Der Irankrieg sorgt zunehmend für wirtschaftliche Folgen: Die Medizintechnikbranche warnt vor einem möglichen Helium-Mangel, der neben der LNG-Produktion auch den Betrieb von MRT-Geräten gefährden könnte.

Gleichzeitig kam es in der Nacht zu schweren Explosionen in Beirut, nachdem Israels Armee erneut Ziele der pro-iranischen Hisbollah angegriffen hatte. Die Eskalation zeigt, dass sich der Konflikt weiter auf andere Länder der Region ausweitet und die Lage im Nahen Osten zunehmend verschärft.

 

Die Entwicklungen im Nahen Osten vom 4. April:

 

Proteste im Irak gegen USA und Israel

Im Irak haben zehntausende Anhänger des einflussreichen Schiitenführers Moktada Sadr gegen den Krieg gegen den Iran demonstriert. Die Menschen versammelten sich  in Bagdad und in weiteren Städten des Landes. In der Hauptstadt skandierten sie „Nein zu Israel“ und „Nein zu Amerika“.

Sadr hatte in einer Erklärung zu friedlichen Demonstrationen aufgerufen, „um die zionistisch-amerikanische Aggression zu verurteilen und Frieden in der Region zu schaffen“. Sadr verfügt nach wie vor über eine treue Anhängerschaft von Millionen Menschen innerhalb der schiitischen Bevölkerungsmehrheit des Irak und hat bereits in der Vergangenheit riesige Menschenmengen mobilisiert.

Proteste auch in Tel Aviv

Hunderte Menschen haben in Tel Aviv gegen den Irankrieg demonstriert. Die Demonstranten versammelten sich auf dem zentralen Habima-Platz der israelischen Stadt. Die Behörden hatten wegen Sicherheitsvorkehrungen nur eine Kundgebung mit 150 Teilnehmern zugelassen.

Deswegen drängte die Polizei die Demonstranten, die auch gegen das Vorgehen der israelischen Armee gegen die pro-iranische Hisbollah-Miliz im Libanon protestierten, kurz nach Beginn der Versammlung zurück und nahm Dutzende von ihnen fest.

Angriffe auf petrochemische Industrie  – gegen Raketen des Iran

Nach Angriffen auf die Stahlproduktion des Iran erfolgten heute Angriffe von Israel auf petrochemische Unternehmen im Iran. Laut Armee hat die Luftwaffe Produktionsbetriebe angegriffen, die für die Herstellung von chemischen Substanzen für ballistische Raketen verantwortlich ist.

Die iranische Armee hat den Ausnahmezustand verlängert, die Schulen sind weiterhin geschlossen und Versammlungen mit vielen Menschen verboten.

Inmitten der Spannungen in der Straße von Hormus besuchte Italiens Premierministerin Giorgia Meloni unter anderem Katar. Sie sprach in Doha unter anderem mit dem Emir von Katar. Beide betonten die Notwendigkeit von Deeskalation und Diplomatie, um diesen krieg zu beenden. 

Italien hat einen langfristigen Vertrag mit QatarEnergy für Gaslieferungen. Allerdings hat Qatar Energy „höhere Gewalt“ gemeldet und es ist unklar, ob dieser Vertrag erfüllt wird oder nicht.

Trump: Ultimatum an Iran läuft in 48 Stunden ab

US-Präsident Donald Trump hat heute darauf verwiesen, dass ein von ihm dem Iran gesetztes Ultimatum in 48 Stunden ablaufe. Zugleich drohte er Teheran mit der „Hölle“, wenn es sich einer Einigung verweigere. „Die Zeit läuft ab.“

„Erinnern Sie sich daran, wie ich dem Iran zehn Tage Zeit gegeben habe, einen Deal zu machen oder die Straße von Hormus zu öffnen“, schrieb Trump auf der Onlineplattform Truth Social. „48 Stunden, bevor die Hölle über sie niederregnen wird.“

Trump hatte am 26. März ein eigentlich auslaufendes Ultimatum an den Iran verschoben. Auf Bitten der iranischen Regierung setze er „die Frist zur Zerstörung von Energieanlagen um zehn Tage bis Montag, den 6. April 2026“ aus, schrieb Trump damals auf Truth Social.

Iran schwört nach Krieg dauerhafte Kontrolle über Straße von Hormus

Die iranische Nachrichtenwebsite „Nour News“, die dem Korps der Islamischen Revolutionsgarde nahesteht, veröffentlichte heute eine Erklärung eines Sprechers des iranischen Parlamentspräsidiums unter der Überschrift: „Die Straße von Hormuz wird nicht zu ihrem früheren Status zurückkehren.“

Darin hieß es, die Straße von Hormuz, durch die rund 20 Prozent des weltweiten Seeöltransports erfolgen, sei unter den neuen Sicherheitsbedingungen „zu einem strategischen Vorteil geworden“ und werde „nicht zu ihrem früheren Status zurückkehren“.

Weiter hieß es, die Verwaltung dieser wichtigen Wasserstraße liege in den Händen der iranischen Streitkräfte. Kein Land habe das Recht, sie ohne Teherans Erlaubnis zu passieren. Der Iran werde diese Position mit all seiner militärischen Macht verteidigen.

Der Sprecher betonte, der Weg Teherans sei „weder Kompromiss noch Kapitulation“ und fügte hinzu, der Iran werde standhaft bleiben und seine Position in einer „neuen Weltordnung“ festigen.

Iran richtet zwei Mitglieder der Oppositionsgruppe hin

Im Iran sind zwei Männer hingerichtet worden, die der verbotenen Oppositionsgruppe der Volksmudschaheddin angehört und Handlungen zum Sturz der Regierung ausgeführt haben sollen.

„Abdolhassan Montaser und Wahid Baniamerian wurden nach einem Gerichtsverfahren gehängt“, hieß es am Samstag auf der Website der iranischen Justiz. Die Urteile gegen die beiden Männer seien vom Obersten Gericht bestätigt worden.

Wann die Männer festgenommen wurden, blieb zunächst unklar. Anfang der Woche waren bereits vier weitere verurteilte Mitglieder der Oppositionsgruppe hingerichtet worden.

Die Volksmudschaheddin unterstützte 1979 die Islamische Revolution, bevor sie sich in den 1980ern mit den herrschenden Islamisten überwarf. Inzwischen ist die Gruppe im Exil ansässig und wird von Teheran als Terrororganisation eingestuft.

Der Iran ist nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen nach China der Staat mit den meisten Hinrichtungen weltweit.

Abgeordneter: Irans Ölexporte von Insel Charg nehmen trotz Krieg zu

Die iranischen Ölexporte von der Ölinsel Charg haben nach offiziellen Angaben trotz des Irankriegs zugenommen. „Nach meinen Besuchen und Treffen auf der Insel Charg muss ich sagen, dass die Ölexporte in den vergangenen Tagen nicht nur nicht zurückgegangen sind, sondern sogar gestiegen sind“, sagte der Vorsitzende des Energieausschusses des iranischen Parlaments, Moussa Ahmadi, laut Berichten der Nachrichtenagentur „Isna“.

Charg liegt vor der Westküste des Iran und ist ein bedeutender Terminal für Ölexporte aus dem Land. US-Präsident Donald Trump hatte mit der „Vernichtung“ der Insel gedroht, sollte keine Einigung mit der iranischen Führung zustande kommen und die Straße von Hormus nicht „sofort“ wieder öffnen.

Iranische Staatsmedien: Erneuter Angriff auf Kernkraftwerk Buschehr – ein Toter

Die USA und Israel haben nach Angaben iranischer Staatsmedien erneut einen Luftangriff auf das Kernkraftwerk Buschehr geflogen. Dabei sei in der Nähe der Anlage ein Sicherheitsmann getötet worden, berichtete die Nachrichtenagentur „Irna“. An den Atomanlagen seien keine Schäden entstanden.

Das Kraftwerk im Südwesten des Iran verfügt über den einzigen in Betrieb befindlichen Atomreaktor des Landes, der nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde im Jahr 2011 erstmals ans Stromnetz angeschlossen worden war. Russland baut derzeit einen zweiten Reaktor.

Wenige Stunden nach dem Angriff erklärte Moskau, dass 198 russische Arbeiter von dem Kernkraftwerk abgezogen worden seien. „Etwa 20 Minuten nach dem verhängnisvollen Angriff fuhren Busse vom Busbahnhof Buschehr in Richtung der iranisch-armenischen Grenze ab“, erklärte der Chef der russischen Atombehörde Rosatom, Alexej Lichatschow, nach Angaben der Nachrichtenagentur Tass.

Russland war an dem Bau des Kraftwerks in Buschehr beteiligt, russische Techniker unterstützten den Betrieb vor Ort. Bereits Ende März waren gut 160 russische Arbeiter nach US-israelischen Angriffen von dem Gelände fortgebracht worden.

Verletzte nach US-israelischem Angriff auf Petrochemie-Zentrum im Iran

Bei US-israelischen Angriffen auf ein petrochemisches Zentrum im Südwesten des Iran sind nach Angaben von Staatsmedien mindestens fünf Menschen verletzt worden. „In der Sonderzone für Petrochemie in Mahschahr haben sich Explosionen ereignet“, berichtete die Nachrichtenagentur „Fars“ unter Berufung auf das Gouverneursbüro der Provinz.

Bei „US-israelische Angriffen“ wurden den Angaben zufolge drei Unternehmen in dem Gebiet getroffen. Fünf Menschen seien verletzt worden, ob es Todesopfer gab, sei nicht bekannt.

Vier Verletzte durch Drohnen-Trümmer in Bahrain – Oracle-Sitz in Dubai beschädigt

In Bahrain sind vier Menschen durch Trümmer abgeschossener Drohnen verletzt worden. „Infolge der iranischen Aggression erlitten vier Bürger leichte Verletzungen“, erklärte das Innenministerium des Golfstaates am Samstag im Onlinedienst X.

„Mehrere Häuser in Sitra wurden durch Splitter beschädigt, die beim Abschuss iranischer Drohnen entstanden.“ Der Zivilschutz und Rettungsdienste seien vor Ort, erklärte das Ministerium des Golfstaates.

Im Golfemirat Dubai wurden indes zwei Gebäude von Trümmern getroffen, darunter eines, in dem das US-Softwareunternehmen Oracle untergebracht ist, wie das Medienbüro der Regierung mitteilte. Auch die Fassade eines Gebäudes im Gebiet des Hafens sei beschädigt worden. Verletzte gab es den Angaben zufolge nicht.

Die iranischen Revolutionsgarden hatten Anfang der Woche damit gedroht, US-Tech-Unternehmen in der Region anzugreifen.

„Die

Die Angriffe der USA und Israels auf den Iran dauern an.

Foto: Vahid Salemi/AP/dpa

USA und Iran suchen weiter nach zweitem Besatzungsmitglied von abgestürztem US-Kampfjet

Nach Berichten über zwei abgestürzte US-Kampfjets in der Golfregion suchen iranische und US-Streitkräfte fieberhaft nach dem zweiten Crewmitglied eines der Flugzeuge.

Der Iran erklärte am Freitagabend, ein US-Kampfflugzeug vom Typ F-15 abgeschossen zu haben. US-Medienberichten zufolge konnte eines der beiden Besatzungsmitglieder von US-Spezialeinheiten gerettet worden, nach dem zweiten werde noch gesucht.

Kurze Zeit später meldete Teheran dann den Abschuss eines US-Kampfjets vom Typ F-10. US-Präsident Donald Trump erklärte, der Verlust der Flugzeuge wirke sich nicht auf die US-iranischen Verhandlungen aus.

Die US-Armee startete US-Medienberichten zufolge eine großangelegte Such- und Rettungsaktion. Bilder und Videos auf Onlineplattformen zeigten mutmaßlich tief fliegende US-Hubschrauber und mindestens ein Flugzeug in der Gegend. Laut dem Nachrichtensender CNN wurde das gerettet Crewmitglied medizinisch versorgt.

Ein Journalist eines iranischen Lokalsenders erklärte, jeder, der ein Besatzungsmitglied lebend gefangen nehme, werde „eine Belohnung erhalten“.

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Die USA setzten bei ihren Angriffen gegen den Iran auch bunkerbrechende Bomben ein

Foto: Nathan Gallahan/U.S. Air Force/dpa

Trump: Verlust von US-Kampfjets wirkt sich „überhaupt nicht“ auf Verhandlungen mit Iran aus

Der mutmaßliche Verlust von zwei US-Kampfjets über iranischem Gebiet wirkt sich nach Angaben von US-Präsident Donald Trump nicht auf Verhandlungen mit der Führung in Teheran aus. „Nein, überhaupt nicht“, antwortete Trump am Sonntag im US-Nachrichtensender NBC auf eine entsprechende Frage und ergänzte: „Es ist eben Krieg.“

Das für den Iran zuständige Regionalkommando der US-Streitkräfte (Centcom) äußerte sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP bislang nicht zu den Angaben der iranischen Streitkräfte, ein zweiter US-Kampfjet sei über dem Persischen Golf abgeschossen worden und abgestürzt. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, erklärte lediglich, Präsident Trump sei „unterrichtet“ worden.

Trump sagt, der Iran habe um eine Waffenruhe gebeten.

Trump sagt, der Iran habe um eine Waffenruhe gebeten.

Foto: Alex Brandon/AP/dpa

Iran-Krieg: Medizintechnikbranche bereitet sich auf Helium-Mangel vor

Mit Blick auf den anhaltenden Irankrieg warnt die Medizintechnik-Branche vor einem Mangel an Helium, das etwa für den Betrieb von MRT-Geräten essenziell ist.

„Aktuell bestehen nur vereinzelt Einschränkungen, allerdings erwartet ein Teil der Unternehmen hier kurzfristig Engpässe und steigende Kosten“, teilte der Deutsche Industrieverband für Optik, Photonik, Analysen- und Medizintechnik (Spectaris) der „Welt am Sonntag“ mit. Der Verband führt unter seinen Mitgliedsunternehmen gerade eine Befragung durch.

Laute Explosionen in Beirut

In der Nacht haben erneut mehrere laute Explosionen die libanesische Hauptstadt Beirut erschüttert. Binnen einer halben Stunde ereigneten sich mindestens zwei Explosionen, berichtete ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP.

Die israelische Armee erklärte im Onlinedienst Telegram, sie habe „Einrichtungen“ der vom Iran finanzierten Hisbollah-Miliz in Beirut angegriffen. Libanesische Medien berichteten von Attacken auf südliche Vororte der Hauptstadt.

Der Libanon war Anfang März in den Irankrieg hineingezogen worden. Damals feuerte die Hisbollah-Miliz – deren erklärtes Ziel die Vernichtung Israels ist – als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei Raketen auf das Nachbarland ab. In der Folge griff Israel zahlreiche Ziele im Libanon an und schickte Bodentruppen über die Grenze.

Mit Material der Nachrichtenagenturen



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