Andrew Korybk

Russland läuft nicht Gefahr, zu einem chinesischen Vasallen zu werden, ebenso wenig wie Indien Gefahr läuft, ein amerikanischer zu werden.

Das russische Rechtsinformationsportal veröffentlichte kürzlich die Details des letztjährigen militärischen Logistikpakts „Reciprocal Exchange of Logistics Support“ (RELOS) mit Indien. RTs Air Marshal Anil Chopra schrieb hier eine ausführliche Analyse dazu und wies darauf hin, dass das Abkommen „die gleichzeitige Stationierung von bis zu 3.000 Soldaten, fünf Kriegsschiffen und zehn Flugzeugen auf dem Gebiet des jeweils anderen erlaubt“. Es steckt jedoch noch mehr dahinter, wie diese Analyse erklären wird. Hier sind die fünf Botschaften, die RELOS an die Welt sendet:

1. Russland und Indien bleiben füreinander besondere und privilegierte strategische Partner

Pepe Escobar behauptete Mitte März fälschlicherweise, Indien habe Russland „verraten“, doch das könnte nach RELOS nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein, da es Russlands alte permanente Militärpräsenz aus der Zeit des Kalten Krieges im Indischen Ozean wiederherstellt. Ebenso wird Indien nun eine beispiellose dauerhafte Militärpräsenz im russischen Fernen Osten und in der Arktis erhalten, falls es dies wünscht, was die Stärke ihrer besonderen und privilegierten strategischen Partnerschaft symbolisiert. Spekulationen über einen Bruch zwischen ihnen sind daher echte Fake News.

2. Russland verhindert vorbeugend eine unverhältnismäßige Abhängigkeit von China

Aufbauend auf dem Vorstehenden ist Indiens Militärpräsenz im russischen Fernen Osten eine Prestigefrage für Delhi gegenüber Beijing, auch wenn keine Chance besteht, dass Moskau offensive Operationen von seinem Territorium aus genehmigen würde. Dennoch ist die Botschaft an China und den Rest der Welt klar: Russland verhindert vorbeugend eine unverhältnismäßige Abhängigkeit von China. Wäre es bereits dessen Vasall oder auf dem Weg dorthin, wie manche behaupten, dann würde Russland Indien niemals erlauben, seine Streitkräfte nahe der chinesischen Grenze zu stationieren.

3. Massive japanische, südkoreanische und taiwanische Investitionen könnten folgen

Die verhandelte russisch-amerikanische „Neue Entspannung“ könnte nach dem Ende der Feindseligkeiten mit der Ukraine schrittweise Sanktionserleichterungen bringen, was zu massiven japanischen, südkoreanischen und taiwanischen Investitionen im rohstoffreichen russischen Fernen Osten führen könnte, den Moskau gerade signalisiert hat, dass er kein chinesisches Lehen ist, wie manche behaupteten. Da nun sicher ist, dass Russland kein chinesischer Vasall ist oder auf dem Weg dorthin, wie erläutert, könnten sie sich wohler fühlen, dort in großem Maßstab zu investieren, was Russlands „Schwenk nach Asien“ beschleunigen würde.

4. Russland wird China nicht die Arktis dominieren lassen, wie manche behaupteten

CNN und andere haben lange Angst davor geschürt, dass Russland China die Arktis dominieren lassen würde, sobald es zu dessen Vasallen werde, weshalb NATO die Region dringend militarisieren müsse. Das war jedoch nie ein glaubwürdiges Szenario, wird nun aber durch RELOS widerlegt, da es dem westlich orientierten Indien erlaubt, dort eine Militärpräsenz aufzubauen, falls es dies wünscht. Indien könnte dies durchaus tun, nicht nur aus Prestigegründen (auch gegenüber China), sondern auch, um sich als verantwortungsvoller Akteur auf der Nördlichen Seeroute zu präsentieren.

5. Indien ist nun Russlands privilegierter Energiepartner in der Arktis

Ein wichtiges chinesisches Unternehmen zog sich im Sommer 2024 unter westlichem Sanktionsdruck aus Russlands LNG-2-Megaprojekt in der Arktis zurück, was einige in Russland tief enttäuschte, die erwartet hatten, dass die Volksrepublik angesichts dieser Drohungen mehr Rückgrat zeigen würde. Da Indien nun kurz davorsteht, eine Militärpräsenz in der Arktis aufzubauen und damit ihre besondere und privilegierte Partnerschaft auf diese Region auszuweiten, wird erwartet, dass es bei Investitionen dort nach Aufhebung der Sanktionen den Vorrang vor allen anderen erhält.


Diese fünf Botschaften zeigen gemeinsam, dass Russland nicht Gefahr läuft, ein chinesischer Vasall zu werden, ebenso wenig wie Indien Gefahr läuft, ein amerikanischer zu werden. Im Gegenteil: Beide verlassen sich erneut aufeinander, um die genannten Szenarien vorbeugend durch die Stärkung ihrer komplementären Balanceakte zu verhindern, was sich in diesem Beispiel in Form von RELOS zeigt. Dieser Militärlogistikpakt beschleunigt daher multipolare Prozesse und verringert damit die Chancen auf eine zukünftige sino-amerikanische bi-multipolare Weltordnung.



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