Das weißrussische Außenministerium hat an diesem Donnerstag den litauischen Geschäftsträger in Minsk, Erikas Vilkanecas, einbestellt. Dem Diplomaten wurde eine Protestnote überreicht, nachdem eine ukrainische Drohne von der litauischen Seite her den weißrussischen Luftraum verletzt hatte. Außenamtssprecher Ruslan Warankow erklärte gegenüber der örtlichen Presse, dass die Drohne bereits am 17. Mai in der Nähe des Dorfes Stanislawzy im Gebiet Witebsk entdeckt worden sei. Demnach sei das unbemannte Luftfahrzeug des Typs „Tschaika“ (zu Deutsch „Möwe“) eigentlich unterwegs nach Russland gewesen. In diesem Kontext warf Warankow dem benachbarten EU- und NATO-Staat Tatenlosigkeit vor:

„Die litauische Seite hat keine Maßnahmen ergriffen, um das Eindringen der Kampfdrohne in das Territorium Weißrusslands zu verhindern.“

Der Diplomat bemängelte, dass die weißrussischen Streitkräfte über die Drohne nicht informiert worden seien, während Minsk in ähnlichen Situationen die notwendigen Maßnahmen ergreife. Die Vorgehensweise der litauischen Behörden stelle eine direkte Bedrohung für die Sicherheit Weißrusslands und eine grobe Verletzung des Völkerrechts dar.

Nach der Verletzung des weißrussischen Luftraums forderte Minsk die Regierung in Vilnius auf, eine Untersuchung einzuleiten und detaillierte Informationen über den Vorfall zur Verfügung zu stellen. Außerdem solle Litauen erschöpfende Maßnahmen ergreifen, um derartige Vorfälle in Zukunft zu verhindern.

Im Zuge des Ukraine-Krieges hatte es zuvor bereits mehrere Vorfälle mit Drohnen über dem Baltikum gegeben. Zuletzt häuften sich solche Ereignisse. Am Mittwoch mussten die Bewohner der litauischen Hauptstadt bei einem Drohnenvorfall auf Aufforderung der Behörden vorsorglich Schutz suchen. Auch Präsident Gitanas Nausėda und andere Spitzenpolitiker wurden zur Sicherheit in Schutzräume gebracht. Der Luftraum über dem Flughafen wurde gesperrt, der Zugverkehr zwischenzeitlich ausgesetzt.

Nausėda bezeichnete den ausgelösten Luftalarm in Vilnius als „wichtige Lektion“ für Bürger und Institutionen im Umgang mit Sicherheitsrisiken. Er rief seine Landsleute dazu auf, Warnungen ernst zu nehmen und verantwortungsbewusst zu handeln. Grund zu Überreaktionen und Panik bestehe aber nicht. Dem Präsidenten zufolge sei dies eine Folge des Krieges und der Umleitung von Drohnen durch elektronische Kampfführung. Er bekräftigte, dass Litauen niemandem die Nutzung seines Luftraumes für Drohnenangriffe gestattet habe.

Russland hatte zuvor Litauen, Estland und Lettland wiederholt vorgeworfen, der Ukraine ihren Luftraum zur Verfügung zu stellen.

Mehr zum Thema – Drohnenalarm im Baltikum – Litauens Staatführung in Schutzraum gebracht

Source : Lire l’article original

Von Veritatis