Die Verwerfungen auf den globalen Treibstoffmärkten infolge der Schließung der Straße von Hormus machen sich besonders in Europa bemerkbar. Insbesondere die kollabierende Versorgung mit Kerosin sorgt für enorme Probleme. Im Sommer könnten die Reserven erschöpft sein.

In Europa wird weder genügend Erdöl gefördert, noch scheint man sich in den letzten Jahren Gedanken über die ausreichende Anlegung strategischer Reserven an Erdöl selbst sowie den Treibstoffen Benzin, Diesel und Kerosin gemacht zu haben. Bei Letzteren gibt es mittlerweile schon Verknappungstendenzen. Doch beim Kerosin sieht es deutlich schlimmer aus als beim Diesel. Laut einer Analyse der US-Investmentbank Goldman Sachs führen die anhaltenden Störungen bei den Tankerrouten durch die Straße von Hormus auch zu nachgelagerten Problemen bei den Energie-Lieferketten. Eine Rückkehr zur Vorkrisen-Normalität ist auf längere Zeit nicht zu erwarten. Zwar gibt es noch einige Reserven, doch diese leeren sich angesichts der extremen Angebotslücke rapide.

Goldman-Sachs-Chefanalyst Michele Della Vigna nennt dabei insbesondere Großbritannien als Worst-Case. Weil das europäische Nachbarland der größte Nettoimporteur von Kerosin ist (fast 200.000 Barrel am Tag!) und nicht über ausreichende strategische Reserven verfügt, könnte es laut dem Experten zu echten Rationierungsmaßnahmen kommen. Auch hier rächt sich die Netto-Null-Politik der britischen Politik (die bereits von den Tories begonnen wurde, nun aber unter Labour exzessiv vorangetrieben wird). So auch das Verbot der Ausweitung der Ölförderung in der Nordsee.

Die kommerziellen Vorräte der Briten könnten bis Mitte des Sommers auf eine Reichweite von unter 10 Tagen fallen. Britische Fluggesellschaften müssten dann ihre Flüge auf ein absolutes Minimum zusammenstreichen und versuchen, sich im Ausland irgendwie einzudecken. Doch auf dem europäischen Kontinent sieht es nicht viel besser aus. Durch die aktuelle Situation fehlen ganze 500.000 Barrel pro Tag an Kerosin. Schon im Juni, so die Analyse der Goldman-Experten, werden die europäischen Kerosinbestände eine kritische Mangelgrenze durchbrechen.

Um den Kollaps abzuwenden, buhlt der Kontinent jetzt panisch um jeden Tropfen Treibstoff. US-Raffinerien machen gerade das Geschäft ihres Lebens, um den europäischen Kerosin-Mangel auszugleichen, und streichen dabei Rekordgewinne ein. Sogar bei der neuen Dangote-Raffinerie in Nigeria wurde bereits angefragt, weil es auf der (nicht sanktionierten) Welt kaum noch ausreichende Reserven gibt. Doch diese Probleme lassen sich nicht so einfach lösen – und schon gar nicht mit Solarfarmen und Windkraftwerken.





Source link