In Kürze:

  • Goethe-Institut Vilnius zeigt Werke umstrittener Künstlerin
  • Kritik wegen antisemitischer und Hamas-naher Inhalte
  • Auswärtiges Amt fordert mehr Sorgfalt bei Veranstaltungen
  • Debatte reiht sich in frühere Kulturskandale ein

 

Mit Bedauern hat das Goethe-Institut in Vilnius auf einen Bericht der „BILD“ über eine Ausstellung reagiert, die der Einrichtung Vorwürfe einbrachte, antisemitische Positionen geduldet zu haben. Nach Angaben der Zeitung wurden in der Schau auch Werke einer Künstlerin gezeigt, die in sozialen Medien wiederholt durch antisemitische sowie die terroristische Hamas verherrlichende Beiträge aufgefallen war.

Auf Anfrage erklärte das Goethe-Institut, Antisemitismus sowie die Leugnung des Existenzrechts Israels nicht zu tolerieren. Die Instagram-Beiträge der Künstlerin seien der Einrichtung zuvor nicht bekannt gewesen. Insbesondere Aussagen, die das Existenzrecht Israels infrage stellten, seien „mit den Werten des Goethe-Instituts unvereinbar“.

Veranstaltung im Goethe-Institut fand im Dezember 2025 statt

Konkret geht es um die Ausstellung „Glocken und Kanonen. Zeitgenössische Kunst in Zeiten von Militarisierung“, die vom 10. bis zum 28. Dezember 2025 im Contemporary Art Center (CAC) der litauischen Hauptstadt zu sehen war. Die Ausstellung fand im Rahmen des Projekts „Aspekte der Anwesenheit“ statt, das vom Goethe-Institut Litauen, dem CAC sowie der Akademie der Künste in Berlin ausgerichtet wurde.

Nach Angaben der Initiatoren sollte die Schau untersuchen, „wie Prozesse der Militarisierung, Information, Technologie und Erinnerung unsere Wahrnehmung der Welt prägen“. Besucher seien eingeladen worden, „Kunst als sensibles Instrument zur Messung geopolitischer, ökologischer und kultureller Spannungen zu betrachten“ – als ein Mittel, „die Logik einer konfliktreichen Welt zu reflektieren und neu zu denken“.

Die 1983 in Kuwait geborene Filmemacherin Basma al-Sharif, Tochter palästinensisch-arabischer Eltern und in Frankreich sowie den USA aufgewachsen, fiel in sozialen Medien jedoch wiederholt mit umstrittenen Äußerungen auf. Auf ihrem Instagram-Account verbreitete sie unter anderem Beiträge, in denen Israel als „zionistisches Gebilde“ bezeichnet wird und von einer angeblichen „Blutlust Israels“ die Rede ist. Zudem teilte sie Boykottaufrufe gegen Israel sowie Symbole der terroristischen Hamas.

Einladung von Al-Sharif löste Skandal in Düsseldorf aus

Eine breitere Öffentlichkeit wurde im Januar 2026 auf die Social-Media-Beiträge al-Sharifs aufmerksam. Die Jüdische Gemeinde Düsseldorf protestierte damals gegen deren Einladung durch die Kunstakademie der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt. Auch das Jüdische Forum der CDU in Nordrhein-Westfalen schloss sich dem Protest an. Wie die „Jüdische Allgemeine“ berichtete, habe man die Akademieleitung gewarnt und Gespräche angeboten.

Die Akademie wies die Einwände jedoch unter Verweis auf die Kunstfreiheit zurück. Mit der Einladung von Personen, die „antisemitische Gewalt glorifizieren und sich offen mit terroristischen Organisationen solidarisieren“, werde ein „gefährlicher Präzedenzfall“ geschaffen, kritisierten die Gegner der Einladung. Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller verzichtete daraufhin auf die Teilnahme an der jährlichen Werkschau der Studierenden und entsandte auch keine Vertretung.

Unterdessen bestellte das Auswärtige Amt (AA) die Leitung des Goethe-Instituts ein. Gegenüber der „BILD“ erklärte das Ministerium, die zuständige Fachabteilung habe den Vorgang gemeinsam mit der Einrichtung „mit größtem Nachdruck aufgenommen“. Dem Goethe-Institut sei „unmissverständlich deutlich gemacht“ worden, dass bei Planung und Konzeption von Veranstaltungen mit Kooperationspartnern künftig größere Sorgfalt erforderlich sei. Dies werde vom Auswärtigen Amt ausdrücklich erwartet.

Goethe-Institut mit knapp 230 Millionen Euro vom Auswärtigen Amt gefördert

Kulturveranstaltungen dürften „keinerlei Zweifel an der entschiedenen Ablehnung der Bundesregierung von Antisemitismus und Israel-Hass aufkommen lassen“, erklärte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts. Das Goethe-Institut erhält in diesem Jahr Fördermittel in Höhe von knapp 230 Millionen Euro aus dem Haushalt des Ministeriums.

Die 1951 gegründete Einrichtung unterhielt nach zuletzt verfügbaren Angaben Niederlassungen in zwölf deutschen Städten. International ist das Goethe-Institut in 99 Ländern mit rund 150 Instituten und Verbindungsbüros vertreten. Hinzu kommen etwa 1.100 Partnereinrichtungen weltweit. In der Praxis spielen die Goethe-Institute vor allem für Einwanderungswillige eine wichtige Rolle: Sie bieten Deutschkurse an, nehmen Sprachprüfungen ab und stellen entsprechende Zertifikate aus. Darüber hinaus vermitteln sie Wissen über deutsche Geschichte und Kultur.

Der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Volker Beck, forderte von staatlich finanzierten Einrichtungen ein klares Bekenntnis gegen Antisemitismus. Gegenüber der Zeitung sagte er: „Wer das nicht tut, sollte auch kein staatliches Geld erhalten.“

Mit der Berlinale 2026 sowie der documenta in Kassel im Jahr 2022 waren in den vergangenen Jahren bereits mehrere bedeutende deutsche Kulturveranstaltungen wegen Antisemitismusvorwürfen in die Kritik geraten.





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