Im Gespräch „Larry Johnson: Iran Fires on 3 US Ships – US Bombs Qeshm – FLAMES OF WAR IGNITE“ zeichnet der ehemalige CIA-Analyst Larry Johnson ein dramatisches Bild der geopolitischen Lage im Nahen Osten. Gemeinsam mit dem Moderator analysiert er die Eskalation zwischen den USA und Iran, die Rolle der Golfstaaten, die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft sowie die tiefgreifenden Veränderungen der globalen Machtordnung. Johnson argumentiert, dass die Welt nicht auf Frieden, sondern auf einen langanhaltenden und möglicherweise systemverändernden Krieg zusteuert.
Ausgangspunkt des Gesprächs sind neue Meldungen von CENTCOM, wonach zwei weitere Tanker im Golf von Oman „deaktiviert“ worden seien, weil sie angeblich gegen die Blockade in der Straße von Hormus verstoßen hätten. Laut Moderator seien bereits am Vorabend zwei VLCC-Supertanker von US-Zerstörern attackiert worden – einer nahe Fujairah in den Vereinigten Arabischen Emiraten, der andere nahe Jask im Iran. Johnson sieht darin keine isolierten Zwischenfälle, sondern den Beginn einer neuen Phase der Eskalation.
Seiner Einschätzung nach steuert die Region unausweichlich auf einen offenen Krieg zu. Er weist Berichte über angebliche geheime Friedensgespräche oder kurz bevorstehende Abkommen als „Unsinn“ zurück. Der Krieg, der laut ihm bereits seit dem 28. Februar andauere, befinde sich inzwischen an Tag 70 – und werde auch an Tag 120 noch nicht beendet sein.
Johnson argumentiert, dass der eigentliche Wendepunkt noch bevorstehe: Die vollständigen wirtschaftlichen Folgen der Unterbrechung der Rohstoff- und Energieflüsse aus dem Persischen Golf hätten die Weltwirtschaft bislang nur teilweise erreicht. Doch genau diese Auswirkungen würden sich nun mit voller Wucht entfalten. Er spricht von einem „hässlichen“ globalen Szenario.
Besonders kritisch sieht er die Strategie Washingtons. Trump verfüge über keine echte militärische Strategie. Die USA würden Tanker zerstören, worauf Iran reagiere, woraufhin Washington wiederum eskaliere. Johnson geht sogar so weit zu prognostizieren, dass Iran früher oder später einen US-Zerstörer versenken könnte – mit potenziell explosiven Folgen für die gesamte Region.
Der ehemalige CIA-Analyst wirft Trump zudem vor, in einer Fantasiewelt zu leben. Er kritisiert Aussagen des US-Präsidenten über den Zweiten Weltkrieg sowie dessen Umgang mit Russland, China und Iran. Parallel zur Eskalation gegen Iran verschärften die USA laut Johnson auch den Druck auf China: Exportstopps für Chip-Technologie, Warnungen vor chinesischer KI und wirtschaftliche Provokationen würden das Verhältnis zu Peking massiv belasten. Ein mögliches Treffen zwischen Trump und Xi Jinping werde daher kaum freundlich verlaufen.
Ein zentraler Teil des Gesprächs betrifft die Rolle der Golfstaaten. Johnson beschreibt die Vereinigten Arabischen Emirate als Staat, der eine „sehr schlechte Wette“ eingegangen sei, indem er sich eng an Israel und die USA angelehnt habe. Dubai und insbesondere der Hafen Fujairah würden im Falle einer neuen Eskalation zu den ersten Zielen iranischer Angriffe gehören. Ebenso erwartet Johnson Angriffe auf die Al-Dhafra-Luftwaffenbasis.
Saudi-Arabien und Kuwait hingegen hätten sich deutlich vorsichtiger verhalten. Johnson bestätigt Berichte, wonach Saudi-Arabien den USA zeitweise die Nutzung der Prince-Sultan-Airbase für Operationen gegen Iran verweigert habe. Auch Kuwait habe Überflugrechte eingeschränkt. Für Johnson zeigt dies die Grenzen amerikanischer Machtprojektion. Die Golfstaaten hätten erkannt, dass sie im Ernstfall selbst zu Zielen iranischer Vergeltung würden.
Besonders interessant ist für ihn die Rolle Katars. Er bezeichnet Katar als Schlüsselland der gesamten Krise. Das Land sei nicht nur ein zentraler LNG-Exporteur, sondern produziere rund 20 Prozent des weltweiten Flüssiggasangebots. Hinzu kämen enorme Anteile bei Harnstoff, Schwefel und Helium – alles essenzielle Rohstoffe für Landwirtschaft, Halbleiterproduktion, Raffinerien und Pharmaindustrie.
Johnson verweist darauf, dass 32 Prozent des globalen Ölangebots aus dem Persischen Golf stammen – weit mehr als viele bisher angenommen hätten. Hinzu kämen massive Teile der weltweiten Schwefelproduktion sowie wichtige Mengen an Düngemitteln und Helium. Besonders Helium sei kritisch für die Chipindustrie. Die Vorstellung, dass diese Lieferketten unterbrochen werden könnten, während die Finanzmärkte weiter handelten, als sei nichts geschehen, hält Johnson für absurd.
Er spricht offen von Marktmanipulation. Mehrfach hätten politische Ankündigungen über angeblich bevorstehende Friedensabkommen zu plötzlichen Ölpreisbewegungen geführt, von denen Insider massiv profitiert hätten. Johnson erklärt detailliert Mechanismen von Short-Positionen und deutet an, dass Personen mit Vorwissen gezielt auf fallende Ölpreise gewettet hätten, bevor politische Statements veröffentlicht wurden.
Im weiteren Verlauf beschreibt Johnson einen grundlegenden Wandel der globalen Machtverhältnisse. Iran werde von Russland, China und zunehmend auch Pakistan unterstützt. Ohne diese Unterstützung hätte Teheran Schwierigkeiten, den Konflikt durchzuhalten. Doch mit dieser Rückendeckung sehe die Lage völlig anders aus. Johnson geht sogar davon aus, dass Irans Wirtschaft 2026 besser abschneiden könnte als 2025.
Die Straße von Hormus wird im Gespräch als zukünftiges Zentrum einer neuen regionalen Sicherheitsordnung beschrieben. Johnson verweist darauf, dass sowohl Wladimir Putin als auch Chinas Außenminister Wang Yi zuletzt explizit den Begriff „Sicherheitsarchitektur“ verwendet hätten. Russland, China und Iran würden demnach an einer neuen Sicherheitsordnung für den Persischen Golf arbeiten – möglicherweise gemeinsam mit Katar, Saudi-Arabien und Oman.
Besonders Oman spielt laut Johnson bereits jetzt eine aktive Rolle. Iran und Oman hätten sich auf ein Zahlungssystem für die Passage durch die Straße von Hormus abgestimmt. Johnson betont, dass große Teile der Meerenge territorial zu Oman und Iran gehörten und diese Staaten daher das Recht hätten, den Zugang zu kontrollieren.
Auch militärisch erwartet Johnson eine neue Eskalationsstufe. Er verweist auf Berichte über Luftkämpfe zwischen iranischen F-4-Phantoms und US-amerikanischen beziehungsweise israelischen Jets. Gleichzeitig habe Iran seit dem Waffenstillstand im April seine Luftabwehrsysteme massiv modernisiert und mehrere Live-Feuer-Übungen durchgeführt. Die USA könnten daher ihre Fähigkeiten zur Unterdrückung iranischer Luftabwehrsysteme überschätzen.
Israel sieht Johnson ebenfalls in einer problematischen Lage. Zwar verfüge Israel über erhebliche militärische Schlagkraft, doch weder Hamas noch die Hezbollah seien entscheidend besiegt worden. Gegen iranische ballistische und hyperschallschnelle Raketen verfüge Israel laut Johnson über kein wirklich effektives Abwehrsystem. Im Falle einer neuen Kriegsrunde würden die Israelis erneut „in ihren Kellern sitzen“ – diesmal mit noch größeren Zerstörungen.
Zudem hält Johnson die Expansionsfantasien israelischer Politiker wie Bezalel Smotrich für unrealistisch. Israel habe weder die Bevölkerung noch die wirtschaftliche Kapazität, um dauerhaft große Teile des Nahen Ostens militärisch zu kontrollieren. Die politische Führung handle laut Johnson zunehmend irrational.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die globale wirtschaftliche Verschiebung weg vom Westen. Johnson vergleicht die heutige Lage mit dem langsamen Niedergang des Britischen Empires. Die wirtschaftliche und finanzielle Dominanz Londons sei weitgehend verschwunden. Die größten Banken der Welt seien heute chinesisch. China dominiere nicht nur die Industrie, sondern zunehmend auch das Finanzsystem.
In diesem Zusammenhang spricht Johnson auch über die Rolle von BRICS. China, Russland, Iran und Brasilien würden immer enger zusammenarbeiten. Selbst Indien, das zeitweise engere Beziehungen zu Israel gepflegt habe, bewege sich angesichts des Krieges wieder stärker in Richtung Iran und BRICS. Die öffentliche Meinung in Indien habe sich deutlich gegen Israel gewendet.
Johnson erwartet zudem schwere globale wirtschaftliche Verwerfungen. Eine weltweite Rezession sei wahrscheinlich, eine Depression sogar möglich. Produktionsrückgänge von zehn Prozent oder mehr könnten Hunger, politische Instabilität und massive gesellschaftliche Krisen auslösen. Gleichzeitig werde den USA zunehmend die Fähigkeit fehlen, ihre eigenen Raketenarsenale wieder aufzufüllen, weil dafür seltene Erden aus China benötigt würden – die Peking nicht mehr liefern wolle.
Zum Ende des Gesprächs zeichnet Johnson ein Bild einer Welt im Umbruch. Die USA würden militärisch überdehnt, wirtschaftlich geschwächt und geopolitisch zunehmend isoliert. Länder wie Russland, China und Iran arbeiteten hingegen an alternativen Macht- und Sicherheitsstrukturen. Für Johnson markiert der aktuelle Konflikt deshalb nicht nur einen regionalen Krieg, sondern möglicherweise den Beginn einer neuen globalen Ordnung.