Österreich gehört 2026 zu den Konjunkturschleppern der EU: Die EU‑Kommission rechnet für das heimische Bruttoinlandsprodukt nur noch mit einem Wachstum von plus 0,6 Prozent, während die Union insgesamt mit 1,1 Prozent und der Euroraum mit 0,9 Prozent etwas stärker anziehen soll. Damit liegt Österreich – wie Deutschland – wieder am unteren Ende der EU‑Rangliste; nur Italien mit 0,5 Prozent und Rumänien mit 0,1 Prozent sind noch schwächer prognostiziert.

Nahost-Konflikt sorgt für Unsicherheit

Grund für die Abwärtstendenz ist laut Kommission vor allem der durch den Konflikt im Nahen Osten ausgelöste Energieschock. Militärische Spannungen zwischen Israel, Iran und weiteren Akteuren, verbunden mit Unsicherheit auf den Energiemärkten, haben die Öl‑ und Gaspreise deutlich angehoben. Diese teureren Energiekosten treiben die Inflation wieder nach oben, belasten Kaufkraft und halten Unsicherheit in Unternehmen wie Haushalten aufrecht. Die EU‑Inflation soll 2026 bei 3,1 Prozent liegen, nach zuletzt 2,1 Prozent in der Herbstprognose; 2027 wird ein Abschwächen auf 2,4 Prozent erwartet. Im Euroraum sind es 3,0 Prozent 2026 und 2,3 Prozent 2027, in Österreich rund 3,0 Prozent 2026 sowie 2,5 Prozent 2027 – damit nahe am EU‑Durchschnitt.

Defizit bleibt viel zu groß

Auch beim Haushaltsdefizit bleibt Österreich über den EU‑Grenzen: Die Kommission rechnet für 2026 und 2027 mit einem Defizit von jeweils rund 4,1 Prozent des BIP. Das bedeutet, dass das Land weiter im laufenden Defizitverfahren bleibt, das aufgrund eines Defizits von 4,7 Prozent im Jahr 2024 und geplanten 4,5 Prozent für 2025 eingeleitet wurde. Die EU‑Schnittwerte klettern von 3,1 Prozent 2025 auf 3,6 Prozent 2027, getrieben von gedämpfter Konjunktur, höheren Zinslasten, Maßnahmen zur Abfederung teurer Energie sowie steigenden Verteidigungsausgaben.

Keine Besserung in Sicht

Weil die Dauer des Nahost‑Konflikts und seine Auswirkungen auf die Energiemärkte schwer kalkulierbar sind, ergänzt die Kommission ihre Basisprognose durch ein alternatives Szenario: Bei länger anhaltenden Versorgungsengpässen und noch deutlich höheren Energiepreisen würde die Inflation 2027 kaum sinken, und die erhoffte leichte Erholung der Wirtschaft würde sich verzögern oder gar nicht einstellen. Dann würde sich die Spannung zwischen hohen Kosten und schwachem Wachstum weiter verschärfen – vor allem in energieintensiven Branchen wie Industrie, Transport und Chemie.

Österreich bleibt unter EU-Durchschnitt

Neben der EU‑Einschätzung zeigen andere Institute teils etwas optimistischere Prognosen: Die OECD hat ihre Wachstumsschätzung für Österreich 2026 zuletzt auf 1,1 Prozent angehoben, während nationale Institute wie Wifo und das Institut für Höhere Studien (IHS) zuletzt noch rund 1,0 bis 1,2 Prozent erwartet hatten und nun die Belastung durch Energie‑ und Zinslasten stärker einrechnen. Diese Spanne unterstreicht die hohe Unsicherheit – aber die Tendenz bleibt klar: Österreich bleibt 2026 unter dem EU‑Durchschnitt, und ob ab 2027 ein spürbarer Aufschwung einsetzt, hängt entscheidend davon ab, wie schnell sich die Energielieferungen normalisieren und die Zinslasten entlasten.

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Von Veritatis