Die Legende von der Schlammschlacht um Lützerath hat jetzt schon ihren Platz in den Annalen der Klimabewegung, in den Annalen der Bewegungsgeschichte sicher. Ja, es stimmt. Wir waren trotz der 35.000 Menschen, die trotz strömenden Regens und Sturm ins Rheinland gekommen waren, um Lützerath zu befreien, nicht in der Lage, die extrem gut aufgestellten Verteidigungsringe der vom klugen (und „grünen“-typisch heuchlerischen) Knuddelgeneral Dirk Weinspach (Polizeipräsident Aachen und Grünen-Mitglied, Anm. d. Red.) befehligten Einsatzkräfte zu durchbrechen, die verbleibenden Besetzer*innen in Lützerath – allen voran die Held*innen Pinky und Brain, die weiterhin in ihrem Tunnel ausharren – zu entlasten.

Aber so wichtig es auch gewesen wäre, Lützerath physisch zu verteidigen – wir sind, after all, mitten in der Klimakatastrophe, in Kalifornien zum Beispiel wurde wegen Sturmfluten und Unwettern gerade im ganzen Bundesstaat der Notstand ausgerufen, und reine „politische“ Erfolge reichen einfach nicht mehr – so wichtig ist es jetzt, den „battle of the story“ zu gewinnen, zu bestimmen, was „Lützerath“ in Zukunft bedeuten wird, welche Geschichten die heiße Phase des Kampfes überdauern werden. Was die „Geschichte“ (im Sinne von History, nicht nur Story) über Lützerath sagen wird.

Drei Geschichten erscheinen mir hier offensichtlich:

  1. Es gibt eine alte, und eine neue Welt. In der alten Welt, die sich qua staatliches Gewaltmonopol und gigantischer polizeilicher Übermacht einerseits, und grüner politischer Unterstützung andererseits, gegen die neue Welt durchgesetzt hat, gilt das Gesetz des Stärkeren, das Gesetz des Profits, gilt die unerbittliche Logik des Kapitals, die in jedem Bisschen Natur eine Ressource, in jedem wahrhaft menschlichen Begehren eine Barriere sieht, die es zu überwinden gilt. Diese alte Welt des fossilen Kapitalismus frisst sich, wie das „Nichts“ in Michael Endes „Unendlicher Geschichte“ immer weiter in Erde hinein, und die neue Welt steht auf, um die Erde, um unser aller Überleben, gegen die alte, die zerstörerische Welt zu verteidigen. Ein Freund, der gestern auf der Demo filmte und fotografierte, erzählte von einer Gruppe junger Fridays-For-Future-Aktivist*innen, die komplett schwarz vermummt ganz offensichtlich nicht da war, um Greta Thunbergs Rede zu hören, sondern um Lützerath zu befreien, wenn notwendig auch durch Rechtsbrüche. The kids are alright. The old world is not.
  2. Die (fürderhin bitte nur noch mit „“, airquotes, oder „sogenannten“/„selbsternannten“) „Grünen“ haben gezeigt, auf welcher Seite sie stehen: auf der Seite der alten Welt. Je näher an der Macht, desto weiter entfernt von grünen Prinzipien, stehen diese Prinzipien doch im direkten Widerspruch zur o.g. Logik des Kapitals. Und wer in Deutschland, wer im Kapitalismus regiert, tut dies auch immer für und im Auftrag mächtiger Kapitalfraktionen, weshalb in Deutschland jede Partei, jede Regierung eine Autopartei, eine Autoregierung ist, egal ob rot oder grün, gelb oder schwarz. Die Grünen sind – weil Deutschland – eine Partei des Fossilismus geworden (vgl. Gasausbau), weshalb gilt: Wer nach Lützerath die „Grünen“ noch wählt, weil er Klimaschutz will, ist selbst dran schuld.
  3. Der Kampf um Lützerath hat gezeigt: wenn die #Klimabewegung geeint steht, von NGOs über Fridays zu Extinction Rebellion, von der Letzten Generation über Ende Gelände hin zum anarchistischen Flügel & bürgerlichen Radikalen, dann sind wir eine Macht, an der niemand so leicht vorbeikommt (Vgl. #Hambi und als Gegenbeispiel die Kohlekommission). Unsere standhafte und glaubhafte Verteidigung Lützeraths hat erstens dazu beigetragen, zwei wichtige Grüne – Neubaur und Habeck – zu beschädigen, aber noch viel wichtiger, die symbolische Verbindung zwischen den Grünen und dem Thema „Klimaschutz“ zu schwächen. Was einer Partei geschieht, die diese symbolische Verbindung zu einem ihrer zentralen „Werte“ (die nichts mit tatsächlicher Politik oder Fakten zu tun haben müssen – s. FDP und „Freiheit“ – es sind einfach nur Zuschreibungen) verliert, zeigte die SPD nach Hartz IV. Wer auch immer nächstes Mal der Klimabewegung etwas verspricht, und dieses Versprechen dann bricht, sollte sich auf „a world of political pain“ einstellen, courtesy of a powerful, angry and united climate movement.

Soviel erstmal dazu, soviel erstmal aus Lützerath – ich bin auf dem Heimweg, die letzte Woche war anstrengend, auch wenn sie am Ende ein energetisches Nettopositivum darstellt. Will sagen: wenn Bewegung funktioniert, kommt mehr raus, als man reinsteckt. Trotzdem bin ich erschöpft, und freu mich auf meine Couch und meinen Wolf.

Tadzio Müller ist seit 2007 in der Klimabewegung aktiv. Er organisierte u.a. Proteste bei Klimagipfeln, die Aktionen von Castor Schottern zur Blockade von Castortransporten sowie die Aktionen von Ende Gelände zur Besetzung von Tagebauen. Bis 2021 war Müller Referent für Klimagerechtigkeit bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Heute ist er freier Autor und betreibt den Newsletter „Friedliche Sabotage – für Klimagerechtigkeit und gegen den Normalwahnsinn“, in dem dieser Text zuerst erschienen ist

Pinky und Brain, die weiterhin in ihrem Tunnel ausharren – zu entlasten.Aber so wichtig es auch gewesen wäre, Lützerath physisch zu verteidigen – wir sind, after all, mitten in der Klimakatastrophe, in Kalifornien zum Beispiel wurde wegen Sturmfluten und Unwettern gerade im ganzen Bundesstaat der Notstand ausgerufen, und reine „politische“ Erfolge reichen einfach nicht mehr – so wichtig ist es jetzt, den „battle of the story“ zu gewinnen, zu bestimmen, was „Lützerath“ in Zukunft bedeuten wird, welche Geschichten die heiße Phase des Kampfes überdauern werden. Was die „Geschichte“ (im Sinne von History, nicht nur Story) über Lützerath sagen wird.Drei Geschichten erscheinen mir hier offensichtlich:Es gibt eine alte, und eine neue Welt. In der alten Welt, die sich qua staatliches Gewaltmonopol und gigantischer polizeilicher Übermacht einerseits, und grüner politischer Unterstützung andererseits, gegen die neue Welt durchgesetzt hat, gilt das Gesetz des Stärkeren, das Gesetz des Profits, gilt die unerbittliche Logik des Kapitals, die in jedem Bisschen Natur eine Ressource, in jedem wahrhaft menschlichen Begehren eine Barriere sieht, die es zu überwinden gilt. Diese alte Welt des fossilen Kapitalismus frisst sich, wie das „Nichts“ in Michael Endes „Unendlicher Geschichte“ immer weiter in Erde hinein, und die neue Welt steht auf, um die Erde, um unser aller Überleben, gegen die alte, die zerstörerische Welt zu verteidigen. Ein Freund, der gestern auf der Demo filmte und fotografierte, erzählte von einer Gruppe junger Fridays-For-Future-Aktivist*innen, die komplett schwarz vermummt ganz offensichtlich nicht da war, um Greta Thunbergs Rede zu hören, sondern um Lützerath zu befreien, wenn notwendig auch durch Rechtsbrüche. The kids are alright. The old world is not.Die (fürderhin bitte nur noch mit „“, airquotes, oder „sogenannten“/„selbsternannten“) „Grünen“ haben gezeigt, auf welcher Seite sie stehen: auf der Seite der alten Welt. Je näher an der Macht, desto weiter entfernt von grünen Prinzipien, stehen diese Prinzipien doch im direkten Widerspruch zur o.g. Logik des Kapitals. Und wer in Deutschland, wer im Kapitalismus regiert, tut dies auch immer für und im Auftrag mächtiger Kapitalfraktionen, weshalb in Deutschland jede Partei, jede Regierung eine Autopartei, eine Autoregierung ist, egal ob rot oder grün, gelb oder schwarz. Die Grünen sind – weil Deutschland – eine Partei des Fossilismus geworden (vgl. Gasausbau), weshalb gilt: Wer nach Lützerath die „Grünen“ noch wählt, weil er Klimaschutz will, ist selbst dran schuld.Der Kampf um Lützerath hat gezeigt: wenn die #Klimabewegung geeint steht, von NGOs über Fridays zu Extinction Rebellion, von der Letzten Generation über Ende Gelände hin zum anarchistischen Flügel & bürgerlichen Radikalen, dann sind wir eine Macht, an der niemand so leicht vorbeikommt (Vgl. #Hambi und als Gegenbeispiel die Kohlekommission). Unsere standhafte und glaubhafte Verteidigung Lützeraths hat erstens dazu beigetragen, zwei wichtige Grüne – Neubaur und Habeck – zu beschädigen, aber noch viel wichtiger, die symbolische Verbindung zwischen den Grünen und dem Thema „Klimaschutz“ zu schwächen. Was einer Partei geschieht, die diese symbolische Verbindung zu einem ihrer zentralen „Werte“ (die nichts mit tatsächlicher Politik oder Fakten zu tun haben müssen – s. FDP und „Freiheit“ – es sind einfach nur Zuschreibungen) verliert, zeigte die SPD nach Hartz IV. Wer auch immer nächstes Mal der Klimabewegung etwas verspricht, und dieses Versprechen dann bricht, sollte sich auf „a world of political pain“ einstellen, courtesy of a powerful, angry and united climate movement.Soviel erstmal dazu, soviel erstmal aus Lützerath – ich bin auf dem Heimweg, die letzte Woche war anstrengend, auch wenn sie am Ende ein energetisches Nettopositivum darstellt. Will sagen: wenn Bewegung funktioniert, kommt mehr raus, als man reinsteckt. Trotzdem bin ich erschöpft, und freu mich auf meine Couch und meinen Wolf.





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Von Veritatis

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