Ein Gastbeitrag von Klaus Kelle

Rudolfine Steindling, in Wien als „die rote Fini“ bekannt, war vor der Wende und danach die Schlüsselfigur für die Finanzen der SED-Staatspartei im Westen. Als Treuhänderin der Außenhandelsfirma „Novum“ verwaltete sie Devisen in Millionenhöhe für den sozialistischen Mauerstaat.

Doch kurz vor und nach dem Mauerfall legte Steindling ihr Meisterstück hin und hob systematisch Gelder von den Devisenkonten in der DDR ab, um sie dem Zugriff der Treuhandanstalt zu entziehen.

Insgesamt räumte sie rund 130 Millionen Euro (damals ca. 250 Millionen DM) von den Konten der „Novum“. Das Geld wurde in Koffern über die Grenze geschafft oder über ein Geflecht von Briefkastenfirmen und Banken in der Schweiz und Liechtenstein verteilt.

Was geschah mit der „roten Fini“, der später sogar ein filmisches Glanzstück mit der Wiener „Tatort“-Kommissarin Adele Neuhauser in der Hauptrolle gewidmet wurde?

Die deutsche Justiz jagte Steindling noch Jahre nach der Wiedervereinigung. Die clevere Geschäftsfrau gab sich dabei stets völlig ahnungslos und behauptete, die „Novum“ sei ihr Privatbesitz gewesen. Sie starb 2012 in Tel Aviv, ohne jemals verraten zu haben, wo das ganze SED-Vermögen geblieben war. Erst nach ihrem Tod errang die Bundesrepublik einen späten Sieg: Die Bank Austria wurde 2013 immerhin verurteilt, über 250 Millionen Euro Schadenersatz zu zahlen, weil sie die dubiosen Abhebungen überhaupt zugelassen hatte.