Die überraschende Ankündigung aus Moskau, vom 1. Mai an kein Öl mehr aus Kasachstan über die Druschba-Pipeline nach Schwedt zu liefern, hat in Berlin größte Irritation hervorgerufen. Wirtschafts- und Energieministerin Reiche behauptete zwar, es gebe „Wege“, die ausfallenden Ölmengen zu kompensieren, wirkte aber dabei vor der Presse alles andere als souverän. Die Ölreserven der Raffinerie in Schwedt reichen indessen höchstens bis Ende Mai aus. Aber auch Kasachstan reagierte verstimmt auf Moskaus „Coup“. Eine neue Folge der O-Töne. Von Valeri Schiller.
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Tagesschau am 23. April 2026
„Nicht nur der Hauptstadt-Flughafen hängt an der Versorgung aus Schwedt. 80 Prozent des Kerosins am BER kommen aus der PCK-Raffinerie. Auch Benzin und Diesel für den gesamten Nordosten Deutschlands kommen von dort. Jetzt hat das Unternehmen Rosneft darüber informiert, dass Russland angekündigt hat, kein Öl mehr aus Kasachstan nach Schwedt weiterzuleiten. Bei den Menschen vor Ort löst das vor allem Verunsicherung aus.“
(Quelle: Tagesschau, ab Minute 0:33)
Russlands Vizepremier Alexander Nowak am 23. April 2026
„Ab dem 1. Mai werden die über die Druschba-Pipeline transportierten Mengen Öl aus Kasachstan, die bisher nach Deutschland gingen, tatsächlich auf andere verfügbare logistische Routen umgeleitet. Dies ist den aktuellen technischen Möglichkeiten geschuldet. (…)
Die Deutschen hatten russisches Öl abgelehnt. Das heißt, bei ihnen soll alles in Ordnung sein.“
(Quelle: Komsomolskaja Prawda, ab Minute 0:39 und ab Minute 1:11)
Kasachstans Energieminister Jerlan Akkenschenow am 22. April 2026
„Inoffiziellen Quellen zufolge gab die russische Seite bekannt, es bestehe keine technische Möglichkeit, kasachisches Öl zu liefern. Dies ist höchstwahrscheinlich auf die jüngsten Angriffe auf die russische Infrastruktur zurückzuführen. Davon gehe ich aus.“
(Quelle: Azattyq Asia, ab Minute 3:15)
Katherina Reiche, Bundeswirtschafts- und Energieministerin, am 22. April 2026
„Wege gibt es auch zum Beispiel über Danzig, zum Beispiel über Anlandungen in Rostock und dann über die Pipeline. Also es gibt Alternativen, diese wären aber sauber zu planen. Also auch hier gilt: In Szenarien denkt man immer, übrigens auch das PCK selber. Als Unternehmen bereitet man sich grundsätzlich auf alles Mögliche vor, aber noch einmal: Ich gehe davon aus, dass die Lieferungen bleiben und dass das PCK in der Lage ist, Produktion auf dem Niveau zu halten.“
(Quelle: DRM News, ab Minute 0:46)
Kuat Dombai, Direktor des Zentrums für Zentralasien-Studien in Kasachstan, am 8. Mai 2026
„Die Sperrung des Exports kasachischen Öls über die Druschba-Pipeline nach Deutschland ohne Benachrichtigung Kasachstans und nicht als Folge eines Notstands oder höherer Gewalt, das ist ein Schlag gegen das internationale Ansehen Kasachstans als zuverlässiger Auftragnehmer. (…)
Wir haben zwei Millionen Tonnen Öl an diese Raffinerie in Schwedt geliefert, der Berlin mit Benzin versorgt. Sie (der Betrieb in Schwedt – Anm. d. Red.) stehen vor einem äußerst komplizierten Problem, wie dies – auch angesichts der Entwicklung in der Straße von Hormus – kompensiert werden kann. Einige Experten sehen darin einen absichtlichen Schritt Russlands, um Deutschland in eine schwierige Lage zu versetzen und erneut eigene Energielieferungen zu puschen.“
(Quelle: EXCLUSIVE.KZ, ab Minute 4:40 und ab Minute 5:58)
Danny Rothenburg, Chef des Betriebsrates des PCK Schwedt, am 4. Mai 2026
„Wir sind zum politischen Spielball geworden, wieder einmal. Und das ist das, was auch die Kollegen und Kolleginnen sozusagen belastet, weil sie haben ja da gar keine Möglichkeit, als Personen irgendwas dafür oder dagegen zu tun, sondern es sind halt politische Entscheidungen, die auf ganz anderer Ebene getroffen werden.“
(Quelle: ARD, ab Minute 0:12)
Titelbild: Screenshots ARD, Komsomolskaja Prawda, Azattyq Asia, DRM News, EXCLUSIVE.KZ
