Der britische Premierminister Keir Starmer kämpft um seine politische Zukunft. Nach dem schweren Debakel der Labour-Partei bei den jüngsten Kommunal- und Regionalwahlen fordern immer mehr Abgeordnete und Regierungsmitglieder seinen Rücktritt; zugleich versucht Starmer, sich im Amt zu halten und eine offene Führungsfrage zu vermeiden. Währenddessen macht ihm die Reform UK zu schaffen, die immer mehr an Zuspruch gewinnt.

Reform UK gewinnt, Labour streitet sich

Die Krise verschärfte sich in der vergangenen Woche nach den schwachen Wahlergebnissen, bei denen Labour deutlich an Rückhalt verlor und Reform UK unter Nigel Farage kräftig zulegte. Starmer soll intern nicht nur von Hinterbänklern, sondern auch von ranghohen Ministern unter Druck gesetzt werden.

Starmer verliert Rückhalt der eigenen Abgeordneten

Innenministerin Shabana Mahmood soll Starmer geraten haben, einen Zeitplan für seinen Rückzug vorzulegen; auch Außenministerin Yvette Cooper und Vizepremier David Lammy sollen ihn zu einem geordneten Machtwechsel gedrängt haben. Gleichzeitig entzogen mehr als 70, teils sogar rund 100 Labour-Abgeordnete öffentlich ihr Vertrauen.

Besonders brisant ist, dass bereits mehrere Regierungsmitglieder zurückgetreten sind. Jess Phillips, Miatta Fahnbulleh, Alex Davies-Jones und Zubir Ahmed haben ihr Amt aufgegeben; weitere parlamentarische Mitarbeiter folgten diesem Beispiel und forderten Starmer offen zum Abgang auf.

Linke verlieren ihre Wählermilieus

Der politische Absturz ist für Labour heikel, weil er gleich mehrere Wählergruppen betrifft. Die Partei verliert sowohl in klassischen Arbeiterregionen im Norden Englands als auch in liberalen, städtischen Gegenden, also in genau jenen Milieus, die für einen Wahlsieg zusammengehalten werden müssen.

Aufstieg der Farage-Partei ungebrochen

Hinzu kommt, dass Reform UK mit Nigel Farage bei den Wahlen stark abschnitt und sich als Protestpartei weiter festsetzt. Das schwächt nicht nur Labours Autorität, sondern verschiebt die politische Debatte insgesamt nach rechts und zwingt Starmer in die Defensive.

Die Lage erinnert an klassische Führungskrisen britischer Regierungen: Sobald Minister, Fraktion und Parteibasis gleichzeitig den Rückhalt entziehen, wird die Frage nicht mehr lauten, ob ein Wechsel kommt, sondern nur noch wann und über welchen Mechanismus.

Kaum aussichtsreiche Kandidaten für Starmer-Nachfolge

Als mögliche Nachfolger werden mehrere Namen genannt. Besonders häufig fällt der von Gesundheitsminister Wes Streeting, der im rechten Flügel der Partei Rückhalt hat, aber im linken Lager auf Ablehnung stößt. Auch Angela Rayner, Ed Miliband, Yvette Cooper, David Lammy und Andy Burnham werden als potenzielle Kandidaten genannt, doch jeder von ihnen bringt eigene Schwächen mit. Burnham ist derzeit nicht im Parlament, Rayner ist durch eine laufende Untersuchung belastet, und Miliband trägt noch immer die Bürde seiner Niederlage als früherer Parteichef.

Labour-Krise schadet dem gesamten Land

Die Krise ist nicht nur parteiintern bedeutsam, sondern auch wirtschaftlich relevant: Die Renditen britischer Staatsanleihen sind auf ein 30-Jahres-Hoch gestiegen, weil Investoren mehr Verschuldung und politische Unsicherheit fürchten. Das verschärft den Druck auf jede mögliche Nachfolgeregierung, denn Großbritannien kämpft bereits mit hohem Schuldenstand und schwachem Wachstum. Ein offener Machtkampf an der Spitze verstärkt die Zweifel daran, dass Labour die wirtschaftliche Lage stabilisieren kann.



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