Nach der Silvester-Brandkatastrophe im Schweizer Skiort Crans-Montana ermittelt nun auch die italienische Justiz gegen die Betreiber der ausgebrannten Bar.

Das Ehepaar Jacques und Jessica Moretti werde verdächtigt, eine „Katastrophe durch Nachlässigkeit, mehrfache fahrlässige Tötung, einen Brand und sehr schwere Verletzungen“ verschuldet zu haben, berichteten italienische Medien am Dienstag, 14. April.

Blockierter Notausgang im Fokus der Behörden

Der Generalstaatsanwaltschaft von Rom, Francesco Lo Voi, und sein Stellvertreter Stefano Opilio hätten daher Ermittlungen gegen das Paar aufgenommen.

Die Ermittlungen stützen sich den Berichten zufolge unter anderem auf die Zeugenaussagen junger Italiener, die bei dem Feuer während der Silvesterfeier in der Bar „Le Constellation“ verletzt worden waren. Demnach war ein Notausgang blockiert gewesen.

Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung laufen in der Schweiz

Bei dem Brand waren 41 zumeist junge Menschen ums Leben gekommen, darunter sechs Italiener. 115 weitere Menschen erlitten Verletzungen. Nach Ermittlungen der Schweizer Behörden hatten Funken von Feuerwerksfontänen das Dämmmaterial an der Decke des Untergeschosses der Bar in Brand gesetzt.

In der Schweiz wird gegen die Barbetreiber wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Brandstiftung ermittelt.

Italien ruft Botschafter aus der Schweiz zurück

Jacques Moretti hatte im Januar in der Schweiz zwei Wochen in Untersuchungshaft gesessen, war aber gegen gegen eine Kaution von 200.000 Schweizer Franken (rund 215.000 Euro) wieder freigekommen.

Morettis Haftentlassung hatte nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Italien Empörung ausgelöst. Aus Protest hatte die italienische Regierung ihren Botschafter aus der Schweiz zurückgerufen. Außerdem forderte sie eine gemeinsame italienisch-schweizerische Ermittlungskommission.

Gemeindepräsident bestreitet Kenntnis fehlender Kontrollen

Die Schweizer Ermittlungen in dem Fall richten sich gegen insgesamt neun Beschuldigte, darunter der Gemeindepräsident von Crans-Montana, Nicolas Féraud.

Dieser gab bei seiner Befragung durch die Schweizer Justiz am Montag an, nicht gewusst zu haben, dass es in der Bar „Le Constellation“ seit 2019 keine Brandschutzkontrollen mehr gegeben hatte. Laut den geltenden Regeln hätte jedes Jahr eine solche Überprüfung stattfinden müssen. (afp/red)



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