Während die KI im hier und jetzt die Arbeitsplätze von Frauen bedroht, machen wir Zeitreisen: Zuerst gibt es original Millenial-Cringe aus den 2010ern, dann Erinnerungen an die Opfer der Shoah

Hallo,

seit OpenAI im November 2022 mit ChatGPT erstmals ein Large Language Model vorgestellt hat, das als Künstliche Intelligenz von der Allgemeinheit genutzt werden kann, häufen sich die Erkenntnisse darüber, dass diese Maschinen ein gigantisches Frauenproblem haben.

Wie Nora Beyer schreibt, führt das zu vielschichtiger Diskriminierung: In der Pflege entscheidet die KI in denselben zwei Fällen, dass die Frau weniger eingeschränkt ist als der Mann und somit weniger Pflegebedarf hat.

Gleichzeitig bedroht KI die Jobs von den Menschen, die diese Bedarfe ermitteln. Das sind überwiegend Frauen. Und sie sind nicht die einzigen Betroffenen: Gerade Berufe, in denen überdurchschnittlich viele Frauen arbeiten, werden als erste wegrationalisiert.

Genau wie bei den Deepfakes und der sexualisierten digitalen Gewalt, für die KI genutzt wird, ist diese jedoch nur das Werkzeug. Die Probleme sind nicht mit ihr entstanden. Sie liegen tief verankert in unserer patriarchalen Gesellschaft, deren Strukturen KI lernt und – weil sie eben nicht eigenständig kritisch denken kann – unhinterfragt ausspuckt und somit weiter zementiert.

Zur Analyse von Nora Beyer

1. Heute wichtig

2. Made My Day

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Millennial Throwback: Noch hat es meinen Day nicht gemakt, aber spätestens heute Abend wird es das! Meine Schwester ist für drei Tage in Berlin. Vergangenes Wochenende schickte sie mir ein Foto, das uns beide vor fast 15 Jahren vor dem Brandenburger Tor zeigt, als wir das erste Mal zusammen in Berlin waren.

Und so krasse Millennial-Vibes habe ich seit dem Ende von How I Met Your Mother nicht mehr gesehen. Sie hat eine ganze Festplatte voll davon mitgebracht. Es dürfte sehr witzig werden.

3. Kultur-Tipp

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➜ Gut zu besuchen: Am Samstag fand bei uns im Kiez ein Straßenfest statt. Eines meiner persönlichen Highlights war eine Stolperstein-Führung, die den Jüd:innen und kommunistischen Widerstandskämpfern gedachte, die in unserem Kiez gelebt, von den Faschisten deportiert und zum Großteil ermordet wurden.

Zu erfahren, was direkt vor der eigenen Haustür an Verbrechen begangen wurden, konfrontiert einen nochmal ganz anders mit dem Nationalsozialismus.

Wer sich für Führungen dieser Art interessiert, kann für Berlin beispielsweise auf der Seite „Stolpersteine in Berlin“ nachlesen, welche Kiezspaziergänge zu dem Thema angeboten werden. Ähnliche Initiativen gibt es oft auch in anderen Städten.

➜ Zu den Kiezspaziergängen

Zum Porträt von Michael Friedrichs-Friedlaender, der die Stolpersteine herstell

4. Lese-Empfehlung

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➜ Machtinstrument Welche Frauenkörper als schön gelten, ist immer im Wandel der Zeit begriffen. Hannah Kämpfer hat analysiert, wie stark das vorherrschende Ideal an soziopolitische Ideologien geknüpft ist, warum der Magerwahn gerade jetzt wieder zunimmt, wieso das etwas mit Rassismus zu tun hat und inwiefern sich Frauen diesen unerreichbaren Idealen überhaupt entziehen können.

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Ob „Glass Skin“, die besonders makellose Haut, oder ein schlanker Bauch mittels Ozempic-Spritze: Die derzeitigen Schönheitsideale sind nicht einfach nur ästhetische Vorlieben für Symmetrie, sondern Machtinstrumente. Eingebettet in patriarchale Strukturen, koloniale Geschichte und einen Medienbetrieb, der bestimmte Körper sichtbar und andere unsichtbar macht. Schönheitsideale sind hartnäckig, sie treffen nicht alle gleich. Der weibliche Körper wird immer wieder zum Ort gesellschaftlicher Aushandlungen.

Theoretikerinnen wie Sandra Lee Bartky beschreiben Weiblichkeit als Ergebnis von Praktiken wie Make-up, Kleidung bis hin zu Diäten. Schönheit ist damit kein Ideal, das man erreichen kann, sondern eine Norm, der man sich anpasst. Die Kulturwissenschaftlerin Naomi Wolf beschreibt in ihrem Buch The Beauty Myth den „Schönheitsmythos“ als ein System, das Frauen permanent mit einem unerreichbaren Ideal konfrontiert und sie so in einem Zustand ständiger Selbstoptimierung hält. Der Körper wird dabei zu einem Projekt. Und zum Problem.

➜ zum ganzen Text

Und damit sind wir auch schon wieder am Ende dieser Ausgabe. Auf dem Weg, das Mittagessen zu holen, stolpere ich jetzt noch häufiger als früher über die Stolpersteine und bin froh, dass ich inzwischen weiß, wie man sie richtig säubert – aber das ist eher eine Aufgabe für den Feierabend.

Viele Grüße,

Ihre Alina

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