hier ebenso viel Anlass zu Aggressionen gehabt wie umgekehrt diejenigen Teile der lokalen Bevölkerung, die bei israelischen Symbolen rot sehen.Allerdings hatte die Behörde ihre Entscheidung mit einer extrem schlampigen, offenbar KI-gestützten Recherche begründet. Dabei war bezüglich der tatsächlichen Vorkommnisse in Amsterdam einiges durcheinandergeraten. Da diese Sanktion gegen Maccabi in Großbritannien ohnehin bis auf Regierungsebene politisiert wurde, blieb Polizeichef Craig Guildford am Ende nur der Rücktritt. Und Kommentare in nationalen wie internationalen Medien nahmen das zum Anlass, das einseitige Narrativ bezüglich der Ausschreitungen in Amsterdam abermals aufzuwärmen.Der Sport muss sich eingestehen, dass er politische Fragen nicht lösen kann Hätte sich nun auch im Breisgau auf solcher Basis ein Maccabi-Fan-Bann empfohlen, wie es erwähnte Petition verlangte? Eher nein. Denn erstens ist Freiburg nicht Birmingham oder Amsterdam, sondern vergleichsweise überschaubar. Und zweitens kochen die Emotionen um den Krieg in Gaza heute nicht mehr ganz so hoch wie im November 2024; es ist also etwas weniger Pulver im Fass.Wer diese formale Argumentation zynisch findet – in Gaza und auf der Westbank finden weiterhin schwere Menschenrechtsverletzungen durch Armee und Siedler statt –, muss etwas Unbequemes über das Verhältnis von Sport und Politik lernen:Sport findet niemals in einem politikfreien Raum statt, oft drängt das Politische sogar massiert in seine Arenen. Zugleich kann Sport allein politische Fragen nicht lösen. Also muss er im Zweifelsfall kleine Brötchen backen und Realpolitik betreiben.In diesem Sinne treffen die Freiburger Ultras mit ihrer Feststellung ins Schwarze, dass die politischen Konflikte um dieses Spiel herum „die Möglichkeit einer Fankurve zur Positionierung im Rahmen eines Fußballspiels bei weitem übersteigen“.Und mit ihrer praktischen Folgerung, durch ihr formal begründetes Fernbleiben ein politisches, aber unspezifisches Zeichen zu setzen, haben sie vieles richtig gemacht. Wie gesagt: Ein politisches Unentschieden ist hier wohl das bestmögliche Resultat. Werdet Fans von Hapoel Tel Aviv – zumindest für einen Abend Wird der Sportklub seinen prinzipiellen Anspruch, dass Rassismus wie Antisemitismus in seinem Stadion keinen Platz haben, nach dem Spiel am Donnerstag erfüllt sehen? Vermutlich nicht, denn am Zeigen von Bannern kann man ein Publikum hindern, aber nicht am Singen und Rufen. Dass lautstarke Gruppen von Maccabi-Fans auch im Freiburger Stadion rassistische Gesänge wie „Tod den Arabern“ und Schlimmeres von sich geben werden, ist nach dem Dezember-Auftritt der Israelis in Stuttgart zumindest nicht unwahrscheinlich. Ob und was ihnen entgegenschallt, ist unklar.An dieser Stelle sei daher ein Hinweis erlaubt: Wer die – neben der ultra-nationalistischen Anhängerschaft von Beitar Jerusalem – auch in Israel für ihre rechten Parolen berüchtigten Maccabi-Fans so richtig ärgern möchte, ohne später zu Klagen über „Antisemitismus“ Anlass zu geben, könnte noch schnell den einen oder anderen Fan-Gesang von Hapoel Tel Aviv erlernen. Der eher liberale, gewerkschaftsnahe Lokalrivale ist Maccabi-Fans zutiefst verhasst und passt viel besser zum SC.Das Online-Archiv FanChants bietet hierfür ein paar hübsche Vorlagen – und das ist die Art von Politik, die der Sport noch am besten verträgt.



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