In Kürze:

  • Abstand von CDU und Grünen kurz vor der Landtagswahl vom 8. März geschrumpft
  • Özdemir und Hagel geraten in der SWR-„Wahlarena“ aneinander
  • Älteres Interview setzt den CDU-Kandidaten unter Druck
  • Zur wirtschaftlichen Erholung schlagen Kandidaten Sonderwirtschaftszonen und Abschaffung von Berichtspflichten vor

 

Neun Tage vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg haben die Spitzenkandidaten der sechs aussichtsreichsten Parteien am Donnerstagabend in der SWR-„Wahlarena“ Rede und Antwort gestanden.

Zu Beginn der Sendung sorgten die SWR-Moderatoren mit einer brandneuen Infratest-dimap-Umfrage für Aufregung, die die ARD in Auftrag gegeben hatte. Demnach könnten es die Grünen eventuell doch noch schaffen, mit dem früheren Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir erneut einen Ministerpräsidenten im „Ländle“ zu stellen.

Infratest dimap sieht CDU nur noch mit einem Punkt vorn

Die CDU mit 28 Prozent besitzt nach der Erhebung von Infratest dimap vom 26. Februar nämlich nur noch einen Zähler Vorsprung auf die Grünen, die sich innerhalb von gut vier Wochen um vier Prozentpunkte verbessern konnten.
Die Grafik zeigt die Wahlprojektion von Infratest Dimap für Baden-Württemberg zehn Tage vor der Wahl vom 8. März 2026. Auftraggeber war die ARD. Foto: Bildschirmfoto/„Dawum.de“

Die Grafik zeigt die Wahlprojektion von Infratest dimap für Baden-Württemberg zehn Tage vor der Wahl vom 8. März 2026. Auftraggeber war die ARD.

Laut INSA hatte die CDU am 23. Februar mit sechs Punkten Abstand vor den Grünen gelegen. Ein ähnliches Stimmungsbild hatte vor fünf Wochen auch Infratest dimap ausgewiesen. Damals standen die Christdemokraten bei 29, die Grünen bei 23 Prozent. Nun erscheint ein Ministerpräsident Manuel Hagel nicht mehr ganz so sicher.

Zwei Punkte Abstand bei der Forschungsgruppe Wahlen

Eine ebenfalls aktuelle Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen, die das ZDF in Auftrag gegeben hatte, kommt trotz des gegenläufigen Trends – starke Verluste für die Grünen, ein leichter Gewinn für die CDU – letztlich auf ein ähnliches Szenario: 27 Prozent für die CDU, 25 für die Grünen.
Die Grafik zeigt die Wahlprojektion der Forschungsgruppe Wahlen für Baden-Württemberg vom 27. Februar 2026. Gewählt wird am 8. März. Auftraggeber war das ZDF. Foto: Bildschirmfoto/X/„Deutschland wählt“

Die Balkengrafik zeigt die Wahlprojektion der Forschungsgruppe Wahlen für Baden-Württemberg vom 27. Februar 2026. Gewählt wird am 8. März. Auftraggeber war das ZDF.

Der „BaWü-Check“ zur Landtagswahl, eine von den baden-württembergischen Zeitungsverlagen an das Allensbach-Institut in Auftrag gegebene Umfrage mit 1.034 Menschen, zeichnet allerdings ein etwas anderes Bild.

Demnach konnten sich 32 Prozent der im Februar Befragten grundsätzlich vorstellen, ihr Kreuz bei der CDU zu machen. Lediglich 25 Prozent sagten das über die Grünen. Allensbach zufolge halten 20 Prozent die AfD für eine Wahloption. Bei der SPD waren es 16 Prozent, bei den Linken 12 und bei der FDP 11 Prozent. Die „SÜDWEST PRESSE“ wies jedoch darauf hin, dass bei dieser Frage Mehrfachnennungen erlaubt waren.

2021 hatten die Grünen mit ihrem nach nun 15 Jahren scheidenden Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann noch 32,6 Prozent geholt, die CDU 24,1 Prozent. Beide Parteien bilden seit 2016 eine grün-schwarze Koalition.

Özdemir bei Direktwahl am beliebtesten

Wenn der Landesvater direkt gewählt werden dürfte, wäre Özdemir nach der bereits erwähnten Forschungsgruppe-Wahlen-Umfrage für 42 Prozent der Bürger die erste Wahl. Nur 21 Prozent sähen momentan lieber Hagel als jüngsten Ministerpräsidenten Deutschlands in der Stuttgarter Staatskanzlei.
Wen würden sich die Baden-Württemberger als nächsten Ministerpräsidenten wünschen? Eine im Auftrag der ARD durchgeführte Infratest Dimap-Umfrage vom 26. Februar 2026 sieht die größte Beliebtheit bei Cem Özdemir (Grüne). Foto: Bildschirmfoto/X/„Deutschland wählt“

Wen würden sich die Baden-Württemberger als nächsten Ministerpräsidenten wünschen? Eine im Auftrag der ARD durchgeführte Infratest-dimap-Umfrage vom 26. Februar 2026 sieht die größte Beliebtheit bei Cem Özdemir (Grüne).

Der AfD-Spitzenkandidat Markus Frohnmaier landete bei der Frage nach dem Wunsch-Ministerpräsidenten mit 11 Prozent abgeschlagen auf Rang drei. Alle übrigen Fraktionen schließen eine Zusammenarbeit mit der AfD kategorisch aus. Bei der Bundespartei der Union gibt es seit 2018 bekanntlich sogar einen offiziellen Unvereinbarkeitsbeschluss (PDF), der sich allerdings auch auf die Linken erstreckt.

Acht Jahre altes Interview setzt Hagel unter Druck

Zu dem insgesamt geschrumpften Umfrageabstand der beiden „Platzhirsche“ CDU und Grüne und zur Beliebtheit Özdemirs hatte jüngst womöglich auch die grüne Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer aus Karlsruhe beigetragen. Sie veröffentlichte vor wenigen Tagen auf Instagram einen Ausschnitt aus einem acht Jahre alten Interview, in dem der damalige 29-jährige Generalsekretär der Landes-CDU bei der Beschreibung einer Begegnung mit einer 16-jährigen Realschülerin ins Schwärmen zu kommen scheint. (Originalvideo bei circa 4:10 auf „regio-tv.de“).

Beim „Triell“ des SWR am Dienstag ging Frohnmaier darauf ein. Er fragte Özdemir, ob er sich angesichts des alten Hagel-Interviews „gerade mit der Vergangenheit ihrer eigenen Partei“ eine Zusammenarbeit mit der CDU noch vorstellen könne.

Özdemir gab zurück, er sei sich sicher, dass der Christdemokrat „das heute nicht mehr so formulieren“ würde. Der frühere Sparkassenfilialleiter Hagel selbst räumte ein, dass seine damalige Aussage „Mist“ gewesen sei. Schon seine Ehefrau habe ihm seinerzeit noch am selben Abend „den Kopf gewaschen“ (Video ab circa 1:32:36 auf „YouTube“).
Als Gast des BNN-Leserforum in Baden-Baden zur anstehenden Landtagswahl hatte Hagel kürzlich ähnliche Worte verwendet und ergänzt, dass die Kritik von Mayer acht Jahre zu spät gekommen sei (Kurzvideo auf X).

Streit um Stuttgart 21

In der SWR-„Wahlarena“ wurde das Thema nicht mehr angesprochen. Dafür entbrannte zwischen den wahrscheinlichen künftigen Koalitionspartnern Özdemir und Hagel gegen Sendungsende ein ungewohnt hitziger Schlagabtausch um das seit Jahren stockende Stuttgart-21-Tiefbahnhofsprojekt.

Özdemir kritisierte die bisherige Leistung der politisch Verantwortlichen für das von seiner Partei ungeliebte Unterfangen, versprach aber auch Abhilfe: „Wir sorgen jetzt dafür, dass Stuttgart 21 hoffentlich funktioniert.“

Bis hier die ersten Züge abfahren, dürfte es noch etwas dauern. (Archivbild)

In der SWR-„Wahlarena“ am 26. Februar gerieten die beiden aussichtsreichsten Kandidaten, Manuel Hagel (CDU) und Cem Özdemir (Grüne), beim Thema Stuttgart 21 aneinander. (Archivbild)

Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Hagel konterte mit dem Argument, dass seit 15 Jahren ein grüner Landesverkehrsminister das Sagen habe: „Oftmals sind neue Prügel […] von Ihnen und Ihrer Partei wieder ins Projekt hineingeworfen worden“, attackierte Hagel Özdemir. Noch heute tue die „grüne Partei alles, aber wirklich alles, dass wir keine Geschwindigkeit in die Sache bekommen“. Er selbst setze sich dagegen für „schnellere Planungs- und Genehmigungsprozesse“ ein. „Wer ist denn für die Bahn verantwortlich?“, gab Özdemir zurück.

„Zunächst bin ich froh, dass in Baden-Württemberg die Zwangsheirat verboten ist – für die beiden Herren rechts und links von mir“, scherzte der FDP-Landesvorsitzende Hans-Ulrich Rülke. Ähnlich wie Hagel kritisiert Rülke, dass im Land 15 Jahre lang ein „Mobilitätsverhinderungsminister“ am Werk gewesen sei. Das Land sei gar nicht der Bauherr, sondern die Bahn, verteidigte sich wiederum Özdemir (Video ab circa 1:58:35 in der ARD-„Mediathek“).

Özdemir: „Quellen des Wohlstands“ sichern – Hagel: „Sonderwirtschaftszonen“ einrichten

Vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise hatte Özdemir zuvor versprochen, die „Quellen des Wohlstands“ zu sichern und zu erweitern, indem er neben Auto- und Motorbau auch die Branchen KI, Luft- und Raumfahrt, Verteidigung sowie die Gesundheits- und Kreativwirtschaft stärken wolle. Zudem werde er sämtliche Berichtspflichten für Unternehmen streichen.

Hagel sprach sich für „weniger Regulierung und mehr Investition“ aus, insbesondere im Bereich Photonik und Krebsforschung. Überstundenlöhne sollten seiner Meinung nach steuer- und sozialabgabenfrei gestellt werden. Amtliche Anträge sollen nach einer dreimonatigen Wartefrist automatisch als genehmigt gelten. Für jede neue Norm sollten zudem mindestens zwei ältere abgeschafft werden. Er wolle auch räumlich begrenzte „Sonderwirtschaftszonen“ einrichten, in denen Regulierungen ausgesetzt werden sollen, um Innovationen zu fördern.

Die Spitzenkandidaten von sechs Parteien waren am 26. Februar 2026 in der SWR-„Wahlarena“ zu Gast. Foto: Bildschirmfoto/ARD-„Mediathek“

Die Spitzenkandidaten von sechs Parteien waren am 26. Februar 2026 in der SWR-„Wahlarena“ zu Gast. Von links: Mersedeh Ghazaei (Linke), Andreas Stoch (SPD), Cem Özdemir (Grüne), Hans-Ulrich Rülke (FDP), Manuel Hagel (CDU) und Markus Frohnmaier (AfD).

Rülke begrüßte die Idee der Sonderwirtschaftszonen. Es gelte, speziell jene Unternehmen zu unterstützen, die Hilfe bei der Transformation bräuchten. Er zweifle aber, dass selbst bei einer FDP in Regierungsbeteiligung innerhalb von einem Jahr Ergebnisse erkennbar sein würden. „Bei der wirtschaftlichen Entwicklung wird es sicher zwei bis drei Jahre dauern, bis das tatsächlich am Arbeitsmarkt und vielleicht auch beim Wirtschaftswachstum ankommt“, so Rülke.

Der SPD-Kandidat Andreas Stoch plädierte dafür, Wissen aus den Hochschulen schneller auch kleinen und mittelständischen Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Die Arbeitsplatzverluste in der Autoindustrie sollten möglichst durch Aufwuchs in anderen Branchen aufgefangen werden. Entscheidend sei, dass das Land sich wieder in Richtung Technologieführerschaft entwickele.

Frohnmaier wies darauf hin, dass „sämtliche Probleme“, etwa mit den Berichtspflichten, den Energiekosten oder dem Kohle- und Kernkraftausstieg, von den bislang regierenden Parteien zu verantworten sind. Er selbst setze sich unter anderem für steuerliche Entlastungen der Bürger auch auf Bundesebene ein – wie etwa eine Mehrwertsteuersenkung und die Streichung von Grund- und Grunderwerbsteuern „zumindest für den Erstkauf“. Der Staat habe kein Einnahme-, sondern ein Ausgabeproblem.

Das schien Özdemir schwer zu missfallen. Er nannte Frohnmaier einen „Wolf im Schafspelz“, der „so viel Kreide gegessen“ habe, „dass es bald keine Kreide mehr in Baden-Württemberg gibt“. Er warf Frohnmaier vor, „unter vollständiger Kontrolle“ des russischen Geheimdiensts zu stehen. Der AfD-Kandidat stritt das ab.

Mersedeh Ghazaei von der Linkspartei sprach sich für eine „aktive Industriepolitik“ aus, die dafür sorgt, dass nicht noch mehr Menschen ihre Arbeit verlieren, sondern neue Arbeitsplätze schafft und den „Klimaschutz mitdenkt“.

Wahl schon ab 16 möglich

Erstmals in der Geschichte Baden-Württembergs sind schon 16-Jährige zur Wahl aufgerufen. Wie alle anderen haben sie dieses Mal zwei Stimmen: eine für den Direktkandidaten in einem der 70 Wahlkreise und eine für die Parteilandeslisten. Weitere Informationen zur Wahl und einen Wahl-O-Mat stellt die Landeszentrale für politische Bildung zur Verfügung.
Die Landtagswahl in Baden-Württemberg markiert den Auftakt des Superwahljahres 2026. Auch in Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin werden neue Landesparlamente gewählt.





Source link