Es tut uns leid, wenn wir die Überbringer schlechter Nachrichten sind. Aber die Feiern ob einer Studie, die gezeigt haben soll, dass eine Kombination von Ivermectin und Mebendazole Krebs bekämpfen soll, sind verfrüht, denn die Studie, die das angeblich zeigen soll, die zeigt das mitnichten.
🚨BREAKING: Largest Real-World Study of Ivermectin + Mebendazole in Cancer Patients Shows 84.4% Clinical Benefit — Nearly HALF Report Cancer Disappearance or Tumor Regression
— Nicolas Hulscher, MPH (@NicHulscher) April 7, 2026
Die Studie stammt, was uns besonders weh tut, aus dem Umfeld von Peter McCullough und kann hier nachgelesen werden:
Ich gebe zu, dass ich schon skeptisch werde, wenn Autoren ihre Studienergebnisse in einer Weise graphisch präsentieren zu müssen glauben, die eher an eine Fingerfarbenorgie im Kindergarten, denn an einen wissenschaftlichen Text, der sich an ein entsprechend erwachsenes Publikum richte, erinnert.
But here we are.
Das ist die zentrale Abbildung, auf die Nicolas Hulscher seine Behauptung im obigen Tweet stützt, dass „gut die Hälfte der Probanden“ von einer Regression ihres Tumor oder dem Verschwinden von Krebs berichte. Hart an der Grenze zur Fake News – ich bin nicht sicher, von welcher Seite der Grenze …
32.8% geben an, es gebe derzeit keine Hinweise auf Krebs, 15,6% geben an, ihr Krebs sei auf dem Rückzug und 36,1% berichten von einem stabilen, von Ivermectin und Mebendazole also offenkundig NICHT beeinflussten Erkrankungsverlauf. 15,6% berichten davon, ihr Krebs sei progressiv. Stutzen sie auch, wenn Leute, denen die Gabe von Ivermectin und Mebendazole offenkundig keine Besserung, sondern einen „stabilen Erkrankungsverlauf“ beschert hat, was auch immer das bedeuten mag, zu Leuten gemacht werden, die einen klinischen NUTZEN berichtet haben sollen? Stutzen Sie zudem, wenn der Hauptautor dieser Studie 32,8% der Befragten, die keinen Hinweis auf Krebs bei sich finden, als Beleg dafür wertet, dass ihr Krebs auf dem Rückzug sei?
Wir stutzen. Erheblich. Und wir stutzen noch mehr, wenn wir die Studie genauer lesen. Die Ergebnisse, die in der Hochglanzaufmachung oben präsentiert werden, entstammen einer quantitativen Befragung unter Krebspatienten, die auf SELBSTAUSKUNFT der Patienten beruht. Es gibt keine Untersuchung, keinerlei externe Validierung dieser Angaben.
Gut.
Man kann sich zu dem Gedanken durchringen, dass Krebs eine derart einschneidende Diagnose ist, dass derjenige, der davon betroffen ist, weiß, wovon er berichtet und korrekte Angaben macht. Halten wir diese Annahme, die man nicht machen muss, den Autoren zugute. Die Krebspatienten wurden zu ZWEI Zeitpunkten befragt. An der ersten Befragung haben 197 Befragte teilgenommen. Sie haben berichtet, unter welcher Art von Krebs sie leiden (Mehrheitlich Prostatakrebs, gefolgt von Brustkrebs, Lungen- und Darmkrebs usw.), sie haben den Stand der Krebserkrankung berichtet, was in die Gegenüberstellung von 37,1% der Befragten (N = 73), deren Krebserkrankung progressiv ist und 62,9% der Befragten (N = 124), deren Krebserkrankung das anscheinend nicht ist, gemündet ist.
Zum zweiten Zeitpunkt sind von diesen ursprünglich 197 Befragten noch 122 übrig. Das ist ein Aderlass von 38,1% der Befragten (75 an der Zahl). Bei einer Studie, die ohnehin auf einer geringen Fallzahl basiert, ist das eine Zahl, die zumindest dazu führen muss, dass genau beschrieben wird, WER aus der Studie gefallen ist, welche Krebserkrankungen, welche Stadien der Krebserkrankung davon betroffen waren.
Indes: Das ist nicht der Fall.
Im Gegenteil tun die Autoren so, als wäre der Verlust von rund 40% der Befragten kein Problem und man könne weiterhin so tun, als wären die Ergebnisse des ersten mit den Ergebnissen des zweiten Befragungszeitpunkts ohne jede Adjustierung vergleichbar. Das mag auch so sein, aber das muss man zeigen. Aber es ist unwahrscheinlich, dass die 75 aus der Studie gefallenen Autoren keinen Einfluss auf das „Ergebnis“ hatten, einfach auf Basis der Fallverteilung:
Das Beste, was man auf Basis dieser Tabelle annehmen kann, ist: 15,6% der 122 verbliebenen Befragten berichten von einer positiven Entwicklung ihrer Krebserkrankung (das sind 19 Leute). Ob diese positive Entwicklung auf die Einnahme von Ivermectin und Mebendazole zurückgeführt werden kann, ist indes eine ganz andere Frage, denn alle Befragten mit aktiver Erkrankung sind in Behandlung, mit Strahlen- oder Chemotherapie. Man müsste also die Effekte trennen, zeigen, wo die Befragten, deren Zustand hier zum zweiten Messzeitpunkt, also nach 90tägiger Einnahme von Ivermectin und Mebendazole berichtet wird, zum ersten Messzeitpunkt gewesen sind, denn es ist ein Unterschied, ob derjenige, dessen Krebs stabil ist, zum ersten Zeitpunkt bereits von einem stabilen Zustand berichtet hat, sich bei ihm also einfach nur nichts verändert hat, oder ob er von einer progressiven Krebserkrankung berichtet hat, die nun stabilisiert wurde. Diese Weigerung der Autoren, eine grundlegende Kreuztabelle auszuweisen, ohne die die Ergebnisse keinerlei statistischen Sinn machen und schlicht nicht interpretierbar sind, wird umso seltsamer als man schon gerne gewusst hätte, wo die 19 Befragten, die von einer Verschlechterung berichten, zum ersten Zeitpunkt zu finden waren: Handelt es sich bei Ihnen um 19 Befragte (15,6%), die zum ersten Zeitpunkt von einem stabilen Zustand berichtet haben? Dann hat sich ihr Zustand während der Einnahme von Ivermectin und Mebendazole verschlechtert. Nicht nur hat sich ihr Zustand verschlechtert, ihre Zahl entspricht auch exakt der Anzahl der Befragten, die berichten, ihr Zustand habe sich verbessert: Entsprechend gäbe es KEINERLEI nachweisbaren Nutzen einer Einnahme von Ivermectin und Mebendazole.
Es tut mir weh, eine Studie zu sehen, die von ihren Autoren gefeiert wird, deren Ergebnisse Betroffenen ein Licht am Ende eines dunklen Tunnels versprechen, die so offen für methodische und statistische Breitseiten ist, die auf Lücken und Unterlassungen, um nicht zu sagen, Unterschlagungen basiert, die die gesamte Studie infrage stellen.
Damit ist niemandem gedient.
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