HBO Max bringt mit „A Knight of the Seven Kingdoms“ ein neues „Game of Thrones“-Spin-off nach Deutschland. Während Fans jubeln, könnte die fragmentierte Streaminglandschaft den Erfolg dieser und anderer Serien beeinflussen


Nimm das, Netflix! HBO Max startet seine Offensive mit dem „Game of Thrones“-Spin-off „A Knight of the Seven Kingdoms“

Foto: HBO


Man kann es sich heute kaum mehr vorstellen, aber noch im Jahr 2011, als auf dem amerikanischen Kabelsender HBO die Serie Game of Thrones startete, dauerte es volle sechs Monate, bis man sie legal in Deutschland sehen konnte – auf dem Pay-TV-Sender TNT-Serie. Und das war bereits die neue Ära.

Um die Jahrtausendwende hatten deutsche Zuschauer auf hoch gehandelte Titel der neuen Welle von Qualitätsserien wie Sex and the City, Emergency Room oder Sopranos noch mindestens ein Jahr warten müssen. Als 2012 dann mit Staffel 2 von Game of Thrones Sky Atlantic die Ausstrahlung übernahm, reduzierte sich die Wartezeit nach der US-Premiere immerhin auf ein, zwei Monate. Erst für die letzten beiden Staffeln 2018 und 2019 stieg Sky zum Modell um, am Tag nach der Premiere in den USA zu senden.

Auf dem amerikanischen Markt steht der Titel Game of Thrones vor allem für erfolgreiches IP, „Intellectual Property“, das man in weiteren Spin-off-Serien ausschlachten möchte. Für den internationalen Streamingmarkt aber bildet Game of Thrones einen markanten Indikator dafür, wie sich die Marktlage in den letzten Jahrzehnten verwandelt hat. Dass HBO Max seinen Start auf dem deutschsprachigen Markt (zeitgleich in Deutschland, Österreich, Schweiz, Luxemburg und Liechtenstein) nun auf den Zeitpunkt legt, an dem mit A Knight of the Seven Kingdoms nach House of the Dragon die zweite Game-of-Thrones-Ableger-Serie startet, ist deshalb kein Zufall.

Dem neuen Spin-off – in der Chronologie der Erzählungen zwischen House of the Dragon und der Ursprungsserie angesiedelt – eilt zwar ein positiver, „Zurück zu den Wurzeln“-Vibe voraus, gleichzeitig macht die Rückkehr nach Westeros auch bewusst, wie fragmentiert das Streaming-Business geworden ist, seit die Klagen über die letzte Staffel von Game of Thrones 2019 einen „kulturellen Moment“ bildeten, der Fans in aller Welt zusammenbrachte.

Die Krankenhausserie des Moments: „The Pitt“

Das Angebot, mit dem HBO Max an den Start geht, repräsentiert folglich ein ganzes Spektrum der verschiedenen Seriengenres. Mit The Pitt hat HBO Max die erfolgreichste Krankenhausserie der Gegenwart im Portfolio, den amtierenden Emmy- und Golden-Globe-Gewinner und zudem eine Serie in der Nachfolge von Emergency Room, die dem Vorbild zwar Referenz erweist, aber mit seinem Realzeit-Format eine moderne Dringlichkeit aufweist und in seinen Handlungssträngen näher am aktuellen Trump-Amerika ist, als einem als Zuschauer manchmal lieb sein kann.

Mit Staffel 4 von Industry startet auf HBO Max zudem die Fortsetzung einer vom großen Publikum bislang unterschätzten, aber von Kritikern seit dem Start im Pandemie-Winter von 2020 hochgelobten Serie. Die britisch-amerikanische Produktion spielt in London, handelt von Bankern, Investoren, Start-ups und Politikern und leuchtet die schwärzeste Seite des Kapitalismus aus, mit komplexen Figuren, die das Finanzbusiness auf eine Weise vermenschlichen, die Nachvollziehbarkeit eindrücklich mit Unbehagen verbindet.

Die neue Staffel wagt dabei den Sprung, sich aus der bislang etablierten Welt einer einzigen Investment-Bank zu lösen und die Figuren sämtlich an neue Plätze zu versetzen, was in packender Weise Zuspitzung und Neuorientierung erlaubt.

Mit The Seduction schließlich geht eine neue, freie Adaption des Stoffs der Gefährlichen Liebschaften an den Start, prominent besetzt mit Stars wie Anamaria Vartolomei, Diane Kruger und Emily-in-Paris-Darsteller Lucas Bravo. Im Katalog von HBO Max findet der Serienfan außerdem die Klassiker Friends, Young Sheldon und The Big Bang Theory sowie die begehrten HBO-Eigenproduktionen Game of Thrones, The Sopranos, The White Lotus, Euphoria, Succession, The Wire, True Blood und viele mehr.

Neu auf HBO Max, aber gleichzeitig auch bei Sky

Nicht alle diese Titel sind exklusiv bei HBO Max: Da Sky lange Jahre die erste Anlaufstelle für HBO-Produktionen war, gibt es nun einige Dopplungen: So versichert Sky, dass der Abonnent die dort begonnenen Serien wie The White Lotus und House of Dragon auch zu Ende schauen kann. Sie werden also parallel ausgestrahlt. Wer sich aber auf die dritte Staffel von House of the Dragon mit der Ursprungsserie Game of Thrones auf den Stand bringen will, muss nun HBO Max abonnieren.

Für manche Streamingfans geht mit dem HBO-Max-Start ein später Traum in Erfüllung – vielleicht ja zu spät: Wie sagte Netflix-Chef Ted Sarandos 2013, ein Jahr bevor Netflix in Deutschland startete? Das Ziel sei es, schneller zu HBO zu werden, als umgekehrt aus HBO Netflix werden könne. Er hat dieses Ziel auf seine Weise verwirklicht, als Netflix im Dezember die Übernahme des Mutterkonzerns von HBO Max, Warner Bros., unterschrieb.

Ob es tatsächlich dazu kommt, hängt immer noch in der Luft. Warner hat gerade das erneute „feindliche“ Gegenangebot von Paramount abgelehnt und seinen Teilhabern empfohlen, beim Deal mit Netflix zu bleiben; Paramount hat Klage eingereicht. Wie es mit der Genehmigung durch die Behörde aussieht, steht ebenfalls in den Sternen.

Abgesehen von der politischen Lage – Paramount-Chef Ellison hat die besseren Verbindungen zur Trump-Regierung – stehen der Netflix-Übernahme berechtigte Antimonopol-Bedenken entgegen. Zusammen mit HBO Max würde Netflix im Streamingbereich eine Marktdominanz erreichen, die – so argumentiert Netflix – allenfalls von Youtube infrage gestellt wird. Es wird mindestens anderthalb Jahre dauern, bis das entschieden ist – und damit klar wird, wie es mit HBO Max schließlich weitergeht.

Sopranos noch mindestens ein Jahr warten müssen. Als 2012 dann mit Staffel 2 von Game of Thrones Sky Atlantic die Ausstrahlung übernahm, reduzierte sich die Wartezeit nach der US-Premiere immerhin auf ein, zwei Monate. Erst für die letzten beiden Staffeln 2018 und 2019 stieg Sky zum Modell um, am Tag nach der Premiere in den USA zu senden.Auf dem amerikanischen Markt steht der Titel Game of Thrones vor allem für erfolgreiches IP, „Intellectual Property“, das man in weiteren Spin-off-Serien ausschlachten möchte. Für den internationalen Streamingmarkt aber bildet Game of Thrones einen markanten Indikator dafür, wie sich die Marktlage in den letzten Jahrzehnten verwandelt hat. Dass HBO Max seinen Start auf dem deutschsprachigen Markt (zeitgleich in Deutschland, Österreich, Schweiz, Luxemburg und Liechtenstein) nun auf den Zeitpunkt legt, an dem mit A Knight of the Seven Kingdoms nach House of the Dragon die zweite Game-of-Thrones-Ableger-Serie startet, ist deshalb kein Zufall.Dem neuen Spin-off – in der Chronologie der Erzählungen zwischen House of the Dragon und der Ursprungsserie angesiedelt – eilt zwar ein positiver, „Zurück zu den Wurzeln“-Vibe voraus, gleichzeitig macht die Rückkehr nach Westeros auch bewusst, wie fragmentiert das Streaming-Business geworden ist, seit die Klagen über die letzte Staffel von Game of Thrones 2019 einen „kulturellen Moment“ bildeten, der Fans in aller Welt zusammenbrachte.Die Krankenhausserie des Moments: „The Pitt“Das Angebot, mit dem HBO Max an den Start geht, repräsentiert folglich ein ganzes Spektrum der verschiedenen Seriengenres. Mit The Pitt hat HBO Max die erfolgreichste Krankenhausserie der Gegenwart im Portfolio, den amtierenden Emmy- und Golden-Globe-Gewinner und zudem eine Serie in der Nachfolge von Emergency Room, die dem Vorbild zwar Referenz erweist, aber mit seinem Realzeit-Format eine moderne Dringlichkeit aufweist und in seinen Handlungssträngen näher am aktuellen Trump-Amerika ist, als einem als Zuschauer manchmal lieb sein kann.Mit Staffel 4 von Industry startet auf HBO Max zudem die Fortsetzung einer vom großen Publikum bislang unterschätzten, aber von Kritikern seit dem Start im Pandemie-Winter von 2020 hochgelobten Serie. Die britisch-amerikanische Produktion spielt in London, handelt von Bankern, Investoren, Start-ups und Politikern und leuchtet die schwärzeste Seite des Kapitalismus aus, mit komplexen Figuren, die das Finanzbusiness auf eine Weise vermenschlichen, die Nachvollziehbarkeit eindrücklich mit Unbehagen verbindet.Die neue Staffel wagt dabei den Sprung, sich aus der bislang etablierten Welt einer einzigen Investment-Bank zu lösen und die Figuren sämtlich an neue Plätze zu versetzen, was in packender Weise Zuspitzung und Neuorientierung erlaubt.Mit The Seduction schließlich geht eine neue, freie Adaption des Stoffs der Gefährlichen Liebschaften an den Start, prominent besetzt mit Stars wie Anamaria Vartolomei, Diane Kruger und Emily-in-Paris-Darsteller Lucas Bravo. Im Katalog von HBO Max findet der Serienfan außerdem die Klassiker Friends, Young Sheldon und The Big Bang Theory sowie die begehrten HBO-Eigenproduktionen Game of Thrones, The Sopranos, The White Lotus, Euphoria, Succession, The Wire, True Blood und viele mehr.Neu auf HBO Max, aber gleichzeitig auch bei SkyNicht alle diese Titel sind exklusiv bei HBO Max: Da Sky lange Jahre die erste Anlaufstelle für HBO-Produktionen war, gibt es nun einige Dopplungen: So versichert Sky, dass der Abonnent die dort begonnenen Serien wie The White Lotus und House of Dragon auch zu Ende schauen kann. Sie werden also parallel ausgestrahlt. Wer sich aber auf die dritte Staffel von House of the Dragon mit der Ursprungsserie Game of Thrones auf den Stand bringen will, muss nun HBO Max abonnieren.Für manche Streamingfans geht mit dem HBO-Max-Start ein später Traum in Erfüllung – vielleicht ja zu spät: Wie sagte Netflix-Chef Ted Sarandos 2013, ein Jahr bevor Netflix in Deutschland startete? Das Ziel sei es, schneller zu HBO zu werden, als umgekehrt aus HBO Netflix werden könne. Er hat dieses Ziel auf seine Weise verwirklicht, als Netflix im Dezember die Übernahme des Mutterkonzerns von HBO Max, Warner Bros., unterschrieb.Ob es tatsächlich dazu kommt, hängt immer noch in der Luft. Warner hat gerade das erneute „feindliche“ Gegenangebot von Paramount abgelehnt und seinen Teilhabern empfohlen, beim Deal mit Netflix zu bleiben; Paramount hat Klage eingereicht. Wie es mit der Genehmigung durch die Behörde aussieht, steht ebenfalls in den Sternen.Abgesehen von der politischen Lage – Paramount-Chef Ellison hat die besseren Verbindungen zur Trump-Regierung – stehen der Netflix-Übernahme berechtigte Antimonopol-Bedenken entgegen. Zusammen mit HBO Max würde Netflix im Streamingbereich eine Marktdominanz erreichen, die – so argumentiert Netflix – allenfalls von Youtube infrage gestellt wird. Es wird mindestens anderthalb Jahre dauern, bis das entschieden ist – und damit klar wird, wie es mit HBO Max schließlich weitergeht.



Source link