„US Open: Hitler-Eklat bei Zverev-Sieg“ – diese Schlagzeile war das erste, was ich heute früh bei der Lektüre der „Bild“ sah – in ganz dicken Lettern, ganz oben auf der Seite. War Adolf Hitler auferstanden? Oder war jemand in Hitler-Manier aufgesprungen? Oder hat ihn jemand nachgeäfft? Ich war mir sicher, dass es nur ein „Clickbait“ war, also ein billiger Trick, um möglichst viele Klicks zu generieren. Das Lesen der „Bild“ ist noch weitaus weniger vergnügungssteuerpflichtig geworden, seit die alte, halbwegs kritische Chefredaktion im Frühjahr durch zwei treue „Merkelianer“ ersetzt wurde. Aber mit so viel Unwillen wie heute habe ich selten auf einen Artikel geklickt – und in diesem Moment alle diejenigen beneidet, die sich das nicht aus beruflichen Gründen antun müssen wie ich.

Und in der Tat: Als vermeintlicher „Hitler-Eklat“ entpuppte sich, dass ein Gast auf der Tribüne die erste Zeile des Deutschland-Liedes von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben anstimmte. Die dritte Strophe ist bis heute die deutsche Nationalhymne. Die erste Strophe des am 26. August 1841 auf Helgoland gedichteten Liedes – die beginnt mit „Deutschland, Deutschland über alles“ – ist seit ihrem Missbrauch durch die Nationalsozialisten verpönt. Sie anzustimmen, gilt als unanständig. Aber ein „Hitler-Eklat“? Sind die Kollegen bei den großen Medien inzwischen völlig durchgedreht? Und nicht nur die „Bild“ machte zu dem Zuschauer eine große Geschichte – auch andere Medien, wie etwa die Welt.

Mein Lesetipp

Es ist immer wieder auffällig, dass ausgerechnet diejenigen, die anderweitig Dreck am Stecken haben, besonders stramm auf „Haltung“ sind und diese besonders untertänig und laut demonstrieren. Erst im Juli hat die Staatsanwaltschaft Berlin gegen Zverev den Erlass eines Strafbefehls beantragt, weil er seine frühere Freundin geschlagen haben soll. Umso strammer ist der Olympiasieger politisch auf Linie. Nach dem Spiel sagte er laut „Bild“ über den Zuschauer: „Er begann, die Hitler-Hymne zu singen, ‚Deutschland, Deutschland über alles‘“. Dass es sich um die erste Strophe des Deutschland-Liedes handelt und nicht um eine „Hitler-Hymne“ – auch wenn Hitler das Lied missbrauchte –, war Zverev offenbar nicht bewusst.

Weiter zitiert ihn die „Bild“ wie folgt: „Das war zu viel des Guten. Ich liebe es, wenn Fans laut und emotional sind. Aber den Respekt muss man wahren. Ich bin Deutscher und wir sind nicht stolz auf diesen Teil unserer Geschichte. Er saß in einer der vorderen Reihen und viele Leute hörten das. Da musste ich was tun.“

Und prompt ging Zverev zum Schiedsrichter und verpetzte den Zuschauer. Die „Bild“ schildert das wie folgt: „Deshalb ging Zverev jetzt in New York zum Schiedsrichter, zeigte auf den Mann und beschwerte sich: ‚Er hat den schlimmsten Hitler-Satz zu mir gesagt, den es gibt. Das ist inakzeptabel.‘ Beim nächsten Seitenwechsel wurde der Mann von Sicherheitskräften aus dem Stadion gebracht.“

Peinliche Selbstentlarvung

Die erste Strophe des Deutschland-Liedes als der „schlimmste Hitler-Satz“? Zverev entlarvte sich damit nicht nur als Denunziant und Haltungs-Krieger, sondern auch noch als Bildungs-Null-Diätler. Denn Hitler hat bei Gott schlimmere Dinge gesagt.

Nochmal: Die erste Strophe, in der unter anderem das frühere Deutsche Reich geografisch beschrieben wird („Von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt“), hat eine sehr finstere Geschichte, weil Hitlers Armeen mit ihr auf den Lippen in vielen Ländern Europas einmarschierten. Was diese Zeilen in anderen Ländern für Gefühle auslösen, ist deswegen offensichtlich.

Wie Zverev hier aber reagierte und wie deutsche Medien aus einer Mücke einen Elefanten machen, ist ein Beispiel dafür, wie sehr unsere Gesellschaft abgeglitten ist. Ich würde geradezu von einer Empörungssucht sprechen. Und einem Drang, überall und in allem Nazis zu sehen – die man aus gutem Grund nur mit der Abkürzung bezeichnet, weil durch den gesamten Namen – Nationalsozialisten – eben offensichtlich würde, dass sie neben rechtsextremen auch massive sozialistische und linksextreme Anleihen hatten.

Nur deshalb habe ich es für nötig gehalten, diese Geschichte hier aufzugreifen – als Sittengemälde des „neuen Deutschlands“. Besonders bitter: „Deutschland über alles“ stellen in meinen Augen gerade jene rot-grünen Kulturkrieger, die heute in Politik und Medien den Ton angeben und glauben, am deutschen Wesen müsse das Weltklima gesunden. Wie es in der „Neuen Zürcher Zeitung“ vor einiger Zeit so treffend hieß: Früher kamen die Deutschen mit Panzern in die Nachbarländer, heute mit Moral.

PS: Ich bekomme immer wieder böse Zuschriften, in denen mich Leser tadeln, weil ich Themen wie dieses oder den Aiwanger-Skandal aufgreife. Glauben Sie mir – ich würde nichts lieber tun, als darauf zu verzichten. Aber wie ein Arzt sich um Krankheiten kümmern muss, ist meine Aufgabe als Journalist, Missstände aufzugreifen. Und in Fällen wie diesen ist auch das massive Medien-Echo bzw. sein Tenor per se ein Missstand – auf den man hinweisen muss.

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Von Veritatis

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