Liebe Leser,

am 28. Februar 2026 wurde ein Szenario Realität, vor dem Strategen, Ökonomen und Energieplaner seit Jahrzehnten gewarnt hatten. US-amerikanische und israelische Streitkräfte begannen damals in den frühen Morgenstunden mit Luftangriffen auf den Iran und noch am selben Tag sperrte der Iran die Straße von Hormus.

Per Funk wandten sich die iranischen Revolutionsgarden an alle Schiffe in der Meerenge und erklärten: Kein Schiff darf die Straße von Hormus passieren. Die Besatzungen wurden aufgefordert, die Maschinen zu stoppen, andernfalls wurde ihnen das Entern ihrer Schiffe angedroht. Am 2. März erklärte der Iran schließlich offiziell die Schließung der Meerenge.

Die Maßnahme funktionierte – zumindest aus iranischer Sicht – denn vier Tage später passierten statt der üblichen 138 Schiffe täglich nur noch zwei die Meerenge und bei ihnen handelte es sich fast ausschließlich um Tanker der iranische Schattenflotte sowie Schiffe chinesischer Auftraggeber.

Der Schließung folgten Schockwellen auf den Märkten

Die strategische Bedeutung dieser 167 Kilometer langen Meerenge zwischen Iran und Oman lässt sich kaum übertreffen. Täglich wurden zuletzt rund 20 Millionen Barrel Rohöl durch die enge Passage transportiert – das entspricht rund 20 Prozent des globalen Ölverbrauchs. Hinzu kommt rund ein Fünftel des weltweiten Handels mit Flüssigerdgas (LNG), das vor allem aus Katar stammt.

Über die Straße von Hormus läuft der gesamte Schiffsverkehr von und zu den Ölhäfen Kuwaits, des Irak, Bahrains, der Vereinigten Arabischen Emirate, Katars und Irans sowie der größte Teil des saudi-arabischen Exports. Die Straße von Hormus ist, mit einem Wort, der empfindlichste Knoten im globalen Energiesystem.

Die Reaktion der Energie- und Finanzmärkte war unmittelbar und brutal. Am Morgen des 2. März 2026 stieg der Brent-Frontmonat um mehr als 10 Prozent auf den höchsten Stand seit Januar 2025. Der TTF-Gas-Frontmonat – der europäische Referenzpreis für Erdgas – schoss um 28 Prozent nach oben. Heute weiß auch der letzte Verbraucher, dass die Blockade der Meerenge einen weltweiten Schock ausgelöst hat, der den Rohölpreis auf über 110 Dollar pro Barrel trieb.

Auch an den Aktienmärkten machten sich die Turbulenzen umgehend bemerkbar: Energieaktien von Unternehmen mit Golfexposure brachen ein, während die Papiere von US-amerikanischen Produzenten wie ExxonMobil und ConocoPhillips, die nicht von der Meerenge abhängig sind, deutlich zulegen konnten.

Fast niemand kann sich aus der Schusslinie nehmen

Die großen Reedereien reagierten nahezu einheitlich: Die deutsche Containerlinie Hapag-Lloyd setzte alle Durchfahrten durch die Straße von Hormus bis auf Weiteres aus. Das griechische Schifffahrtsministerium riet Schiffen, die gesamte Region zu meiden. Die britische Marinebehörde UKMTO stufte die Umgebung als highly volatile ein. Versicherer kündigten Kriegsrisikodeckungen mit Wirkung zum 5. März oder schränkten sie erheblich ein. Gleichzeitig sprangen die Prämien von rund 0,2 auf 1 Prozent des Schiffswerts.

In der zweiten Märzhälfte verschärfte sich die Lage nochmal dramatisch, denn ab dem 24. März 2026 begann der Iran, für einzelne Schiffe Durchfahrtgebühren von bis zu zwei Millionen US-Dollar pro Fahrt zu verlangen. Mit dieser informellen Maut hat der Iran, die Meerenge faktisch gekapert. Ein Schritt, der von der internationalen Seerechtsgemeinschaft einhellig als völkerrechtswidrig verurteilt wird.

Und wer weiß, welche Eskalationsschritte sich der Iran auf der einen und Israel und die USA auf der anderen Seite in den nächsten Tagen und Wochen noch einfallen lassen.





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