In zehn Jahren könnten die US-Truppen aus Europa vollständig abgezogen sein, schreibt ein US‑Magazin. Europa sollte dann den Stab übernehmen. Aber wohin bewegt es sich? Zur nächsten Rüstungsfabrik oder zu neuem Denken?


Gegen den Iran konnte die US-Armee in Deutschland machen, was sie wollte

Foto: Ludovic Marin/Getty Images


Der deutsche Kanzler und der US-Präsident biegen Realitäten zurecht. Merz hat in der ARD-Sendung Caren Miosga gesagt, es gebe keinen Zusammenhang zwischen seiner Kritik an Trumps Iran-Krieg und dem angekündigten Teilabzug von US-Truppen. Trump versicherte dem rechten Medienunternehmen Newsmax, er habe im Iran bereits gewonnen, wolle aber, dass der Sieg noch deutlicher ausfalle.

Die Umstände sind schwierig für die Politik auf beiden Seiten des Atlantiks. Die Aggression gegen Teheran zeigt, dass die mächtigen US-Streitkräfte und der von Kriegsminister Pete Hegseth gepriesene Opfermut seiner Krieger nicht ausreichen. Die stärkste Militärmacht der Welt stößt an Grenzen.

Der Durchbruch pausiert

Ein Krieg, der nur ein paar Tage hätte dauern sollen, steht im dritten Monat. Die weltwirtschaftlichen Kollateralschäden sind enorm. Team Trump ist nicht besonders glaubwürdig. Vorübergehend versuchte die US-Marine, für Handelsschiffe eine Passage durch die vom Iran blockierte Straße von Hormus zu erzwingen.

Hegseth sprach von einem „mächtigen rot-weiß-blauen Dom“, den die Army als „Geschenk für die Welt“ über der Straße errichtet habe. Dieses „Project Freedom“ sei defensiv, es gehöre nicht zur „Operation Epic Fury“ gegen den Iran. Doch dann, gerade einmal 48 Stunden nach Beginn der US-Schiffseskorten, erklärte Donald Trump, man pausiere damit wegen großer Fortschritte bei Verhandlungen mit dem Iran.

Die deutsche Marine hat parallel dazu mitgeteilt, das Minenjagdboot „Fulda“ habe am 4. Mai „Kiel gen Mittelmeer“ verlassen. Es sei ausgerüstet für einen möglichen Einsatz in der Straße von Hormus. Voraussetzung dafür seien eine Waffenruhe und ein Mandat des Bundestages. Deutschland will gefällig sein und sich im Kriegsgebiet zeigen, wenn das irgendwann keines mehr ist.

Denn das mit dem Zusammenhalt in der NATO und der Schutzmacht USA steht in Frage. Trumps neue Welt der transatlantischen Erosion hat längst begonnen. Es ist absehbar, dass der angekündigte Abzug von mehr als 5.000 Soldatinnen und Soldaten aus Deutschland und die sich abzeichnende Stornierung einer Stationierung von US-Mittelstreckenraketen erst ein Anfang sind. Dem NATO-Gipfel Anfang Juli in Ankara dürfte es an Brisanz nicht fehlen. Die USA machen schon jetzt Druck auf ihnen beim Iran-Konflikt nicht salutierende Europäer.

Was Merz angeht, ist die Zeit erst einmal vorbei, in der ihn Trump als starke Person und als Freund lobte, der noch dazu „eine gute Bräune“ habe. Das war im Spätsommer 2025 beim Ukraine-Treffen europäischer Staatschefs im Weißen Haus nach dem Gipfel USA/Russland in Anchorage. An Trump schien damals kein Weg vorbeizuführen, um den Krieg in der Ukraine zu beenden. Merz schien einen Draht zu haben.

Noch am 2. März, zwei Tage nach Beginn der Angriffe auf den Iran, lobte der US-Präsident den ihn besuchenden Kanzler, der sich im Gegensatz zu anderen NATO-Staaten „großartig“ verhalten habe. Tatsächlich hat die Regierung Merz die US-Armee in Deutschland machen lassen, was sie wollte in diesem Krieg. Viel spricht dafür, dass der Kanzler die Kriegsführung kaum kritisiert hätte, wenn alles so gelaufen wäre, wie es sich Anfang März abzeichnete – die iranische Führung am Abgrund und deren Streitkräfte zur Kapitulation gezwungen. Trump hat nicht geliefert.

Länger schwelende NATO-Krise

Dass sich das Weiße Haus nun an Merz abarbeitet, ist nicht mehr als ein Symptom für eine schon länger schwelende NATO-Krise. Bereits während seiner ersten Amtszeit hat Donald Trump erklärt, er wolle 12.000 Militärs aus Germany abziehen. Das wurde seinerzeit als Strafe für angeblich unzureichende Militärausgaben gedeutet. 6.400 US-Soldaten sollten nach einer kurzzeitigen Rotation in der Schwarzmeerregion und anderswo nach Hause verlegt werden, so Trumps damaliger Verteidigungsminister Mark Esper.

Nachfolger Joe Biden hat die transatlantische Welt wieder zu heilen versucht und diese Pläne gestoppt. Prompt monieren derzeit die Demokraten Trumps Feindseligkeit gegenüber der NATO. Ist deren Zustand ein Geschenk für Wladimir Putin? Ein Aufsatz vor Monaten in Foreign Policy, ein Magazin des politischen Zentrums mit Vorbehalten gegenüber dem Iran-Krieg, ließ wissen, in zehn Jahren sollten die USA „keine bedeutsame Truppenpräsenz“ mehr haben in Europa. Der Text hatte die Überschrift: Den Stab übergeben in Europa.

Trump sei unberechenbar, wird häufig gesagt über den Mann aus Mar-a-Lago. Nach dem US-Marschflugkörper-Angriff auf iranische nukleare Einrichtungen im Juni 2025, dem Schlag gegen Venezuela im Januar und dem Hochgefühl während der ersten Tage des Iran-Krieges im März, schien Trump überwältigt von der Stärke seiner Streitkräfte, von Raketen und Bomben, seinen eigenen Sprüchen.

Ein Triumphbogen ist bereits entworfen für Washington. Feldherr zu sein, schien cool. Inzwischen nicht mehr, denn das eigene Volk vergisst zu jubeln. Je länger der Iran-Krieg dauert, desto mehr werden sich die Europäer entscheiden müssen, in welche Richtung sie rennen mit dem „Stab“ in der Hand, ob nur bis zu der nächsten Rüstungsfabrik oder hin zu neuem Denken.

die Politik auf beiden Seiten des Atlantiks. Die Aggression gegen Teheran zeigt, dass die mächtigen US-Streitkräfte und der von Kriegsminister Pete Hegseth gepriesene Opfermut seiner Krieger nicht ausreichen. Die stärkste Militärmacht der Welt stößt an Grenzen.Der Durchbruch pausiert Ein Krieg, der nur ein paar Tage hätte dauern sollen, steht im dritten Monat. Die weltwirtschaftlichen Kollateralschäden sind enorm. Team Trump ist nicht besonders glaubwürdig. Vorübergehend versuchte die US-Marine, für Handelsschiffe eine Passage durch die vom Iran blockierte Straße von Hormus zu erzwingen.Hegseth sprach von einem „mächtigen rot-weiß-blauen Dom“, den die Army als „Geschenk für die Welt“ über der Straße errichtet habe. Dieses „Project Freedom“ sei defensiv, es gehöre nicht zur „Operation Epic Fury“ gegen den Iran. Doch dann, gerade einmal 48 Stunden nach Beginn der US-Schiffseskorten, erklärte Donald Trump, man pausiere damit wegen großer Fortschritte bei Verhandlungen mit dem Iran.Die deutsche Marine hat parallel dazu mitgeteilt, das Minenjagdboot „Fulda“ habe am 4. Mai „Kiel gen Mittelmeer“ verlassen. Es sei ausgerüstet für einen möglichen Einsatz in der Straße von Hormus. Voraussetzung dafür seien eine Waffenruhe und ein Mandat des Bundestages. Deutschland will gefällig sein und sich im Kriegsgebiet zeigen, wenn das irgendwann keines mehr ist.Denn das mit dem Zusammenhalt in der NATO und der Schutzmacht USA steht in Frage. Trumps neue Welt der transatlantischen Erosion hat längst begonnen. Es ist absehbar, dass der angekündigte Abzug von mehr als 5.000 Soldatinnen und Soldaten aus Deutschland und die sich abzeichnende Stornierung einer Stationierung von US-Mittelstreckenraketen erst ein Anfang sind. Dem NATO-Gipfel Anfang Juli in Ankara dürfte es an Brisanz nicht fehlen. Die USA machen schon jetzt Druck auf ihnen beim Iran-Konflikt nicht salutierende Europäer.Was Merz angeht, ist die Zeit erst einmal vorbei, in der ihn Trump als starke Person und als Freund lobte, der noch dazu „eine gute Bräune“ habe. Das war im Spätsommer 2025 beim Ukraine-Treffen europäischer Staatschefs im Weißen Haus nach dem Gipfel USA/Russland in Anchorage. An Trump schien damals kein Weg vorbeizuführen, um den Krieg in der Ukraine zu beenden. Merz schien einen Draht zu haben.Noch am 2. März, zwei Tage nach Beginn der Angriffe auf den Iran, lobte der US-Präsident den ihn besuchenden Kanzler, der sich im Gegensatz zu anderen NATO-Staaten „großartig“ verhalten habe. Tatsächlich hat die Regierung Merz die US-Armee in Deutschland machen lassen, was sie wollte in diesem Krieg. Viel spricht dafür, dass der Kanzler die Kriegsführung kaum kritisiert hätte, wenn alles so gelaufen wäre, wie es sich Anfang März abzeichnete – die iranische Führung am Abgrund und deren Streitkräfte zur Kapitulation gezwungen. Trump hat nicht geliefert.Länger schwelende NATO-KriseDass sich das Weiße Haus nun an Merz abarbeitet, ist nicht mehr als ein Symptom für eine schon länger schwelende NATO-Krise. Bereits während seiner ersten Amtszeit hat Donald Trump erklärt, er wolle 12.000 Militärs aus Germany abziehen. Das wurde seinerzeit als Strafe für angeblich unzureichende Militärausgaben gedeutet. 6.400 US-Soldaten sollten nach einer kurzzeitigen Rotation in der Schwarzmeerregion und anderswo nach Hause verlegt werden, so Trumps damaliger Verteidigungsminister Mark Esper.Nachfolger Joe Biden hat die transatlantische Welt wieder zu heilen versucht und diese Pläne gestoppt. Prompt monieren derzeit die Demokraten Trumps Feindseligkeit gegenüber der NATO. Ist deren Zustand ein Geschenk für Wladimir Putin? Ein Aufsatz vor Monaten in Foreign Policy, ein Magazin des politischen Zentrums mit Vorbehalten gegenüber dem Iran-Krieg, ließ wissen, in zehn Jahren sollten die USA „keine bedeutsame Truppenpräsenz“ mehr haben in Europa. Der Text hatte die Überschrift: Den Stab übergeben in Europa.Trump sei unberechenbar, wird häufig gesagt über den Mann aus Mar-a-Lago. Nach dem US-Marschflugkörper-Angriff auf iranische nukleare Einrichtungen im Juni 2025, dem Schlag gegen Venezuela im Januar und dem Hochgefühl während der ersten Tage des Iran-Krieges im März, schien Trump überwältigt von der Stärke seiner Streitkräfte, von Raketen und Bomben, seinen eigenen Sprüchen.Ein Triumphbogen ist bereits entworfen für Washington. Feldherr zu sein, schien cool. Inzwischen nicht mehr, denn das eigene Volk vergisst zu jubeln. Je länger der Iran-Krieg dauert, desto mehr werden sich die Europäer entscheiden müssen, in welche Richtung sie rennen mit dem „Stab“ in der Hand, ob nur bis zu der nächsten Rüstungsfabrik oder hin zu neuem Denken.



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