Es gibt keine bekannte Kultur, in der nicht Musik (im weiten Sinn) eine Rolle spielt/e. Es wurde und wird getrommelt, geflötet, über Resonanzkörpern gezupft und – sehr wahrscheinlich – gesungen. Zwar hinterließ das Singen bis ins Zeitalter der Tonaufnahmen keine Artefakte, anhand derer man die Praxis belegen könnte, aber man könnte argumentieren, dass das Singen insofern die früheste musikalische Äußerung sein sollte als es die einfachste Form musikalischer Äußerung ist, soll heißen: keine äußeren Objekte erfordert, sondern allein von der menschlichen Stimme bewerkstelligt werden kann.

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Petralona 1 (Schädel in Griechenland gefunden; by UtaUtaNapishtimOwn work, CC BY-SA 4.0, Link

Vor etwa einer Million Jahre hat ein gemeinsamer Vorfahre des Neanderthalers und des modernen Menschen, homo heidelbergensis, die Anatomie hervorgebracht, die das Singen ermöglichte, aber vielleicht nicht die kognitiven Fähigkeiten, die Singen in dem Sinn, wie wir es heute verstehen, mitbrachte (Killin 2018: 2; Montagu 2017: 2; 5). Aber es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, dass der älteste Gesang vielleicht das Summen einer homo heidelbergensis- oder – spätestens – einer homo sapiens-Mutter gewesen ist, die ihr Baby im Arm hielt und es zum Einschlafen bringen wollte – und lange vor dem kam, was wir uns heute unter Gesang vorstellen, aber vor allem lange vor der Sprache.

Andererseits kann man argumentieren, dass vor dem Singen (und vielleicht vor dem Summen) das Trommeln kam, das aus einer Art rhythmischem Impuls erwachsen sein könnte, wie er sich zuerst in dem, was wir heute als motorische Tics bezeichnen (und als solche für krankhaft erklären), z.B. in Fuß-Tippen oder Wippen mit den Füßen, geäußert haben könnte oder wie er aus nicht-verbaler Kommunikation wie z.B. In-die-Hände-Klatschen, um die Aufmerksamkeit Anderer zu erregen, heraus entstanden sein kann. Dem Trommeln, d.h. der Benutzung mit unter Spannung gebrachte Tierhaut bezogener Rahmen, ist sicherlich die Benutzung einfacherer Gegestände vorausgegangen, die man nicht als Musikinstrumente bezeichnen würde, aber mit deren Hilfe man Rhythmen hervorbringen kann, wie z.B. Stöcke oder Steine, die konkussiv oder perkussiv benutzt worden sein können (d.h. die gegeneinander geschlagen wurde, um einen Ton hervorzubringen, oder von denen einer benutzt wurde, um ihn auf einen anderen, ruhenden Stock oder Stein zu schlagen).

Montagu (2017: 3) argumentiert hinsichtlich der Frage „Was war zuerst, Trommeln bzw. rhythmisches Musik-Machen unter Zuhilfenahme von Objekten oder Singen“, wie folgt:

„… it would seem that motor impulse, leading to rhythmic music and to dance could be at least as early as the simplest vocal inflection of sounds. Indeed, it could be earlier. We said above that animals have hearts, and certainly, all anthropoids have a heartbeat slow enough, and perceptible enough, to form some basis for rhythmic movement at a reasonable speed. Could this have been a basis for rhythmic movement such as we have just mentioned? This can only be a hypothesis, for there is no way to check it, but it does seem to me that almost all creatures seem to have an innate tendency to move together in the same rhythm when moving in groups, and this without any audible signal, so that some form of rhythmic movement may have preceded vocalization“.

D.h.

„… es scheint, dass motorische Impulse, die zu rhythmischer Musik und zum Tanzen führen, mindestens so früh sein könnten wie die einfachste Stimmflexion von Klängen. Tatsächlich könnte sie früher entstanden sein. Wir haben oben gesagt, dass Tiere Herzen haben, und sicherlich haben alle Menschenaffen einen Herzschlag, der langsam und wahrnehmbar genug ist, um eine Grundlage für rhythmische Bewegungen mit angemessener Geschwindigkeit zu bilden. Könnte dies eine Grundlage für rhythmische Bewegungen gewesen sein, wie wir sie gerade erwähnt haben? Dies kann nur eine Hypothese sein [oder genauer: dies muss eine Hypothese bleiben], denn es gibt keine Möglichkeit, sie zu überprüfen. Mir scheint jedoch, dass fast alle Lebewesen eine angeborene Tendenz zu haben, sich in Gruppen im gleichen Rhythmus gemeinsam zu bewegen, und zwar ohne hörbares Signal, so dass der Lautäußerung möglicherweise eine Form rhythmischer Bewegung vorausgegangen ist.“

Wenn man Montagu zustimmen will, dann ist es aber vielleicht einigermaßen erstaunlich, dass mit Tierhaut bespannte Trommeln in den archäologischen Aufzeichnungen erst spät auftauchen:

„There is no evidence in the Paleolithic period for stringed instruments nor for skin drums“ (Montagu 2017: 6): Es gibt weder Hinweise auf Saiten-Instrumente noch auf Hauttrommeln in der Altsteinzeit“.

Das kann allerdings der Tatsache geschuldet sein, dass sich die Materialien, aus denen solche Instrumente ggf. angefertigt wurden – Holz, Rinde, Tierhäute, Pflanzenfasern, Sehen … – nicht erhalten haben. Und – wie oben schon gesagt –sind keine speziell angefertigten Objekte wie Trommeln notwendig, um rhythmische Schläge zu produzieren; hierfür genügt es Stöcke oder Steine gegeneinander zu schlagen. Manche Gruppen australischer Ureinwohner benutzen hierfür Boomerangs, bei denen es sich eigentlich um Jagdwaffen handelt (Killin 2018:9).

Petar MiloševićOwn work, CC BY-SA 4.0, Link

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Divje Baba Flute, by Petar MiloševićOwn work, CC BY-SA 4.0, Link

Jedenfalls ist das älteste Musikinstrument, das bislang gefunden wurde, keine Trommel, sondern eine Flöte, nämlich die in der Divje Babe-Höhle in Slowenien gefundene Neanderthaler-Flöte, die aus Höhlenbären-Knochen gefertigt und etwa 60.000 Jahre alt ist. Die Interpretation des Höhlenbären-Knochen, in den vier in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen angeordneten Löcher gebohrt wurden, als Flöte ist zwar nicht unwidersprochen geblieben ist, aber sehr wahrscheinlich zutreffend (s. Turk et al. 2020), und

„[m]usical experiments confirmed findings of archaeological research that the size and the position of the holes cannot be accidental – they were made with the intention of musical expression“ (Quelle),

d.h.

„[m]usikalische Experimente bestätigten Erkenntnisse archäologischer Forschungen, dass die Größe und die Position der Löcher nicht zufällig sein können – sie wurden mit der Absicht des musikalischen Ausdrucks durchgeführt“.

Möglicherweise ist die Flöte (ggf.) das älteste Musikinstrument der Menschheit, weil sie dazugeeignet ist, Tierrufe zu imitieren, wie das beim Digeridoo der australischen Ureinwohner der Fall ist, bei dem es sich um ein von Termiten ausgehöhltes Holzrohr handelt, das traditionell geblasen wird, um Tierrufe und andere Geräusche der natürlichen Umwelt zu imitieren (Killien 2018: 9). Vielleicht ist Musik im Sinn vokal hervorgebrachter Töne in der Menschheitsgeschichte doch früher anzusiedeln als die Hervorbringung von Rhytmen?

Hattori et al.(2026: ) spekulieren in diese Richtung, wenn sie schreiben:

„Instrumental music may have evolved from earlier vocal expressions, gradually expanding into rhythmic sound production using tools“,

d.h.

„Instrumentalmusik könnte sich aus früheren vokalen Äußerungen entwickelt und sich allmählich zu einer rhythmischen Klangproduktion mit Werkzeugen entwickelt haben“.

Das vermuten die Autoren auf der Basis der Beobachtung von Ayumu, einem 26 Jahre alten männlichen Schimpansen, der in Gefangenschaft im Zentrum für die Evolutionären Ursprünge menschlichen Verhaltens an der Universität von Kyoto lebt:

Ayumu hatte einzelne Sprossen aus einem hölzernen Gehweg entfernt, sie als Trommelwerkzeuge benutzt und sie am Gitter des Käfigs entlangzog. Es war keineswegs das erste Mal, dass Ayumu eine Trommeldarbietung gab; vielmehr sind Schimpansen für solches Verhalten bekannt. Was an Ayumus Darbietung bemerkenswert war, war, dass er das Trommeln mit Vokalisierung verband und dabei eine Reihe rhytmischer Komponenten hervorbrachte und miteinander verband.

Die Autoren untersuchten, ob oder inwieweit bei Ayumus Darbietungen stimmliche Äußerungen in instrumentalen Klang übertragen wurden. Zu diesem Zweck unterschieden sie verschiedene Elemente von Ayumus Trommeldarbietung bzw. seinen jeweiligen Einsatz der Holzsprossen (Schlagen, Ziehen, Werfen) und betrachteten dann, welche Zusammenhänge zwischen diesen Elemeten bestanden und ob die Übergänge zufällig erfolgten oder nicht, also ein Muster aufwiesen, das darauf hinweist, dass sie von Ayumu absichtlich so gestaltet wurden. Schließlich untersuchten sie die Intervalle zwischen Ayumus Schlägen und verglichen die rhythmische Stabilität seines Werkzeuggebrauchs mit der seines Trommelns mit den Händen oder Füßen.

Das Ergbnis dieser Analyse beschreiben die Autoren zusammenfassend wie folgt:

„The display consisted of combinatorial sequences of rhythmic actions resembling the structure of pant–hoot vocalizations. Transition analyses revealed significant nonrandom transitions from tool-assisted drumming to object dragging, and from dragging to object throwing, and rhythm analyses showed that the drumming patterns were predominantly isochronous. Tool-assisted drumming was less variable than bodily drumming. Notably, facial expressions, including play face and silent bared teeth, were also observed, suggesting emotional engagement and potential social signaling. These findings indicate that emotional expression—usually mediated via vocalizations—can be externalized through instrumental sound. This behavior may provide important insights into evolutionary pathways leading to human musical expression. Our findings also support the hypothesis that music may have originated from affective vocal expression and evolved through multimodal integration of sound-making behaviours“ (Hattori et al. 2026: 1).

D.h.

„Die Darbietung bestand aus kombinatorischen Sequenzen rhythmischer Aktionen, die der Struktur von Pant–Hoot-Lautäußerungen [eine Art hechelndes Heulen oder Johlen von Schimpansen, das mehrere Phasen umfasst] ähnelten. Übergangsanalysen ergaben signifikante nicht-zufällige Übergänge vom werkzeuggestützten Trommeln zum Objektziehen und vom Ziehen zum Objektwerfen, und Rhythmusanalysen zeigten, dass die Trommelmuster überwiegend isochron waren [d.h. die Intervalle zwischen Trommelschlägen waren überwiegend gleich lang]. Das werkzeuggestützte Trommeln war weniger variabel als das körperliche Trommeln. Bemerkenswert ist, dass auch Gesichtsausdrücke, darunter Spielgesicht und stille entblößte Zähne, beobachtet wurden, was auf emotionales Engagement und potenzielle soziale Signale schließen lässt. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass emotionaler Ausdruck – normalerweise vermittelt durch Lautäußerungen – durch instrumentalen Klang externalisiert werden kann. Dieses Verhalten kann wichtige Erkenntnisse über evolutionäre Wege liefern, die zum musikalischen Ausdruck des Menschen führen. Unsere Ergebnisse stützen auch die Hypothese, dass Musik möglicherweise aus affektivem Stimmausdruck entstanden ist und sich durch multimodale Integration von Klangbildungsverhalten entwickelt hat.“

Ayumu ist aber nicht der einzige Schimpanse, bei dessen Darbietung stimmliche Äußerungen in instrumentalen Klang übertragen wurden. Bereits im Jahr 2022 hatten Watson et al. (2022) einen anderen männlichen Schimpansen, lieblos „EH“ genannt, der ebenfalls in Gefangenschaft (in Texas, USA) lebte, mehrfach dabei beobachtet, wie er Pant–Hoot-Lautäußerungen mit Trommel-Untermalung versah: Er setzte mehrere Materialien zu einem einzigen Objekt, einer „tub-stack“, einem „Wannenstapel“ zusammen, den er dann perkussiv, also als Trommel, zur Begleitung seiner Pant-Hoot-Darbietungen verwendete.

„Specifically, we suggest that because in three out of four observations of a completed tub-stack (Videos 1–4) EH initiated vocal production after the condition of a completed tub-stack is satisfied, this indicates that they possessed some degree of control over the moment of deployment of a pant-hoot display. It seems unlikely to us that EH has total control over the onset of pant-hoot displays, as it is visible in Videos 1, 2 and 4 that the motivational state underlying pant-hoot display behaviour has its onset before EH has finished building the tub-stack (indicated by the ‘pout’ facial expression that often precedes pant-hoots). However, in only one case (Video 4) did EH begin to vocalise before the tub-stack was complete (Video 4). This likely indicates that EH is able somehow to suppress the onset of the pant-hoot vocalisation itself. We also highlight Video 3, where the pant-hoot does not occur until almost a full minute after the tub-stack is created. In this example, we find it plausible that the onset of the display is under top-down control. However, it is also plausible that EH’s motivational state was simply disrupted by the entrance of their group mates to the chamber … “ (Watson et al. 2022: 5 von 10).

D.h.

„Insbesondere meinen wir, dass EH ein gewisses Maß an Kontrolle über den Zeitpunkt der Entfaltung seiner Pant-Hoot-Anzeige hattte, weil er in drei von vier Fällen, in denen er einen Wannen-Stapel angefertigt hatte, (Videos 1–4) mit der Stimmproduktion begann, nachdem die Bedingung eines fertigen Tub-Stacks erfüllt war. Es erscheint uns unwahrscheinlich, dass EH vollständige Kontrolle über den Beginn der Pant-Hoot-Darbietung hat, da in den Videos 1, 2 und 4 sichtbar ist, dass der Motivationszustand, der dem Pant-Hoot-Verhalten zugrunde liegt, seinen Beginn hat, bevor EH mit dem Aufbau des Wannenstapels fertig ist (angezeigt durch den ‘Schmoll-’Gesichtsausdruck, der Pant-Hoots oft vorausgeht). Allerdings begann EH nur in einem Fall (Video 4) zu vokalisieren, bevor der Wannenstapel fertig war (Video 4). Dies deutet wahrscheinlich darauf hin, dass EH in der Lage ist, den Beginn der Pant-Hoot-Lautäußerung selbst irgendwie zu unterdrücken. Wir heben auch Video 3 hervor, in dem das Pant-Hoot erst fast eine ganze Minute nach der Erstellung des Wannenstapels auftritt. In diesem Fall halten wir es für plausibel davon auszugehen, dass der Beginn der Darbietung unter vollständiger Kontrolle von EH steht. Es ist jedoch auch plausibel, dass der Motivationszustand von EH einfach durch den Eintritt seiner Gruppenmitglieder in die Kammer gestört wurde …“ (Watson et al. 2022: 5 von 10).

Quelle: Watson et al. 2022: Seite 5 von 10

 

Insgesamt gesehen sprechen die Beobachtungen von Watson et al. dafür, dass EH seine Darbietung zumindest teilweise unter Kontrolle hat und er seiner stimmlichen Darstellung, dem Pant-Hooting, eine vorbereitende Phase vorschaltet, in der er ein Objekt zusammenbaut, das er dann als Trommel benutzt, um sein Pant-Hooting zu begleiten; immerhin beginnt das Pant-Hooting in keinem der von den Autoren beobachteten Fälle, bevor der Wannenstapel fertig für den Einsatz ist.

Leider haben Watson et al. die Beschaffenheit der Trommel-Darbietung von EH nicht näher untersucht (oder jedenfalls nicht berichtet), so dass offen bleiben muss, ob oder inwieweit der produzierte Rhytmus oder die Intervalle zwischen Trommel-Einlagen der stimmlichen Äußerung entsprechen, beides einander also formal entspricht.

Festgehalten werden kann aber aus der gemeinsamen Betrachtung der berichteten Verhaltensweisen von Ayumu und EH, dass bei beiden Schimpansen eine enge Verbindung von stimmlichen Äußerungen und instrumentalem Klang besteht. Sie besteht auf jeden Fall hinsichtlich der zeitlichen Verbindung, und im Fall von Ayumu dokumentiert hinsichtlich der produzierten Klangmuster. Vielleicht hat Montagu (2017: 3) Recht damit, „ … dass motorische Impulse, die zu rhythmischer Musik und zum Tanz führen, mindestens so früh sein könnten wie die einfachste Stimmflexion von Klängen“.

Vielleicht ist die Frage „Was kam zuerst, Trommeln oder Singen?“ falsch gestellt. Bei beidem geht es um die Erzeugung von Klängen, die bestimmten Mustern folgen und einen bestimmten motivationalen Zustand voraussetzen. Bis auf Weiteres spricht nichts dagegen, dass frühe Menschen – ebenso wie Ayumu und EH – beides miteinander kombiniert haben, wenn der entsprechende motivationale Zustand vorhanden war.


Literatur

Hattori, Yuko, Voinov, & Uchikoshi, Makiko, 2026: Combinatorial Instrumental Sound-Making in a Captive Chimpanzee: Evolution of Vocal Externalization. Annals of the New York Academy of Sciences 1557(1): e70239. https://doi.org/10.1111/nyas.70239

Killin, Anton, 2018: The Origins of Music: Evidence, Theory, and Prospects. Music & Science 1: 1-23

Montagu, Jeremy, 2017: How Music and Instruments Began: A Brief Overview of the Origin and Entire Development of Music, for Its Earliest Stages. Frontiers in Sociology 2(8). doi: 10.3389/fsoc.2017.00008

Turk, Matija, Turk, Ivan, & Otte, Marcel, 2020: The Neanderthal Musical Instrument from Divje Babe I Cave (Slovenia): A Critical Review of the Discussion. Applied Science 10(4): 1226. https://doi.org/10.3390/app10041226

Watson, Stuart K., Lambeth, Susan P., & Schapiro, Steven J., 2022: Innovative multi-material tool use in the pant-hoot display of a chimpanzee. Scientific Reports 12: 20605. https://doi.org/10.1038/s41598-022-24770-w

 

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