Tobias Riegel kommentiert in diesem Artikel die medialen Reaktionen auf die Vorstellung der neuen Militärstrategie der Bundeswehr. Sie seien ein aktuelles Beispiel für die Praxis, die „Bedrohungslüge“ bezüglich Russland unkritisch als Fakt und als Begründung für den neuen Militarismus einfach zu akzeptieren. Der eigentliche Inhalt der Strategie bleibe geheim, aber der Öffentlichkeit seien die üblichen Phrasen präsentiert worden. Viele Medien würden anhand dieser Phrasen jedoch jetzt nicht etwa den neuen und zerstörerischen Militarismus monieren, sondern dass er nicht hart genug umgesetzt werde. Abgedruckte Leserbriefe geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Kürzungen aus redaktionellen Gründen bleiben vorbehalten. Wir haben dazu interessante Zuschriften erhalten und bedanken uns dafür. Es folgt nun eine Auswahl der Leserbriefe. Christian Reimann hat sie für Sie zusammengestellt.
1. Leserbrief
Guten Tag,
Medienversager, politische Versager, gesellschaftliche Versager, so können alle bezeichnet werden, die auf diesem Zug mitfahren, oder zum Mitfahren animieren. Es gibt keine Alternative zu Frieden und Völkerverständigung.
Auch kann ganz deutlich und laut gesagt werden, dass hier bewußt den Menschen die Unwahrheit gesagt wird.
Der grundgesetzliche Auftrag, dem Frieden verpflichtet zu sein, wird durch diese aggressive, vorgesehene Militärstrategie hintergangen. Für den grundgesetzlichen Auftrag der Bundeswehr zur Landesverteidigung braucht es keine weitreichenden Waffen und keine Soldaten an der russischen Grenze oder sonst wo im Ausland.
Anstatt einer Militärstrategie wird es höchste Zeit für eine neue Diplomatiestrategie mit dem Ziel eines guten Miteinanders unter allen Völkern. Alle Menschen, egal wo, brauchen und wollen Frieden.
Mit freundlichen Grüßen
Thomas Stöbe
2. Leserbrief
Hallo NDS,
als langjährigem Betrachter der Geschehnisse in Osteuropa kommt einem das kalte Grausen, verfolgt man, was hierzulande geplant und abgesondert wird, überkommen vom III. Reich. Ehe Russland den Donbass-Krieg, den die Ukraine 2014 mit der Beschießung von Demonstranten begonnen hat, 2022 ausgeweitet hat, habe ich jede westliche Provokation registriert mit dem Bemerken, das gibt Krieg. Ich habe diese Provokationen, z. B. zahlreiche Nato-Manöver an Russlands Grenzen vom Eis- bis zum Schwarzen Meer, nicht mehr alle in Erinnerung, möchte nur auf die Stationierung von US-Raketen in Polen und Rumänien hinweisen. Übrigens hatte Herr Steinmeier, als er noch Außenminister war, das westliche “Säbelrasseln” u. a. angeprangert, ruderte aber sofort zurück, als er deshalb angegangen wurde, u. a. von dem sattsam bekannten Herrn Röttgen, und ist seitdem ein sich überzeugt gebender kalter Krieger. Er wollte ja schließlich Bundespräsident werden.
Fritz Schmidt
3. Leserbrief
Was ist aus diesem Land geworden? Eine wahnsinnige Elite spuckt Gift und Galle im Geiste von 1914 und 1933. Eine Presse klatscht Beifall und liefert wichtigtuerisch aufgemotzte Begleitung im Stil von “Die Basis ist die Grundlage des Fundaments!”, nur noch um Potenzen aufgeblasener. Dabei gehen Infrastruktur, Industrie, Wirtschaft und Sozialstaat zugrunde.
Was kann helfen? Es gibt eine initiative “Deutschland neutral!”. Richtig und gut gemeint, aber zu schwach, zu “neutral”. Etwas Positives wäre angebracht.
Das Problem liegt tiefer. Es wurde sichtbar, als nach dem Anschluss der DDR sofort Berlin zur Hauptstadt wurde und der Regierungspalast “Reichstag” hieß statt Bundestag, was den realen Gegebenheiten entsprochen hätte. Berlin ist eine schöne Stadt. Aber es war auch die Hauptstadt von Bismarck, Willi Zwo und Hitler. Das steht dafür, das 1871 Deutschland preussisch wurde, anstatt Preussen deutsch. Letzteres sollte man endlich machen.
Deutschland ist ein schönes Land, mit vielfältiger Kultur, Sprache, Tradition und Landschaft. Das hat diesen Gleichschritt in den Untergang nicht verdient. Macht München zur Hauptstadt (Frankfurt nicht, das stinkt nach Geld). Und in Berlin werden Wohnungen gebaut und Brandenburg wird zum landwirtschaftlichen Paradies, Schwerter zu Pflugscharen!
Ein Anfang wäre, dass die Jugend zum Wehrdienst sagt: “Nein!”
Naive Grüße,
Kaspar Hauser
4. Leserbrief
Sehr geehrter Herr Riegel,
bei der Betrachtung des von ihnen kritisierten Medienversagens im Hinblick auf die nun in Deutschland geplante uferlose Aufrüstung möchte ich als Zeitzeugin des zweiten Weltkriegs darauf hinweisen, dass die heutige Journalisten-Generation keine blasse Ahnung davon hat, was Krieg für diejenigen bedeutet, die ihn erleben müssen.
Keine Ahnung von Sirenengeheul bei Tag und Nacht, Hasten in den Luftschutzkeller bei Todesangst, durch Bombentreffer verschüttet zu werden, wie das damals an der Tagesordnung war; das Haus, in dem man gewohnt hatte, bei der Heimkehr in Trümmern vorzufinden, bei Minusgraden dem Erfrierungstod ausgesetzt zu sein. Hat man mit Glück überlebt, musste man nicht nur Kälte, sondern auch Hunger und Entbehrungen aller Art erleiden.
Ungezählte Väter sind aus dem Krieg nicht mehr nach Hause gekommen; Mütter hatten buchstäblich nichts, was sie ihren Kindern zu essen geben konnten; weite Fußmärsche aufs Land, um etwas Essen gegen die letzten Wertsachen einzutauschen (meine Mutter gab ihren Ehering für ein paar faule Kartoffel und dein Achtel Liter Milch her) waren an der Tagesordnung.
Die Erfahrung lehrt, dass, wer massiv aufrüstet, irgendwann einen Krieg beginnen wird. Manchem jungen Journalisten scheint es damit nicht schnell genug zu gehen. Der Grund ist m.E., dass er Krieg mit all seinen schrecklichen Folgen nicht erlebt und keine Vorstellung davon hat, was er bedeutet.
Leider gibt es heute nur noch wenige, die Krieg und Zerstörung hautnah erlebt haben, um ihre Erfahrungen daraus ihren Enkeln schildern und sie zu einem Umdenken bewegen zu können.
Mit besten Grüßen
G. Fernekes
Anmerkung zur Korrespondenz mit den NachDenkSeiten
Die NachDenkSeiten freuen sich über Ihre Zuschriften, am besten in einer angemessenen Länge und mit einem eindeutigen Betreff.
Es gibt die folgenden E-Mail-Adressen:
Weitere Details zu diesem Thema finden Sie in unserer „Gebrauchsanleitung“.