Die Leute wissen nicht, wovon Sie reden:

„Gesundheitsgerechtigkeit ist ein wichtiges Ziel von Forschung und Politik“, erklärt Professor Jürgen M. Steinacker. Der Mediziner, der bis Ende September 2023 am Universitätsklinikum Ulm die Sektion für Sport- und Rehabilitationsmedizin geleitet hat, engagiert sich seit vielen Jahren für die Gesundheit von Kindern.”

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Gerechtigkeit ist ein relatives Konzept, bei dem die individuellen Anstrengungen mit den dafür realisierten Auszahlungen in Relation gesetzt werden. Gerechtigkeit liegt vor, wenn zwei Personen, die unterschiedliche Anstrengungen vornehmen, unterschiedliche Auszahlungen erhalten: wer mehr Anstrengung investiert, erhält auch mehr Auszahlung. Ungerechtigkeit liegt vor, wenn derjenige, der weniger leistet, mehr Auszahlung erhält. Insofern kann es einen Humbug wie Gesundheitsgerechtigkeit im kollektiven Sinn, in dem Steinacker das Konzept benutzt, gar nicht geben. Professor Jürgen M. Steinacker missbraucht offenkundig Begriffe, deren Bedeutung er nicht versteht. Eine hohe formale Bildung ist offenkundig keine Gewähr für sinnvolle Aussagen.

Aber es wird noch besser:

“„Denn globale Ungleichheiten, Kriege, die Globalisierung, erzwungene Migration und Klimawandel sind Probleme, die auch das Recht von Kindern auf optimale Gesundheit und Entwicklung verletzen.“ Da es solche Ungerechtigkeiten nicht nur auf globaler und nationaler, sondern auch auf lokaler Ebene gibt, nahm sein Team das Problem in Baden-Württemberg unter die Lupe.”

Offenkundig ist Herr Professor der Ansicht, dass es überall Krieg geben müsste, um die “Gesundheitsgerechtigkeit”, von der er faselt, herzustellen, denn zweifellos hätten alle Kinder, wenn alle Kinder Kriegen ausgesetzt wären, dieselben Chancen auf eine “optimale Gesundheit und Entwicklung”. Und nicht zu vergessen, muss man Unterschiede in dem, was man landläufig Geschmack nennt, abstellen. Unterschiedliche Geschmacks-Vorlieben führen zu unterschiedlicher Ernährung und unterschiedliche Ernährung ist die größte Gefahr für “Gesundheitsgerechtigkeit”. Der Mars-Riegel, den Kinder in Holland mehr essen als Kinder in Juba, Südsudan, zerstört die ganze “Gesundheitsgerechtigkeit”. Würden Kinder in Holland oder wo auch immer sie Marsriegel in sich hineinschlingen mögen, auf Marsriegel verzichten und sich so mangelhaft von dem, dessen sie habhaft werden können, ernähren, wie Kinder in Juba, dann wäre Gesundheitsgerechtigkeit hergestellt.

Und natürlich ist es auch wichtig, den Begriff “Klimawandel” in diesem Zusammenhang fallen zu lassen. Es gibt zwar keinerlei denkbaren Zusammenhang zwischen Klimawandel und “Gesundheitsgerechtigkeit”, wenn man nicht generell denjenigen, die in wärmeren Gefilden leben, attestieren will, dass sie in Sachen Gesundheit ungerecht behandelt werden, was indes ein Vitamin-D Problem heraufbeschwören würde, aber dessen ungeachtet muss man den Begriff “Klimawandel” fallenlassen, schon um seine umfangreiche ideologische Verblödung zu dokumentieren.

Aber, Sie haben vermutlich gefürchtet: Es geht noch dämlicher:

Was wir nicht für möglich gehalten haben, Andrea Weber-Tuckermann, ein Opfer der Doppelnamen-Emanzipation, hat es geschafft: Sie hat den Blödsinn, den Professor Jürgen M. Steinacker, Professor ist übrigens kein formaler Titel, keine Qualifikation an sich, lediglich eine Stellenbezeichnung, das mag manches erklären, von sich gegeben hat, noch gesteigert, zum “ungerechten Übergewicht”. Indes, Übergewicht ist zumeist die gerechteste Sache der Welt, denn der Körper eines Vielfressers gibt dem Vielfresser genau das, was sein Kalorienintake an gerechter Auszahlung zu erwarten lässt: Die Fressleistung wird 1:1 in Körperumfang transferiert. Nichts Ungerechtes weit und breit, nur mimimi, bei denen, denen unsere Vorliebe für deutliche Worte nicht gefällt.

Aber der Bullshit aus Ulm passt in die allgemeine Verblödung, die an Hochschulen ausgebrochen ist, gepaart mit dem Bestreben jede individuelle Verantwortung zu streichen und “bösen Mächten”, der Gesellschaft oder denen, die “ungerechte Ernährung” herstellen, in die Schuhe zu schieben. Es gäbe so viele gute Adressaten, wie zum Beispiel die Unternehmen der Nahrungsmittelindustrie, die Milliarden Verbraucher mit ihrem hochprozessierten Fertigfraß erst aufpumpen und dann an die Pharmaindustrie zur Bekämpfung von Diabetes durchreichen. Aber es ist natürlich viel einfacher, einen Bullshit wie “Gesundheitsgerechtigkeit” zu erfinden und die Schuld bei denen abzuladen, bei denen die prekäre Mittelschicht aus Gründen der eigenen Statussicherung die Schuld schon seit Jahrzehnten abgeladen hat: den nicht akademisch Gebildeten.

Dazu gleich.

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Machen wir kurz in der Pressemeldung weiter:

“Die Untersuchung „Beyond correlates: the social gradient in childhood overweight“ basiert auf einer Evaluation des Gesundheitsförderprogramms „Komm mit in das gesunde Boot“ der Sektion Sport- und Rehabilitationsmedizin des Universitätsklinikums. Finanziert von der Baden-Württemberg Stiftung hat es zum Ziel, in Schulen und Kindergärten auf spielerische Art Freude an Bewegung und gesunder Ernährung zu wecken. Knapp 1 000 Drei- bis Sechsjährige in beteiligten Kindergärten in Baden-Württemberg waren für die Evaluation untersucht worden. Während Größe und Gewicht der Kinder direkt in den Kindergärten gemessen wurde, erfasste man Bildungsstand, Einkommen und etwa das Gewicht von Vätern und Müttern per Elternfragebogen.”

“Beyond correlates” – fancy und aussagelos: aber man muss sich derartigen verbalen Pomp einfallen lassen, um die seichten Gemüter, die in der Baden-Württemberg Stiftung unter Vorsitz von Wilfried Kretschmann jährlich 40 Millionen Euro Steuergeld aus dem Fenster werfen, um “Forschung”, wie die aus Ulm zu finanzieren, an der, wie Weber-Tuckermann behauptet, knapp 1000 Kinder teilgenommen haben sollen, zu beeindrucken. Die zur Verfügung stehenden Daten addieren sich allerdings nur auf Daten für 850 Kinder, möglicherweise denkt Weber-Tuckermann wirklich, das seien knapp 1.000. Indes, die Auswertungen, die “Gesundheitsgerechtigkeit” zum Gegenstand haben, sie basieren auf weit weniger, auf 643 Befragten. Zwar versuchen die Autoren, des aus dem “Projekt” hervorgegangenen Beitrags, dieses Faktum kunstvoll zu verstecken, aber es nutzt nichts, die Ergebnisse basieren im Wesentlichen auf 643 Hanseln, also gut 600 Hanseln, in der großzügigen Art und Weise, in der in Ulm mit Zahlen umgegangen wird.

Nicht ohne Grund.

Um Ergebnisse zu fabrizieren, das Verb bitte wörtlich nehmen, die uns mittlerweile Übelkeit verursachen, weil man richtig dabei zusehen kann, wie sich ein selbstgerechtes universitäres Prekariat auf die Schulter klopft, weil die eigenen “Ergebnisse” wieder einmal die eigene Überlegenheit über die “Unterschicht” zeigen.

Das liest sich in der Pressemeldung so:

“Die Ergebnisse: „Zum einen sind Kinder häufiger übergewichtig, wenn sie in einer Familie mit geringem Haushaltseinkommen oder Migrationshintergrund aufwachsen oder ein Elternteil selbst Übergewicht hat“, so die Sportwissenschaftlerin Dr. Susanne Kobel. „Noch entscheidender scheint jedoch der Bildungsstatus der Eltern zu sein. Gesundheitsbezogene Risiken treten insbesondere in Familien mit niedrigem Bildungshintergrund auf, und das schon bei Kindern im Alter von drei bis fünf Jahren.“”

Die fettgesetzte Aussage hat eine fabrizierte empirische Basis, die man aus den beiden folgenden Tabellen aus dem Beitrag von Hermeling et al. herausarbeiten muss.

Tabelle 1 (Table 1) ist ein kunstvoller Versuch, die Tatsache zu verschleiern, dass die Ergebnisse nicht auf 850 Eltern/Kind-Dyaden basieren. Einen anderen Grund dafür, die tatsächliche Zahl der Probanden, die in eine Analyse eingangen sind, nicht anzugeben, ist uns nicht ersichtlich. Nehmen Sie die 850 aus der Spaltenüberschrift und subrahieren sie die 207, die bei “Family education medium/low” als fehlende Werte angegeben sind: 643 ist das Ergebnis und gleichzeitig die Anzahl derjenigen, deren Angaben in die Analyse eingeflossen sind (also knapp 1000 in den Worten von Weber-Tuckermann).

Aber damit nicht genug. Die Analyse zum Zusammenhang zwischen einem erhöhten BMI, ohnehin etwas, was man bei Kindern im Alter von drei bis fünf oder sechs Jahren vielleicht nicht so ernst nehmen muss, weil im Rahmen der Pubertät zuweilen aus einem pummeliges Kind ein schlanker Jugendlicher wird, basiert auf einer dichotomen Variable, die in eine binäre logistische Regression geworfen wurde. Die Variable wird wie folgt beschrieben:

“Family level of education was categorised according to the adjusted “Comparative Analyses of Social Mobility in Industrial Nations” (CASMIN) classification [35]. Levels were dichotomised into tertiary and elementary/intermediate level of education.”

Tertiäre Bildung liegt nach Besuch einer Hochschule vor. 299 der 643 verbliebenen Eltern-Kind-Dyaden, 46,5%, weisen eine tertiäre Bildung auf, 53,5% (N = 344) eine sekundäre Bildung. Sekundäre Bildung, das sind all diejenigen, die nach dem Abitur einen Job und kein Studium aufgenommen haben, die einen Realschulabschluss erworben haben, einen Hauptschulabschluss erreicht oder nicht erreicht haben usw. Mit anderen Worten: Ein Sample aus 643 Hänsen, in dem knapp die Hälfte aus Akademikern besteht, ist nicht unbedingt das, was man eine unverzerrte Stichprobe nennt, eher das Gegenteil, und ein Abiturient, der darauf verzichtet, ein Studium aufzunehmen, nicht unbedingt das, was man als jemanden von mittlerer/geringer/keiner Bildung bezeichnen würde. Indes, das genau macht Frau Kobel, die offenkundig außerstande  oder unwillig ist, die eigenen Daten richtig zu interpretieren:

“Noch entscheidender scheint jedoch der Bildungsstatus der Eltern zu sein. Gesundheitsbezogene Risiken treten insbesondere in Familien mit niedrigem Bildungshintergrund auf, und das schon bei Kindern im Alter von drei bis fünf Jahren.“”

Eine Behauptung, die von den Ergebnissen der drei Helden aus Ulm nicht getragen wird. Ob die Ergebnisse überhaupt etwas aussagen, ist zudem fraglich, denn Tabelle 2 ist uninterpretierbar. Es fehlen dazu die grundlegenden Informationen. Eine logistische Regression liefert in jedem Fall Ergebnisse, indes, ob diese Ergebnisse sinnvoll oder Rauschen sind, kann man nur auf Basis von Gütemaßen wie Nagelkerkes r2 sagen. Es gibt auch ein sehr nütliches Feature bei logistischen Regressionen, bei denen es sich ja letztlich um Vorhersagen einer Gruppenzugehörigkeit handelt, hier: übergewichtig oder nicht. Man kann auf Basis der errechneten Ergebnisse die Befragten im Sample zu übergewichtig/nicht übergewichtig (was auch immer das bei Drei- bis Fünf-/Sechsjährigen bedeutet) zuordnen und diese Zuordnung mit der tatsächlichen Verteilung vergleichen, um ein Maß für die Qualität der eigenen logistischen Regression zu erhalten. Wir haben diese Möglichkeit seit Jahrzehnten nicht mehr angewendet gesehen. Die Gründe dafür, dass diese Kontrolle der eigenen Ergebnisse nicht mehr veröffentlicht bzw. vorgenommen wird, sind offenkundig. Übrigens, die 850 Befragten in der Kopfleiste von Tabelle 2 sind eine Lüge, denn wie Tabelle 1 ausweist, sind in keinem der vier Fälle auch nur annähern 850 Befragte vorhanden, es sei den, die Helden aus Ulm haben die fehlenden Werte intrapoliert und ihre eigenen Ergebnisse damit noch mehr ins Absurde gesteigert.

Wie auch immer, wir haben es hier mit JUNK SCIENCE vom Feinsten zu tun, einer der Fälle, in denen BMI und IQ “knapp”, um in den Begrifflichkeiten der Pressemeldung zu bleiben, voneinander abweichen.


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Von Veritatis

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