Bei den Feiern zum 81. Jahrestag des Kriegsendes verzichtet Wladimir Putin auf Drohungen an NATO‑Staaten, während ukrainische Drohnen den Flugverkehr in Moskau lahmlegen. Russlands Präsident schlägt Gerhard Schröder als Vermittler vor


Die dreitägige Waffenruhe um den 9. Mai, so Wladimir Putin in Moskau, habe Donald Trump „aktiv unterstützt“ – der Kreml will auch den US-Präsidenten als Vermittler im Ukraine-Konflikt halten.

Foto: Alexander Schtscherbak/Imago/ITAR-TASS


Wer am Vormittag des 7. Mai zu einem Kurzurlaub in der Türkei aufbrechen wollte, wurde am Flughafen Wnukowo vom Krieg in der Ukraine eingeholt und aufgehalten. Wegen ukrainischer Drohnenangriffe stellten die russischen Behörden „aus Sicherheitsgründen“ den gesamten Flugverkehr bis zum frühen Morgen des 8. Mai ein. Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj hatte zwar einer von US-Präsident Donald Trump maßgeblich vermittelten dreitägigen Waffenruhe zum 81. Jahrestag des Kriegsendes in Europa zugestimmt. Doch setzte er seine Drohnen-Armada zuvor in Marsch, um russischen Zivilisten und Besuchern Moskaus den Urlaub zu verderben.

Für erholungsbedürftige Russen bedeutete dies statt Sonnenschein am Marmara-Meer eine Schüssel Borschtsch, die übliche Rote-Bete-Suppe, in einem Moskauer Flughafen-Restaurant, bezahlt mit Talons von Turkish Airlines. Betroffene nahmen es auf landestypische Weise stoisch hin, wie die beiden Versicherungsangestellten Kristina und Swetlana, die zwischen zwei Löffeln Suppe schulterzuckend hervorstießen: „Uns fragt ohnehin niemand.“

Die Sowjetunion nahm „kolossale Verluste“ hin

Trotz zeitweiliger Drohungen Selenskyjs, am 9. Mai würden womöglich „ukrainische Drohnen über den Roten Platz fliegen“, fand die traditionelle Parade im Herzen Moskaus am Morgen dieses Tages ungestört statt. Es ging etwas bescheidener zu als in früheren Jahren. Weder marschierten die Eliteakademien der Streitkräfte auf, noch rollten Panzer oder Raketen-Lafetten über den Roten Platz. Der Tag des Sieges sei schließlich „keine Show“, die Soldaten sollten vor allem ihre Aufgaben erfüllen, begründete Putin diese Präsentation.

Und dann schlug der Präsident in seiner Rede vor dem schamvoll verhüllten Lenin-Mausoleum einen Bogen vom Krieg gegen Hitlers Wehrmacht zum Kampf gegen die von den Ländern der NATO getragene Regierung in Kiew. „Die große Heldentat jener Generation der Sieger beseelt die Kämpfer, die heute die Aufgaben der Speziellen Militäroperation erfüllen. Sie widerstehen einer aggressiven Kraft, die bewaffnet und unterstützt wird vom gesamten NATO‑Block. Ungeachtet dessen dringen unsere Helden weiter vor.“

Putin betonte, die Sowjetunion habe „den entscheidenden Beitrag zur Zerschlagung des Nazismus“ geleistet und dafür „kolossale Verluste“ hingenommen. Der Staatschef, der im Freundeskreis schon mal darauf hinweist, seine Töchter seien mit der deutschen Sprache aufgewachsen, nannte den 22. Juni 1941, den Tag des deutschen Überfalls, „eines der tragischsten und eines der traurigsten Daten unserer Geschichte“. Und er verwendete dafür jenen Begriff, den der sowjetische Außenminister Wjatscheslaw Molotow an jenem Tag in seiner Rundfunkansprache benutzte. Er sprach vom „treubrüchigen Überfall“ angesichts des deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrages von 1939, oft verkürzend und verzerrend „Hitler-Stalin-Pakt“ genannt.

Wladimir Putin macht dem slowakischen Premier Robert Fico ein Versprechen

Putin äußerte, die „nazistischen Strategen“ hätten 1941 „pedantisch alles in Rechnung gestellt, außer dem, was man den russischen Charakter und Geist des sowjetischen Volkes nennt“.

Es fiel auf, dass Putin in seiner Rede auf Drohungen an die Adresse von NATO-Staaten verzichtete. Heißsporne in staatlichen TV‑Kanälen und hochrangige Offiziere hatten während der vergangenen Wochen versucht, Druck auf den Präsidenten auszuüben, und ihm lauthals Ratschläge erteilt, westliche Rüstungsfabriken zu bombardieren, die Kiew mit Munition, Raketen und Drohnen versorgen.

Stattdessen zog Putin ein rhetorisches Stilett, indem er daran erinnerte, die Sowjetunion habe 1945 „jenen Staaten die Souveränität zurückgegeben, die vor Hitlerdeutschland kapituliert und sich in gefügige Mittäter bei seinen Verbrechen verwandelt hatten“. Die Namen der Länder, die gemeint waren und jedem bekannt sind, der sich in der Geschichte auskennt, nannte er nicht.

Ukrainische Delegation reist nach Washington

Dass Putin politische Initiativen Angriffsdrohungen auf europäische Ziele vorzieht, zeigte sein Treffen nach der Parade mit dem slowakischen Premier Robert Fico. Russland, so Putin, werde „alles tun, um die Bedürfnisse der Slowakei nach Energieträgern zu befriedigen“. Das klang nach einem indirekten Angebot auch an andere Europäer. Der Präsident hob hervor, er strebe nach Beziehungen zu den europäischen Staaten „auf der Grundlage des gegenseitigen Respekts“. Und er fügte hinzu, er habe Verhandlungen mit der Ukraine über ein Kriegsende „nie abgelehnt“. Er sei bereit zu einem Treffen mit Selenskyj, sobald Vereinbarungen erzielt seien.

Dabei wurde hervorgehoben, Donald Trump habe den jetzt dreitägigen Waffenstillstand „aktiv unterstützt“ – ein Zeichen, dass der Kreml nach wie vor versucht, den US-Präsidenten als Vermittler im Ukraine-Konflikt zu halten. Dass auch Kiew an Trump nicht vorbeikommt, zeigt die geplante Reise einer ukrainischen Delegation in die USA. Beide Konfliktparteien dürften wissen, dass es für sie keinen Sieg auf dem Schlachtfeld geben wird. Indessen hat Wladimir Putin den früheren deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) als Vermittler für die Ukraine-Verhandlungen ins Gespräch gebracht.

ahrestag des Kriegsendes in Europa zugestimmt. Doch setzte er seine Drohnen-Armada zuvor in Marsch, um russischen Zivilisten und Besuchern Moskaus den Urlaub zu verderben. Für erholungsbedürftige Russen bedeutete dies statt Sonnenschein am Marmara-Meer eine Schüssel Borschtsch, die übliche Rote-Bete-Suppe, in einem Moskauer Flughafen-Restaurant, bezahlt mit Talons von Turkish Airlines. Betroffene nahmen es auf landestypische Weise stoisch hin, wie die beiden Versicherungsangestellten Kristina und Swetlana, die zwischen zwei Löffeln Suppe schulterzuckend hervorstießen: „Uns fragt ohnehin niemand.“Die Sowjetunion nahm „kolossale Verluste“ hinTrotz zeitweiliger Drohungen Selenskyjs, am 9. Mai würden womöglich „ukrainische Drohnen über den Roten Platz fliegen“, fand die traditionelle Parade im Herzen Moskaus am Morgen dieses Tages ungestört statt. Es ging etwas bescheidener zu als in früheren Jahren. Weder marschierten die Eliteakademien der Streitkräfte auf, noch rollten Panzer oder Raketen-Lafetten über den Roten Platz. Der Tag des Sieges sei schließlich „keine Show“, die Soldaten sollten vor allem ihre Aufgaben erfüllen, begründete Putin diese Präsentation.Und dann schlug der Präsident in seiner Rede vor dem schamvoll verhüllten Lenin-Mausoleum einen Bogen vom Krieg gegen Hitlers Wehrmacht zum Kampf gegen die von den Ländern der NATO getragene Regierung in Kiew. „Die große Heldentat jener Generation der Sieger beseelt die Kämpfer, die heute die Aufgaben der Speziellen Militäroperation erfüllen. Sie widerstehen einer aggressiven Kraft, die bewaffnet und unterstützt wird vom gesamten NATO‑Block. Ungeachtet dessen dringen unsere Helden weiter vor.“Putin betonte, die Sowjetunion habe „den entscheidenden Beitrag zur Zerschlagung des Nazismus“ geleistet und dafür „kolossale Verluste“ hingenommen. Der Staatschef, der im Freundeskreis schon mal darauf hinweist, seine Töchter seien mit der deutschen Sprache aufgewachsen, nannte den 22. Juni 1941, den Tag des deutschen Überfalls, „eines der tragischsten und eines der traurigsten Daten unserer Geschichte“. Und er verwendete dafür jenen Begriff, den der sowjetische Außenminister Wjatscheslaw Molotow an jenem Tag in seiner Rundfunkansprache benutzte. Er sprach vom „treubrüchigen Überfall“ angesichts des deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrages von 1939, oft verkürzend und verzerrend „Hitler-Stalin-Pakt“ genannt.Wladimir Putin macht dem slowakischen Premier Robert Fico ein Versprechen Putin äußerte, die „nazistischen Strategen“ hätten 1941 „pedantisch alles in Rechnung gestellt, außer dem, was man den russischen Charakter und Geist des sowjetischen Volkes nennt“.Es fiel auf, dass Putin in seiner Rede auf Drohungen an die Adresse von NATO-Staaten verzichtete. Heißsporne in staatlichen TV‑Kanälen und hochrangige Offiziere hatten während der vergangenen Wochen versucht, Druck auf den Präsidenten auszuüben, und ihm lauthals Ratschläge erteilt, westliche Rüstungsfabriken zu bombardieren, die Kiew mit Munition, Raketen und Drohnen versorgen. Stattdessen zog Putin ein rhetorisches Stilett, indem er daran erinnerte, die Sowjetunion habe 1945 „jenen Staaten die Souveränität zurückgegeben, die vor Hitlerdeutschland kapituliert und sich in gefügige Mittäter bei seinen Verbrechen verwandelt hatten“. Die Namen der Länder, die gemeint waren und jedem bekannt sind, der sich in der Geschichte auskennt, nannte er nicht. Ukrainische Delegation reist nach WashingtonDass Putin politische Initiativen Angriffsdrohungen auf europäische Ziele vorzieht, zeigte sein Treffen nach der Parade mit dem slowakischen Premier Robert Fico. Russland, so Putin, werde „alles tun, um die Bedürfnisse der Slowakei nach Energieträgern zu befriedigen“. Das klang nach einem indirekten Angebot auch an andere Europäer. Der Präsident hob hervor, er strebe nach Beziehungen zu den europäischen Staaten „auf der Grundlage des gegenseitigen Respekts“. Und er fügte hinzu, er habe Verhandlungen mit der Ukraine über ein Kriegsende „nie abgelehnt“. Er sei bereit zu einem Treffen mit Selenskyj, sobald Vereinbarungen erzielt seien.Dabei wurde hervorgehoben, Donald Trump habe den jetzt dreitägigen Waffenstillstand „aktiv unterstützt“ – ein Zeichen, dass der Kreml nach wie vor versucht, den US-Präsidenten als Vermittler im Ukraine-Konflikt zu halten. Dass auch Kiew an Trump nicht vorbeikommt, zeigt die geplante Reise einer ukrainischen Delegation in die USA. Beide Konfliktparteien dürften wissen, dass es für sie keinen Sieg auf dem Schlachtfeld geben wird. Indessen hat Wladimir Putin den früheren deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) als Vermittler für die Ukraine-Verhandlungen ins Gespräch gebracht.



Source link