In Kürze:
- Der Meeresbiologe Pedro Veranda reiste als Wal-Experte zur Rettungsaktion nach Deutschland.
- Er verrät, inwiefern der Mensch einst und heute eine Bedrohung für Meerestiere darstellt.
- Ozeane sind die größten Sauerstoffspender des Planeten.
- Die Rettungsaktion von „Timmy“ sieht er als Herausforderung und zugleich als Lernchance.
Buckelwale zählen zu den größten und zugleich faszinierendsten Meeressäugern der Erde. Doch Begegnungen mit ihnen können für den Menschen auch zur Herausforderung werden. Immer wieder kommt es zu Rettungsaktionen für verirrte oder in Not geratene Tiere, bei denen Fachleute aus aller Welt zusammenarbeiten.
Auch in der Ostsee war dies der Fall, wo der Buckelwal „Timmy“ in den vergangenen Wochen im Fokus stand und ein aufwendiger Rettungseinsatz eingeleitet wurde.
Im Rahmen der Vorbereitungen hat eine private Initiative zur Rettung des Wals, finanziert durch die beiden Unternehmer Walter Gunz und Karin Walter-Mommert, mehrere Fachleute nach Deutschland einfliegen lassen, darunter auch den Meeresbiologen Pedro Veranda aus Mexiko, um die fachliche Expertise des Teams zu erweitern.
Veranda war direkt bei „Timmy“ vor Ort. Im Interview mit Epoch Times spricht er über seine Arbeit mit Meerestieren und gibt Einblicke in die Herausforderungen solcher Rettungseinsätze.
Herr Veranda, was fasziniert Sie an der Arbeit mit Meerestieren?
Das ist ganz einfach. Es sind Tiere, die gesellschaftlich akzeptiert sind. Dank der sozialen Kultur und all dem sind sie sehr beliebt. Aber wir wissen eigentlich nicht allzu viel über ihre Biologie.
Deshalb ist dieses Arbeitsgebiet so faszinierend. Jeden Tag entdeckt man etwas Neues. Ihre soziale Struktur, ihre Anatomie, ihre Physiologie, ihre Evolution – das ist fantastisch, sehr interessant. Und ich bin total davon gefesselt. Es ist also einfach alles an ihnen faszinierend.

Der Meeresbiologe Pedro Veranda ist für den gestrandeten Buckelwal „Timmy“ zur Ostsee angereist.
Seit wann arbeiten Sie mit Meerestieren?
Nun, dieses Jahr sind es schon 36 Jahre. Ich habe in Mexiko angefangen. Anschließend ging es nach Dänemark, Deutschland, Frankreich, Spanien, Kuba, auf die Bahamas, nach Island, Kanada, Irland, in die Vereinigten Staaten und zurück nach Island.
Momentan bin ich normalerweise in Norwegen tätig und jetzt gerade befinde ich mich in Deutschland.
Ist die Arbeit mit Meerestieren für Sie ein besonderes Erlebnis, sodass Sie motiviert sind, sich noch mehr damit zu beschäftigen?
Absolut, ja. Wir können nicht so ungerecht sein, einen Delfin zu lieben, aber etwa einen Hai zu hassen. Sie sind alle nützliche Tiere. Sie spielen eine Rolle auf diesem Planeten. Wir fangen gerade erst an, diese Rollen zu verstehen.
Jedes einzelne Tier ist also interessant. Jedes einzelne Tier spornt einen dazu an, immer mehr über sie und ihre Beziehung zur Umwelt zu lernen.
Inwieweit sind diese Tiere durch den Menschen bedroht?
Sehr stark. Denn zumindest früher wurden sie gejagt, weil wir das Öl benötigt haben. Als man das Erdöl entdeckte, war die Jagd nicht mehr zu rechtfertigen. Aber das ist die Jagd. Das ist die eine Sache.
Als wir aufhörten, diese Tiere zu jagen, blieb die Bedrohung für sie jedoch bestehen. Warum? Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Zum Beispiel haben wir vor etwa 120 Jahren angefangen, Plastik für den industriellen, für den Hausgebrauch und wofür auch immer herzustellen.
Je nach Qualität und je nach Material hat Plastik eine Zersetzungsdauer von bis zu 400 Jahren. Was bedeutet das? Dass all das Plastik, das wir seit jeher hergestellt haben, immer noch da ist. Leider haben wir Plastik hergestellt, weil es praktisch war. Wir wussten nicht, wie schädlich und gefährlich es für die Umwelt ist. Der Kunststoff ist inzwischen überall.
Was ist also die größte Bedrohung für diese Tiere? Vor allem Plastik, und zwar in allen Formen. Ein Problem sind zum Beispiel weggeworfene Fischereiausrüstungen, Fischernetze und Seile. Die Tiere verfangen sich darin und sterben einen sehr langsamen und qualvollen Tod. Außerdem werden Fische verzehrt, die selbst Plastik aufgenommen haben, das sich in ihren Körpern anreichert. Und das ist giftig.
Wie wichtig ist ein gesundes Meeresökosystem für unseren Planeten?
Absolut wichtig. Unser Planet besteht zu 76 Prozent aus Wasser. Ohne dieses Blau gibt es keine Erde. Wir brauchen den Ozean.
Wir neigen dazu, zu glauben, dass beispielsweise die Bäume wie die im Amazonas-Regenwald den Planeten mit Sauerstoff versorgen. Das stimmt nicht ganz. Der größte Teil des Sauerstoffs für unseren Planeten stammt aus dem Ozean. Wenn wir den Ozean zerstören, werden wir an Sauerstoffmangel sterben.
Was macht die aktuelle Rettungsaktion für den Buckelwal so besonders?
Erstens handelt es sich um ein Tier, das in Not ist. Wir wissen, was zu tun ist, also werden wir unser Bestes geben.
Zweitens: Auch wenn es sich nur um ein einziges Tier handelt, stellt es für uns in dem Sinne eine Herausforderung dar, dass wir lernen, was zu tun ist, falls so etwas noch einmal passiert. Während wir vorankommen, während wir weitermachen, lernen wir, was zu tun ist, um weitere Fehler zu vermeiden.
Vielen Dank.
Das Interview führte Erik Rusch. Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung von Maurice Forgeng.