Zwischen politischem Schlagabtausch, kulturellen Turbulenzen und einem Wal in der Ostsee gibt es wieder reichlich Gesprächsstoff – und auch neue Steilvorlagen aus der Hauptstadtpolitik. Die „Freitag“-Themen des Tages
Liebe Leserinnen und Leser,
ein Newsletter zeichnet sich dadurch aus, dass er thematisch vielfältig ist. Deshalb schreiben ich und meine Kolleg:innen ja auch immer abwechselnd. In dieser Woche muss ich mich leider erneut mit Friedrich Merz beschäftigen – so wie schon vergangene Woche.
Vor einem Jahr, als Merz im zweiten Anlauf zum Kanzler gewählt wurde, haben wir in der Redaktion spaßeshalber darüber diskutiert, ob wir nicht die Rubrik „Merz des Monats“ einführen wollen. Weil dieser Mann ja schon immer dafür bekannt war, dass er gerne einen raushaut, was er dann hinterher aber immer ganz anders gemeint haben will. Inzwischen bin ich fast geneigt, die Rubrik „Merz der Woche“ zu starten.
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Dieser Politiker ist wirklich ein Quell famoser Fails. Jüngstes Beispiel: Vor Gymnasiasten im sauerländischen Marsberg – gar nicht weit weg von seiner Briloner Heimat – teilte er ohne Not gegen den US-Präsidenten Donald Trump aus. Der Iran habe die USA gedemütigt, meinte Merz. Und das, obwohl Trump keinen Tag vergehen lässt, um zu sagen, was für ein großartiger Erfolg sein Krieg sei.
Wenn es denn wenigstens eine kalkulierte Provokation gewesen wäre. Aber man muss wohl davon ausgehen, dass es einfach seine Privatmeinung ist, die Merz da vor ein paar Schülern geäußert hat. Mit durchschlagendem Erfolg. Internationale Medien wie unsere Partnerzeitung The Guardian, haben die Äußerung als Topmeldung auf ihren Webseiten platziert. Auch Trump wird das registriert haben.
1. Heute wichtig
2. Made My Day
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➜ Fußball: Heute ist Champions-League-Halbfinale, Bayern spielt gegen PSG. Und an diesem Tag gilt es, Größe zu zeigen. Denn für einen HSV-Fan wie mich ist der GröGeg (Größtanzunehmender Gegner) naturgemäß der Klub aus dem Süden. Aber dieses eine Mal, nur dieses eine Mal, drücke ich den Bayern heute Abend die Daumen. Denn sie spielen wirklich einen schönen Fußball.
3. Kultur-Tipp
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➜ Gut zu sehen: Die Berliner Politik erinnert einen oft an eine Comedy-Show, weil sie jede Menge gewollter, aber vor allem auch ungewollter Absurditäten produziert. Gar nicht lustig ist dagegen das Drama, das gegenwärtig die Berliner Kulturschaffenden aufführen.
Die Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson musste zurücktreten, weil sie bei der Vergabe von Geldern für Projekte gegen Antisemitismus gegen die Haushaltsordnung verstoßen hat.
Die CDU-Politiker, die sie unter Druck gesetzt haben, so zu handeln, sind dagegen (bisher) ungeschoren davongekommen. Berlin wäre nicht Berlin, wenn dieser Skandal nicht noch weitere Kreise ziehen würde.
➜ Zum Artikel von Axel Brüggemann
4. Lese-Empfehlung
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➜ Rettung – wirklich: Es ist ja nicht so, dass in dieser Welt nichts passieren würde. Aber trotzdem fasziniert uns das Schicksal von Timmy, dem Buckelwal – und das schon seit Anfang März.
Aber heute soll er wirklich und auf jeden Fall und ganz sicher gerettet werden. Dabei gerät ganz aus dem Blick, dass wir uns auch Sorgen um noch ganz andere Darsteller des Dramas vor der Insel Poel machen sollten.
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Es ist die Vorstellung nicht ohne Reiz, was ein Regisseur wie Helmut Dietl (Schtonk!) aus der unendlichen Geschichte um den in der Ostsee verirrten Buckelwal wohl für eine wunderbare Satire gemacht hätte. Schon die Nebenrollen besetzen sich quasi von selbst.
Als hemdsärmeliger „Mann von Greenpeace“ käme Jürgen Vogel in die engere Auswahl, Lars Eidinger als schmieriger „Reporter vor Ort“. Heiner Lauterbach wäre der ideale, weil dubiose „private Geldgeber“ einer weiteren sinnlosen Rettungsaktion. Sandra Hüller hätte einen kurzen Gastauftritt als „Tierärztin aus Hawaii“, die nach wenigen Szenen schon wieder verschwindet. Als durchgeknallte „Walflüsterin“ mit telepathischen Kontakten zum Tier bietet sich Sunnyi Melles an, während Veronica Ferres eine seltsam teilnahmslose Manuela Schwesig darstellen könnte.
Und damit wären wir schon wieder am Ende dieses Newsletters. Bis zur Kabinettssitzung am morgigen Mittwoch ist nicht davon auszugehen, dass Friedrich Merz noch mal einen raushaut. Sonst denken wir irgendwann sogar über die Rubrik „Der tägliche Merz“ nach. Gott bewahre!
Ihnen noch eine schöne Woche.
Ihr
Philip Grassmann
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