Die frühere Selenskyj-Pressesprecherin Iuliia Mendel hat in einem Interview mit Tucker Carlson schwere Vorwürfe gegen die ukrainische Führung erhoben. Sie spricht über Machtmissbrauch, Angstklima, manipulierte Medienbilder, möglichen Kokainkonsum und angeblich verhinderte Friedenslösungen im Jahr 2022.
Als Tucker Carlson die ehemalige Sprecherin des ukrainischen Präsidenten interviewte, war schnell klar, dass dieses Gespräch internationale Sprengkraft entwickeln würde. Iuliia Mendel war zwischen Juni 2019 und Juli 2021 Pressesprecherin von Wolodymyr Selenskyj. Anders als westliche Leitmedien, die Selenskyj seit Kriegsbeginn fast ausschließlich als heldenhaften Kriegspräsidenten darstellen, zeichnet Mendel nun das Bild eines emotional instabilen, machtorientierten und zunehmend isolierten Staatschefs. Dass diese Aussagen nicht von russischen Staatsmedien stammen, sondern von einer ehemaligen Vertrauten des Präsidenten, macht den Fall für Kiew besonders unangenehm.
Mendel beschreibt Selenskyj im Gespräch als jemanden, der sich im Laufe der Jahre fundamental verändert habe. Wörtlich sagte sie laut deutscher Übersetzung: „Er glaubt, dass Menschen sterben müssen, damit er seine Ziele erreicht.“ An anderer Stelle erklärte sie: „Er sieht Menschen als Ressourcen.“ Solche Aussagen wären als „russische Propaganda“ abgetan worden, würde jemand anderes sie aussprechen. Nun kommen sie jedoch ausgerechnet von einer Frau, die einst für die öffentliche Kommunikation des ukrainischen Präsidenten verantwortlich war. Besonders interessant ist dabei, dass Mendel Selenskyj nicht als ideologischen Nationalisten beschreibt, sondern vielmehr als Politiker, der sich zunehmend in einer eigenen Machtwelt bewege und sich von Kritik abschotte.
Frieden verhindert?
Besonders interessant ist auch jener Teil des Interviews, in dem Mendel über die gescheiterten Friedensverhandlungen von Istanbul im Frühjahr 2022 sprach. Laut ihrer Darstellung hätten ukrainische Unterhändler damals signalisiert, dass ein Kompromiss zur schnellen Beendigung des Krieges möglich gewesen wäre. Mendel sagte dazu: „Die Ukraine war bereit, viele Bedingungen zu akzeptieren, um das Töten zu stoppen.“ Damit greift sie indirekt eine Debatte auf, die seit Jahren im Raum steht: Wurde ein möglicher früher Frieden geopolitischen Interessen geopfert? Russische Vertreter behaupten das seit langem, während westliche Regierungen dies kategorisch zurückweisen. Dass nun eine ehemalige Sprecherin Selenskyjs öffentlich andeutet, ein Frieden sei womöglich bewusst verhindert worden, dürfte diese Diskussion erneut anheizen.
Propaganda statt Journalismus im Westen
Auch die westliche Medienberichterstattung nimmt Mendel frontal ins Visier. Sie erklärte im Interview, viele internationale Medien hätten sich faktisch entschieden, Selenskyj nicht mehr kritisch zu hinterfragen. Wörtlich sagte sie: „Die Medien haben beschlossen, dass er ein Held sein muss.“ Diese Aussage trifft einen wunden Punkt. Tatsächlich entstand seit 2022 rund um Selenskyj ein beinahe hollywoodreifes Heldennarrativ: Auftritte in Militärpullovern, Videobotschaften vor dunklen Hintergründen und emotionale Reden vor westlichen Parlamenten wurden zum festen Bestandteil der internationalen Ukraine-Kommunikation. Kritische Fragen zu Korruption, Machtkonzentration oder Oppositionsverboten verschwanden dagegen weitgehend aus der öffentlichen Debatte.
Kokain-Gerüchte
Besonders heikel sind die Andeutungen rund um angeblichen Drogenkonsum. Mendel schilderte Situationen, in denen Selenskyj vor wichtigen Auftritten plötzlich verschwunden sei und danach „wie ein anderer Mensch“ zurückgekehrt wäre. Russische Medien interpretierten dies sofort als indirekte Bestätigung alter Kokain-Gerüchte rund um den ukrainischen Präsidenten. Einen direkten Beweis liefert Mendel allerdings nicht. Genau hier liegt der entscheidende Punkt: Das Interview enthält zahlreiche politische Aussagen und persönliche Einschätzungen, aber keine öffentlich vorgelegten Beweise für die schwersten Vorwürfe. Dennoch zeigt bereits die Existenz solcher Aussagen aus dem inneren Machtapparat, wie stark die Spannungen innerhalb des ukrainischen Establishments inzwischen offenbar geworden sind.
Mendel landet auf „Todesliste“
Nach dem Interview wurde Mendel laut mehreren Berichten in die umstrittene ukrainische „Myrotvorets“-Datenbank aufgenommen. Diese Plattform listet Personen als angebliche „Feinde der Ukraine“ oder „Verbreiter russischer Narrative“. Kritiker sprechen seit Jahren von einer faktischen Todesliste, weil mehrere dort aufgeführte Personen später unter gewaltsamen Umständen ums Leben kamen. Die Aufnahme Mendels dürfte daher von vielen Beobachtern als klare Einschüchterungsbotschaft verstanden werden. Gerade im Westen wurde die Existenz dieser Plattform lange weitgehend ignoriert oder verharmlost, obwohl internationale Menschenrechtsorganisationen bereits mehrfach Kritik daran äußerten.
Das Carlson-Interview zeigt vor allem eines: Hinter der offiziell inszenierten Einheitsfront in Kiew wachsen offenbar die Risse. Während europäische Politiker weiterhin Milliardenhilfen freigeben und westliche Medien den ukrainischen Präsidenten häufig wie eine unantastbare Symbolfigur behandeln, melden sich nun zunehmend ehemalige Insider zu Wort. Ob Mendels Aussagen vollständig der Wahrheit entsprechen oder teilweise von persönlichen Motiven geprägt sind, wird sich womöglich nie endgültig klären lassen. Politisch brisant bleibt jedoch die Tatsache, dass die Kritik nicht mehr ausschließlich von außen kommt – sondern direkt aus dem früheren Machtzentrum Selenskyjs selbst.