In einem hochbrisanten Gespräch mit dem Journalisten Danny Haiphong zeichnet der renommierte US-Ökonom und UN-Berater a.D. Jeffrey Sachs ein düsteres Bild der aktuellen Weltlage. Sachs stuft den seit etwa zwei Wochen andauernden Krieg der USA und Israels gegen den Iran als „frühes Stadium eines Dritten Weltkriegs“ ein – und sieht kaum noch eine realistische Chance auf rasches Ende. Stattdessen warnt er vor einer unaufhaltsamen Eskalationsdynamik, massiven wirtschaftlichen Kollaps und dem völligen Kontrollverlust eines „geistig labilen“ US-Präsidenten Donald Trump.

1. Trumps erratisches Verhalten als zentrale Gefahr

Sachs beschreibt Trump als „malignen Narzissten“, der „minute to minute“ widersprüchliche Signale sende. Mal erkläre er den Krieg für „fast vorbei“, um Ölpreise zu beruhigen – nur um kurz darauf massive Eskalation anzukündigen (z. B. die Drohung, die Straße von Hormus mit US-Marine zu erzwingen). Sachs sieht darin keine taktische „Madman-Theorie“, sondern schlicht „Wahnsinn“:

„Wir haben einen geistig instabilen Menschen an der Spitze der mächtigsten Militärmacht der Welt. Das amerikanische System ist derzeit nicht mehr funktionsfähig – es ähnelt eher Rom unter Nero oder Caligula.“

Der Ökonom beklagt, dass es offenbar keine „erwachsenen“ Berater mehr gebe, die Trump bremsen könnten. Stattdessen dominierten Schmeichler, Familienmitglieder (wie Jared Kushner) und Inkompetenz.

2. Militärische Realität: Iran gewinnt an Stärke, Israel und USA verlieren

Sachs betont zwei entscheidende Zeitdimensionen:

Luftabwehr vs. iranische Raketen:
Die Abwehrsysteme Israels (Iron Dome) und der Golfstaaten werden voraussichtlich vor den iranischen Raketenbeständen erschöpft sein. Je länger der Konflikt dauert, desto verheerender werden iranische Treffer auf Israel und US-Basen im Golf (Katar, Bahrain, Kuwait, UAE).

Ökonomische Zeitbombe:
Bereits jetzt Ölpreise bei $120/Barrel (mit Schwankungen). Sachs prophezeit: In wenigen Wochen werden Förderanlagen, Pipelines, Häfen und die Straße von Hormus (ca. 20 % des weltweiten Öls) weitgehend lahmgelegt sein. Das führe zwangsläufig zu einer globalen Wirtschaftskatastrophe – vergleichbar mit den Ölkrisen 1973/74 und 1979/80, nur schlimmer.

Die Idee eines schnellen „Regime-Change“ in Teheran durch einen „Decapitation Strike“ bezeichnet Sachs als „Wahnvorstellung“ Trumps und Netanjahus – genährt von jahrzehntelangen israelischen Träumen und irreführender Mossad-„Information“.

3. Straße von Hormus – der Punkt ohne Wiederkehr

Iran hat die Meerenge de facto bereits blockiert (ohne formelle Schließung). Trump droht, kommerzielle Schiffe mit US-Kriegsmarine zu eskortieren – worauf Teheran mit Gegenangriffen reagiert hat. Sachs hält eine militärische Offenhaltung der Straße in den nächsten Wochen/Monaten für unrealistisch:

„Die Straße ist eng. Schiffe zu treffen ist nicht schwer. Die gesamte Militäroperation basierte auf der Illusion, dass alles in einer Operation erledigt wäre.“

Ein längerer Konflikt würde Stagflation (explodierende Energiepreise + Wirtschaftseinbruch) weltweit auslösen.

4. Globale Reaktion und das Versagen der Institutionen

Außer Israel und den USA gebe es kein einziges Land, das den Angriff positiv oder auch nur gleichgültig sehe – selbst enge US-Verbündete seien entsetzt. Sachs fordert kollektiven Druck der Weltgemeinschaft (insbesondere BRICS unter indischer Führung), um den Wahnsinn zu stoppen:

„Wenn Indien, China, Russland, Brasilien, Südafrika, der Iran selbst und andere laut sagen: Das ist Wahnsinn, das ist illegal, das zerstört die Weltwirtschaft – dann könnte das Wirkung zeigen.“

Er kritisiert scharf, dass selbst Länder wie Indien (trotz BRICS-Präsidentschaft und Öl-Abhängigkeit) bisher kaum vernehmbar protestiert hätten.

5. Der Weg in die Eskalation – und mögliche Folgen

Sachs sieht die Dynamik weiterhin eskalierend:

Iran erhält Unterstützung (Waffen, Finanzen, Aufklärung) von Russland und China, die den Krieg als Angriff auf ihre eigene Sicherheitsinteressen werten.
Mehr Länder könnten sich einmischen.
Die USA rufen Vasallenstaaten zu mehr Engagement auf.
Öl-Infrastruktur im Nahen Osten wird systematisch zerstört.

Das Ergebnis könne entweder ein rasches (aber unwahrscheinliches) Ende durch Vernunft sein – oder die Ausweitung zu einem echten Weltkrieg.

Fazit: Ein Weckruf an die Welt

Jeffrey Sachs lässt keinen Zweifel: Der aktuelle Konflikt ist nicht nur ein regionaler Krieg, sondern ein Angriff auf das globale Energiesystem, die Weltwirtschaft und das Völkerrecht. Er endet mit der Hoffnung, dass doch noch jemand im Weißen Haus Trump zur Vernunft bringt – etwa indem man ihm einflüstert: „Sie haben gewonnen, jetzt aufhören, und Sie sind ein Held.“

Ob diese Hoffnung realistisch ist, bleibt fraglich. Das Transkript zeigt vor allem eines: Die Welt steht – nach Einschätzung eines der prominentesten US-Kritiker der Außenpolitik – am Rand des Abgrunds. Und der Mann mit dem roten Knopf scheint nicht mehr zurechnungsfähig zu handeln.

Der vollständige Podcast mit Danny Haiphong und Jeffrey Sachs ist online verfügbar und sollte – gerade in diesen Stunden – von möglichst vielen Menschen gehört werden. Die Zeit drängt.



Source link