„Sex, wenn ich Sex will“, so schrieb der Generalintendanten des Österreichische Rundfunks einer Angestellten. Ist der ORF noch zu retten? Soll man ihn retten? Obwohl er auch bei Corona wie Ukraine-, Gaza- und Iran-Krieg medial so versagte?
… alle rennen nach dem Glück, das Glück rennt hinterher
Foto: IMAGO/HochZwei
Es droht dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk der Totalschaden. Und das nicht nur, weil er ein Feindbild der FPÖ und deren permanenten Angriffen ausgesetzt ist. Er zerlegt sich vielmehr selbst.
Der Rücktritt des Generalintendanten Roland Weißmann hat eine veritable Krise ausgelöst. Dass dieser ausgerechnet über eine private Affäre im Dienst gestolpert ist, wirkt bezeichnend. Der ORF dürfte Opfer seiner internen Erregungen werden. „In meiner Welt haben wir Sex, wenn ich Sex will“, schrieb Weißmann an eine ORF-Angestellte, der er jahrelang nachstieg. Gelegentlich verschickte er Dick-Pics zur Illustration seiner Ambition. Mann will zeigen, wer mann ist, was mann hat, was mann kann. Jeder Boss ein Klein-Trump.
Die Krise kann chronisch werden
Die veröffentlichten Materialien lassen tief, aber nur tief blicken. Herr in mittleren Jahren giert nach weiblichem Frischfleisch. Roland Weißmann, von der ÖVP protegiert, hatte hier offenbar eine offene Flanke, die ihm zum Verhängnis geworden ist. Schon interessant, wer so in höchste Ämter gehievt wird.
Weißmann verkörperte den Typus des stromlinienförmigen Günstlings, wobei Gerissenheit in den engen Grenzen der Selbstüberschätzung operierte. Was soll er jetzt noch vorbringen außer: „Die Anderen auch.“? Das mag sogar stimmen, macht aber sein Verhalten um keine Spur besser. Der Höhepunkt öffentlicher Schmutzwäsche ist sicher noch nicht erreicht.
Bezeichnend für den ORF ist, dass er nach außen als woke Züchtigungsagentur auftritt, nach innen aber nicht einmal die Mindestansprüche von Anstand und Respekt durchsetzen kann. Auch ältere Fälle dürften jetzt wieder zur Sprache kommen, die akute Krise chronisch werden.
Irgendein Skandal liegt immer in der Luft. Notfalls hilft man nach. Dass die Skandalisierungsmaschinen heute primär auf die Geschlechterschiene setzen, ist naheliegend, weil dieses Thema aktuell dominiert. Egal, was da an den jeweiligen Vorwürfen stimmt, hier kann immer wieder eine Affäre hochgekocht werden.
Damit ist dezidiert nicht gesagt, dass da wenig dran ist, wohl aber, dass Aufregung hier am leichtesten zu entfachen ist. Auch Übergriffe sind vielschichtig, sind von innen schwer durchschaubar und von außen kaum verstehbar. Man sitzt Fehlurteilen auf, schnell ist alles zerredet und nichts begriffen. Der Ruf nach Überwachen und Strafen wird lauter, nicht bloß bei autoritären Kräften, besonders in der sogenannten liberalen Mitte.
Als Flaggschiff einer staatlich alimentierten gesellschaftlichen Mitte hat der ORF keine Zukunft. Dem öffentlichen Medium dürfte es an den Kragen gehen. Sowohl in der Corona-Frage als auch bei den Kriegen in der Ukraine, in Gaza und im Iran entpuppte sich die Anstalt als aufgekratztes Frontmagazin, als andächtige wie denkfaule Werkbank der Brüsseler EU-Administration.
Die Standardisierung reicht bis in das uniformierte Wording des letzten Nebensatzes. Faktenchecks suggerieren alternativlose Ansichten und wirken wie Befehlsausgaben. Aber wenn eins sagt, dass Experten sagen oder gar, dass die Wissenschaft sagt, fühlt man sich auf der sicheren Seite. Widerspruch ist „Schwurbelei“. Der ORF betreibt keinen kritischen Journalismus, er reproduziert vielmehr Fan-Formate für Markt, Militär und Moral.
Geradezu putzige Reaktionen der ORF-Promis
Selbst Anstalten wie der teilweise sicher als obskur einzuschätzende Red-Bull-Sender Servus TV offenbaren in ihren Sendungen mehr Breite und Pluralismus als der ORF. Auch im Handwerk stehen sie ihm nicht nach. Der ORF gehört zum Block einer selbstgefälligen liberalen Mitte – Standard, Falter, Profil gehören dazu und bedienen ihr Segment. Moderatoren gerieren sich als Inquisitoren. Talks dienen allzu oft zur Vorführung unliebsamer Positionen und Personen. Wenn dieses Konkurrenzgekeife der Standard demokratischer Debatten ist, schaut es schon zappenduster aus für die Demokratie. Immer mehr klinken sich aus dem Spektakel aus. Viele drehen ab, und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis wirklich abgedreht wird.
Geradezu putzig sind die Reaktionen der ORF-Promis, die ernsthaft behaupten: „Die Ereignisse der vergangenen Wochen haben uns fassungslos gemacht.“ Ist das ein Satz der KI oder ist er den Phrasenempfehlungen einer Schulungsbroschüre entnommen? Wir bitten um Aufdeckung. Wer fassungslos ist, gibt zu verstehen, dass er oder sie nichts verstanden hat und nichts verstehen will. Wenn die gar suggerieren, von der Swingerparty am Küniglberg (dem ORF-Sitz) nichts mitbekommen zu haben, dann sagen sie entweder die Unwahrheit oder sind strohdumm.
Die mediale Welt, wie wir sie kennen, ist ein Intrigantenstadel der übelsten Sorte. Ein Ort, an dem Politik und Sex, Macht und Geilheit, Hintertücke und Verlogenheit, Geschäft und Geldgier sich ein Stelldichein geben. Da muss man sich gar nicht erst einkoksen, obwohl das durchaus vorteilhaft sein mag. Die Frage ist inzwischen nicht mehr, wie der ORF zu retten ist, sondern ob er gerettet werden soll. Die Akteure selbst arbeiten an seiner Erledigung. Begriffslosigkeit und Begriffsstutzigkeit vereinigen sich in einer Anästhesie fortwährender Betriebsamkeit.
So hat man zwar gegen Korruption zu sein, darf aber nicht wissen, was Korruption eigentlich ist, vor allem welchen Wert sie hat im System der Werte. Da wird dann angeprangert und aufgeräumt, eingesperrt und gerechtsstaatet. Missstände sind letztlich dazu da, Zustände zu konsolidieren. Es handelt sich um ein unbewusstes Zusammenspiel, eine Komplizenschaft, die nichts voneinander weiß und auch nichts miteinander vereinbart hat. Um eine nichtverschworene Verschwörung.
So die abgefeimte Dialektik, die nicht so schwer zu verstehen wäre, würde man der Reflexion der Zusammenhänge und nicht den Reflexen der Projektion frönen. Die Kampagnen gegen die FPÖ verdeutlichen das. Die Entzauberungsstrategie ist gescheitert. Ernsthafte Überlegungen dazu sind absolut rar. Man legt nur nach, und die FPÖ legt zu.
Juristische Heerscharen formieren sich
Das Wechselspiel zwischen Kriminalisierung und Vertuschung erscheint als eherner Modus. Auseinandersetzungen werden bloß hysterischer und schriller. Ergiebiger werden sie nicht. Problematisch ist, dass die Fälle sachlich fokussiert, also dezidiert aus ihren Kontexten gerissen werden. Im Ereignis oder Event findet Erkenntnis den frühen Tod. Bei der Beurteilung solcher Fälle herrscht heute eine strikte Dichotomie von Täter und Opfer. Entweder man ist das eine oder man ist das andere. Wer das nur irgendwie infrage stellt, betreibt selbstverständlich eine Täter-Opfer-Umkehr.
Schlussendlich formieren sich dann juristische Heerscharen, sie tribunalisieren und advokatisieren sich in jahrelangen Prozessen und Ausschüssen. Sie füllen Ordner mit Aussagen, Gutachten, Expertisen, sie produzieren Files mit grotesken Irrwitzigkeiten, die Zeit und Stoff, Energie und Menschen verbrauchen, ja regelrecht vergeuden. Aufklärung und Transparenz verkommen zu einer gesellschaftlichen Peepshow süchtigen Aufdeckens.
ißmann an eine ORF-Angestellte, der er jahrelang nachstieg. Gelegentlich verschickte er Dick-Pics zur Illustration seiner Ambition. Mann will zeigen, wer mann ist, was mann hat, was mann kann. Jeder Boss ein Klein-Trump.Die Krise kann chronisch werdenDie veröffentlichten Materialien lassen tief, aber nur tief blicken. Herr in mittleren Jahren giert nach weiblichem Frischfleisch. Roland Weißmann, von der ÖVP protegiert, hatte hier offenbar eine offene Flanke, die ihm zum Verhängnis geworden ist. Schon interessant, wer so in höchste Ämter gehievt wird.Weißmann verkörperte den Typus des stromlinienförmigen Günstlings, wobei Gerissenheit in den engen Grenzen der Selbstüberschätzung operierte. Was soll er jetzt noch vorbringen außer: „Die Anderen auch.“? Das mag sogar stimmen, macht aber sein Verhalten um keine Spur besser. Der Höhepunkt öffentlicher Schmutzwäsche ist sicher noch nicht erreicht.Bezeichnend für den ORF ist, dass er nach außen als woke Züchtigungsagentur auftritt, nach innen aber nicht einmal die Mindestansprüche von Anstand und Respekt durchsetzen kann. Auch ältere Fälle dürften jetzt wieder zur Sprache kommen, die akute Krise chronisch werden.Irgendein Skandal liegt immer in der Luft. Notfalls hilft man nach. Dass die Skandalisierungsmaschinen heute primär auf die Geschlechterschiene setzen, ist naheliegend, weil dieses Thema aktuell dominiert. Egal, was da an den jeweiligen Vorwürfen stimmt, hier kann immer wieder eine Affäre hochgekocht werden.Damit ist dezidiert nicht gesagt, dass da wenig dran ist, wohl aber, dass Aufregung hier am leichtesten zu entfachen ist. Auch Übergriffe sind vielschichtig, sind von innen schwer durchschaubar und von außen kaum verstehbar. Man sitzt Fehlurteilen auf, schnell ist alles zerredet und nichts begriffen. Der Ruf nach Überwachen und Strafen wird lauter, nicht bloß bei autoritären Kräften, besonders in der sogenannten liberalen Mitte. Als Flaggschiff einer staatlich alimentierten gesellschaftlichen Mitte hat der ORF keine Zukunft. Dem öffentlichen Medium dürfte es an den Kragen gehen. Sowohl in der Corona-Frage als auch bei den Kriegen in der Ukraine, in Gaza und im Iran entpuppte sich die Anstalt als aufgekratztes Frontmagazin, als andächtige wie denkfaule Werkbank der Brüsseler EU-Administration.Die Standardisierung reicht bis in das uniformierte Wording des letzten Nebensatzes. Faktenchecks suggerieren alternativlose Ansichten und wirken wie Befehlsausgaben. Aber wenn eins sagt, dass Experten sagen oder gar, dass die Wissenschaft sagt, fühlt man sich auf der sicheren Seite. Widerspruch ist „Schwurbelei“. Der ORF betreibt keinen kritischen Journalismus, er reproduziert vielmehr Fan-Formate für Markt, Militär und Moral.Geradezu putzige Reaktionen der ORF-PromisSelbst Anstalten wie der teilweise sicher als obskur einzuschätzende Red-Bull-Sender Servus TV offenbaren in ihren Sendungen mehr Breite und Pluralismus als der ORF. Auch im Handwerk stehen sie ihm nicht nach. Der ORF gehört zum Block einer selbstgefälligen liberalen Mitte – Standard, Falter, Profil gehören dazu und bedienen ihr Segment. Moderatoren gerieren sich als Inquisitoren. Talks dienen allzu oft zur Vorführung unliebsamer Positionen und Personen. Wenn dieses Konkurrenzgekeife der Standard demokratischer Debatten ist, schaut es schon zappenduster aus für die Demokratie. Immer mehr klinken sich aus dem Spektakel aus. Viele drehen ab, und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis wirklich abgedreht wird. Geradezu putzig sind die Reaktionen der ORF-Promis, die ernsthaft behaupten: „Die Ereignisse der vergangenen Wochen haben uns fassungslos gemacht.“ Ist das ein Satz der KI oder ist er den Phrasenempfehlungen einer Schulungsbroschüre entnommen? Wir bitten um Aufdeckung. Wer fassungslos ist, gibt zu verstehen, dass er oder sie nichts verstanden hat und nichts verstehen will. Wenn die gar suggerieren, von der Swingerparty am Küniglberg (dem ORF-Sitz) nichts mitbekommen zu haben, dann sagen sie entweder die Unwahrheit oder sind strohdumm. Die mediale Welt, wie wir sie kennen, ist ein Intrigantenstadel der übelsten Sorte. Ein Ort, an dem Politik und Sex, Macht und Geilheit, Hintertücke und Verlogenheit, Geschäft und Geldgier sich ein Stelldichein geben. Da muss man sich gar nicht erst einkoksen, obwohl das durchaus vorteilhaft sein mag. Die Frage ist inzwischen nicht mehr, wie der ORF zu retten ist, sondern ob er gerettet werden soll. Die Akteure selbst arbeiten an seiner Erledigung. Begriffslosigkeit und Begriffsstutzigkeit vereinigen sich in einer Anästhesie fortwährender Betriebsamkeit.So hat man zwar gegen Korruption zu sein, darf aber nicht wissen, was Korruption eigentlich ist, vor allem welchen Wert sie hat im System der Werte. Da wird dann angeprangert und aufgeräumt, eingesperrt und gerechtsstaatet. Missstände sind letztlich dazu da, Zustände zu konsolidieren. Es handelt sich um ein unbewusstes Zusammenspiel, eine Komplizenschaft, die nichts voneinander weiß und auch nichts miteinander vereinbart hat. Um eine nichtverschworene Verschwörung.So die abgefeimte Dialektik, die nicht so schwer zu verstehen wäre, würde man der Reflexion der Zusammenhänge und nicht den Reflexen der Projektion frönen. Die Kampagnen gegen die FPÖ verdeutlichen das. Die Entzauberungsstrategie ist gescheitert. Ernsthafte Überlegungen dazu sind absolut rar. Man legt nur nach, und die FPÖ legt zu.Juristische Heerscharen formieren sich Das Wechselspiel zwischen Kriminalisierung und Vertuschung erscheint als eherner Modus. Auseinandersetzungen werden bloß hysterischer und schriller. Ergiebiger werden sie nicht. Problematisch ist, dass die Fälle sachlich fokussiert, also dezidiert aus ihren Kontexten gerissen werden. Im Ereignis oder Event findet Erkenntnis den frühen Tod. Bei der Beurteilung solcher Fälle herrscht heute eine strikte Dichotomie von Täter und Opfer. Entweder man ist das eine oder man ist das andere. Wer das nur irgendwie infrage stellt, betreibt selbstverständlich eine Täter-Opfer-Umkehr. Schlussendlich formieren sich dann juristische Heerscharen, sie tribunalisieren und advokatisieren sich in jahrelangen Prozessen und Ausschüssen. Sie füllen Ordner mit Aussagen, Gutachten, Expertisen, sie produzieren Files mit grotesken Irrwitzigkeiten, die Zeit und Stoff, Energie und Menschen verbrauchen, ja regelrecht vergeuden. Aufklärung und Transparenz verkommen zu einer gesellschaftlichen Peepshow süchtigen Aufdeckens.