Wahl / Wähler / CDU / AfD / Quelle: Unsplash, lizenzfreie Bilder und Grafiken, open library: Elemnt5 DigitL: https://unsplash.com/de/fotos/eine-person-gibt-eine-stimme-in-ein-kastchen-ab-T9CXBZLUvic
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Für die CDU geht es im Super-Wahljahr 2026 um fast alles, und die AfD steht in Ostdeutschland vor ihrem Durchbruch als Regierungspartei.

 Alles oder nichts?

Die Wahlen 2026 rücken näher wie ein politisches Tiefdruckgebiet, dessen Zugbahn längst erkennbar ist, dessen genaue Wirkung aber noch niemand seriös berechnen kann. Mehrere Landtagswahlen, vor allem in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, fallen in eine Phase anhaltender wirtschaftlicher Unsicherheit, gesellschaftlicher Erschöpfung und wachsender Skepsis gegenüber den etablierten Parteien. In diesem Klima ist die Alternative für Deutschland, nicht mehr bloß Störfaktor, sondern ein dominierender Akteur. Für keine Partei gilt das stärker als für die CDU.

Die AfD geht mit Rückenwind ins Wahljahr 2026. Ihre Stärke speist sich weniger aus konkreten politischen Erfolgen als aus der Fähigkeit, Stimmungen zu bündeln. Sie agiert als Ventil für Frust über Migration, Energiepolitik, Inflation, Bürokratie und ein diffuses Gefühl kultureller Entfremdung. In Ostdeutschland kommt eine spezifische Erfahrung hinzu: das Empfinden, auch mehr als drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung politisch und wirtschaftlich nicht gleichrangig zu sein. Die AfD knüpft daran an und übersetzt dieses Gefühl in eine Erzählung von Benachteiligung und Widerstand.

Wer sind die wahren Kümmerer?

Für die CDU ist diese Entwicklung besonders brisant. Einst war sie im Osten eine Art staatstragende Klammer, Garant für Stabilität und Anschlussfähigkeit an den Westen. Heute wirkt sie dort vielerorts orientierungslos. Zwischen klarer Abgrenzung zur AfD und der Angst, große Wählergruppen dauerhaft zu verlieren, schwankt die Partei. Das Ergebnis ist oft strategische Unschärfe: zu hart für die politische Mitte, zu weich für rechts-konservative Wähler.

Die CDU im Osten steht vor einem strukturellen Problem, das sich 2026 zuspitzen dürfte. Ihre Wählerschaft ist überaltert, ihre Parteistrukturen sind ausgedünnt, ihr Personal wird häufig zwischen Landes- und Bundeslinie zerrieben. Gleichzeitig tritt die AfD dort nicht mehr als reine Protestpartei auf, sondern als selbstbewusste Machtoption. In manchen Regionen ist sie organisatorisch präsenter als die CDU, mit aktiven Kreisverbänden, ihren regelmäßigen Bürgerdialogen, klaren Botschaften und einer konsequenten Ansprache lokaler Themen. Die Christdemokraten hingegen wirken vielerorts wie Verwalter einer Vergangenheit, deren politische Versprechen verblasst sind.

Original oder Fälschung?

Hinzu kommt ein strategisches Dilemma: Jede klare inhaltliche Annäherung an AfD-Positionen droht bundespolitisch Schaden anzurichten, jede konsequente Abgrenzung verstärkt im Osten den Eindruck, die CDU höre nicht mehr zu. Dieses Spannungsfeld lähmt. Während die AfD polarisiert und mobilisiert, erklärt die CDU – oft defensiv, oft belehrend. Im Wahljahr 2026 könnte genau diese Asymmetrie wahlentscheidend werden.

Für die übrigen Parteien stellt sich die Lage kaum einfacher dar. Die SPD kämpft im Osten seit Jahren um politische Relevanz und soziale Glaubwürdigkeit. Die Grünen bleiben dort vielerorts eine urbane Minderheit. Neue Akteure wie das BSW und Bündnisse könnten zusätzlich fragmentieren, ohne das Grundproblem zu lösen, das Fehlen eines überzeugenden Gegenentwurfs zur AfD, der soziale Sicherheit, kulturelle Zugehörigkeit und politische Handlungsfähigkeit verbindet.

Die Würfel fallen

Das Wahljahr 2026 wird deshalb auch zu einer Weichenstellung für die politische Tektonik in Deutschland. Die zunehmende Präsenz der AfD verändert parlamentarische Abläufe, verschärft den Ton und zwingt andere Parteien zu permanenter Positionsbestimmung. Für die CDU im Osten geht es dabei um mehr als Prozentpunkte. Es geht um die Frage, ob sie dort wieder als gestaltende Kraft wahrgenommen wird oder dauerhaft zwischen AfD und Bedeutungslosigkeit zerrieben wird.

Am Ende steht eine unbequeme Wahrheit: Die Stärke der AfD ist kein Betriebsunfall, sondern Ausdruck realer politischer Leerstellen. 2026 wird zeigen, ob insbesondere die CDU bereit ist, diese Leerstellen zu füllen – mit klaren Angeboten, glaubwürdigem Personal und einer Sprache, die erklärt, statt ausweicht. Gelingt das nicht, könnte das Wahljahr 2026 rückblickend als Moment gelten, in dem sich politische Gewichte im Osten dauerhaft verschoben haben. Es geht um nichts weniger, als um die Frage: Wer wird die neue Volkspartei?

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