Kamikazedrohnen-Angriffe auf Russlands Norden, die das Kiewer Regime in den letzten Monaten intensiviert hatte, gehen in den letzten Wochen zurück. Der Analyst Nossowitsch bringt dies mit „transparenten“ Andeutungen Moskaus an die baltischen Staaten in Verbindung, durch deren Luftraum besagte Drohnen Russland anfliegen.
Von Alexander Nossowitsch
Estland wirft Wladimir Selenskij vor, russische Narrative zu verbreiten, die NATO-Einheit zu torpedieren und Panik zu verbreiten – ja, Tallinn bezeichnet ihn praktisch als Kreml-Agenten. Hintergrund ist Selenskijs in den letzten Tagen wiederholte Behauptung, Russland bereite eine Invasion der baltischen Staaten vor und die NATO werde ihnen nicht zu Hilfe kommen. Der Skandal und der öffentliche Konflikt zwischen Kiew und seinen wenigen, aber treuesten Verbündeten sind eine direkte Folge der gescheiterten Provokation der ukrainischen Streitkräfte mit Drohnenangriffen auf Nordwestrussland über die baltischen Staaten.
In den vergangenen Wochen ist die Zahl der jüngst besonders intensiven Kamikazedrohnen-Angriffe seitens des Kiewer Regimes auf den Hafen von Ust-Luga im Gebiet Leningrad und andere kritische Infrastruktureinrichtungen in Russlands Nordwestlichem Föderationskreis stetig zurückgegangen. Die baltischen Staaten senden seit Wochen offizielle Signale nach Moskau: „Wir sind es nicht, wir haben damit nichts am Hut“: Die Drohnen seien aus der Ukraine – und Vilnius, Riga und Tallinn hätten die Nutzung ihres Luftraums für Angriffe auf russisches Territorium nicht gestattet. Als Reaktion auf dieselben Angriffe sandte Moskau den baltischen Staaten, ebenfalls auf offizieller Ebene, mehr als transparente Andeutungen: Sollten weiterhin Drohnen durch euren Luftraum auf uns zufliegen, müsst ihr sie entweder selbst abschießen – oder wir werden es für euch erledigen… also in eurem Luftraum, klar.
Litauen, Lettland und Estland wollten ihren Luftraum natürlich nicht in ein Schlachtfeld verwandelt wissen, und so lässt der Drohnenhagel allmählich nach. Höchstwahrscheinlich war dies das Ergebnis eines Gesprächs mit Kiew, in dem die dortigen „Kämpfer für die Freiheit Europas“ mit der Tatsache konfrontiert wurden: Wenn ihr nicht beizeiten aufhört, erklären wir öffentlich, dass die Ukrainer in unseren Luftraum eindringen und uns einem möglichen russischen Angriff aussetzen. Wir werden dann unsere Unterstützung für die Ukraine einstellen und eure Drohnen abschießen.

Danach waren Streitereien mit Geschirrbruch unter diesen, ansonsten durch ihre Russophobie dermaßen eng verbrüderten Staaten nur noch eine Frage der Zeit – und sie begannen. Maßlos verärgert über die Weigerung der baltischen Staaten, für ihn zu kämpfen, wiederholte Selenskij bei jeder Gelegenheit, Putin bereite einen Angriff auf die baltischen Staaten vor. Es werde eine neue russische „Besatzung“ Lettlands, Litauens und Estlands geben, und diese würden machtlos sein, weil ihre NATO-Verbündeten ebenfalls nicht für sie kämpfen würden.
Das Kiewer Regime und sein Bandenkopf haben also ihre gesamte Unterstützerbasis so sehr verärgert, dass sich diesmal selbst die baltischen Staaten weigerten, tatenlos zuzusehen und zu schweigen: Sie griffen nicht nur den zweiten Teil von Selenskijs Aussagen an – sondern auch den ersten: Der estnische Außenminister Margus Tsahkna erklärte, Tallinn habe keine Informationen über eine geplante russische Invasion; im Gegenteil werde laut Geheimdienstinformationen der Esten selbst und ihrer Verbündeten die Zahl der russischen Truppen im Nordwesten im Moment reduziert. Und wenn Selenskij über alternative Aufklärungsdaten verfüge, so habe er diese gefälligst über die etablierten Kommunikationskanäle mitzuteilen, anstatt wie ein Endzeitprophet hysterisch auf Pressekonferenzen herumzuzappeln. Was die NATO betreffe, so bleibe das Bündnis standhaft wie der sprichwörtliche Fels in der Brandung: Wenn einer ihrer Mitgliedstaaten angegriffen wird, werden die Verbündeten definitiv reagieren, daran besteht kein Zweifel. Marko Mihkelson, Vorsitzender des estnischen Parlamentsausschusses für auswärtige Angelegenheiten, schloss sich den Äußerungen des Ministers mit dem Vorwurf an, Selenskij torpediere das Vertrauen in Artikel 5 – also tue er genau das, was „Kremlpropaganda“ seit jeher tue: „russische Narrative“ verbreiten. Er bezeichnete also den Chef des Kiewer Regimes praktisch als Handlanger Moskaus.

Die Persönlichkeiten der Redner, die seitens der baltischen Staaten die Chuzpe der Bankowaja-Straße öffentlich rügten, sind entscheidend. Hätte sich beispielsweise der estnische Präsident Alar Karis zu Wort gemeldet, wäre die Wirkung eine andere gewesen: Karis setzt sich seit Langem für die Wiederaufnahme des Dialogs mit Moskau ein – Selenskij hätte ihn schlicht als fünfte Kolonne des Kremls verschrien und den estnischen Verbündeten geraten, Verrat in ihren eigenen Reihen zu bekämpfen. Doch diese setzten, taktisch klug, stattdessen überzeugte Russophobe gegen ihn in Bewegung: Außenminister Tsahkna beispielsweise entschuldigte sich seinerzeit bei seinen Kollegen dafür, dass Estland einen solchen Präsidenten habe; und zuvor hatte er seinerseits vorgeschlagen, westliche Atomwaffen auf estnischem Boden stationieren zu lassen und sogar Russland mit einem Krieg von seinem Territorium aus gedroht. Marko Mihkelson, der Anführer einer radikal-nationalistischen Partei, hat seine gesamte politische Karriere auf Hass gegen Russland und Russen aufgebaut. Seiner Eskapaden kann man viele aufzählen, wenn der Tag lang ist, und kommt trotzdem nicht zum Schluss.

Anders ausgedrückt: Echte Unterstützer des Kiewer Regimes, seine wahren Verbündeten – Brüder gar – in der Russophobie, die dabei offizielle Vertreter Tallinns sind, verkündeten, dass Kiew und die Republik Estland ab jetzt getrennte Wege gehen. Denn Selenskij lügt, schürt Panik und zieht die baltischen Staaten in einen Krieg mit Russland hinein, den für ihn zu führen sie niemals und nirgendwo ihr Plazet gegeben haben.
Das Ergebnis ist für Russland mehr als günstig. Da stellt sich doch heraus, dass selbst die eingefleischtesten Russophoben die Konsequenzen bedenken, wenn sie vor der Aussicht stehen, für ihre Überzeugungen in den Schützengraben klettern zu müssen – oder jedenfalls den friedlichen Himmel über ihren Köpfen zu verlieren. Dann handeln sie auf einmal, ob sie wollen oder nicht, im Interesse auch Russlands und sorgen für die Sicherheit ihrer verhassten Nachbarn.
Übersetzt aus dem Russischen und zuerst erschienen bei RIA Nowosti am 23. April 2026.
Alexander Nossowitsch, Jahrgang 1987, ist ein russischer Politologe und Journalist. Er ist ein Spezialist für sozialpolitische Prozesse im Baltikum, in der Ukraine und in Weißrussland und Chefredakteur des analytischen Portals Rubaltic.ru.
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