Sabine Mertens hat ihren Sohn verloren: Er erkrankte nach der Impfung schwer. Sein Leiden war für ihn so unerträglich, dass er Sterbehilfe in Anspruch nahm. Auch Katja Lohrums Ehemann wurde nach der Impfung schwerstkrank (Diagnose: ALS). Nach einer Reanimation befindet er sich nun in einem vegetativen Zustand. Kommunikation mit ihm ist nicht mehr möglich. Die beiden Frauen berichten gegenüber Johannes Clasen vom MWGFD von den unglaublichen Verlusten, die sie wegen der gepriesenen Corona-Impfung erlitten haben.
Der folgende Artikel von Elisabeth Maria erschien zuerst beim MWGFD:
Johannes Clasen im Gespräch mit Sabine Mertens und Katja Lohrum – zwei Frauen, die durch ein ähnliches Schicksal, das ihr Leben unwiderruflich verändert hat, verbunden sind. Im Rahmen der Reihe „geimpft, geschädigt, geleugnet“ sprechen sie über Verlust, Verzweiflung, einen täglichen Kampf und das Gefühl, mit all dem allein gelassen zu sein. Während des Gesprächs ringen beide immer wieder mit den Tränen, suchen gegenseitig Halt, halten sich an den Händen. Sie erzählen ihre Geschichten, weil sie gehört werden wollen. Und am Ende ist es auch Johannes Clasen selbst, der sichtbar mit den Emotionen kämpft und um Fassung ringt.
Ein Gespräch, das Mut erfordert
Schon zu Beginn liegt eine spürbare Schwere im Raum, die sich durch das gesamte Gespräch ziehen wird. Denn dieses Gespräch verlangt allen Beteiligten viel ab. Johannes Clasen sitzt Sabine Mertens und Katja Lohrum gegenüber, zwei Frauen, die sich ihre Lebenswege nie so ausgesucht hätten und die nun durch ein ähnliches Schicksal miteinander verbunden sind. Nebenan liegt Katjas schwerst pflegebedürftiger Mann. Während des gesamten Interviews ringen beide häufig mit den Tränen. Immer wieder suchen ihre Blicke einander, immer wieder greifen sie nach der Hand der anderen und halten sich gegenseitig fest, um sich durch dieses Zeichen der Verbundenheit Kraft zu geben. Denn es ist ein Gespräch, das Mut erfordert – Mut, den eigenen Schmerz auszusprechen und öffentlich zu machen. Für sich, für ihre Angehörigen und für all jene, die unter ähnlichen Schicksalen leiden.
Sabines Geschichte: Der Verlust ihres Sohnes Pascal
Sabine beginnt zu erzählen, ruhig und gefasst. Doch ihre brüchige Stimme verrät schnell, wie viel Kraft sie dieser Bericht kostet. Ihr Sohn Pascal, damals Mitarbeiter in einem Impfzentrum, ließ sich im Juni 2021 erstmalig impfen, in einer Zeit, in der das Vertrauen in eine angeblich nebenwirkungsfreie Impfung und der Wunsch nach Normalität viele Entscheidungen bestimmten. Was zunächst als Schutz gedacht war, entwickelte sich jedoch innerhalb weniger Wochen zu einem schleichenden körperlichen Verfall, der sich nicht mehr aufhalten ließ.
Nach einer schweren Grippe, an der er kurz nach der Impfung erkrankte, kehrte Pascal in den Alltag zurück und erhielt im Juli die zweite Impfung. Bald zeigten sich erste Anzeichen einer ernsten Erkrankung: zunehmender Kraftverlust, Muskelzucken, Schwierigkeiten beim Gehen. Was zunächst wie einzelne, vielleicht erklärbare Symptome wirkte, fügte sich immer mehr zu einem Bild, das von Woche zu Woche erschreckender wurde. Zwei Rehabilitationsmaßnahmen brachten keine Besserung – im Gegenteil.
„Er ist mit dem Stock rein und kam mit dem Rollator wieder raus nach drei Wochen“,
erinnert sich Sabine an die erste Reha. Man spürt, wie sich hinter diesem Satz eine Entwicklung verbirgt, die sich kaum begreifen oder in Worte fassen lässt. Wenig später verschlechterte sich sein Zustand erneut so drastisch, dass eine zweite Reha beantragt wurde.
„Da ging er mit einem Rollator rein und kam mit einem Rollstuhl wieder raus.“
Der körperliche Abbau setzte sich unaufhaltsam fort, während sein Geist klar und wach blieb:
„Pascal konnte dann nachher [….] mit seinen Händen gar nichts mehr machen. […] Aber er konnte sprechen, er war bei geistigem klaren Verstand.“
Für Pascal ein Zustand, der für ihn zunehmend unerträglich wurde. Sabine ringt mit den Worten, als sie beschreibt, wie ihr Sohn schließlich das Gespräch mit ihr suchte:
„Dann hat er eines Tages aber das Gespräch mit mir gesucht und hat mir mitgeteilt, dass er nicht mehr leben möchte, dass das so für ihn nicht mehr lebenswert ist.“
Für eine Mutter ist es ein Moment, der kaum auszuhalten ist – und doch spricht aus Sabines Worten auch ein tiefes Verständnis:
„Und so sehr mein Herz auch bricht, ich konnte ihn verstehen. Ich würde auch so nicht leben wollen.“
Pascal, der einst lebensfroh und aktiv gewesen war, erkannte sich selbst in diesem Zustand nicht mehr wieder.
„Das ist nicht das Leben, das er gelebt hat“,
sagt sie leise.
„Das wollte er so nicht.“
Nach langem Kampf und langer Suche war schließlich ein Arzt bereit, ihm zu helfen:
„Natürlich, das ist mein Kind, das möchte ich nicht. […] Aber ich war und bin es immer noch, dem Arzt unglaublich dankbar, der ihm geholfen hat. […] Pascal hat Freudentränen geweint, als der Arzt gesagt hat, er hilft ihm und er erlöst ihn.“
Spätestens hier ist es kaum noch möglich, die eigene Fassung zu bewahren – Sabine kämpft sichtbar mit den Tränen, während sie diese letzten Erinnerungen teilt. Am 24. Juli 2025 wurde Pascal schließlich von seinem Leiden erlöst.
Katjas Geschichte: Leben im Ausnahmezustand
Neben Sabine sitzt Katja, die ihre Geschichte aufmerksam verfolgt und immer wieder zustimmend nickt, als erkenne sie in vielen Momenten Parallelen zu ihrem eigenen Leben. Als sie schließlich selbst zu sprechen beginnt, braucht sie einen Moment, um ihre Gedanken zu sammeln:
„Ich muss grad mal durchatmen“,
sagt sie und trinkt noch einen Schluck Wasser.
Ihr Mann Jan war, wie sie beschreibt, ein außergewöhnlich fitter, sportlicher Mensch, voller Energie und Lebensfreude.
„Ich hab noch nie so einen fitten Menschen kennengelernt wie ihn“,
sagt sie, und in diesem Satz liegt bereits die Tragik dessen, was folgen sollte. Denn nach der dritten Impfung, verabreicht in einem Fitnessstudio im Dezember 2021, veränderte sich sein Zustand innerhalb kurzer Zeit: Muskelzucken, Unsicherheiten beim Gehen, wiederholte Stürze – zunächst schwer einzuordnen, dann immer alarmierender.
„Er ist ständig gestolpert“,
erzählt Katja. Auf dem Fußballplatz fragten sich Zuschauer und Trainer,
„warum er ständig fällt: Was ist denn mit dem Lohrum los?“
Ratlose Blicke, Fragen, auf die es zunächst keine Antworten gab. Der ortsansässige Neurologe brachte die Impfung ins Spiel, meldete Jans Fall ans Paul Ehrlich Institut. In der Klinik wurde schließlich eine Diagnose in den Raum gestellt, die Katjas und Jans Leben in den Grundfesten erschütterte: ALS.
„Man hat sich alles ausgemalt, außer so eine schlimme Diagnose. […] Das war eine Woche vor unserer Hochzeit. Ich war zu dem Zeitpunkt schwanger mit unseren Zwillingen. […] Die ganze Welt ist zusammengebrochen“,
sagt sie unter Tränen. In diesem Moment verdichteten sich Hoffnung und Verzweiflung, Zukunftspläne und existenzielle Angst.
„Man macht sich direkt Gedanken: Wie lange haben wir Zeit? Wie wird der Verlauf sein?“
Ein gemeinsames Leben als Familie zerbricht, bevor es richtig beginnen konnte.
Jans Krankheitsverlauf ist schnell und unbarmherzig. Vom ersten Humpeln zum Rollstuhl, hin zur vollständigen Bettlägerigkeit, Pflegebedürftigkeit und der Angewiesenheit auf einen Sprachcomputer dauert es nicht lange. Innerhalb kurzer Zeit verliert Jan immer mehr Fähigkeiten, bis er schließlich vollständig auf Hilfe angewiesen ist.
Katjas und Jans gemeinsame Kinder, Zwillingsmädchen, „kennen ihren Papa gar nicht gesund“, sagt Katja. Sein älterer Sohn aus erster Ehe hingegen kann sich an einen „gesunden, fitten Papa“ erinnern. Für ihn ist der deutliche Unterschied zu dem „pflegebedürftigen Papa“ schwer zu ertragen. All das lässt erahnen, welche Dimension diese Krankheit für die gesamte Familie hat.
Trotz allem bleibt Jan lange geistig präsent, trifft Entscheidungen, kommuniziert mit technischer Hilfe, unterstützt seine Familie, so gut es ihm möglich ist.
„Er hat trotz seines Gesundheitszustandes mir immer zur Seite gestanden. Er war immer mein Kopf, der mit mir alles zusammen entschieden hat. Und wir haben alles zusammen geregelt. Er war unser Finanzminister, der alles übernommen hat. […] Das war so ein Zusammenspiel“,
beschreibt Katja ihre besondere innige Verbindung. Doch auch diese Form der Nähe wird ihnen schließlich genommen, als eine schwere Lungenentzündung im Oktober 2025 zu Komplikationen und einer Reanimation führt.
„Seitdem ist Jan im Prinzip in einem vegetativen Zustand, weil er durch die Reanimation einen noch zusätzlich hypoxischen Hirnschaden erlitten hat. […] Deswegen ist jetzt aktuell keine Kommunikation möglich. Wir haben keinen Zugang zu ihm.“
Die Brutalität dieser Worte liegt schwer im Raum. Dennoch hofft Katja, ihn durch weitere Therapien zu stabilisieren, um ihn
„aus diesem Zustand rauszuholen. […] Aber ob das möglich ist, das steht alles leider in den Sternen.“
Ihr Mann sei ein Kämpfer, der durch Gespräche und seine Kinder immer wieder zu dem Punkt gekommen sei, „dass er kämpfen möchte.“ So hält sie sich an der Hoffnung fest,
„dass wir ihn vielleicht nochmal in einen aktiveren Zustand bekommen. Aber das bleibt abzuwarten. Wir müssen jeden Tag von Tag zu Tag leben und schauen, wie es ist.“
Zwei parallele Schicksale – eine Realität
Im Verlauf des Gesprächs wird immer deutlicher, wie sehr sich die Erfahrungen der beiden Frauen gleichen, obwohl ihre Geschichten unterschiedlich verlaufen sind. Als Sabine von Jans Zustand hört, sagt sie leise:
„Das ist für mich wie ein Déjà-vu. Wenn ich Jan sehe, sehe ich Pascal da liegen.“
In diesem Moment verschwimmen Vergangenheit und Gegenwart, der Schmerz des Verlustes und der Schmerz der Gegenwart:
„Es fällt mir unfassbar schwer“,
sagt sie tief betroffen.
Beide Frauen sprechen jedoch nicht nur über Krankheit, Schmerz und Verlust, sondern auch über einen Alltag, der von bürokratischen Hürden, Kämpfen mit Behörden und einem Gefühl der Ohnmacht geprägt ist.
„Das macht mich auch so unglaublich wütend, weil ich einfach nicht verstehen kann, dass man den Betroffenen einfach nicht hilft.“
Katja ergänzt:
„Man wartet vergeblich auf Hilfe, die versprochen wird, aber die einfach nicht kommt.“
„Was soll man denn alles bringen?“,
fragt Sabine, während sie von Aktenordnern, Gutachten und immer neuen Anforderungen berichtet.
„Den Angehörigen geht mal die Kraft aus. Man reibt sich auf für die Betroffenen. […] Und muss aber gleichzeitig gegen unfassbar viele Ämter kämpfen. Das zermürbt einen.“
Katja ergänzt ihre Erfahrungen mit Gerichtsverfahren, die sie als ernüchternd und entmutigend erlebt hat:
„Es wurde ganz ganz schnell abgefertigt.“
Keine 15 Minuten habe die Verhandlung am Oberlandesgericht in Koblenz gedauert. Ihr Mann, der auf eigene Kosten mit einem Krankentransport anreiste „wurde erst gar nicht angehört.“ Man spürt die Enttäuschung über ein System, das ihren Erwartungen nicht gerecht wurde und sie im Stich lässt.
„Ich war schockiert.“
„Man ist nur auf sich selbst gestellt“
Der Satz, der diesem Gespräch seinen Titel gibt, fällt nicht zufällig, sondern beschreibt die gemeinsame Erfahrung beider Frauen in aller Deutlichkeit:
„Man ist nur auf sich selbst gestellt.“
Es ist ein Gefühl, das sich durch alle Bereiche ihres Lebens zieht und die medizinische Versorgung, den Umgang mit Behörden, den täglichen Kampf um Unterstützung und Anerkennung und den Verlust eigenen Lebens betrifft. Denn:
„Man ist 24 Stunden eigentlich in Gedanken nur bei den Betroffenen.“
„Wir waren nie Impfgegner“,
sagt Katja, und auch Sabine macht deutlich, dass sie ursprünglich Vertrauen in das offizielle Narrativ hatte. Heute ist beiden klar, dass die Erkrankungen des Sohnes und Ehemannes mit der angeblich nebenwirkungsfreien Impfung zusammenhängen. Beide sind mit vielen anderen Impfgeschädigten und deren Familien vernetzt. Die Zunahme schwerer neurologischer Erkrankungen wie ALS, insbesondere bei jungen sportlichen Männern, sei auffällig und schockierend, berichten beide:
„Es häuft sich.“
Sabines und Katjas Enttäuschung über den Staat und die Regierung ist groß, gepaart mit dem Gefühl, mit den Folgen ihres Schicksals allein gelassen zu werden. Man stehe alleine da „vor diesem Scherbenhaufen“ und müsse schauen, wie man Kosten deckt, das Haus hält.
„Es ist einfach unglaublich.“
Aus diesem Grund ist Katja trotz der Doppelbelastung durch Pflege und der Betreuung der kleinen Zwillinge als Lehrerin tätig.
„Es muss einfach Geld rein.“
Sehr dankbar ist sie für die Hilfe von Familie, Freunden und Spendern.
„Ansonsten ist das unmöglich alleine zu schaffen.“
Dieser Satz zeigt, wie sehr sie auf diese Hilfe aus ihrem privaten Umfeld angewiesen ist.
Ein Gespräch, das Spuren hinterlässt
Als das Gespräch sich dem Ende nähert, ist die emotionale Belastung für alle Beteiligten spürbar. Nicht nur Sabine und Katja kämpfen mit den Tränen. Auch Johannes Clasen ringt sichtbar mit den Emotionen.
Sabine und Katja bedanken sich abschließend dafür, dass sie ihre Geschichten erzählen durften, dass ihnen zugehört wurde.
„Danke, dass wir unsere Stimme auch einfach hörbar bekommen und dass uns Menschen auch hören können“,
sagt Katja.
Die beiden Frauen stehen auf, umarmen sich, halten sich fest, geben sich Halt. Halt für all das, was war und was noch vor ihnen liegt.
Was bleibt, ist mehr als ein Interview – es ist ein Einblick in zwei Leben, die aus der Bahn geraten sind. Es ist das eindringliche Zeugnis zweier Frauen, die trotz oder wegen des großen Schmerzes und der Tragik ihrer Schicksale den Mut gefunden haben, ihre Stimme zu erheben. Getrieben von dem Wunsch, gehört zu werden – für sich, für den Sohn, für den Ehemann und Vater und für die unzähligen anderen Betroffenen.
Möge ihr Mut zu sprechen nicht ungehört verhallen. Möge aus dem Zuhören Verstehen und Anerkennung werden, damit ihr Leid nicht länger im Schweigen und der Unsichtbarkeit verschwindet.