Jamie lebt mit seiner kranken Frau und seinem Sohn Spike auf der kleinen englischen Insel Lindisfarne. Spike ist zwölf und zusammen gehen Vater und Sohn mit Pfeil und Bogen bewaffnet aufs Festland. Ein Initiationsritus für Spike, es geht auf gemeinsame Jagd. In einer Waldlichtung entdecken sie einen Slow-Low – ein Wesen, das wie ein übermästetes Schwein auf dem nassen Boden robbt und einen elend langen Wurm wie eine Maccheroni in sich aufsaugt.
Jamie fordert seinen Sohn auf, den Slow-Low mit einem Halsschuss zu töten. Als dieser getroffen wird, schreit und quiekt er wie ein tollwütiges Wildschwein. Ein weiteres Exemplar greift seitlich an und wird ebenfalls erledigt. Als plötzlich ein dritter Slow-Low auftaucht, stellen Vater und Sohn fest, dass es sich um das Kind der soeben Getöteten handelt, das sie mit aufgerissenen Augen anschaut. Mit dem Leben verschont, flieht es in den Wald.
Diese Szene stammt aus dem 2025 erschienenen Film 28 Years Later von Danny Boyle. Die Slow-Lows sind Zombies, Menschen, die zuvor mit einem Virus infiziert wurden und dadurch mutierten. „Kill that bloody thing“ („Töte das verdammte Ding“), ruft Jamie später Spike zu, als sie von weiteren, diesmal wesentlich agileren Zombies attackiert werden.
Blutrünstig töten oder selber zum Teil der amorphen Zombie-Horde werden. Wir oder die anderen – das scheint der einzige Lebensinhalt der Gemeinde, die sich auf Lindisfarne eine autarke, wenn auch spärliche Existenz aufgebaut hat.
Die Angst vor Sklaverei und lebenden Toten
Zombies haben sich im Laufe der Jahrzehnte als die wandlungsfähigste Horror-Metapher in der Popkultur erwiesen. Im Kreolischen wird das Wort „zonbi“ für die Bezeichnung von Totengeistern verwendet. Während der US-Besatzung Haitis von 1915 bis 1934 schwappte das Wort in die amerikanische Literatur. In Victor Halperins Blaupause White Zombie aus dem Jahr 1934 werden Zombies als willenlose Sklavenarbeiter inszeniert. Die Anderen sind hier die Kolonialisierten und Ausgebeuteten. Rassistische Motive spielten genauso eine Rolle, wie die Angst der weißen Herrschaftsschicht, selbst Opfer von systematischer Sklaverei und Unterdrückung zu werden.
Oft wurden im 20. Jahrhundert Zombies als wiederauferstandene Leichen gezeigt. So unter anderem in Michael Jacksons Musikvideo zu Thriller von John Landis aus dem Jahr 1984. Aber auch in Europa war bis ins 18. Jahrhundert die Angst vor Zombies groß, auch wenn sie noch nicht so hießen. Damals sollte die Totenwache an Friedhöfen dafür sorgen, dass kein bereits Beerdigter die ewigen Ruhestätten unerlaubt verließ.
Ende der 1960er Jahre wurde das Genre von George A. Romero neu definiert. In Night of the Living Dead (1968) spielt die Thematisierung der Bürgerrechtsbewegung eine wesentliche Rolle. Schockierend wie sozialkritisch ist das Ende, in dem der afroamerikanische Protagonist Ben (Duane Jones) von einer weißen Bürgerwehr erschossen und mit den anderen gekillten Zombies auf einem Scheiterhaufen verbrannt wird.
In Romeros Dawn of the Dead von 1978 ist eine gigantische Shopping-Mall Schaubühne. Hier stehen die Zombies für den durch Kapitalismus manipulierten, gehirnamputierten Massenkonsumenten. In diesen Szenarien wird die moralische und ethische Frage danach, ob man Zombies töten darf oder nicht, dadurch legitimiert, dass die seelenlosen Wesen ja schon tot sind. Wie soll man Mord an einem bereits Toten begehen?
Zombie-Paradigmen-Shift im 21. Jahrhundert
Danny Boyles erster Zombie-Film von 2002 28 Days Later verschiebt diese Matrix. Hier werden die Menschen von einem Virus befallen, sind aber faktisch noch nicht tot, geschweige denn wieder auferstanden. Auch der südkoreanische Film Train to Busan von 2016 bedient sich der Epidemie-Metapher. Im Videospiel Last of Us, das später als Serie erfolgreich verfilmt wurde, sind es Pilzsporen, die die Welt in ein postapokalyptisches Setting tauchen.
Eine Zwischenform stellen Zombies in der Comicreihe und ihrer TV-Realisation The Walking Dead dar. Hier sterben die Menschen erst durch einen Virus, der aber wiederum dafür sorgt, dass die Infizierten mit minimalen Lebensfunktionen reanimiert herum marodieren.
In dieser gesetzlosen Welt sind auch gar nicht so sehr die Zombies die eigentlichen Feinde, sondern andere Menschen, die in einer ausgebrochenen Anarchie alle nach eigenen Vorteilen suchen und die Interessen ihrer Familien und Gemeinden vor die der anderen stellen. Zombies sind auch hier Spiegelkabinett der heutigen Gesellschaft und vor allem ihrer Ängste.
Wie man spätestens seit Corona weiß, kennt ein Virus keine Klassen und es kann jeden treffen. Man predigte und praktizierte Isolation, wenn nicht gar Aufrüstung (hier zum Glück oft nur mit Toilettenpapier und Hefe). Vielleicht erinnern sich noch einige an die heute bizarr wirkenden Bilder, in denen privilegierte Teilhaber der Mittel- und Oberklasse nach ihrer Home-Office-Schicht wie Könige in der Loge von den Balkons ihrer 5-Zimmer-Altbau-Wohnungen ins Nichts applaudierten, um ihrem Dank Ausdruck zu verleihen, dass unzählige Pflegekräfte und Mediziner:innen dafür sorgten, denen die Seuche vom Hals zu halten.
Im Lockdown halbwegs komfortabel leben zu können, war auch eine Frage des Status. Wer sich im eigenen Haus mit Garten verbarrikadierte, hatte es einfacher als die Familie mit drei Kindern in der Großstadt-Zweizimmerwohnung. Tech-Milliardäre bauen bis heute ihre unterirdischen Luxusbunker in Neuseeland aus oder kaufen gar ganze Inseln, um vor der nächsten Apokalypse gefeit zu sein.
Wo ziehen wir heute die Grenzen?
Jahre nach der Pandemie gibt es die reale Zombie-Bedrohung noch immer. Die genannten Zombie-Filme zeigen, dass es nur eine Frage der Definition ist, wo die Grenzen gezogen werden, um Menschen ihre Menschlichkeit und zugleich Würde abzusprechen. Sobald es um Selbsterhaltung geht, können jene Grenzen im Klassensystem nach oben hin fließend sein. Der bedrohliche Virus von heute ist in Zeiten der Rezession und globaler Krisen viel häufiger die Armut und die ständige Sorge vor dem sozialen Abstieg.
Frankfurt schämt sich für dieses Bahnhofsviertel. Die Wahrheit ist, es ist ein Zombieland. Da sind arme Menschen unterwegs, die mehr tot sind als lebendig
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Der Frankfurter CDU-Parteichef Nils Kößler äußerte sich im Januar auf einer Veranstaltung wie folgt: „Frankfurt schämt sich für dieses Bahnhofsviertel. Die Wahrheit ist, es ist ein Zombieland. Da sind arme Menschen unterwegs, die mehr tot sind als lebendig.“ Stärkere Repression durch mehr Polizeipräsenz ist Kößlers propagiertes Mittel der Wahl.
Damit ist er im Einklang mit der Berliner CDU, die bis heute glaubt, durch Ein- oder besser Abzäunung der Obdachlosen- und Drogenproblematik am Görlitzer Park in Kreuzberg Herr zu werden. Bislang ohne Erfolg. Anwohnende berichten, das Problem sei seit der nächtlichen Schließung „explodiert“. „Wir haben Angst um unser Leben“, zitiert der Tagesspiegel Menschen, die in Parknähe wohnen. Mit Zäunen bekämpft man Symptome, keine Ursachen.
Während in Deutschland die Zahl der Obdach- und Wohnungslosen ständig steigt (unter Minderjährigen hat sich die Zahl in den letzten drei Jahren gar verdreifacht) und somit auch die Zahl derer, die sich in Drogenproblemen verfangen, findet ein sozialer Shift statt, der es offenbar (wieder) zulässt, Arme und mutmaßlich Verwahrloste wie Zombies – also untote Wesen ohne Menschenrechte – zu behandeln.
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Die Gewalt gegenüber Obdachlosen wächst. 2024 wurden in Berlin 498 Gewaltfälle an Obdachlosen polizeilich gemeldet. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher ausfallen. Für das Jahr 2025 schätzt die Polizei eine Zunahme von 20 Prozent. Nicht zuletzt wurden im Winter mehrere Kältebusse in Brand gesetzt. Auch andere Großstädte wie Hamburg berichten von einer steigenden Gewalt gegenüber Obdachlosen.
Zombies existieren klassenübergreifend
Hinzu kommen Drogen wie Fentanyl. In den USA wird seit einigen Jahren das Opioid mit dem Betäubungsmittel Xylazin gestreckt, was als „Tranq“ oder auch „Zombie Drug“ verheerende Folgen hat. Nicht nur, dass Konsumierende sich wie Film-Zombies bewegen, auch zerfrisst der Cocktail die Haut der Abhängigen von innen, was die Stigmatisierung der Betroffenen und die verängstigte Abschottung durch die Bevölkerung nur noch verstärkt.
Die Zombies lernen, sie imitieren die Menschen, was wiederum die Frage aufwirft, ob sich die Menschen wie Zombies benehmen
Schon 2005 erklärte der 2017 verstorbene George A. Romero in einem Interview, er denke, „dass Zombies wie wir sind. Die größten Monster sind doch sowieso unsere Nachbarn, der schlimmste Horror befindet sich immer direkt nebenan. Die Zombies lernen, sie imitieren die Menschen, was wiederum die Frage aufwirft, ob sich die Menschen wie Zombies benehmen.“
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Und dass mit Zombies nicht nur die Ausgestoßenen gemeint sind, sondern auch „die da oben“, musste die nigerianische Afrobeat-Legende Fela Kuti 1976 am eigenen Leib erfahren. Er veröffentlichte den Song Zombie, in dem er die Soldaten der Militärdiktatur kritisierte („Zombie no go think, unless you tell ’em to think“). Daraufhin wurde Kuti zum Staatsfeind erklärt, sein Studio von über tausend Soldaten gestürmt und das Gebäude in Brand gesetzt.
Fela Kuti überlebte den Angriff schwer verletzt. Die Soldaten warfen aber auch seine Mutter aus dem Fenster des ersten Stocks. Wenig später erlag sie ihren Verletzungen.
t, stellen Vater und Sohn fest, dass es sich um das Kind der soeben Getöteten handelt, das sie mit aufgerissenen Augen anschaut. Mit dem Leben verschont, flieht es in den Wald.Diese Szene stammt aus dem 2025 erschienenen Film 28 Years Later von Danny Boyle. Die Slow-Lows sind Zombies, Menschen, die zuvor mit einem Virus infiziert wurden und dadurch mutierten. „Kill that bloody thing“ („Töte das verdammte Ding“), ruft Jamie später Spike zu, als sie von weiteren, diesmal wesentlich agileren Zombies attackiert werden.Blutrünstig töten oder selber zum Teil der amorphen Zombie-Horde werden. Wir oder die anderen – das scheint der einzige Lebensinhalt der Gemeinde, die sich auf Lindisfarne eine autarke, wenn auch spärliche Existenz aufgebaut hat.Die Angst vor Sklaverei und lebenden TotenZombies haben sich im Laufe der Jahrzehnte als die wandlungsfähigste Horror-Metapher in der Popkultur erwiesen. Im Kreolischen wird das Wort „zonbi“ für die Bezeichnung von Totengeistern verwendet. Während der US-Besatzung Haitis von 1915 bis 1934 schwappte das Wort in die amerikanische Literatur. In Victor Halperins Blaupause White Zombie aus dem Jahr 1934 werden Zombies als willenlose Sklavenarbeiter inszeniert. Die Anderen sind hier die Kolonialisierten und Ausgebeuteten. Rassistische Motive spielten genauso eine Rolle, wie die Angst der weißen Herrschaftsschicht, selbst Opfer von systematischer Sklaverei und Unterdrückung zu werden.Oft wurden im 20. Jahrhundert Zombies als wiederauferstandene Leichen gezeigt. So unter anderem in Michael Jacksons Musikvideo zu Thriller von John Landis aus dem Jahr 1984. Aber auch in Europa war bis ins 18. Jahrhundert die Angst vor Zombies groß, auch wenn sie noch nicht so hießen. Damals sollte die Totenwache an Friedhöfen dafür sorgen, dass kein bereits Beerdigter die ewigen Ruhestätten unerlaubt verließ. Ende der 1960er Jahre wurde das Genre von George A. Romero neu definiert. In Night of the Living Dead (1968) spielt die Thematisierung der Bürgerrechtsbewegung eine wesentliche Rolle. Schockierend wie sozialkritisch ist das Ende, in dem der afroamerikanische Protagonist Ben (Duane Jones) von einer weißen Bürgerwehr erschossen und mit den anderen gekillten Zombies auf einem Scheiterhaufen verbrannt wird.In Romeros Dawn of the Dead von 1978 ist eine gigantische Shopping-Mall Schaubühne. Hier stehen die Zombies für den durch Kapitalismus manipulierten, gehirnamputierten Massenkonsumenten. In diesen Szenarien wird die moralische und ethische Frage danach, ob man Zombies töten darf oder nicht, dadurch legitimiert, dass die seelenlosen Wesen ja schon tot sind. Wie soll man Mord an einem bereits Toten begehen?Zombie-Paradigmen-Shift im 21. JahrhundertDanny Boyles erster Zombie-Film von 2002 28 Days Later verschiebt diese Matrix. Hier werden die Menschen von einem Virus befallen, sind aber faktisch noch nicht tot, geschweige denn wieder auferstanden. Auch der südkoreanische Film Train to Busan von 2016 bedient sich der Epidemie-Metapher. Im Videospiel Last of Us, das später als Serie erfolgreich verfilmt wurde, sind es Pilzsporen, die die Welt in ein postapokalyptisches Setting tauchen.Eine Zwischenform stellen Zombies in der Comicreihe und ihrer TV-Realisation The Walking Dead dar. Hier sterben die Menschen erst durch einen Virus, der aber wiederum dafür sorgt, dass die Infizierten mit minimalen Lebensfunktionen reanimiert herum marodieren.In dieser gesetzlosen Welt sind auch gar nicht so sehr die Zombies die eigentlichen Feinde, sondern andere Menschen, die in einer ausgebrochenen Anarchie alle nach eigenen Vorteilen suchen und die Interessen ihrer Familien und Gemeinden vor die der anderen stellen. Zombies sind auch hier Spiegelkabinett der heutigen Gesellschaft und vor allem ihrer Ängste.Wie man spätestens seit Corona weiß, kennt ein Virus keine Klassen und es kann jeden treffen. Man predigte und praktizierte Isolation, wenn nicht gar Aufrüstung (hier zum Glück oft nur mit Toilettenpapier und Hefe). Vielleicht erinnern sich noch einige an die heute bizarr wirkenden Bilder, in denen privilegierte Teilhaber der Mittel- und Oberklasse nach ihrer Home-Office-Schicht wie Könige in der Loge von den Balkons ihrer 5-Zimmer-Altbau-Wohnungen ins Nichts applaudierten, um ihrem Dank Ausdruck zu verleihen, dass unzählige Pflegekräfte und Mediziner:innen dafür sorgten, denen die Seuche vom Hals zu halten.Im Lockdown halbwegs komfortabel leben zu können, war auch eine Frage des Status. Wer sich im eigenen Haus mit Garten verbarrikadierte, hatte es einfacher als die Familie mit drei Kindern in der Großstadt-Zweizimmerwohnung. Tech-Milliardäre bauen bis heute ihre unterirdischen Luxusbunker in Neuseeland aus oder kaufen gar ganze Inseln, um vor der nächsten Apokalypse gefeit zu sein.Wo ziehen wir heute die Grenzen?Jahre nach der Pandemie gibt es die reale Zombie-Bedrohung noch immer. Die genannten Zombie-Filme zeigen, dass es nur eine Frage der Definition ist, wo die Grenzen gezogen werden, um Menschen ihre Menschlichkeit und zugleich Würde abzusprechen. Sobald es um Selbsterhaltung geht, können jene Grenzen im Klassensystem nach oben hin fließend sein. Der bedrohliche Virus von heute ist in Zeiten der Rezession und globaler Krisen viel häufiger die Armut und die ständige Sorge vor dem sozialen Abstieg. Frankfurt schämt sich für dieses Bahnhofsviertel. Die Wahrheit ist, es ist ein Zombieland. Da sind arme Menschen unterwegs, die mehr tot sind als lebendigNils Kößler, CDU-Parteichef in Frankfurt am Main, im Januar 2026Placeholder image-1Der Frankfurter CDU-Parteichef Nils Kößler äußerte sich im Januar auf einer Veranstaltung wie folgt: „Frankfurt schämt sich für dieses Bahnhofsviertel. Die Wahrheit ist, es ist ein Zombieland. Da sind arme Menschen unterwegs, die mehr tot sind als lebendig.“ Stärkere Repression durch mehr Polizeipräsenz ist Kößlers propagiertes Mittel der Wahl.Damit ist er im Einklang mit der Berliner CDU, die bis heute glaubt, durch Ein- oder besser Abzäunung der Obdachlosen- und Drogenproblematik am Görlitzer Park in Kreuzberg Herr zu werden. Bislang ohne Erfolg. Anwohnende berichten, das Problem sei seit der nächtlichen Schließung „explodiert“. „Wir haben Angst um unser Leben“, zitiert der Tagesspiegel Menschen, die in Parknähe wohnen. Mit Zäunen bekämpft man Symptome, keine Ursachen.Während in Deutschland die Zahl der Obdach- und Wohnungslosen ständig steigt (unter Minderjährigen hat sich die Zahl in den letzten drei Jahren gar verdreifacht) und somit auch die Zahl derer, die sich in Drogenproblemen verfangen, findet ein sozialer Shift statt, der es offenbar (wieder) zulässt, Arme und mutmaßlich Verwahrloste wie Zombies – also untote Wesen ohne Menschenrechte – zu behandeln.!—- Parallax text ends here —-!Die Gewalt gegenüber Obdachlosen wächst. 2024 wurden in Berlin 498 Gewaltfälle an Obdachlosen polizeilich gemeldet. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher ausfallen. Für das Jahr 2025 schätzt die Polizei eine Zunahme von 20 Prozent. Nicht zuletzt wurden im Winter mehrere Kältebusse in Brand gesetzt. Auch andere Großstädte wie Hamburg berichten von einer steigenden Gewalt gegenüber Obdachlosen.Zombies existieren klassenübergreifendHinzu kommen Drogen wie Fentanyl. In den USA wird seit einigen Jahren das Opioid mit dem Betäubungsmittel Xylazin gestreckt, was als „Tranq“ oder auch „Zombie Drug“ verheerende Folgen hat. Nicht nur, dass Konsumierende sich wie Film-Zombies bewegen, auch zerfrisst der Cocktail die Haut der Abhängigen von innen, was die Stigmatisierung der Betroffenen und die verängstigte Abschottung durch die Bevölkerung nur noch verstärkt.Die Zombies lernen, sie imitieren die Menschen, was wiederum die Frage aufwirft, ob sich die Menschen wie Zombies benehmenGeorge A. Romero, 2005Schon 2005 erklärte der 2017 verstorbene George A. Romero in einem Interview, er denke, „dass Zombies wie wir sind. Die größten Monster sind doch sowieso unsere Nachbarn, der schlimmste Horror befindet sich immer direkt nebenan. Die Zombies lernen, sie imitieren die Menschen, was wiederum die Frage aufwirft, ob sich die Menschen wie Zombies benehmen.“Placeholder image-2Und dass mit Zombies nicht nur die Ausgestoßenen gemeint sind, sondern auch „die da oben“, musste die nigerianische Afrobeat-Legende Fela Kuti 1976 am eigenen Leib erfahren. Er veröffentlichte den Song Zombie, in dem er die Soldaten der Militärdiktatur kritisierte („Zombie no go think, unless you tell ’em to think“). Daraufhin wurde Kuti zum Staatsfeind erklärt, sein Studio von über tausend Soldaten gestürmt und das Gebäude in Brand gesetzt.Fela Kuti überlebte den Angriff schwer verletzt. Die Soldaten warfen aber auch seine Mutter aus dem Fenster des ersten Stocks. Wenig später erlag sie ihren Verletzungen.