Ein Mexiko-Trip von Isabel Díaz Ayuso, rechte Regionalpräsidentin der spanischen Hauptstadt Madrid, zeugt vom schwierigen Verhältnis ihres Landes zu einer früheren Kolonie – und von der Lust der Konservativen auf Kulturkämpfe


Isabel Díaz Ayuso muss sich am 14. Mai 2026 in der Madrider Regionalversammlung erklären. „Mexiko existierte nicht vor der Ankunft der Spanier“, hatte sie unter anderem über das Land von Präsidentin Claudia Sheinbaum gesagt.

Foto: Carlos Lujan/Imago/Europa Press


Auslandsreisen von spanischen Regionalpolitikern sorgen gewöhnlich nicht für übermäßiges Interesse. Beim Mexiko-Besuch von Madrids Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso war das anders. Denn die streitlustige Rechtspolitikerin nutzte ihre Reise in die frühere spanische Kolonie für eine Würdigung des Konquistadors Hernán Cortés, der im 16. Jahrhundert das Aztekenreich mit blutiger Gewalt erobert hatte.

Ayuso sieht Cortés als Helden, der Zivilisation und Christentum ins heutige Mexiko brachte – eine Deutung, die bei vielen Mexikanern nicht gut ankommt. Die linke Präsidentin Claudia Sheinbaum verwahrte sich gegen Geschichtslektionen. Sie wolle nicht, dass Cortés‘ „Gräueltaten“ beschönigt würden. Indigene Gruppen, die in Spaniens Eroberungen einen Fall von Völkermord sehen, protestierten am Rande von Ayusos Auftritten, die außerdem von einer Preisverleihung ausgeladen wurde. Ayuso brach schließlich ihre Reise wegen angeblicher Sicherheitsbedenken vorzeitig ab.

Dann entspannte Ayuso noch in Cancún

Damit war die Polemik keineswegs beendet, ganz im Gegenteil: Während Präsidentin Sheinbaum über Ayusos „gescheiterte“ Reise spöttelte, klagte die Politikerin der konservativen Volkspartei (PP) bei ihrer Rückkehr nach Madrid, sie habe in „extremer Gefahr“ geschwebt. Claudia Sheinbaum habe ihre Reise „boykottiert“ und Stimmung gegen sie geschürt. Spaniens linke Regierung habe sie in einem von Drogenbanden beherrschten Land, in dem in den vergangenen Jahren „hunderte Politiker ermordet“ worden seien, „im Stich gelassen“.

Das klang fast so, als sei Ayuso gerade noch einer Gruppe blutrünstiger Sicarios entkommen. Welche Gefahren wirklich bestanden haben, blieb nebulös. Die Tatsache, dass sich die Regionalpräsidentin von Madrid nach Abbruch ihrer offiziellen Reise noch ein paar Tage in der Gegend der mexikanischen Touristenhochburg Cancún entspannte, verlieh ihren Vorwürfen nicht unbedingt viel Glaubwürdigkeit. „Ich denke nicht, dass sie das Land so schlimm findet, wenn sie hier einen Urlaub verbringt“, spottete Präsidentin Sheinbaum.

Mexiko als „Narkostaat“ geschmäht

Die schlagzeilenträchtige Reise stand im Zeichen belasteter Beziehungen zwischen Spanien und Mexiko. Sheinbaums Vorgänger Andrés Manuel López Obrador hatte 2019 vom spanischen König Felipe VI. eine offizielle Entschuldigung für Verbrechen während der Conquista verlangt. Der Streit darüber führte zum Eklat, als Felipe 2024 nicht zu Sheinbaums Amtseinführung eingeladen wurde. Inzwischen entspannte sich der Konflikt. Im März räumte der König ein, bei der Conquista habe es „viel Missbrauch“ gegeben. Eine versöhnliche Haltung, die aber bei spanischen Rechten wie Ayuso auf Ablehnung stößt: „Weit davon entfernt, um Entschuldigung zu bitten, sind wir stolz auf das spanische Erbe in Mexiko“, ließ sie wissen.

Die ehrgeizige Regionalpräsidentin liebt die politischen Konfrontationen und den Kulturkampf gegen die Linke. Das scheint sich auszuzahlen: Mit ihrer Angriffslust ist die 47-Jährige zur beliebtesten Politikerin des konservativen Lagers in Spanien geworden, viele sagen ihr eine große politische Zukunft voraus.

Videobotschaft für Donald Trump

Auch international gewinnt Ayuso an Bekanntheit: Mit Argentiniens ultrarechtem Präsidenten Javier Milei versteht sie sich blendend, bei einer Veranstaltung in der Privatresidenz von US-Präsident Donald Trump in Florida durfte sie im Februar eine Videobotschaft abgeben. Dabei schoss sie auch gegen Mexiko, bezeichnete das Land als „Narkostaat“ und stellte es in eine Reihe mit linksautoritären Regierungen. Sie konnte daher kaum erwarten, dort mit Begeisterung empfangen zu werden – aber vielleicht war genau das ihr Ziel: Kontroversen sorgen für mehr Aufmerksamkeit als Harmonie.

Die spanische Onlinezeitung El Diario schrieb, es sei ein „typischer Trick“ von Ayuso, „zuerst als Angreiferin ohne Komplexe aufzutreten und sich dann als Märtyrerin und Opfer bösartiger Feinde zu präsentieren“. Ayuso legte nach der Reise noch einmal eine Schippe drauf und beharrte auf ihrem eurozentristischen Geschichtsverständnis: „Mexiko existierte nicht vor der Ankunft der Spanier.“

Präsidentin Claudia Sheinbaum verwahrte sich gegen Geschichtslektionen. Sie wolle nicht, dass Cortés‘ „Gräueltaten“ beschönigt würden. Indigene Gruppen, die in Spaniens Eroberungen einen Fall von Völkermord sehen, protestierten am Rande von Ayusos Auftritten, die außerdem von einer Preisverleihung ausgeladen wurde. Ayuso brach schließlich ihre Reise wegen angeblicher Sicherheitsbedenken vorzeitig ab. Dann entspannte Ayuso noch in CancúnDamit war die Polemik keineswegs beendet, ganz im Gegenteil: Während Präsidentin Sheinbaum über Ayusos „gescheiterte“ Reise spöttelte, klagte die Politikerin der konservativen Volkspartei (PP) bei ihrer Rückkehr nach Madrid, sie habe in „extremer Gefahr“ geschwebt. Claudia Sheinbaum habe ihre Reise „boykottiert“ und Stimmung gegen sie geschürt. Spaniens linke Regierung habe sie in einem von Drogenbanden beherrschten Land, in dem in den vergangenen Jahren „hunderte Politiker ermordet“ worden seien, „im Stich gelassen“. Das klang fast so, als sei Ayuso gerade noch einer Gruppe blutrünstiger Sicarios entkommen. Welche Gefahren wirklich bestanden haben, blieb nebulös. Die Tatsache, dass sich die Regionalpräsidentin von Madrid nach Abbruch ihrer offiziellen Reise noch ein paar Tage in der Gegend der mexikanischen Touristenhochburg Cancún entspannte, verlieh ihren Vorwürfen nicht unbedingt viel Glaubwürdigkeit. „Ich denke nicht, dass sie das Land so schlimm findet, wenn sie hier einen Urlaub verbringt“, spottete Präsidentin Sheinbaum. Mexiko als „Narkostaat“ geschmähtDie schlagzeilenträchtige Reise stand im Zeichen belasteter Beziehungen zwischen Spanien und Mexiko. Sheinbaums Vorgänger Andrés Manuel López Obrador hatte 2019 vom spanischen König Felipe VI. eine offizielle Entschuldigung für Verbrechen während der Conquista verlangt. Der Streit darüber führte zum Eklat, als Felipe 2024 nicht zu Sheinbaums Amtseinführung eingeladen wurde. Inzwischen entspannte sich der Konflikt. Im März räumte der König ein, bei der Conquista habe es „viel Missbrauch“ gegeben. Eine versöhnliche Haltung, die aber bei spanischen Rechten wie Ayuso auf Ablehnung stößt: „Weit davon entfernt, um Entschuldigung zu bitten, sind wir stolz auf das spanische Erbe in Mexiko“, ließ sie wissen.Die ehrgeizige Regionalpräsidentin liebt die politischen Konfrontationen und den Kulturkampf gegen die Linke. Das scheint sich auszuzahlen: Mit ihrer Angriffslust ist die 47-Jährige zur beliebtesten Politikerin des konservativen Lagers in Spanien geworden, viele sagen ihr eine große politische Zukunft voraus. Videobotschaft für Donald TrumpAuch international gewinnt Ayuso an Bekanntheit: Mit Argentiniens ultrarechtem Präsidenten Javier Milei versteht sie sich blendend, bei einer Veranstaltung in der Privatresidenz von US-Präsident Donald Trump in Florida durfte sie im Februar eine Videobotschaft abgeben. Dabei schoss sie auch gegen Mexiko, bezeichnete das Land als „Narkostaat“ und stellte es in eine Reihe mit linksautoritären Regierungen. Sie konnte daher kaum erwarten, dort mit Begeisterung empfangen zu werden – aber vielleicht war genau das ihr Ziel: Kontroversen sorgen für mehr Aufmerksamkeit als Harmonie.Die spanische Onlinezeitung El Diario schrieb, es sei ein „typischer Trick“ von Ayuso, „zuerst als Angreiferin ohne Komplexe aufzutreten und sich dann als Märtyrerin und Opfer bösartiger Feinde zu präsentieren“. Ayuso legte nach der Reise noch einmal eine Schippe drauf und beharrte auf ihrem eurozentristischen Geschichtsverständnis: „Mexiko existierte nicht vor der Ankunft der Spanier.“



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