Wenn die Nacht über die prächtigen Büroräume des County Councils der vorwiegend landwirtschaftlich geprägten Grafschaft Lincolnshire in den östlichen Midlands hereinbricht, wirkt alles ordentlich und ruhig. Porträts längst vergessener Mitglieder des Grafschaftsrats und Würdenträger blicken in einen leeren Raum. Im Ratssaal herrschen Stille und Dunkelheit.
Gelangweiltes Empfangspersonal wirft Blicke ins Handy, während ein paar Verwaltungsangestellte über leuchtenden Bildschirmen gebeugt sitzen. Doch im Büro des Ratsvorsitzenden Sean Matthews, der im vergangenen Mai das Amt übernommen hat, als die Reformpartei die alte Garde der Konservativen ablöste, braut sich eine Rebellion zusammen. Der umgängliche frühere Beamte des königlichen Personenschutzes plant eine offen radikale Kampagne zivilen Ungehorsams gegen eine Reihe riesiger Solarparks, die für Lincolnshire geplant sind.
Politiker gegen Solarparks
Trotz eines Vierteljahrhunderts bei der Metropolitan Police ist Matthews bereit, das Gesetz zu brechen, um die Solarentwickler zu stoppen. Er plant, sich vor die Bulldozer zu legen. „Sie können mich gern verhaften. Ich habe auch schon viele Leute verhaftet“, erklärt er und beugt sich auf dem Sofa nach vorne. „Es geht um viel mehr als um mich und mein Strafregister. Um Himmels willen, es geht um die Zukunft des Landkreises, es geht um die Zukunft unseres Landes. Das liegt mir sehr am Herzen, und ich werde tun, was ich kann.“
Er ist nicht der einzige gewählte politische Vertreter für Lincolnshire, der bereit ist, ein oder zwei Nächte in der Zelle zu verbringen. Auch Natalie Oliver, eine lokale Unternehmerin, die im vergangenen Jahr als Vertreterin der Reformpartei in den County Council gewählt wurde, ist bereit, sich der Polizei zu widersetzen. „Ich würde alles für meine Bürger hier tun … wir stehen zu 100 Prozent hinter dieser Sache“, bekräftigt Oliver, die gegenüber von Matthews sitzt. „Verhaftet zu werden, wäre eine neue Erfahrung für mich, aber wenn es sein muss, dann muss es eben sein.“
Auf der einen Seite: Energieminister Ed Miliband will die Erneuerbaren ausbauen
Das ist die Frontlinie eines erbitterten politischen Kampfes um den Ausbau von Mega-Solarparks, der die Zukunft der Energiewende in Großbritannien prägen könnte. Auf der einen Seite steht Labour-Energieminister Ed Miliband, der versprochen hat, gegen die „Blockierer“ vorzugehen, um großangelegte Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien durch das Planungssystem zu bringen. Auf der anderen Seite steht eine bunte Mischung aus Basisaktivisten und Nigel Farages Anti-Netto-Null-Verfechtern, die die Politik in Lincolnshire zunehmend dominieren.
Miliband hat in Lincolnshire mehr Großsolaranlagen genehmigt als irgendwo sonst im Land. Vier andere Grafschaften, darunter Yorkshire und Cambridgeshire, haben jeweils nur ein genehmigtes Solarprojekt mit einer Leistung von mehr als 100 Megawatt (MW), während in Lincolnshire insgesamt sechs vorgesehen sind. Dazu gehören die Solaranlagen Tillbridge Solar und Mallard Pass. Weitere vier Solarprojekte in Lincolnshire durchlaufen derzeit das nationale Genehmigungsverfahren.
Für Unterstützter der erneuerbaren Energien ist das eine verheißungsvolle Aussicht. Miliband hat versprochen, Großbritannien in eine „Supermacht für saubere Energie“ zu verwandeln, indem er bis zum Ende des Jahrzehnts die Solarstromkapazität fast verdreifacht, die Onshore-Windkraft verdoppelt und die Offshore-Windkraft vervierfacht, um praktisch ein CO₂-freies Stromnetz zu schaffen.
Auf der anderen Seite: Anwohner fürchten um das Land-Leben
Für viele Anwohner bedeutet die Solarrevolution jedoch eine Umwälzung des seit Jahrhunderten gewohnten ländlichen Lebens, eine Verunstaltung der Landschaft und die Blockierung landwirtschaftlicher Fläche. Sie bezweifeln zudem, dass es sinnvoll ist, auf einer oft bewölkten Insel Solarmodule zu installieren, und sind der Ansicht, dass eher private Bauträger als die Öffentlichkeit davon profitieren werden.
Die Landschaft rund um die Marktstadt Gainsborough in Lincolnshire steht im Fokus von Solarentwicklern und deren Gegnern. Sie soll durch vier große Solarkraftwerke verändert werden. Das Gebiet ist attraktiv, da sich die Solarparks am Standort des früheren Kohlekraftwerks Cottam, das hier ein halbes Jahrhundert lang in Betrieb war, problemlos an das nationale Stromnetz anschließen lassen. Eine der neuen Anlagen, Tillbridge, ist das größte Solarprojekt, für das bisher eine Baugenehmigung erteilt wurde. Das Projekt wird sich über etwa 1.400 Hektar erstrecken, was 2.000 Fußballfeldern entspricht.
Unterdessen verwandelt sich in dem hübschen Dorf Glentworth Frustration zunehmend in Groll. Dorne Johnson beteiligt sich an der Leitung der Gruppe „7000 Acres“, die Anwohner aus mehr als 30 Dörfern vertritt, die sich gegen die vier Solarparks wehren.
Sie hat das Vertrauen in das nationale Planungsverfahren verloren, das für große Infrastrukturprojekte zuständig ist. „Wir haben das Gefühl, dass man uns über den Tisch zieht. Wir haben das Gefühl, keine Stimme zu haben“, erklärt Johnson, während sie mit ihren beiden Cockapoos einen schlammigen Weg entlanggeht, von dem aus man eines Tages Tillbridge überblicken wird.
An den Klimanotstand glauben sie nicht
Auf dem Gelände werden Tausende von 3,5 Meter hohen, sich nach der Sonne ausrichtenden Solarmodulen installiert, um die Stromproduktion zu maximieren. Das gesamte Gelände wird eingezäunt, um Passanten zu schützen und Kabeldiebstahl während der Laufdauer der Anlage zu verhindern, die 40 bis 60 Jahre beträgt.
„Ich lebe dann nicht mehr in einem ländlichen Dorf. Ich lebe in einem Kraftwerk“, klagt Johnson, die 2021 mit ihrem Mann nach der Pensionierung in die Grafschaft gezogen ist. „Warum ist Lincolnshire das Opferlamm? Wenn wir Solarparks brauchen – was ich nicht glaube, da es bessere Optionen gibt –, warum kommen sie dann alle hierher?“
Die Gruppe möchte auf keinen Fall als Nimbys (kurz für: Not in my Backyard, deutsch: Nicht bei mir vor der Haustür-Sager) dargestellt werden. Johnson betont, dass sie nichts gegen andere Energieanlagen wie modulare Kernreaktoren einzuwenden hätte, da diese weniger Platz beanspruchen. „Die Solarenergie nimmt all diese Flächen weg, auf denen Nahrungsmittel angebaut werden, obwohl man stattdessen ein Sizewell C bauen könnte, das weniger Auswirkungen hat“, ist sie überzeugt.
Sie achten auch darauf, nicht wie Klimawandel-Leugner zu wirken. Doch ihre Kritik geht in diese Richtung. Johnson stellt in Frage, dass tatsächlich ein Klimanotstand vorliegt, obwohl Wissenschaftler weltweit rasche und drastische Reduzierungen der Emissionen fordern. „Wir glauben nicht, dass ein Notstand vorliegt“, sagt sie. „Wir sind gegen diese Eile … wir sollten die Sache überlegter und langsamer angehen.“
Solarpark statt Idylle
Etwas später prasselt kalter Regen vom bleiernen Himmel auf ein abgelegenes Arbeiter-Cottage am äußersten Rand von Glentworth. Das Häuschen ist umgeben von einem Flickenteppich aus gepflügten Feldern und matschigen Wintergetreidefeldern, der nur hier und da von einem landwirtschaftlichen Schuppen unterbrochen wird.
Abgesehen vom Prasseln der Regentropfen ist kaum ein Geräusch zu hören. Es ist diese Ruhe, die Alison Wood und Nick Mapstone im Jahr 2000 nach Lincolnshire lockte. Sie wollten unbedingt dem hektischen Treiben im Südosten Englands entfliehen und einen Rückzugsort finden, um sich um ihre autistische Tochter zu kümmern, die Lernschwierigkeiten hat und unter Lärm leidet.
„Ich hatte gerade meine Arbeit aufgegeben, um mich um sie zu kümmern. Es schien die perfekte Lösung zu sein, sie und unsere andere Tochter hierherzubringen, raus in die Wildnis, wo uns niemand stören würde“, erzählt Wood, während das Wasser vom Dach des Wintergartens des Häuschens herunterläuft. „Es war jahrelang unsere kleine ländliche Idylle, bis der Solarpark über uns hereinbrach.“
Folgen für die Menschen vor Ort
Ihr Häuschen grenzt an Felder, die in Zukunft zum Solarpark „Tillbridge Solar“ werden sollen. Das Bauvorhaben hängt schon seit 2022 wie ein Damoklesschwert über ihnen, als Mapstone, ein pensionierter Gesundheitsprüfer, einen Vermessungsingenieur antraf, der ihre Einfahrt entlangschlenderte. „Sie wollten unsere Kontaktdaten, um uns in die sogenannte Konsultation einzubeziehen“, sagt Mapstone mit mehr als nur einem Anflug von Bitterkeit.
Die Anlage wird das Leben des Paares zweifellos verändern. Eine der beiden Umspannstationen wird nur etwas mehr als 500 Meter von ihrem Haus entfernt liegen, drei Batterieeinheiten weniger als 900 Meter. Sie befürchten, dass ihre 33-jährige Tochter unter dem Brummen dieser Anlagen leiden wird, was dazu führen könnte, dass sie nicht mehr in den Garten geht oder gar kein Fenster mehr öffnet.
„Wir haben unser Leben lang versucht, sie vor allem zu schützen, was ihr schaden könnte, und jetzt können wir nichts dagegen tun“, sagt Wood. „Wir sind völlig machtlos.“
Das Unternehmen reagiert
Die Sorge zehrt an den Kräften. Mapstone überlässt Wood, die früher Psychologie-Dozentin an der Universität war, den größten Teil des Gesprächs, doch sein erschöpfter Gesichtsausdruck und die Schatten unter seinen Augen lassen auf schlaflose Nächte schließen.
Die Erfahrung habe seiner Gesundheit zugesetzt: „Es hat zu Depressionen und Angstzuständen geführt. Vorher ging es mir gut. Und ich bin mir sicher, dass es nicht nur mir so geht; viele Menschen im Dorf sind davon betroffen“, sagt er. „Es ist die ständige Sorge und die Machtlosigkeit … Es ist die Unausweichlichkeit; dass es einfach passieren wird.“
Die Bedenken der Familie führten im Rahmen des Planungsverfahrens zu 22 Seiten technischen Anmerkungen. Tillbridge Solar teilte der Planungsaufsichtsbehörde mit, dass es seine Pläne überarbeitet habe, um den Lärm in dem Cottage zu reduzieren. Das Unternehmen versprach zudem, nach Fertigstellung des Parks Stichprobenkontrollen durchzuführen.
Solarparks sind deutlich leiser als fossile Kraftwerke
Ein Sprecher des Unternehmens erklärt mir, dass man sich bewusst sei, dass große Infrastrukturprojekte einschüchternd wirken könnten. Er argumentiert jedoch, dass fertige Solarparks leise Strom erzeugen, ohne Verbrennung, Emissionen oder regelmäßigen Fahrzeugverkehr.
Man habe zwar Verständnis für die Bedenken von Wood und Mapstone, aber die Lärmpegel bei den nächstgelegenen Wohnhäusern würden deutlich unter den anerkannten Grenzwerten bleiben.
Wood und Mapstone beruhigt das nicht; sie befürchten, dass die Medikamentendosis ihrer Tochter erhöht werden muss, damit sie mit dem Lärm zurechtkommt. „Wir fühlen uns schrecklich – wir wollen das nicht tun“, sagt Wood.
Verlust von Anbauflächen für Lebensmittel
Nicht nur die unmittelbaren künftigen Nachbarn von Tillbridge Solar sind verärgert. Auch die geplante Trasse der Erdkabel, die das Projekt und die anderen Solarparks rund um Gainsborough an das nationale Stromnetz anschließen sollen, hat entschlossenen Widerstand ausgelöst.
Auf den windgepeitschten Feldern südlich von Gainsborough stapft Nick Hill, ein Kartoffelbauer mit stählernem Blick, über das Gelände, das für die Kabel vorgesehen ist. „Es gibt vier Solarparks im Umkreis von knapp zehn Kilometern, und alle Kabel verlaufen direkt hier durch und führen dorthin“, erklärt Hill und zeigt auf die entfernten grauen Schornsteine des stillgelegten Kohlekraftwerks Cottam.
Das betrifft Hill unmittelbar: Er darf keine weiteren Schuppen zur Lagerung seiner Ernten und Landmaschinen über den Stromleitungen errichten. Doch noch mehr beunruhigt ihn der Verlust von Anbauflächen. „Im Zweiten Weltkrieg hätten wir, wenn die Schiffe nicht gekommen wären, nur noch wenige Tage gehabt, bis uns die Lebensmittel ausgegangen wären. Heute leben mehr Menschen in diesem Land, daher bleibt uns weniger Zeit, falls etwas schiefgeht“, sagt er. „Das ist sehr kurzsichtig.“
Die Landwirte sind gespalten
Diese Befürchtung steht im Mittelpunkt des Streits um Solarenergie in Lincolnshire. Zwar könnteweniger als ein Prozentder Landfläche Großbritanniens genug Solarenergie erzeugen, damit das Land bis 2050 die Netto-Null erreicht, doch sind diese Standorte nicht gleichmäßig über das Land verteilt.
Die lokalen Landwirte sind gespalten: Viele haben ihr Land an Solarparks verpachtet, während andere zu leidenschaftlichen Gegnern der Solarenergie geworden sind. Hill, dessen Familie seit fünf Generationen in Lincolnshire ansässig ist, äußert sich scharf über Landwirte, die ihr Land an Solarunternehmen verpachten. „Ich kenne sie“, sagt er. „Es geht nur um Geld und Gier.“
Die Bauträger werden oft in einem ähnlichen Licht gesehen. Alle genehmigten Großprojekte in Lincolnshire befinden sich in privater Hand. Tillbridge wird von dem internationalen Solarunternehmen Canadian Solar, das über eine chinesischeTochtergesellschaftfür die Solarproduktion verfügt, sowie dem britischen Unternehmen für erneuerbare Energien Tribus Clean Energy errichtet. Hill ist empört darüber, dass Miliband es solchen privaten Unternehmen ermöglicht hat, einen so großen Teil der Grafschaft an sich zu reißen: „Diesen Unternehmen geht es nur um Profit. Das ist falsch.“
Die Solarparks politisieren die lokale Bevölkerung
Auf Hills Farm fand eine von Richard Tice, dem Abgeordneten für Lincolnshire und stellvertretenden Vorsitzenden der Reform-Partei, organisierte Protestkundgebung mit rund 100 Teilnehmern statt, die von den Fernsehsendern GB News und ITV übertragen wurde. Anwohner und Gemeinderäte hielten Plakate mit Slogans wie „Rettet das ländliche Lincolnshire“ und „Felder für Lebensmittel statt Solarparks“ hoch.
Vor der Menge sprach Tice eine bekannte Drohung aus: „Wir werden all diese neuen Verträge zerreißen … ob es sich nun um Windparks, Solarparks oder Batteriespeicher handelt, sie sind gewarnt. Wir betrachten sie nicht als gültig. Sie werden null und nichtig sein … Wenn Sie in Solar- und Windenergie investieren, werden Sie wahrscheinlich Ihr Geld verlieren.“
Den Bauern Hill hat das Thema politisiert. Er streut Tices Schlagwort „Net Zero Stupid“, deutsch: Netto-Null-Quatsch, immer wieder in seine Antworten ein. Bei den letzten Parlamentswahlen hat er sich nicht die Mühe gemacht, zur Wahl zu gehen. Aber wenn er das nächste Mal zur Wahlurne geht, steht für ihn fest: „Ich stimme für Reform.“
Reform punktete mit klimafeindlichen Parolen
Hill ist kein Einzelfall. Eine aktuelleYouGov-Umfragedeutet darauf hin, dass Farages Anti-Netto-Null-Populisten auf dem besten Weg sind, bis auf einen alle Parlamentssitze in der Grafschaft zu erringen. Sie haben bereits einige bedeutende lokale Erfolge verbucht: Neben der Kontrolle über den Grafschaftsrat gewann die Kandidatin der Partei, Andrea Jenkyns, im Mai 2025 die Wahl zur ersten Bürgermeisterin von Greater Lincolnshire.
Zurück in den Büros des County Councils in Lincoln sind Matthews und Oliver fest entschlossen, bei den nächsten Parlamentswahlen zu kandidieren, die bis 2029 stattfinden müssen. „Ich würde mich zur Wahl stellen – ich möchte so viel tun, wie ich kann“, erklärt Oliver. Ein lächelnder Matthews wirft ein: „Ich kann mir nicht vorstellen, ohne sie auf diesen grünen Bänken zu sitzen.“
In der Zwischenzeit wollen sie auf anderen Wegen versuchen, die Entstehung großer Solarparks in Lincolnshire zu verhindern. Matthews bestreitet, dass sein Vorgehen mit den Aktionen der „Just Stop Oil“-Aktivisten, die auf die Überführungen der M25 klettern, oder mit dem berühmtesten Anti-Straßen-Demonstranten Großbritanniens vergleichbar sei. „Swampy war gegen den Straßenbau. Ich verstehe das Prinzip, aber die Straße hat einen Nutzen … Der Nutzen von Solarparks ist nicht bewiesen.“
Lieber Fracking als Solarpark
Matthews ist der Ansicht, dass Miliband die Stimmung in der Bevölkerung des Landkreises gleichgültig ist. „Ich glaube wirklich, dass es der Labour-Partei egal ist, weil sie hier niemals gewinnen wird. Deshalb wird sie einfach alles in Lincolnshire kaputt machen und diesen schönen Landkreis in eine industrialisierte, elektrifizierte Einöde verwandeln.“
Der Vorsitzende der Reformpartei befürwortet jedoch andere Formen der industriellen Energieerzeugung in Lincolnshire. Matthews unterstützt sogar modulare Kernreaktoren und Fracking, da diese weniger Fläche beanspruchen als Solarenergie.
Das ist mehr als nur ein Wunschtraum: Jenkyns hat bereits Kontakt zu einem US-amerikanischen Fracking-Unternehmen aufgenommen. „Wenn wir zusätzliche Energie brauchen, sollten wir uns mit Schiefergas befassen. Lassen Sie uns diese fantastische Ressource nutzen, die wir in Lincolnshire haben“, sagt Matthews mit unbändiger Begeisterung. „In Amerika funktioniert das wirklich gut; dort fördern sie riesige Mengen aus dem Boden.“
Der Reform-Politiker hält den menschlichen Einfluss auf das Klima für gering
Die konservative britische Regierung hat Fracking im Jahr 2019 aufgrund „inakzeptabler Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung“ verboten. Ein offizieller Bericht warnte, es sei unmöglich, das Ausmaß der Erdbeben vorherzusagen, die durch dieses Verfahren ausgelöst werden könnten. Fracking-Standorte haben zu langanhaltenden Protesten geführt, doch Matthews ist überzeugt, dass er die Anwohner für sich gewinnen könnte: „Wir würden sie überzeugen.“
Genau wie die Gruppe „7000 Acres“ möchte Matthews nicht als Leugner des Klimawandels bezeichnet werden, doch er stellt den Beitrag des Menschen zur globalen Erwärmung offen in Frage: „Meiner Ansicht nach ist unser Einfluss auf das Klima des Planeten verschwindend gering.“
Der Weltklimarat der Vereinten Nationen, der in regelmäßigen Abständen alle verfügbaren Klimaforschungsergebnisse auswertet, kam zu dem Schluss, dass menschliche Aktivitäten „eindeutig die globale Erwärmung verursacht haben“ und damit Menschen und Natur weltweit schaden. Doch davon will Matthews nichts wissen: „Kommen Sie mir nicht mit diesem Unsinn. Das ist 30 Jahre altes Zeug und erfunden. Das ist verrückt. Es ist nicht wahr. Das sind Wissenschaftler, die von Leuten bezahlt wurden, die mit den neuen grünen Energien viel Geld verdienen wollen.“
Befürworter der Projekte äußern ihre Meinung nur ungern öffentlich
Laut dem Sprecher von Tillbridge Solar meidet das Projekt hochwertige landwirtschaftliche Flächen so weit wie möglich. Jede Änderung der Landnutzung sei auch nur vorübergehend und nach Ablauf der Betriebsdauer des Projekts rückgängig machbar. Zudem seien die unabhängigen Planungsprüfer des Projektes zu dem Schluss gekommen, dass die Größe der genutzten Fläche keine „wesentlichen Auswirkungen“ auf die Ernährungssicherheit Großbritanniens haben werde.
Es ist schwer, in Lincolnshire prominente Persönlichkeiten zu finden, die bereit sind, sich öffentlich für Solarenergie einzusetzen. Ein Umweltschützer sagte ein Interview mit mir ab, weil er befürchtete, es könnte seiner Kampagne schaden. Neil Murray, ist ein langjähriger früherer Labour-Stadtrat, der mittlerweile als Unabhängiger im Planungsausschuss sitzt.
Befürworter der Solarenergie in lokalen Geschäften sprächen manchmal „mit gedämpfter Stimme“, aus Angst, man könnte sie hören. „Hier in der Gegend ist zu bemerken, dass Menschen, die Solarenergie befürworten, sich zurückhalten“, erzählt er im Wohnzimmer seines ländlichen Bungalows, während seine beiden Spaniels zu seinen Füßen liegen.
Direkt Betroffene seien Einzelfälle
Murray dagegen scheut sich nicht davor, für Unmut zu sorgen. Er behauptet, dass Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien häufig vom Gemeinderat blockiert werden: „Das hat nichts mit dem Schutz der Umwelt zu tun. Sie halten die Klimakrise für eine Verschwörung. Sie sagen das zwar nicht so, aber genau das steckt dahinter.“
Murray, dessen Familie in den 1960er Jahren aus beruflichen Gründen von Glasgow nach Lincoln gezogen ist, betont, dass der größte Teil von Lincolnshire nach dem Bau der Solarparks unberührt bleiben wird. „Solargegner müssen die Dinge ins rechte Licht rücken“, fordert er. „Wenn wir Strom und nicht von Diktatoren abhängig sein wollen, brauchen wir saubere, erneuerbare Energie aus Quellen wie Sonne, Wind und Wellen, die nicht versiegen.“
Er räumt ein, dass einige von den Veränderungen negativ betroffen sein könnten. Aber: „Die meisten dieser Solarparks liegen nicht in der Nähe von Wohngebieten“, sagt er. „Die betroffenen Familien tun mir leid, aber das sind Einzelfälle.“
Grund für den Kulturkampf? Die Leute mögen keine Veränderung
Das Dorf, in dem Murray mit seiner Partnerin lebt, liegt auf einem Kalksteingrat, der sich vom Süden der Grafschaft bis zur Mündung des Flusses Humber im Norden erstreckt. Pläne zum Bau einer Batteriespeicheranlage und eines Umspannwerks von National Grid zur Versorgung nahegelegener Solarparks haben zu einer Bürgerinitiative und einem Protestmarsch geführt.
Im Rahmen des Projekts könnten 232 Batterien von der Größe eines Lieferwagens auf zwei Feldern außerhalb des Dorfes aufgestellt werden. Er räumt ein, dass viele Menschen gegen das sind, was sie als Industrialisierung von Lincolnshire ansehen. „Es ist zu einem Kulturkampf geworden“, sagt er. „Sie mögen keine Veränderungen.“
Nur wenige vertrauen privaten Bauträgern, doch in den nächsten vier Jahren könnten mehr Gemeinden ihre eigenen Projekte im Bereich erneuerbarer Energien auf die Beine stellen. Great British Energy, das im vergangenen Mai von der Regierung gegründet wurde, plant, Strom aus öffentlichen Anlagen für erneuerbare Energien zu erzeugen und bis 2030 bis zu eine Milliarde Pfund für die Unterstützung von mehr als 1.000 gemeindeeigenen Energieprojekten auszugeben.
Umfragen deuten darauf hin, dass Projekte wie diese deutlich weniger Widerstand hervorrufen als private. Doch das gilt nicht für die eingefleischten Gegner im Grafschaftsrat von Lincolnshire. „Es geht nicht darum, wem es gehört“, sagt Matthews. „Es geht darum, dass riesige Flächen Ackerland mit hässlichen Schandflecken überzogen werden.“
Wie sieht ein Solarpark eigentlich aus?
Es gibt zahlreiche apokalyptische Warnungen über die Auswirkungen von Solarparks auf die ländliche Landschaft, aber wie sehen diese eigentlich aus? Der 52 Hektar große Solarpark Whitecross ist von einer ruhigen, von Bäumen gesäumten Landstraße am Rande der Stadt Sleaford in Lincolnshire kaum zu sehen. Ein unbefestigter Weg durch einen Wald führt zu sechs Feldern mit mehr als 63.500 dunklen Solarmodulen, die in der Wintersonne schimmern.
„Ich finde das wunderschön“, sagt Saffron Hooper-Kay, die Whitecross für die Investmentgesellschaft Downing leitet. „Hier wird grüner Strom produziert, und das finde ich wunderschön. Jedes Modul hat eine Spitzenleistung von 250 Watt, vier Module zusammen bringen einen Wasserkocher zum Kochen.“
Whitecross ist lange nicht so groß wie Tillbridge, das 23 Mal größer sein wird. Dennoch erzeugt es jährlich genug Strom für 10.300 durchschnittliche Haushalte. Würde dieselbe Energiemenge mit fossilen Brennstoffen erzeugt, würden dabei jährlich 6.954 Tonnen Treibhausgase entstehen. „Das entspricht einer jährlichen Entlastung der Straßen um 1.620 Autos oder der Pflanzung von 116.000 Bäumen über einen Zeitraum von 10 Jahren“, erklärt Hooper-Kay. Berücksichtigt man die Herstellung und den Transport der Solarmodule aus Übersee, könnte es allerdings bis zu zwei Jahre dauern, bis Whitecross CO₂-positiv ist.
Auch Landwirte profitieren vom Solarpark
Hooper-Kay begann ihre Karriere auf Bohrinseln in der Nordsee, wo die rechtspopulistische Reform-Partei plant, die Bohrtätigkeit auszuweiten, falls sie die nächsten Wahlen gewinnt. „Ich habe früher in der Öl- und Gasbranche gearbeitet“, erzählt die Managerin, während sie durch die Solaranlagen schlendert. „Ich wollte kein Öl mehr aus dem Boden holen, also habe ich umgeschult.“
Auch der Landwirt, der das Land verpachtet, ist begeistert. „Es ist sehr schwerer Boden. Er ist als Klasse 3b eingestuft, was eine geringe Ertragsfähigkeit bedeutet“, erklärt Andrew Darley und deutet auf die Felder, die seine Familie seit drei Generationen bewirtschaftet. Die Einnahmen aus der Verpachtung haben sich im Vergleich zu dem, was er mit dem Anbau von Raps und Weizen verdiente, etwa vervierfacht.
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„Ohne den Solarpark hätten wir zu kämpfen gehabt“, erzählt er. „Das hat einen großen Unterschied gemacht.“ Aber er freut sich auch darüber, einen Beitrag zum Netto-Null-Ziel zu leisten und dem Boden für die Dauer des Projekts eine Ruhepause zu gönnen. „Wir mussten ziemlich viele Herbizide einsetzen“, sagt er. „Jetzt sind wir ganz auf Grün umgestiegen.“
Die Natur kehrt zurück
Während Darley spricht, huscht ein Hase zwischen den Solaranlagen hindurch. „Ich bin überrascht, wie viele Wildtiere sich hier angesiedelt haben. Es gibt Feldhasen, Rebhühner, Feldlerchen, Mäusebussarde und Rotmilane“, sagt er stolz. Das ist nicht ungewöhnlich. Untersuchungen der RSPB und der Universität Cambridge ergaben, dass Solaranlagen in den East Anglian Fens, die naturnah bewirtschaftet werden, fast dreimal so viele Vögel beherbergen wie das umliegende Ackerland.
Dem Bau von Solaranlagen auf hochwertigem Ackerland steht Darley dagegen weniger positiv gegenüber. Der von Miliband genehmigte Solarpark „Mallard Pass“ wird teilweise auf landwirtschaftlich hochwertigem Boden errichtet. „Ich bin der Meinung, dass es nach Möglichkeit weiterhin eine Flächenklassifizierung geben sollte, damit Solarparks nicht gutes Ackerland aus der Produktion nehmen.“
Whitecross produziert das ganze Jahr über Energie. An einem hellen Wintertag liegt die Produktion etwas unter der Hälfte ihrer Kapazität. Vassilis Thomas, der die Anlage wartet, wirft einen Blick auf eine App auf seinem Handy: „Im Moment sind es 133 Kilowatt (kW), und die Kapazität beträgt 320 kW, wir liegen also bei etwa 40 Prozent. Bei Bewölkung kann dieser Wert auf 15 oder 20 Prozent sinken.“
Andere nordeuropäische Länder sind bereits weiter
In einigen Kampagnen gegen Solarenergie wird behauptet, das Vereinigte Königreich liege zu weit im Norden, als dass sich Solarenergie lohnen würde. Andere nordeuropäische Länder haben jedoch ähnliche Sonneneinstrahlungswerte. In den Niederlanden werden 20,5 Prozent des Stroms aus Solarenergie erzeugt. In Großbritannien erreichte der Anteil der Solarenergie im vergangenen Jahr – dem sonnigsten seit Beginn der Aufzeichnungen – nur mehr als 6 Prozent.
Die britische Solarindustrie expandiert schnell. Allein in Lincolnshire plant die Regierung vier Solarparks, einer davon ein Groß-Projekt.
Hier wird viel mit Angst gehandelt
Aber Tice, dessen Wahlkreis Boston und Skegness kaum mehr als 32 Kilometer von Whitecross entfernt liegt, tut sein Bestes, um das Vertrauen der Märkte zu untergraben: Im Juli warnte er Investoren, dass eine Reform-Regierung „Verträge kündigen“ würde, die Preise für Stromerzeuger aus erneuerbaren Energien und Kernkraftwerken garantieren.
Preisvereinbarungen wie diese sind in einem privatisierten Energiemarkt unverzichtbar, da der Großteil der Kosten im Voraus anfällt. Viele Investoren sind nur dann bereit, das für die Errichtung neuer Solarparks erforderliche Kapital bereitzustellen, wenn sie wissen, dass sich die Projekte rentieren werden.
Hooper-Kay ist beunruhigt über die Drohungen der Reformpartei: „Es ist sehr kurzsichtig. Es hat etwas von: ‚Trotz Gefahr einfach weitermachen und hoffen, dass wir nicht untergehen‘.“
Während die Sonne hinter dem Horizont versinkt, geht Murray mit seinen Hunden spazieren. Er bleibt vor einem Plakat stehen, auf dem davor gewarnt wird, dass Solarparkanlagen Lincolnshire industrialisieren. „Haben sich die Menschen in Lincolnshire beschwert, als weite Teile von Yorkshire und Schottland von Kohlefeldern bedeckt waren? Natürlich nicht“, sagt er mit seiner typischen Direktheit. „Es ist an der Zeit, dass Lincolnshire seinen Beitrag leistet.“
tiven ablöste, braut sich eine Rebellion zusammen. Der umgängliche frühere Beamte des königlichen Personenschutzes plant eine offen radikale Kampagne zivilen Ungehorsams gegen eine Reihe riesiger Solarparks, die für Lincolnshire geplant sind.Politiker gegen SolarparksTrotz eines Vierteljahrhunderts bei der Metropolitan Police ist Matthews bereit, das Gesetz zu brechen, um die Solarentwickler zu stoppen. Er plant, sich vor die Bulldozer zu legen. „Sie können mich gern verhaften. Ich habe auch schon viele Leute verhaftet“, erklärt er und beugt sich auf dem Sofa nach vorne. „Es geht um viel mehr als um mich und mein Strafregister. Um Himmels willen, es geht um die Zukunft des Landkreises, es geht um die Zukunft unseres Landes. Das liegt mir sehr am Herzen, und ich werde tun, was ich kann.“Er ist nicht der einzige gewählte politische Vertreter für Lincolnshire, der bereit ist, ein oder zwei Nächte in der Zelle zu verbringen. Auch Natalie Oliver, eine lokale Unternehmerin, die im vergangenen Jahr als Vertreterin der Reformpartei in den County Council gewählt wurde, ist bereit, sich der Polizei zu widersetzen. „Ich würde alles für meine Bürger hier tun … wir stehen zu 100 Prozent hinter dieser Sache“, bekräftigt Oliver, die gegenüber von Matthews sitzt. „Verhaftet zu werden, wäre eine neue Erfahrung für mich, aber wenn es sein muss, dann muss es eben sein.“Auf der einen Seite: Energieminister Ed Miliband will die Erneuerbaren ausbauenDas ist die Frontlinie eines erbitterten politischen Kampfes um den Ausbau von Mega-Solarparks, der die Zukunft der Energiewende in Großbritannien prägen könnte. Auf der einen Seite steht Labour-Energieminister Ed Miliband, der versprochen hat, gegen die „Blockierer“ vorzugehen, um großangelegte Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien durch das Planungssystem zu bringen. Auf der anderen Seite steht eine bunte Mischung aus Basisaktivisten und Nigel Farages Anti-Netto-Null-Verfechtern, die die Politik in Lincolnshire zunehmend dominieren.Miliband hat in Lincolnshire mehr Großsolaranlagen genehmigt als irgendwo sonst im Land. Vier andere Grafschaften, darunter Yorkshire und Cambridgeshire, haben jeweils nur ein genehmigtes Solarprojekt mit einer Leistung von mehr als 100 Megawatt (MW), während in Lincolnshire insgesamt sechs vorgesehen sind. Dazu gehören die Solaranlagen Tillbridge Solar und Mallard Pass. Weitere vier Solarprojekte in Lincolnshire durchlaufen derzeit das nationale Genehmigungsverfahren.Für Unterstützter der erneuerbaren Energien ist das eine verheißungsvolle Aussicht. Miliband hat versprochen, Großbritannien in eine „Supermacht für saubere Energie“ zu verwandeln, indem er bis zum Ende des Jahrzehnts die Solarstromkapazität fast verdreifacht, die Onshore-Windkraft verdoppelt und die Offshore-Windkraft vervierfacht, um praktisch ein CO₂-freies Stromnetz zu schaffen.Auf der anderen Seite: Anwohner fürchten um das Land-LebenFür viele Anwohner bedeutet die Solarrevolution jedoch eine Umwälzung des seit Jahrhunderten gewohnten ländlichen Lebens, eine Verunstaltung der Landschaft und die Blockierung landwirtschaftlicher Fläche. Sie bezweifeln zudem, dass es sinnvoll ist, auf einer oft bewölkten Insel Solarmodule zu installieren, und sind der Ansicht, dass eher private Bauträger als die Öffentlichkeit davon profitieren werden.Die Landschaft rund um die Marktstadt Gainsborough in Lincolnshire steht im Fokus von Solarentwicklern und deren Gegnern. Sie soll durch vier große Solarkraftwerke verändert werden. Das Gebiet ist attraktiv, da sich die Solarparks am Standort des früheren Kohlekraftwerks Cottam, das hier ein halbes Jahrhundert lang in Betrieb war, problemlos an das nationale Stromnetz anschließen lassen. Eine der neuen Anlagen, Tillbridge, ist das größte Solarprojekt, für das bisher eine Baugenehmigung erteilt wurde. Das Projekt wird sich über etwa 1.400 Hektar erstrecken, was 2.000 Fußballfeldern entspricht.Unterdessen verwandelt sich in dem hübschen Dorf Glentworth Frustration zunehmend in Groll. Dorne Johnson beteiligt sich an der Leitung der Gruppe „7000 Acres“, die Anwohner aus mehr als 30 Dörfern vertritt, die sich gegen die vier Solarparks wehren.Sie hat das Vertrauen in das nationale Planungsverfahren verloren, das für große Infrastrukturprojekte zuständig ist. „Wir haben das Gefühl, dass man uns über den Tisch zieht. Wir haben das Gefühl, keine Stimme zu haben“, erklärt Johnson, während sie mit ihren beiden Cockapoos einen schlammigen Weg entlanggeht, von dem aus man eines Tages Tillbridge überblicken wird.An den Klimanotstand glauben sie nichtAuf dem Gelände werden Tausende von 3,5 Meter hohen, sich nach der Sonne ausrichtenden Solarmodulen installiert, um die Stromproduktion zu maximieren. Das gesamte Gelände wird eingezäunt, um Passanten zu schützen und Kabeldiebstahl während der Laufdauer der Anlage zu verhindern, die 40 bis 60 Jahre beträgt.„Ich lebe dann nicht mehr in einem ländlichen Dorf. Ich lebe in einem Kraftwerk“, klagt Johnson, die 2021 mit ihrem Mann nach der Pensionierung in die Grafschaft gezogen ist. „Warum ist Lincolnshire das Opferlamm? Wenn wir Solarparks brauchen – was ich nicht glaube, da es bessere Optionen gibt –, warum kommen sie dann alle hierher?“Die Gruppe möchte auf keinen Fall als Nimbys (kurz für: Not in my Backyard, deutsch: Nicht bei mir vor der Haustür-Sager) dargestellt werden. Johnson betont, dass sie nichts gegen andere Energieanlagen wie modulare Kernreaktoren einzuwenden hätte, da diese weniger Platz beanspruchen. „Die Solarenergie nimmt all diese Flächen weg, auf denen Nahrungsmittel angebaut werden, obwohl man stattdessen ein Sizewell C bauen könnte, das weniger Auswirkungen hat“, ist sie überzeugt.Sie achten auch darauf, nicht wie Klimawandel-Leugner zu wirken. Doch ihre Kritik geht in diese Richtung. Johnson stellt in Frage, dass tatsächlich ein Klimanotstand vorliegt, obwohl Wissenschaftler weltweit rasche und drastische Reduzierungen der Emissionen fordern. „Wir glauben nicht, dass ein Notstand vorliegt“, sagt sie. „Wir sind gegen diese Eile … wir sollten die Sache überlegter und langsamer angehen.“Solarpark statt IdylleEtwas später prasselt kalter Regen vom bleiernen Himmel auf ein abgelegenes Arbeiter-Cottage am äußersten Rand von Glentworth. Das Häuschen ist umgeben von einem Flickenteppich aus gepflügten Feldern und matschigen Wintergetreidefeldern, der nur hier und da von einem landwirtschaftlichen Schuppen unterbrochen wird.Abgesehen vom Prasseln der Regentropfen ist kaum ein Geräusch zu hören. Es ist diese Ruhe, die Alison Wood und Nick Mapstone im Jahr 2000 nach Lincolnshire lockte. Sie wollten unbedingt dem hektischen Treiben im Südosten Englands entfliehen und einen Rückzugsort finden, um sich um ihre autistische Tochter zu kümmern, die Lernschwierigkeiten hat und unter Lärm leidet.„Ich hatte gerade meine Arbeit aufgegeben, um mich um sie zu kümmern. Es schien die perfekte Lösung zu sein, sie und unsere andere Tochter hierherzubringen, raus in die Wildnis, wo uns niemand stören würde“, erzählt Wood, während das Wasser vom Dach des Wintergartens des Häuschens herunterläuft. „Es war jahrelang unsere kleine ländliche Idylle, bis der Solarpark über uns hereinbrach.“Folgen für die Menschen vor OrtIhr Häuschen grenzt an Felder, die in Zukunft zum Solarpark „Tillbridge Solar“ werden sollen. Das Bauvorhaben hängt schon seit 2022 wie ein Damoklesschwert über ihnen, als Mapstone, ein pensionierter Gesundheitsprüfer, einen Vermessungsingenieur antraf, der ihre Einfahrt entlangschlenderte. „Sie wollten unsere Kontaktdaten, um uns in die sogenannte Konsultation einzubeziehen“, sagt Mapstone mit mehr als nur einem Anflug von Bitterkeit.Die Anlage wird das Leben des Paares zweifellos verändern. Eine der beiden Umspannstationen wird nur etwas mehr als 500 Meter von ihrem Haus entfernt liegen, drei Batterieeinheiten weniger als 900 Meter. Sie befürchten, dass ihre 33-jährige Tochter unter dem Brummen dieser Anlagen leiden wird, was dazu führen könnte, dass sie nicht mehr in den Garten geht oder gar kein Fenster mehr öffnet.„Wir haben unser Leben lang versucht, sie vor allem zu schützen, was ihr schaden könnte, und jetzt können wir nichts dagegen tun“, sagt Wood. „Wir sind völlig machtlos.“Das Unternehmen reagiertDie Sorge zehrt an den Kräften. Mapstone überlässt Wood, die früher Psychologie-Dozentin an der Universität war, den größten Teil des Gesprächs, doch sein erschöpfter Gesichtsausdruck und die Schatten unter seinen Augen lassen auf schlaflose Nächte schließen.Die Erfahrung habe seiner Gesundheit zugesetzt: „Es hat zu Depressionen und Angstzuständen geführt. Vorher ging es mir gut. Und ich bin mir sicher, dass es nicht nur mir so geht; viele Menschen im Dorf sind davon betroffen“, sagt er. „Es ist die ständige Sorge und die Machtlosigkeit … Es ist die Unausweichlichkeit; dass es einfach passieren wird.“Die Bedenken der Familie führten im Rahmen des Planungsverfahrens zu 22 Seiten technischen Anmerkungen. Tillbridge Solar teilte der Planungsaufsichtsbehörde mit, dass es seine Pläne überarbeitet habe, um den Lärm in dem Cottage zu reduzieren. Das Unternehmen versprach zudem, nach Fertigstellung des Parks Stichprobenkontrollen durchzuführen.Solarparks sind deutlich leiser als fossile KraftwerkeEin Sprecher des Unternehmens erklärt mir, dass man sich bewusst sei, dass große Infrastrukturprojekte einschüchternd wirken könnten. Er argumentiert jedoch, dass fertige Solarparks leise Strom erzeugen, ohne Verbrennung, Emissionen oder regelmäßigen Fahrzeugverkehr.Man habe zwar Verständnis für die Bedenken von Wood und Mapstone, aber die Lärmpegel bei den nächstgelegenen Wohnhäusern würden deutlich unter den anerkannten Grenzwerten bleiben.Wood und Mapstone beruhigt das nicht; sie befürchten, dass die Medikamentendosis ihrer Tochter erhöht werden muss, damit sie mit dem Lärm zurechtkommt. „Wir fühlen uns schrecklich – wir wollen das nicht tun“, sagt Wood.Verlust von Anbauflächen für LebensmittelNicht nur die unmittelbaren künftigen Nachbarn von Tillbridge Solar sind verärgert. Auch die geplante Trasse der Erdkabel, die das Projekt und die anderen Solarparks rund um Gainsborough an das nationale Stromnetz anschließen sollen, hat entschlossenen Widerstand ausgelöst.Auf den windgepeitschten Feldern südlich von Gainsborough stapft Nick Hill, ein Kartoffelbauer mit stählernem Blick, über das Gelände, das für die Kabel vorgesehen ist. „Es gibt vier Solarparks im Umkreis von knapp zehn Kilometern, und alle Kabel verlaufen direkt hier durch und führen dorthin“, erklärt Hill und zeigt auf die entfernten grauen Schornsteine des stillgelegten Kohlekraftwerks Cottam.Das betrifft Hill unmittelbar: Er darf keine weiteren Schuppen zur Lagerung seiner Ernten und Landmaschinen über den Stromleitungen errichten. Doch noch mehr beunruhigt ihn der Verlust von Anbauflächen. „Im Zweiten Weltkrieg hätten wir, wenn die Schiffe nicht gekommen wären, nur noch wenige Tage gehabt, bis uns die Lebensmittel ausgegangen wären. Heute leben mehr Menschen in diesem Land, daher bleibt uns weniger Zeit, falls etwas schiefgeht“, sagt er. „Das ist sehr kurzsichtig.“Die Landwirte sind gespaltenDiese Befürchtung steht im Mittelpunkt des Streits um Solarenergie in Lincolnshire. Zwar könnteweniger als ein Prozentder Landfläche Großbritanniens genug Solarenergie erzeugen, damit das Land bis 2050 die Netto-Null erreicht, doch sind diese Standorte nicht gleichmäßig über das Land verteilt. Die lokalen Landwirte sind gespalten: Viele haben ihr Land an Solarparks verpachtet, während andere zu leidenschaftlichen Gegnern der Solarenergie geworden sind. Hill, dessen Familie seit fünf Generationen in Lincolnshire ansässig ist, äußert sich scharf über Landwirte, die ihr Land an Solarunternehmen verpachten. „Ich kenne sie“, sagt er. „Es geht nur um Geld und Gier.“Die Bauträger werden oft in einem ähnlichen Licht gesehen. Alle genehmigten Großprojekte in Lincolnshire befinden sich in privater Hand. Tillbridge wird von dem internationalen Solarunternehmen Canadian Solar, das über eine chinesischeTochtergesellschaftfür die Solarproduktion verfügt, sowie dem britischen Unternehmen für erneuerbare Energien Tribus Clean Energy errichtet. Hill ist empört darüber, dass Miliband es solchen privaten Unternehmen ermöglicht hat, einen so großen Teil der Grafschaft an sich zu reißen: „Diesen Unternehmen geht es nur um Profit. Das ist falsch.“Die Solarparks politisieren die lokale BevölkerungAuf Hills Farm fand eine von Richard Tice, dem Abgeordneten für Lincolnshire und stellvertretenden Vorsitzenden der Reform-Partei, organisierte Protestkundgebung mit rund 100 Teilnehmern statt, die von den Fernsehsendern GB News und ITV übertragen wurde. Anwohner und Gemeinderäte hielten Plakate mit Slogans wie „Rettet das ländliche Lincolnshire“ und „Felder für Lebensmittel statt Solarparks“ hoch.Vor der Menge sprach Tice eine bekannte Drohung aus: „Wir werden all diese neuen Verträge zerreißen … ob es sich nun um Windparks, Solarparks oder Batteriespeicher handelt, sie sind gewarnt. Wir betrachten sie nicht als gültig. Sie werden null und nichtig sein … Wenn Sie in Solar- und Windenergie investieren, werden Sie wahrscheinlich Ihr Geld verlieren.“Den Bauern Hill hat das Thema politisiert. Er streut Tices Schlagwort „Net Zero Stupid“, deutsch: Netto-Null-Quatsch, immer wieder in seine Antworten ein. Bei den letzten Parlamentswahlen hat er sich nicht die Mühe gemacht, zur Wahl zu gehen. Aber wenn er das nächste Mal zur Wahlurne geht, steht für ihn fest: „Ich stimme für Reform.“Reform punktete mit klimafeindlichen Parolen Hill ist kein Einzelfall. Eine aktuelleYouGov-Umfragedeutet darauf hin, dass Farages Anti-Netto-Null-Populisten auf dem besten Weg sind, bis auf einen alle Parlamentssitze in der Grafschaft zu erringen. Sie haben bereits einige bedeutende lokale Erfolge verbucht: Neben der Kontrolle über den Grafschaftsrat gewann die Kandidatin der Partei, Andrea Jenkyns, im Mai 2025 die Wahl zur ersten Bürgermeisterin von Greater Lincolnshire. Zurück in den Büros des County Councils in Lincoln sind Matthews und Oliver fest entschlossen, bei den nächsten Parlamentswahlen zu kandidieren, die bis 2029 stattfinden müssen. „Ich würde mich zur Wahl stellen – ich möchte so viel tun, wie ich kann“, erklärt Oliver. Ein lächelnder Matthews wirft ein: „Ich kann mir nicht vorstellen, ohne sie auf diesen grünen Bänken zu sitzen.“In der Zwischenzeit wollen sie auf anderen Wegen versuchen, die Entstehung großer Solarparks in Lincolnshire zu verhindern. Matthews bestreitet, dass sein Vorgehen mit den Aktionen der „Just Stop Oil“-Aktivisten, die auf die Überführungen der M25 klettern, oder mit dem berühmtesten Anti-Straßen-Demonstranten Großbritanniens vergleichbar sei. „Swampy war gegen den Straßenbau. Ich verstehe das Prinzip, aber die Straße hat einen Nutzen … Der Nutzen von Solarparks ist nicht bewiesen.“Lieber Fracking als SolarparkMatthews ist der Ansicht, dass Miliband die Stimmung in der Bevölkerung des Landkreises gleichgültig ist. „Ich glaube wirklich, dass es der Labour-Partei egal ist, weil sie hier niemals gewinnen wird. Deshalb wird sie einfach alles in Lincolnshire kaputt machen und diesen schönen Landkreis in eine industrialisierte, elektrifizierte Einöde verwandeln.“Der Vorsitzende der Reformpartei befürwortet jedoch andere Formen der industriellen Energieerzeugung in Lincolnshire. Matthews unterstützt sogar modulare Kernreaktoren und Fracking, da diese weniger Fläche beanspruchen als Solarenergie.Das ist mehr als nur ein Wunschtraum: Jenkyns hat bereits Kontakt zu einem US-amerikanischen Fracking-Unternehmen aufgenommen. „Wenn wir zusätzliche Energie brauchen, sollten wir uns mit Schiefergas befassen. Lassen Sie uns diese fantastische Ressource nutzen, die wir in Lincolnshire haben“, sagt Matthews mit unbändiger Begeisterung. „In Amerika funktioniert das wirklich gut; dort fördern sie riesige Mengen aus dem Boden.“Der Reform-Politiker hält den menschlichen Einfluss auf das Klima für geringDie konservative britische Regierung hat Fracking im Jahr 2019 aufgrund „inakzeptabler Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung“ verboten. Ein offizieller Bericht warnte, es sei unmöglich, das Ausmaß der Erdbeben vorherzusagen, die durch dieses Verfahren ausgelöst werden könnten. Fracking-Standorte haben zu langanhaltenden Protesten geführt, doch Matthews ist überzeugt, dass er die Anwohner für sich gewinnen könnte: „Wir würden sie überzeugen.“Genau wie die Gruppe „7000 Acres“ möchte Matthews nicht als Leugner des Klimawandels bezeichnet werden, doch er stellt den Beitrag des Menschen zur globalen Erwärmung offen in Frage: „Meiner Ansicht nach ist unser Einfluss auf das Klima des Planeten verschwindend gering.“Der Weltklimarat der Vereinten Nationen, der in regelmäßigen Abständen alle verfügbaren Klimaforschungsergebnisse auswertet, kam zu dem Schluss, dass menschliche Aktivitäten „eindeutig die globale Erwärmung verursacht haben“ und damit Menschen und Natur weltweit schaden. Doch davon will Matthews nichts wissen: „Kommen Sie mir nicht mit diesem Unsinn. Das ist 30 Jahre altes Zeug und erfunden. Das ist verrückt. Es ist nicht wahr. Das sind Wissenschaftler, die von Leuten bezahlt wurden, die mit den neuen grünen Energien viel Geld verdienen wollen.“Befürworter der Projekte äußern ihre Meinung nur ungern öffentlichLaut dem Sprecher von Tillbridge Solar meidet das Projekt hochwertige landwirtschaftliche Flächen so weit wie möglich. Jede Änderung der Landnutzung sei auch nur vorübergehend und nach Ablauf der Betriebsdauer des Projekts rückgängig machbar. Zudem seien die unabhängigen Planungsprüfer des Projektes zu dem Schluss gekommen, dass die Größe der genutzten Fläche keine „wesentlichen Auswirkungen“ auf die Ernährungssicherheit Großbritanniens haben werde.Es ist schwer, in Lincolnshire prominente Persönlichkeiten zu finden, die bereit sind, sich öffentlich für Solarenergie einzusetzen. Ein Umweltschützer sagte ein Interview mit mir ab, weil er befürchtete, es könnte seiner Kampagne schaden. Neil Murray, ist ein langjähriger früherer Labour-Stadtrat, der mittlerweile als Unabhängiger im Planungsausschuss sitzt.Befürworter der Solarenergie in lokalen Geschäften sprächen manchmal „mit gedämpfter Stimme“, aus Angst, man könnte sie hören. „Hier in der Gegend ist zu bemerken, dass Menschen, die Solarenergie befürworten, sich zurückhalten“, erzählt er im Wohnzimmer seines ländlichen Bungalows, während seine beiden Spaniels zu seinen Füßen liegen.Direkt Betroffene seien EinzelfälleMurray dagegen scheut sich nicht davor, für Unmut zu sorgen. Er behauptet, dass Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien häufig vom Gemeinderat blockiert werden: „Das hat nichts mit dem Schutz der Umwelt zu tun. Sie halten die Klimakrise für eine Verschwörung. Sie sagen das zwar nicht so, aber genau das steckt dahinter.“Murray, dessen Familie in den 1960er Jahren aus beruflichen Gründen von Glasgow nach Lincoln gezogen ist, betont, dass der größte Teil von Lincolnshire nach dem Bau der Solarparks unberührt bleiben wird. „Solargegner müssen die Dinge ins rechte Licht rücken“, fordert er. „Wenn wir Strom und nicht von Diktatoren abhängig sein wollen, brauchen wir saubere, erneuerbare Energie aus Quellen wie Sonne, Wind und Wellen, die nicht versiegen.“Er räumt ein, dass einige von den Veränderungen negativ betroffen sein könnten. Aber: „Die meisten dieser Solarparks liegen nicht in der Nähe von Wohngebieten“, sagt er. „Die betroffenen Familien tun mir leid, aber das sind Einzelfälle.“Grund für den Kulturkampf? Die Leute mögen keine VeränderungDas Dorf, in dem Murray mit seiner Partnerin lebt, liegt auf einem Kalksteingrat, der sich vom Süden der Grafschaft bis zur Mündung des Flusses Humber im Norden erstreckt. Pläne zum Bau einer Batteriespeicheranlage und eines Umspannwerks von National Grid zur Versorgung nahegelegener Solarparks haben zu einer Bürgerinitiative und einem Protestmarsch geführt.Im Rahmen des Projekts könnten 232 Batterien von der Größe eines Lieferwagens auf zwei Feldern außerhalb des Dorfes aufgestellt werden. Er räumt ein, dass viele Menschen gegen das sind, was sie als Industrialisierung von Lincolnshire ansehen. „Es ist zu einem Kulturkampf geworden“, sagt er. „Sie mögen keine Veränderungen.“Nur wenige vertrauen privaten Bauträgern, doch in den nächsten vier Jahren könnten mehr Gemeinden ihre eigenen Projekte im Bereich erneuerbarer Energien auf die Beine stellen. Great British Energy, das im vergangenen Mai von der Regierung gegründet wurde, plant, Strom aus öffentlichen Anlagen für erneuerbare Energien zu erzeugen und bis 2030 bis zu eine Milliarde Pfund für die Unterstützung von mehr als 1.000 gemeindeeigenen Energieprojekten auszugeben.Umfragen deuten darauf hin, dass Projekte wie diese deutlich weniger Widerstand hervorrufen als private. Doch das gilt nicht für die eingefleischten Gegner im Grafschaftsrat von Lincolnshire. „Es geht nicht darum, wem es gehört“, sagt Matthews. „Es geht darum, dass riesige Flächen Ackerland mit hässlichen Schandflecken überzogen werden.“ Wie sieht ein Solarpark eigentlich aus?Es gibt zahlreiche apokalyptische Warnungen über die Auswirkungen von Solarparks auf die ländliche Landschaft, aber wie sehen diese eigentlich aus? Der 52 Hektar große Solarpark Whitecross ist von einer ruhigen, von Bäumen gesäumten Landstraße am Rande der Stadt Sleaford in Lincolnshire kaum zu sehen. Ein unbefestigter Weg durch einen Wald führt zu sechs Feldern mit mehr als 63.500 dunklen Solarmodulen, die in der Wintersonne schimmern.„Ich finde das wunderschön“, sagt Saffron Hooper-Kay, die Whitecross für die Investmentgesellschaft Downing leitet. „Hier wird grüner Strom produziert, und das finde ich wunderschön. Jedes Modul hat eine Spitzenleistung von 250 Watt, vier Module zusammen bringen einen Wasserkocher zum Kochen.“Whitecross ist lange nicht so groß wie Tillbridge, das 23 Mal größer sein wird. Dennoch erzeugt es jährlich genug Strom für 10.300 durchschnittliche Haushalte. Würde dieselbe Energiemenge mit fossilen Brennstoffen erzeugt, würden dabei jährlich 6.954 Tonnen Treibhausgase entstehen. „Das entspricht einer jährlichen Entlastung der Straßen um 1.620 Autos oder der Pflanzung von 116.000 Bäumen über einen Zeitraum von 10 Jahren“, erklärt Hooper-Kay. Berücksichtigt man die Herstellung und den Transport der Solarmodule aus Übersee, könnte es allerdings bis zu zwei Jahre dauern, bis Whitecross CO₂-positiv ist.Auch Landwirte profitieren vom SolarparkHooper-Kay begann ihre Karriere auf Bohrinseln in der Nordsee, wo die rechtspopulistische Reform-Partei plant, die Bohrtätigkeit auszuweiten, falls sie die nächsten Wahlen gewinnt. „Ich habe früher in der Öl- und Gasbranche gearbeitet“, erzählt die Managerin, während sie durch die Solaranlagen schlendert. „Ich wollte kein Öl mehr aus dem Boden holen, also habe ich umgeschult.“Auch der Landwirt, der das Land verpachtet, ist begeistert. „Es ist sehr schwerer Boden. Er ist als Klasse 3b eingestuft, was eine geringe Ertragsfähigkeit bedeutet“, erklärt Andrew Darley und deutet auf die Felder, die seine Familie seit drei Generationen bewirtschaftet. Die Einnahmen aus der Verpachtung haben sich im Vergleich zu dem, was er mit dem Anbau von Raps und Weizen verdiente, etwa vervierfacht.Placeholder image-1„Ohne den Solarpark hätten wir zu kämpfen gehabt“, erzählt er. „Das hat einen großen Unterschied gemacht.“ Aber er freut sich auch darüber, einen Beitrag zum Netto-Null-Ziel zu leisten und dem Boden für die Dauer des Projekts eine Ruhepause zu gönnen. „Wir mussten ziemlich viele Herbizide einsetzen“, sagt er. „Jetzt sind wir ganz auf Grün umgestiegen.“Die Natur kehrt zurückWährend Darley spricht, huscht ein Hase zwischen den Solaranlagen hindurch. „Ich bin überrascht, wie viele Wildtiere sich hier angesiedelt haben. Es gibt Feldhasen, Rebhühner, Feldlerchen, Mäusebussarde und Rotmilane“, sagt er stolz. Das ist nicht ungewöhnlich. Untersuchungen der RSPB und der Universität Cambridge ergaben, dass Solaranlagen in den East Anglian Fens, die naturnah bewirtschaftet werden, fast dreimal so viele Vögel beherbergen wie das umliegende Ackerland.Dem Bau von Solaranlagen auf hochwertigem Ackerland steht Darley dagegen weniger positiv gegenüber. Der von Miliband genehmigte Solarpark „Mallard Pass“ wird teilweise auf landwirtschaftlich hochwertigem Boden errichtet. „Ich bin der Meinung, dass es nach Möglichkeit weiterhin eine Flächenklassifizierung geben sollte, damit Solarparks nicht gutes Ackerland aus der Produktion nehmen.“Whitecross produziert das ganze Jahr über Energie. An einem hellen Wintertag liegt die Produktion etwas unter der Hälfte ihrer Kapazität. Vassilis Thomas, der die Anlage wartet, wirft einen Blick auf eine App auf seinem Handy: „Im Moment sind es 133 Kilowatt (kW), und die Kapazität beträgt 320 kW, wir liegen also bei etwa 40 Prozent. Bei Bewölkung kann dieser Wert auf 15 oder 20 Prozent sinken.“Andere nordeuropäische Länder sind bereits weiterIn einigen Kampagnen gegen Solarenergie wird behauptet, das Vereinigte Königreich liege zu weit im Norden, als dass sich Solarenergie lohnen würde. Andere nordeuropäische Länder haben jedoch ähnliche Sonneneinstrahlungswerte. In den Niederlanden werden 20,5 Prozent des Stroms aus Solarenergie erzeugt. In Großbritannien erreichte der Anteil der Solarenergie im vergangenen Jahr – dem sonnigsten seit Beginn der Aufzeichnungen – nur mehr als 6 Prozent.Die britische Solarindustrie expandiert schnell. Allein in Lincolnshire plant die Regierung vier Solarparks, einer davon ein Groß-Projekt.Hier wird viel mit Angst gehandeltAber Tice, dessen Wahlkreis Boston und Skegness kaum mehr als 32 Kilometer von Whitecross entfernt liegt, tut sein Bestes, um das Vertrauen der Märkte zu untergraben: Im Juli warnte er Investoren, dass eine Reform-Regierung „Verträge kündigen“ würde, die Preise für Stromerzeuger aus erneuerbaren Energien und Kernkraftwerken garantieren.Preisvereinbarungen wie diese sind in einem privatisierten Energiemarkt unverzichtbar, da der Großteil der Kosten im Voraus anfällt. Viele Investoren sind nur dann bereit, das für die Errichtung neuer Solarparks erforderliche Kapital bereitzustellen, wenn sie wissen, dass sich die Projekte rentieren werden.Hooper-Kay ist beunruhigt über die Drohungen der Reformpartei: „Es ist sehr kurzsichtig. Es hat etwas von: ‚Trotz Gefahr einfach weitermachen und hoffen, dass wir nicht untergehen‘.“Während die Sonne hinter dem Horizont versinkt, geht Murray mit seinen Hunden spazieren. Er bleibt vor einem Plakat stehen, auf dem davor gewarnt wird, dass Solarparkanlagen Lincolnshire industrialisieren. „Haben sich die Menschen in Lincolnshire beschwert, als weite Teile von Yorkshire und Schottland von Kohlefeldern bedeckt waren? Natürlich nicht“, sagt er mit seiner typischen Direktheit. „Es ist an der Zeit, dass Lincolnshire seinen Beitrag leistet.“