Selten sind Texte so selbstentlarvend wie der von Felix Dachsel – Jahrgang 1987, von der Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg über Stationen bei taz und Zeit zum Spiegel durchgereicht, heute einer der Leiter des Reporter-Ressorts – und ein Musterbeispiel für das, was man die Blase nennt, ohne völlig zu erfassen, wie dicht sie ist und welche dramatischen Folgen das hat.

Dachsel beschreibt, wie er im Zugbistro einem älteren Herrn gegenübersitzt. Sie reden, es ist nett, dann nennt der Mann Angela Merkel eine Verbrecherin. Die Reaktion? Er steht auf, geht auf die Toilette, googelt seinen Gesprächspartner, findet AfD-Kandidatur und Vorstrafe (angeblich wegen einer Nazi-Äußerung, aber wir alle wissen, wie inflationär da heute geurteilt wird) – und flieht. Mit einer Lüge. Wie vor einem Aussätzigen. Er habe zufällig einen Freund im nächsten Abteil getroffen.

Aus dieser Episode macht Felix Dachsel einen Essay über die Frage, ob wir die Demokratie noch brauchen.

Man muss das kurz sacken lassen.