Sie ist einer der größten weiblichen deutschen Popstars. Nina Chuba spricht über Therapie und will das Thema enttabuisieren. Damit grätscht sie direkt in die Gesundheitsdebatte – und erreicht junge Menschen


Nina Chuba mit Zöpfen, 2025

Foto: Britta Pedersen/dpa/picture-alliance


Nina Chuba macht wieder Schlagzeilen, aber nicht mit einem neuen Song. Nachdem sie im vergangenen Jahr offenbart hatte, sie habe mit einem Teil ihrer ostdeutschen Familie gebrochen, weil die AfD wähle, redet sie nun über ihre Therapie. Der 27-jährige Popstar sagte in einem Interview mit dem Stern, dass sie seit zweieinhalb Jahren regelmäßig in Behandlung sei. „Therapie sollte kein Makel sein“, erklärt Chuba. Sie sehe es als Zeichen von Stärke und Selbstreflexion.

Für Nina kam der Zusammenbruch in einem Songwriting-Camp. „Ich konnte morgens plötzlich nicht mehr aufstehen. Ich lag im Zimmer, war traurig, habe viel geweint und mich zu nichts aufraffen können. Das kannte ich so von mir nicht. Da war klar: Das ist nicht einfach nur Erschöpfung.“ Die Ohrwürmer, der Hype, der kometenhafte Aufstieg, der Druck, das zweite Album liefern zu müssen. Man kann das verstehen.

Sie habe mit ihrem Management gesprochen, sofort Hilfe gesucht – und bekommen. Ihre Aussagen platzen mitten in die Gesundheitsdebatte.

Nutzer zu Nina-Chuba-Aussage: „Finde mal einen Therapieplatz!“

Auf Facebook bekam sie Unterstützerinnen, und manche prangerten die fehlenden Therapieplätze in Deutschland an: „Versuche mal, einen Termin für eine Therapie zu bekommen! Sogar als Selbstzahler ist das praktisch unmöglich. Das gilt übrigens auch für Physiotherapie und fast alles andere“, schrieb einer.

„Aber die Psychotherapeuten bekommen eine Kürzung um 4,5 Prozent und fallen demnächst in die Budgetierung. Das wird es nicht einfacher machen, Hilfe zu bekommen“, ein anderer. Viele suchen sich vermutlich KI als Therapeuten.

Indem Nina Chuba, ein Popstar, offen über ihre dunklen Phasen und den Druck im Musikbusiness redet, wird es zum allgemein relevanten Thema.

Mit Rage-Girls im Open-Air-Konzert

Im vergangenen Sommer stand ich mit meiner neunjährigen Tochter in der Berliner Wuhlheide. Sie ist Riesenfan von Nina Chuba, es war ihr erstes Konzert. Wir haben es ihr zum Geburtstag geschenkt. Open Air, zusammen mit ihrer besten Freundin und deren Mutter, umgeben von hunderten anderer 8‑14-jähriger Mädchen und ihren selbst gemachten Nina-Chuba-Zöpfen. „Wer ist wieder da? Nina, Nina“, riefen sie im Chor. Der Popstar kam mit dem Helikopter auf die Bühne, so wie Michael Jackson 1992 im Ostberliner Mauerpark. Die Mädels schrien, wir Mütter tranken Wildberry Lillet.

Nina Chuba trat mit einer weiblichen Bläserband auf und rockte mit Rage-Girls. Sie sang aber auch von Zweifeln, Ängsten, Alleinsein. Ich stolper’ durch die große, weite Welt, ich bin so unsicher / Ich bin noch nicht so gut dadrin, ich leb’ grade zum ersten Mal.

Der Nerv der Gen Z und ihrer Befindlichkeiten

Keine andere Künstlerin trifft so sehr den Nerv ihrer Generation, der Gen Z, inzwischen auch der davor und der danach. Sie verbindet alle miteinander. Das hat sicher auch mit Dingen zu tun, die sie abseits der Bühne ausspricht.

Als meine Tochter und ich nach dem Konzert zum S-Bahnhof schlenderten, wirkte sie glücklich und ein bisschen nachdenklich. „Mama, vielleicht ist es gar nicht so toll, berühmt zu sein“, sagte sie. Und wir redeten darüber, worauf es ankommt im Leben, warum die einfachen Dinge wichtig sind. Es war schön, so mit ihr zu reden. Nina Chuba hat uns verbunden.

Die Sängerin verhandelt auch in ihrem Podcast mentale Gesundheit und Depressionen. Und bekomme Nachrichten von Leuten, die sich Hilfe suchen, weil sie offen darüber spricht. Sie spiegelt ihre Generation, von der es heißt, sie drehe sich viel stärker um die eigenen Befindlichkeiten als andere vor ihr.

Im Februar 2025 hatte Nina Chuba verkündet, dass sie mit einem Teil ihrer ostdeutschen Familie gebrochen hat, denen, die in Sachsen-Anhalt leben, „weil sie politische Haltungen vertreten, für die ich nicht stehe“. Sie selbst ist in Wedel bei Hamburg aufgewachsen. „Ich kann da auch keine falsche Toleranz oder Verständnis zeigen. Ich bin absolut gegen die AfD“, erklärte Chuba.

Nina Chuba singt auf der Brandmauer-Demo

Diese Frage nach dem richtigen Umgang mit der AfD beschäftigt Nina Chuba.

Im Februar 2025 ist sie vor dem Reichstag aufgetreten, auf der Brandmauer-Demo. Ich habe meiner Tochter, die bei ihrer Oma war, ein Video von dem Auftritt geschickt.

Hinterher fragte sie mich: Wogegen demonstrieren die Leute? Und wir haben uns unterhalten, über eine rechtsextreme Partei und die Gefahr, die von ihr ausgehen kann.





Source link