Da fühlt man sich doch doppelt sicher: Seit Oktober 2025 gibt es in Bremen keine garantierte 24/7-Einsatzbereitschaft des Spezialeinsatzkommandos (SEK) mehr. Außerhalb der regulären Dienst- und erweiterten Präsenzzeiten ist die Rufbereitschaft freiwillig. Bremen ist damit bundesweit das einzige Bundesland ohne verlässliche Rund-um-die-Uhr-Einsatzfähigkeit seiner Spezialkräfte.
Das SEK sorgt in den kritischsten Situationen für Sicherheit: bei Geiselnahmen, Terroranschlägen, Bedrohungen, der Verhaftung gefährlicher Straftäter oder organisierter Kriminalität. Die Präzision dieser hochtrainierten Elitekräfte bestimmt im Ernstfall oft über Erfolg oder Scheitern – und nicht selten über Leben und Tod.
Daher soll das SEK der Polizei an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr einsatzbereit sein – eigentlich. In Bremen gilt dieses Versprechen der „Rund-um-die-Uhr“-Sicherheit aus Kostengründen nur noch bedingt. Die Polizeiführung hat im Oktober die verlässliche Rufbereitschaft des Spezialeinsatzkommandos abgeschafft. Damit kann sich Bremen als aktuell einziges Bundesland nicht mehr rund um die Uhr auf den Schutz durch das SEK verlassen.
Auslöser ist ein Gerichtsurteil des Verwaltungsgerichts Bremen (bestätigt durch das Oberverwaltungsgericht). Die bisherige Vergütung von Rufbereitschaften im Verhältnis 1:8 (eine Stunde Ausgleich für acht Stunden Bereitschaft) wurde als nicht ausreichend eingestuft. Zwei SEK-Beamte hatten erfolgreich geklagt, dass die Belastung einer vollen Arbeitszeit gleichkomme und wie volle Arbeitszeit – also 1:1 – vergütet werden müsse.
Statt die Vergütung umzustellen, hat die Polizeiführung in Abstimmung mit der Innenbehörde die feste Rufbereitschaft ausgesetzt. Ziel war offenbar, hohe Mehrkosten zu vermeiden. Um die Einsatzfähigkeit des SEK zu gewährleisten, hat das Innenressort Dienstpläne überarbeitet, Aufgabenzuschnitte verändert und als kurzfristige Lösung vermehrt auf Präsenzdienste umgestellt. Trotzdem gilt: Tagsüber und in den erweiterten Präsenzzeiten bleibt das SEK einsatzbereit. Nachts und in ruhigen Zeiten hängt es jetzt aber davon ab, ob genug SEK-Beamte freiwillig bereit sind, zu kommen. Diese freiwillige Rufbereitschaft wird nicht vergütet und ist nicht verlässlich.
Die Polizei behauptet, es habe bisher keine konkreten Fälle gegeben, in denen das SEK nicht zur Verfügung stand. „Auch nach der Aussetzung der Rufbereitschaften ist die öffentliche Sicherheit in Bremen und die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger in kritischen Einsätzen jederzeit gewährleistet“, erklärte die Polizeipressestelle.
Kritiker (u. a. CDU, Gewerkschaften und Sicherheitskreise) sprechen jedoch von einem „gefährlichen Glücksspiel“ auf Kosten der Sicherheit und einem „sicherheitspolitischen Alarmruf“ – gerade in einer Stadt wie Bremen mit hoher Kriminalitätsbelastung sei eine verlässliche SEK-Bereitschaft unverzichtbar. Auch die Gewerkschaften der Polizei fordern eine dauerhafte, rechtssichere Lösung – entweder durch mehr Personal oder eine angemessene Vergütung der Rufbereitschaft.
Der Fall Bremen zeigt einmal mehr, dass die Sicherheit der Bürger keine Priorität mehr hat. Im besten Deutschland aller Zeiten ist für alles Geld da, nur nicht für die Eigenen.