Die Nachricht hat am Wochenende bei jeglichen Militärexperten für Aufregung gesorgt – in der eigentlich seit vielen Monaten versteiften Front im Ukraine-Krieg hat Russland an einer neuen Stelle angegriffen. Rund 50 Kilometer nordwestlich des bisherigen Frontendes hatte Russland rund 35.000 Soldaten zusammengezogen, von denen rund 5.000 in der Nähe von Charkiw am Freitag die ukrainische Grenze überquert haben. Die Ukraine behauptet, die Lage sei unter Kontrolle, doch inzwischen hat Russland bereits zahlreiche Dörfer eingenommen.

Ukraine zeigt sich wenig überrascht

Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, haben die russischen Streitkräfte dabei an zwei Stellen, jeweils rund 30 Kilometer von Charkiw entfernt, angegriffen. Mit mehreren tausend Soldaten wurden dabei seit Freitag zehn ukrainische Dörfer eingenommen. Diese Dörfer würden sich jedoch noch vor den eigentlichen ukrainischen Verteidigungsanlagen befinden – so die Aussagen der ukrainischen Streitkräfte. Auch scheint deren Oberkommando vom russischen Angriff nicht sonderlich überrascht zu sein. Man habe bereits in den vergangenen Wochen aufklären können, dass sich in dem Grenzgebiet rund 35.000 russische Truppen gesammelt hatten.

Charkiw scheint nicht das Ziel zu sein

Es stellt sich daher die Frage, was Russland mit dem Angriff genau für strategische und taktische Absichten hat. Wie das ZDF berichtet, sind sich Militärexperten einig, dass der Angriff nicht der nahegelegenen Millionenstadt Charkiw selbst gilt. Dafür ist die Truppenstärke der russischen Soldaten im Angriff schlicht zu niedrig, ein ernstgemeinter Einnahmeversuch der Millionenstadt würde mindestens 100.000 Soldaten bedürfen. Auch die Hauptstoßrichtung spricht nicht hierfür. Erstes Ziel der zwei Stoßrichtungen scheint die Kleinstadt Wowtschansk zu sein (18.000 Einwohner). Diese Stoßrichtung würde jedoch östlich an Charkiw vorbeiführen. Auch liegen in Charkiw nicht die erklärten militärischen Ziele von Russland. Diese sind jeweils die Erlangung der Kontrolle über die Gebiete Lugansk, Donezk, Saporischschja und Cherson, die laut russischem Recht zum russischen Staatsgebiet gehören. 

Ukraine muss Kontingent weiter aufteilen

Viel wahrscheinlicher ist das Szenario, dass Russland mit dem Angriff weiter Personal der Ukraine binden und zersplittern will. Durch ein erfolgreiches Vordringen könnte die Frontlinie um mehr als 50 Kilometer erweitert werden – ein schwerer Schlag für die Ukraine, die immer weniger Soldaten zur Verfügung hat. Die einzige Lösung ist es, Truppen von der eigentlichen Verteidigungsfront im Donbass abzuziehen. Auch dies würde aber den dortigen russischen Angreifern zugutekommen und für den entsprechenden Frontabschnitt im Donbass fatal sein. So oder so – die Ukraine wird keine andere Wahl haben, als ihr Truppenkontingent weiter aufzuteilen, denn eigene Soldaten werden vom Westen bisher nicht in den Krieg geschickt. Russland hingegen scheint keinerlei personelle Probleme zu haben. Immerhin konnten man ohne weiteres an dem neuen Frontabschnitt zehntausende Soldaten zur Verfügung stellen. 



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Von Veritatis

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