In Kürze:
- Goethe-Institut Vilnius zeigt Werke umstrittener Künstlerin
- Kritik wegen antisemitischer und Hamas-naher Inhalte
- Auswärtiges Amt fordert mehr Sorgfalt bei Veranstaltungen
- Debatte reiht sich in frühere Kulturskandale ein
Auf Anfrage erklärte das Goethe-Institut, Antisemitismus sowie die Leugnung des Existenzrechts Israels nicht zu tolerieren. Die Instagram-Beiträge der Künstlerin seien der Einrichtung zuvor nicht bekannt gewesen. Insbesondere Aussagen, die das Existenzrecht Israels infrage stellten, seien „mit den Werten des Goethe-Instituts unvereinbar“.
Veranstaltung im Goethe-Institut fand im Dezember 2025 statt
Nach Angaben der Initiatoren sollte die Schau untersuchen, „wie Prozesse der Militarisierung, Information, Technologie und Erinnerung unsere Wahrnehmung der Welt prägen“. Besucher seien eingeladen worden, „Kunst als sensibles Instrument zur Messung geopolitischer, ökologischer und kultureller Spannungen zu betrachten“ – als ein Mittel, „die Logik einer konfliktreichen Welt zu reflektieren und neu zu denken“.
Einladung von Al-Sharif löste Skandal in Düsseldorf aus
Die Akademie wies die Einwände jedoch unter Verweis auf die Kunstfreiheit zurück. Mit der Einladung von Personen, die „antisemitische Gewalt glorifizieren und sich offen mit terroristischen Organisationen solidarisieren“, werde ein „gefährlicher Präzedenzfall“ geschaffen, kritisierten die Gegner der Einladung. Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller verzichtete daraufhin auf die Teilnahme an der jährlichen Werkschau der Studierenden und entsandte auch keine Vertretung.
Unterdessen bestellte das Auswärtige Amt (AA) die Leitung des Goethe-Instituts ein. Gegenüber der „BILD“ erklärte das Ministerium, die zuständige Fachabteilung habe den Vorgang gemeinsam mit der Einrichtung „mit größtem Nachdruck aufgenommen“. Dem Goethe-Institut sei „unmissverständlich deutlich gemacht“ worden, dass bei Planung und Konzeption von Veranstaltungen mit Kooperationspartnern künftig größere Sorgfalt erforderlich sei. Dies werde vom Auswärtigen Amt ausdrücklich erwartet.
Goethe-Institut mit knapp 230 Millionen Euro vom Auswärtigen Amt gefördert
Kulturveranstaltungen dürften „keinerlei Zweifel an der entschiedenen Ablehnung der Bundesregierung von Antisemitismus und Israel-Hass aufkommen lassen“, erklärte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts. Das Goethe-Institut erhält in diesem Jahr Fördermittel in Höhe von knapp 230 Millionen Euro aus dem Haushalt des Ministeriums.
Der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Volker Beck, forderte von staatlich finanzierten Einrichtungen ein klares Bekenntnis gegen Antisemitismus. Gegenüber der Zeitung sagte er: „Wer das nicht tut, sollte auch kein staatliches Geld erhalten.“
Mit der Berlinale 2026 sowie der documenta in Kassel im Jahr 2022 waren in den vergangenen Jahren bereits mehrere bedeutende deutsche Kulturveranstaltungen wegen Antisemitismusvorwürfen in die Kritik geraten.