In seinem hellblauen Anzug sitzt Reza Pahlavi, der selbst ernannte „Transitionsleader“ der iranischen Opposition, vor knapp einer Woche im Raum der Bundespressekonferenz in Berlin. Als ich seine Pressekonferenz verfolge, fällt mir erneut auf: Kein iranischer Journalist und kein iranischer Publizist hat Zugang zu ihm, um kritische Fragen zu stellen.
Als iranische Autorin habe ich keine Möglichkeit, ihn auf Farsi zu befragen. Stattdessen muss ich mich für deutsch- oder englischsprachige Pressekonferenzen registrieren, um ihm die Fragen vieler Iraner*innen zu stellen. Reza Pahlavi gibt seit Jahren keine Interviews in Farsi, in denen er sich kritischen Nachfragen stellen müsste.
In der Bundespressekonferenz wurde Reza Pahlavi zur aktuellen Lage im Iran befragt. Sein Umgang mit der deutschen Medienlandschaft – insbesondere mit kritischen Fragen – ist auffällig. Er beginnt seine Rede mit Verweisen auf die unschuldigen Menschen und Protestierenden im Iran, die während der Januarproteste innerhalb weniger Tage vom Regime ermordet wurden.
Kaum erwähnt er jedoch, dass er vor dem 8. Januar mehrfach behauptet hat, die Repressionsapparate des Regimes seien zusammengebrochen und es brauche nur noch, dass Millionen Menschen auf die Straße gehen.
Er lügt dabei offensichtlich – möglicherweise in der Hoffnung, dass in der deutschen Medienlandschaft niemand seine Aussagen überprüft. In dieser Pressekonferenz behauptet Reza Pahlavi, er habe den Menschen während der Januarproteste geraten, sich zu schützen und zu Hause zu bleiben, als er die Brutalität des Regimes sah. Diese Behauptung ist falsch.
Tatsächlich rief er am 11. Januar – als bereits klar war, dass die Proteste massiv niedergeschlagen wurden – erneut dazu auf, auf die Straße zu gehen. Auch dabei behauptete er fälschlicherweise: „Die Repressionsapparate des Regimes sind zusammengebrochen.“
Pahlavi mag keine kritischen Fragen
In der Bundespressekonferenz wird er von einer Redakteurin der taz zu seiner Haltung bezüglich möglicher militärischer Angriffe der USA und Israels auf den Iran kritisch befragt. Als sie ihn auf seine widersprüchlichen Aussagen in den verschiedenen Medien anspricht, reagiert Reza Pahlavi sichtlich gereizt: „Sie stellen zu viele Fragen, die nächste!“ Als die Journalistin ihn darauf hinweist, dass sie noch das Recht auf eine weitere Frage hat, reagiert er genervt und sichtbar überfordert. Spätestens an diesem Punkt wird im Raum deutlich: Reza Pahlavi mag keine kritischen Fragen.
Es ist nicht das erste Mal, dass er das öffentlich zeigt. Auf einer Pressekonferenz im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar 2026 wurde er von Kasra Naji, Journalist von BBC Farsi, gefragt, warum er nicht in der Lage sei, Iraner zusammenzubringen. Seine Antwort: Er habe keine Kritiker, sondern nur Feinde – nämlich Reformisten, Separatisten und die Volksmojahedin.
Parallel dazu rufen seine Anhänger auf den Straßen von Berlin, München und weltweit: „Tod den drei Korrupten: Mullahs, Linke und Mojahedin.“ Als er im Rahmen derselben Konferenz von der CNN-Journalistin Christiane Amanpour darauf angesprochen wird, dass seine Anhängerschaft politische Gefangene und Andersdenkende angreift, behauptet er, es handele sich um eine Kampagne des Regimes, um ihm zu schaden.
Dabei lässt er unerwähnt, dass seine Frau, Yasmin Pahlavi, genau diese Parole („Tod den drei Korrupten“) verbreitet und Angriffe auf Persönlichkeiten wie die Nobelpreisträgerin Narges Mohammadi oder den Rapper Toomaj Salehi wiederholt öffentlich unterstützt oder teilt. Auch Personen, die solche Angriffe organisieren, wurden von ihr offen gelobt.
Kein Internet im Iran
Die Aufrufe Pahlavis während der Januarproteste waren Teil einer medialen Kampagne, die insbesondere vom Exilsender Iran International begleitet wurde. Millionen Menschen im Iran verfolgen diesen Sender. Seitdem die „Frau, Leben, Freiheit“-Proteste zurückgedrängt wurden und insbesondere nach dem 7. Oktober ist ein bestimmter Kurs in diesem Medium deutlich erkennbar: Pahlavi und seine Anhängerschaft stehen im Zentrum – und Krieg wird zunehmend als einzige Lösung dargestellt.
Während der Januarproteste wurde wiederholt suggeriert, das Regime stehe kurz vor dem Zusammenbruch. Gleichzeitig wurden mögliche militärische Angriffe der USA und Israels im Kontext geopolitischer Spannungen als Teil eines gemeinsamen Projekts inszeniert, das innerhalb weniger Wochen zum Sturz des Regimes führen könne. Die Warnungen von Menschenrechtsorganisationen, die auf die weiterhin massive Gewaltkapazität des Staates hinwiesen, wurden dabei weitgehend ignoriert.
Pahlavi behauptete zudem, das Regime sei nicht in der Lage, durch Internetabschaltungen die Verbindung zwischen Iran und der Außenwelt zu kappen. Wörtlich sprach er von „100.000 Starlinks“ und verwies auf Iran International als Ausweichkanal. Tatsächlich jedoch wurde am 8. Januar das Internet vollständig abgeschaltet – ebenso wie weite Teile der Telekommunikation. Es gab keine 100.000 Starlink-Verbindungen, und Iran International berichtete nicht unmittelbar über die eskalierende Gewalt.
Pahlavi nutzt die Medien vor allem zur Selbstdarstellung
Ferner behauptet er, mehr als 50.000 Angehörige der Sicherheitskräfte hätten sich ihm angeschlossen – eine Zahl, die er nach den Protesten sogar verdreifachte. Unklar bleibt, über welche Kanäle diese Kommunikation während eines vollständigen Internet-Blackouts stattgefunden haben soll, ohne dass das Regime davon Kenntnis erlangte. Und wo sind die 50.000 Streitkräfte des Regimes heute, die sich während der Proteste und während des Kriegs auf die Seite der Bevölkerung im Iran hätten stellen können?
Seit Jahren zeigt sich: Reza Pahlavi nutzt Medien vor allem als Plattform zur Selbstdarstellung. Er macht weitreichende Behauptungen, die oft nicht überprüfbar oder schlicht falsch sind – und entzieht sich gleichzeitig kritischen Nachfragen. Während er sich als „Transitionsleader“ inszeniert, enthält sein Übergangsprogramm Elemente, die eher auf eine Machtkonzentration hindeuten: Kontrolle über Justiz, Parlament und zentrale staatliche Institutionen nach einem Regimewechsel.
Auf die Frage nach einem konkreten Plan für den Sturz des Regimes verweist er meist indirekt auf externe Faktoren – insbesondere auf mögliche militärische Interventionen. Seine Kommunikation lässt erkennen, dass er stark auf internationale Akteure wie die USA und Israel setzt, während Trump gleichzeitig öffentlich Aussagen trifft wie: „Eine ganze Zivilisation wird sterben.“ Dabei sind bereits am ersten Tag militärischer Eskalationen zivile Ziele getroffen worden – etwa eine Schule in Minab.
Die Diskrepanz zwischen seinen Versprechen und der Realität ist offensichtlich
Sein Umgang mit Kritik ist dabei zunehmend herablassend – vorwiegend gegenüber Iraner*innen selbst. Inzwischen melden sich sogar Stimmen aus iranischen Gefängnissen zu Wort. Manouchehr Bakhtiari, Vater des während der Novemberproteste 2019 getöteten Pouya Bakhtiari und selbst Monarchist, stellte aus dem Gefängnis Hormozgan öffentlich Fragen, die viele teilen:
„Warum antworten Sie nicht auf Nachrichten aus dem Iran? Was ist Ihr Plan für den Sturz des Regimes? Haben Sie überhaupt einen Plan? Warum sind Sie nicht ehrlich zu den Menschen? Wie viel müssen die Menschen noch für Freiheit bezahlen – und warum tragen Sie keine Konsequenzen? Sie haben versprochen, in den Iran zu kommen. Ein Anführer macht keine leeren Versprechen. Hören Sie nur auf Ihr Umfeld? Warum sollen wir uns auf externe Kräfte verlassen? Wir verlassen uns auf uns selbst. Warum werden politische Gefangene und die Familien der Opfer sowohl vom Regime als auch von seiner Anhängerschaft angegriffen?“
Die Reaktion von Reza Pahlavi darauf ist interessant: Er entfolgt Bakhtiari auf X, während gleichzeitig seine Berater und Anhänger die Familie Bakhtiari auf der Plattform verbal angreifen.
eren, um ihm die Fragen vieler Iraner*innen zu stellen. Reza Pahlavi gibt seit Jahren keine Interviews in Farsi, in denen er sich kritischen Nachfragen stellen müsste. In der Bundespressekonferenz wurde Reza Pahlavi zur aktuellen Lage im Iran befragt. Sein Umgang mit der deutschen Medienlandschaft – insbesondere mit kritischen Fragen – ist auffällig. Er beginnt seine Rede mit Verweisen auf die unschuldigen Menschen und Protestierenden im Iran, die während der Januarproteste innerhalb weniger Tage vom Regime ermordet wurden.Kaum erwähnt er jedoch, dass er vor dem 8. Januar mehrfach behauptet hat, die Repressionsapparate des Regimes seien zusammengebrochen und es brauche nur noch, dass Millionen Menschen auf die Straße gehen. Er lügt dabei offensichtlich – möglicherweise in der Hoffnung, dass in der deutschen Medienlandschaft niemand seine Aussagen überprüft. In dieser Pressekonferenz behauptet Reza Pahlavi, er habe den Menschen während der Januarproteste geraten, sich zu schützen und zu Hause zu bleiben, als er die Brutalität des Regimes sah. Diese Behauptung ist falsch.Tatsächlich rief er am 11. Januar – als bereits klar war, dass die Proteste massiv niedergeschlagen wurden – erneut dazu auf, auf die Straße zu gehen. Auch dabei behauptete er fälschlicherweise: „Die Repressionsapparate des Regimes sind zusammengebrochen.“Pahlavi mag keine kritischen FragenIn der Bundespressekonferenz wird er von einer Redakteurin der taz zu seiner Haltung bezüglich möglicher militärischer Angriffe der USA und Israels auf den Iran kritisch befragt. Als sie ihn auf seine widersprüchlichen Aussagen in den verschiedenen Medien anspricht, reagiert Reza Pahlavi sichtlich gereizt: „Sie stellen zu viele Fragen, die nächste!“ Als die Journalistin ihn darauf hinweist, dass sie noch das Recht auf eine weitere Frage hat, reagiert er genervt und sichtbar überfordert. Spätestens an diesem Punkt wird im Raum deutlich: Reza Pahlavi mag keine kritischen Fragen. Es ist nicht das erste Mal, dass er das öffentlich zeigt. Auf einer Pressekonferenz im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar 2026 wurde er von Kasra Naji, Journalist von BBC Farsi, gefragt, warum er nicht in der Lage sei, Iraner zusammenzubringen. Seine Antwort: Er habe keine Kritiker, sondern nur Feinde – nämlich Reformisten, Separatisten und die Volksmojahedin.Parallel dazu rufen seine Anhänger auf den Straßen von Berlin, München und weltweit: „Tod den drei Korrupten: Mullahs, Linke und Mojahedin.“ Als er im Rahmen derselben Konferenz von der CNN-Journalistin Christiane Amanpour darauf angesprochen wird, dass seine Anhängerschaft politische Gefangene und Andersdenkende angreift, behauptet er, es handele sich um eine Kampagne des Regimes, um ihm zu schaden.Dabei lässt er unerwähnt, dass seine Frau, Yasmin Pahlavi, genau diese Parole („Tod den drei Korrupten“) verbreitet und Angriffe auf Persönlichkeiten wie die Nobelpreisträgerin Narges Mohammadi oder den Rapper Toomaj Salehi wiederholt öffentlich unterstützt oder teilt. Auch Personen, die solche Angriffe organisieren, wurden von ihr offen gelobt. Kein Internet im IranDie Aufrufe Pahlavis während der Januarproteste waren Teil einer medialen Kampagne, die insbesondere vom Exilsender Iran International begleitet wurde. Millionen Menschen im Iran verfolgen diesen Sender. Seitdem die „Frau, Leben, Freiheit“-Proteste zurückgedrängt wurden und insbesondere nach dem 7. Oktober ist ein bestimmter Kurs in diesem Medium deutlich erkennbar: Pahlavi und seine Anhängerschaft stehen im Zentrum – und Krieg wird zunehmend als einzige Lösung dargestellt.Während der Januarproteste wurde wiederholt suggeriert, das Regime stehe kurz vor dem Zusammenbruch. Gleichzeitig wurden mögliche militärische Angriffe der USA und Israels im Kontext geopolitischer Spannungen als Teil eines gemeinsamen Projekts inszeniert, das innerhalb weniger Wochen zum Sturz des Regimes führen könne. Die Warnungen von Menschenrechtsorganisationen, die auf die weiterhin massive Gewaltkapazität des Staates hinwiesen, wurden dabei weitgehend ignoriert. Pahlavi behauptete zudem, das Regime sei nicht in der Lage, durch Internetabschaltungen die Verbindung zwischen Iran und der Außenwelt zu kappen. Wörtlich sprach er von „100.000 Starlinks“ und verwies auf Iran International als Ausweichkanal. Tatsächlich jedoch wurde am 8. Januar das Internet vollständig abgeschaltet – ebenso wie weite Teile der Telekommunikation. Es gab keine 100.000 Starlink-Verbindungen, und Iran International berichtete nicht unmittelbar über die eskalierende Gewalt. Pahlavi nutzt die Medien vor allem zur SelbstdarstellungFerner behauptet er, mehr als 50.000 Angehörige der Sicherheitskräfte hätten sich ihm angeschlossen – eine Zahl, die er nach den Protesten sogar verdreifachte. Unklar bleibt, über welche Kanäle diese Kommunikation während eines vollständigen Internet-Blackouts stattgefunden haben soll, ohne dass das Regime davon Kenntnis erlangte. Und wo sind die 50.000 Streitkräfte des Regimes heute, die sich während der Proteste und während des Kriegs auf die Seite der Bevölkerung im Iran hätten stellen können?Seit Jahren zeigt sich: Reza Pahlavi nutzt Medien vor allem als Plattform zur Selbstdarstellung. Er macht weitreichende Behauptungen, die oft nicht überprüfbar oder schlicht falsch sind – und entzieht sich gleichzeitig kritischen Nachfragen. Während er sich als „Transitionsleader“ inszeniert, enthält sein Übergangsprogramm Elemente, die eher auf eine Machtkonzentration hindeuten: Kontrolle über Justiz, Parlament und zentrale staatliche Institutionen nach einem Regimewechsel.Auf die Frage nach einem konkreten Plan für den Sturz des Regimes verweist er meist indirekt auf externe Faktoren – insbesondere auf mögliche militärische Interventionen. Seine Kommunikation lässt erkennen, dass er stark auf internationale Akteure wie die USA und Israel setzt, während Trump gleichzeitig öffentlich Aussagen trifft wie: „Eine ganze Zivilisation wird sterben.“ Dabei sind bereits am ersten Tag militärischer Eskalationen zivile Ziele getroffen worden – etwa eine Schule in Minab.Die Diskrepanz zwischen seinen Versprechen und der Realität ist offensichtlichSein Umgang mit Kritik ist dabei zunehmend herablassend – vorwiegend gegenüber Iraner*innen selbst. Inzwischen melden sich sogar Stimmen aus iranischen Gefängnissen zu Wort. Manouchehr Bakhtiari, Vater des während der Novemberproteste 2019 getöteten Pouya Bakhtiari und selbst Monarchist, stellte aus dem Gefängnis Hormozgan öffentlich Fragen, die viele teilen:„Warum antworten Sie nicht auf Nachrichten aus dem Iran? Was ist Ihr Plan für den Sturz des Regimes? Haben Sie überhaupt einen Plan? Warum sind Sie nicht ehrlich zu den Menschen? Wie viel müssen die Menschen noch für Freiheit bezahlen – und warum tragen Sie keine Konsequenzen? Sie haben versprochen, in den Iran zu kommen. Ein Anführer macht keine leeren Versprechen. Hören Sie nur auf Ihr Umfeld? Warum sollen wir uns auf externe Kräfte verlassen? Wir verlassen uns auf uns selbst. Warum werden politische Gefangene und die Familien der Opfer sowohl vom Regime als auch von seiner Anhängerschaft angegriffen?“Die Reaktion von Reza Pahlavi darauf ist interessant: Er entfolgt Bakhtiari auf X, während gleichzeitig seine Berater und Anhänger die Familie Bakhtiari auf der Plattform verbal angreifen.