Nicht nur von Donald Trump, auch von Präsident Selenskyj lässt sich die EU erpressen, wie der Streit um die durch die Ukraine führende Öltrasse „Drushba“ zeigt. Erst angeblich zerstört, ist sie schnell intakt, wenn es um viel Geld geht


Am LNG-Terminal in Wilhelmshaven wird Flüssigerdgas in das deutsche Netz eingespeist

Foto: Bastian/Caro/picture alliance


Europa ist in die Falle der USA getappt. Über Jahrzehnte hatten europäische Unternehmen einen Standortvorteil: Sie verfügten über relativ geringe Produktionskosten, weil sie vergleichsweise günstiges Öl und Gas aus Russland importieren konnten. Damit ist es bekanntlich vorbei.

Die EU will schon Ende dieses Jahres kein Flüssigerdgas (LNG) und Ende 2027 kein Pipelinegas mehr aus dem Osten beziehen. Damit werde die einseitige Abhängigkeit beendet, triumphiert Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in Brüssel.

Weltgrößter Energieexporteur

Doch damit nimmt sie Europas Schicksal aus der Hand der Russen und legt es in die der Amerikaner. Denen war die günstige Energieversorgung Europas schon lange ein Dorn im Auge. Das deutsch-russische Pipelineprojekt wurde von Washington mit Finanzsanktionen überzogen, bevor im September 2022 ein von der CIA ausgebildetes Kommando aus der Ukraine die Röhren in die Luft sprengte. Die USA sind im Zuge des Ukraine-Krieges zum weltgrößten Energieexporteur aufgestiegen. Rund 58 Prozent der LNG-Importe im Vorjahr kamen von dort, noch 2021 waren es lediglich 16 Prozent.

Durch den Angriffskrieg der USA und Israels auf den Iran und die Blockade der Straße von Hormus – durch die vor dem Krieg täglich 20 Prozent der weltweiten Energiebezüge transportiert wurden – ist die Abhängigkeit der Europäer von Trumps Gnaden noch einmal gewachsen. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche musste inzwischen eingestehen, dass sich das prognostizierte Wachstum des deutschen Bruttoinlandsprodukts bis Jahresende auf 0,5 Prozent halbieren dürfte.

Trassengebühren für Deutschland

In den USA selbst ist man mittlerweile über die europäische Unterwürfigkeit verwundert. „Die zunehmende Abhängigkeit von amerikanischem Gas wirkt angesichts der Unberechenbarkeit des Weißen Hauses töricht“, schreibt das Wall Street Journal. Trump schlachte die missliche Lage der Europäer aus, um weitere wirtschaftliche Vorteile zu erlangen: „Im vergangenen Sommer nutzte das Weiße Haus Europas Importabhängigkeit, um im Gegenzug für niedrigere Zölle weitere Käufe von US-amerikanischem Öl und Gas zu fordern“, erinnert das Blatt.

Grotesk wird die von der EU stolz verkündete Befreiung aus der Energieabhängigkeit, wenn davon auszugehen ist, dass im Umfeld von Donald Trump und Wladimir Putin bereits Verhandlungen über eine Reparatur der Nord-Stream-Trassen laufen sollen. Trassengebühren, die für Deutschland dann fällig würden, könnten künftig in Moskau und Washington festgelegt werden.

Und auch die Ukraine gebraucht Energie als Waffe. Übereinstimmenden Recherchen zufolge war die politische Führung in Kiew in den Nord-Stream-Anschlag eingeweiht. Strittig ist demnach nur, ob Walerij Saluschnyj, seinerzeit Geheimdienstchef und heute Botschafter in London, Präsident Wolodymyr Selenskyj über die Absichten ins Bild gesetzt hat.

In jedem Fall hat Deutschland aus diesem Komplott keine politischen Konsequenzen gezogen. Die Regierung Merz unterstützt die Ukraine finanziell in einem Maße wie nie zuvor und hat sich sogar dazu bereit erklärt, den Großteil der Summe zu übernehmen, den die USA unter Trump nicht mehr an die Selenskyj-Regierung zu zahlen gewillt sind.

Hängepartie um die Druschba-Pipeline

Selenskyj kappte in den vergangenen Wochen auch die Öllieferungen der durch die Ukraine laufenden Druschba-Pipeline an die Slowakei, Ungarn und Tschechien. Erst wenn die Regierungen dieser Staaten dem nächsten Beistandspaket der EU in Höhe von 90 Milliarden Euro zustimmen, sollte wieder Öl fließen. Als Viktor Orbán schließlich ankündigte, sein Veto zurückzuziehen, ward die Pipeline nach einer langen Hängepartie wie von Zauberhand über Nacht repariert. Die EU bleibt erpressbar.

rn im Auge. Das deutsch-russische Pipelineprojekt wurde von Washington mit Finanzsanktionen überzogen, bevor im September 2022 ein von der CIA ausgebildetes Kommando aus der Ukraine die Röhren in die Luft sprengte. Die USA sind im Zuge des Ukraine-Krieges zum weltgrößten Energieexporteur aufgestiegen. Rund 58 Prozent der LNG-Importe im Vorjahr kamen von dort, noch 2021 waren es lediglich 16 Prozent.Durch den Angriffskrieg der USA und Israels auf den Iran und die Blockade der Straße von Hormus – durch die vor dem Krieg täglich 20 Prozent der weltweiten Energiebezüge transportiert wurden – ist die Abhängigkeit der Europäer von Trumps Gnaden noch einmal gewachsen. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche musste inzwischen eingestehen, dass sich das prognostizierte Wachstum des deutschen Bruttoinlandsprodukts bis Jahresende auf 0,5 Prozent halbieren dürfte.Trassengebühren für DeutschlandIn den USA selbst ist man mittlerweile über die europäische Unterwürfigkeit verwundert. „Die zunehmende Abhängigkeit von amerikanischem Gas wirkt angesichts der Unberechenbarkeit des Weißen Hauses töricht“, schreibt das Wall Street Journal. Trump schlachte die missliche Lage der Europäer aus, um weitere wirtschaftliche Vorteile zu erlangen: „Im vergangenen Sommer nutzte das Weiße Haus Europas Importabhängigkeit, um im Gegenzug für niedrigere Zölle weitere Käufe von US-amerikanischem Öl und Gas zu fordern“, erinnert das Blatt. Grotesk wird die von der EU stolz verkündete Befreiung aus der Energieabhängigkeit, wenn davon auszugehen ist, dass im Umfeld von Donald Trump und Wladimir Putin bereits Verhandlungen über eine Reparatur der Nord-Stream-Trassen laufen sollen. Trassengebühren, die für Deutschland dann fällig würden, könnten künftig in Moskau und Washington festgelegt werden.Und auch die Ukraine gebraucht Energie als Waffe. Übereinstimmenden Recherchen zufolge war die politische Führung in Kiew in den Nord-Stream-Anschlag eingeweiht. Strittig ist demnach nur, ob Walerij Saluschnyj, seinerzeit Geheimdienstchef und heute Botschafter in London, Präsident Wolodymyr Selenskyj über die Absichten ins Bild gesetzt hat.In jedem Fall hat Deutschland aus diesem Komplott keine politischen Konsequenzen gezogen. Die Regierung Merz unterstützt die Ukraine finanziell in einem Maße wie nie zuvor und hat sich sogar dazu bereit erklärt, den Großteil der Summe zu übernehmen, den die USA unter Trump nicht mehr an die Selenskyj-Regierung zu zahlen gewillt sind.Hängepartie um die Druschba-Pipeline Selenskyj kappte in den vergangenen Wochen auch die Öllieferungen der durch die Ukraine laufenden Druschba-Pipeline an die Slowakei, Ungarn und Tschechien. Erst wenn die Regierungen dieser Staaten dem nächsten Beistandspaket der EU in Höhe von 90 Milliarden Euro zustimmen, sollte wieder Öl fließen. Als Viktor Orbán schließlich ankündigte, sein Veto zurückzuziehen, ward die Pipeline nach einer langen Hängepartie wie von Zauberhand über Nacht repariert. Die EU bleibt erpressbar.



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