Von Daniel Weinmann

Geht es nach den Vordenkern der grünen Energiewende, soll sich die Windkraftleistung hierzulande bis 2030 fast verdoppeln. So sieht es zumindest das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vor. „Energiewende vorantreiben. Wir schaffen Versorgungssicherheit mit erneuerbaren Energien“, propagieren die Grünen auch auf ihrer Website. „Sie sind sicher und auf Dauer günstig. Das stärkt uns auch als Wirtschaftsstandort.“

Dumm nur, dass die Investoren diese blauäugige Ansicht offensichtlich nicht teilen. Ihr Interesse an neuen Windparks ist so gering, dass die Bundesnetzagentur ihre dafür ausgelobten Fördergelder deutlich kürzen muss. Sollten ursprünglich bei der am 1. Mai anstehenden Auktion EEG-Subventionen für 4093 Megawatt Windkraft-Leistung ausgeschrieben werden, dampfte die Agentur das Ausschreibungsvolumen laut einer Mitteilung des Bundesverbandes Windenergie auf 2795 Megawatt ein.

Schon im Februar war die Auktion um rund ein Viertel unterzeichnet: Bei einer ausgeschriebenen Menge von 2486 Megawatt lag das bezuschlagte Gesamtvolumen lediglich bei 1836 Megawatt. Gut für die Bietenden, denn diese durften sich über einen Betrag knapp unter dem Maximalpreis von 7,35 Cent je Kilowattstunde freuen. Kostensenkung siegt anders aus.

»Die Kürzung sendet ein falsches Signal an die Branche und die Öffentlichkeit«

Die Bundesnetzagentur redete sich das Ergebnis dennoch schön. „Wir sind beim Wind zwar noch nicht da, wo wir hinwollen, um unsere Ausbauziele zu erreichen. Aber wir sind hier auf einem guten Weg“, gab sich Präsident Klaus Müller euphemistisch. Berücksichtige man sämtliche Auktionen des Jahres 2023, habe die Menge der eingereichten Gebote 6,5 Gigawatt betragen und damit deutlich mehr als in den Jahren 2018 bis 2022, in denen zu keinem Zeitpunkt mehr als 3,7 GW Gigawatt worden seien.

Dies war jedoch nur die halbe Wahrheit. Denn laut der EEG-Novelle 2023 beläuft sich das Ziel des Gesetzgebers auf gut zwölf Gigawatt und damit knapp das Doppelte des von Müller als Erfolg verbrämten Volumens. Ungleich realistischer schätzt die Präsidentin des Bundesverbandes Windenergie (BWE), Bärbel Heidebroek, ein: „Wir hätten uns mit Blick auf die große Menge möglicher Gebote dennoch mehr Mut gewünscht. Die Kürzung sendet ein falsches Signal an die Branche und die Öffentlichkeit.“

Kein Wunder, schließlich liegen laut BWE allein aus dem letzten Jahr noch 388 genehmigte Windenergieanlagen mit einer Leistung von 2.080 Megawatt vor, für die es noch keinen Zuschlag gibt. Hinzu kommen 464 Anlagen mit einer Leistung von 2.619 Megawatt, die bis zum Stichtag 4. April genehmigt waren. Als wäre dies nicht genug, stehen auch aus den Jahren 2021 und 2022 noch nicht bezuschlagte Genehmigungen bereit.

Wunschtraum grüner Wind-Fanatiker

Zwar bleibe die wirtschaftliche Situation durch Inflation und Lieferschwierigkeiten angespannt, so Heidebroek. Doch – und hier lehnt sie sich weit aus dem Fenster – „die Zubauzahlen bewegen sich aber dennoch in die richtige Richtung“. Vor diesem Hintergrund seien jetzt die Projektierer aufgerufen, sich an der kommenden Ausschreibungsrunde zu beteiligen.

Fragt sich, ob die Ziele des Gesetzgebers erreicht werden. Laut EEG sollen bis Ende dieses Jahres sollen hierzulande 69.000 Megawatt Windkraftleistung bereitstehen. Laut einer Statistik von „Deutsche Windguard“ aktuell 61.535 Megawatt installiert.

Wie die „Welt“ unter Bezug auf das Marktstammdatenregister berichtet, wurden bis zum 1. April in diesem Jahr 131 Windräder mit einer Leistung von 667 Megawatt errichtet. Davon sind 103 stillgelegte Windräder mit 126 Megawatt abzuziehen. Die bis Ende Dezember fehlenden 7465 Megawatt dürften daher ein Wunschtraum grüner Wind-Fanatiker bleiben.

Gleiches gilt für das im Koalitionsvertrag der Bundesregierung festgeschriebene Ziel, den Ausstieg aus der Kohleverstromung „idealerweise“ auf das Jahr 2030 vorzuziehen.

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Daniel Weinmann arbeitete viele Jahre als Redakteur bei einem der bekanntesten deutschen Medien. Er schreibt hier unter Pseudonym.

Bild: Shutterstock

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