Demokratie lebt vom Austausch. Diskurs, ja Streit, das Ringen um Deutungshoheit und Richtungen sind ihr Lebenselixier. Wenn sie fehlen, erodiert eine Demokratie. Sie ist dann nicht mehr lebendig. Und keine Demokratie im eigentlichen Sinne mehr, die über das Formale hinausgeht. Für genau diese Diagnose haben SPD, Grüne und Linke nun gemeinsam einen Beleg geliefert, über den man amüsiert sein könnte – wenn die Sache nicht so beklemmend wäre.

Ja, ich meine den Rückzug dieser modernen „Volksfront“ von X. Sie haben darüber sicher schon gelesen; Thomas Rießinger hat diesen Schritt hier auf meiner Seite seziert. Ich möchte heute aber noch drei Aspekte hinzufügen: den psychologischen, den technischen — und einen, der bisher völlig unterging.

Der psychologische bestätigt leider die bittere Annahme, dass große Teile des politischen Milieus – insbesondere des linken, wobei ich das heute bis weit in die Spitzen von Union und FDP verorte – in einem gewissen Infantilismus gefangen sind. Oder, bildlicher ausgedrückt: Sie kommen nie richtig aus der Pubertät heraus. Was auch das Phänomen der „Dauerjugendlichkeit“ erklärt.