In diesem Beitrag diskutiert Jens Berger über die Folgen der KI-Revolution und erinnert an Henry Fords Diktum „Autos kaufen keine Autos“, mit dem er eines der grundlegenden Paradoxa des Kapitalismus des 20. Jahrhunderts beschrieben habe: Massenproduktion benötigt Massenkonsum. Die Möglichkeiten, teure Mitarbeiter durch KI aus der Arbeitswelt zu verdrängen, seien in der Theorie grenzenlos. Bei der KI-Revolution gehe es jedoch „weniger darum, durch Rationalisierung und Produktivitätssteigerung neue Technologien in den Massenmarkt zu bringen, sondern darum, die bereits vorhandene Massenproduktion und den bereits vorhandenen Verwaltungs- und Dienstleistungsbereich durch KI kosteneffizienter zu machen“. Dieses Problem werde von den Tech-Gurus und paradoxerweise auch vielen Linken zwar sehr wohl erkannt, aber nicht als Problem, sondern als Chance gesehen. Abschließend wird u.a. gefragt, ob eine Umorientierung des Steuersystems von der Arbeit zum Kapital nicht eine sinnvolle Alternative wäre. Eine Debatte finde allerdings nicht statt. Abgedruckte Leserbriefe geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Kürzungen aus redaktionellen Gründen bleiben vorbehalten. Wir haben dazu zahlreiche und interessante E-Mails bekommen und bedanken uns dafür. Es folgt nun eine Auswahl der Leserbriefe. Für Sie zusammengestellt von Christian Reimann.

1. Leserbrief

Sehr geehrte Nachdenkseiten,

wieder ein sehr gut verständlich geschriebener Artikel von Jens Berger! Leider wurden alle diese Themen (Arbeitsplatzabbau, Deutschland als Billiglohn-Land) und Lösungen (z.B. Maschinensteuer) spätestens seit den Neunziger Jahren behandelt, unter anderem in der damals noch lesbaren „Die Zeit“. Geholfen hat es nichts.

Mit den Schlußsätzen bin ich diesmal nicht so ganz einig. Warum wird KI, in diesem Fall die Konsequenz Arbeitsplatzvernichtung, als gottgegeben hingenommen? Müssen wir nicht das gesamte Gesellschaftssystem auf den Kopf stellen, um hier eine sozial verträgliche Lösung finden? Umverteilung, ja bitte, aber wie, ohne dass die Geld/Machtelite auf die Barrikaden steigt?

Freundliche Grüße, und weiter so, Wolfgang Blendinger

Anmerkung Jens Berger: Sehr geehrter Herr Blendinger,

Erst mal schönen Dank für ihre Zuschrift! Gottgegeben ist die KI nicht; sofern man nicht das Bild der Büchse der Pandora allzu wörtlich nimmt. In einer international vernetzten Welt ist es schlicht nicht möglich, national eine derart disruptive Technologie zu „verbieten“. Selbst bei einer dringend nötigen Regulierung sehe ich da schwarz. Könnten Sie sich heute vorstellen, dass man das Internet oder gar den Computer verbietet? Die sind beide auch nicht gottgegeben. Ich weiß, Sie sprechen nicht vom „Verbieten“, sondern von der Arbeitsplatzvernichtung. Auch das halte ich für nicht realistisch umsetzbar. Wenn die gesamte Rechtsabteilung z.B. in einen virtuellen Raum, der irgendwo im globalen Netz ist, ausgelagert werden kann … wie soll die Politik dies verhindern?

Beste Grüße
Jens Berger

Antwort von Wolfgang Blendinger: Lieber Herr Berger,

danke für Ihre Reaktion. Ich glaube, wir haben etwas unterschiedliche Denkansätze, und das ist ja auch nicht schädlich. Für mich ist die Hauptfrage, was ist der Gesellschaft zuträglich, was schadet ihr. Ich verlasse da auch ganz gerne mal das “hermetisch abgeriegelte Gedankengewölbe” (sensu Mausfeld) und komme so auf Schlußfolgerungen, die unter Fortschreibung der gegenwärtigen Verhältnisse eigentlich “undenkbar” (auch sensu Mausfeld) sind. Meine gelegentliche Kritik an Ihren – insgesamt ausgezeichneten – Artikeln ist berufsbedingt und sollte idealerweise diskussionsauslösend sein, so wie in diesem Fall!

Viele Grüße, Wolfgang Bendinger

2. Leserbrief

Danke Herr Berger,

das ist ein Klasse Text und sehr zum Nachdenken anregend. Ähnliche Entwicklungen wie jetzt durch Digitalisierung und KI hatten wir schon einmal. Damals ging es um Automatisierung und Dampfmaschinen. Die jeweiligen Profiteure nahmen so wenig Anteil am Schicksal der Abgehängten und Ausgebeuteten bis es zu blutigen Revolten kam und das wird wieder passieren, es sei denn wir lernen aus der Geschichte und vermeiden das. Haben wir inzwischen nicht eine Demokratie? (nicht lachen, bitte!)

Eine gangbare Lösung wäre Limitarismus, also ein Verhindern von Geld-Machtballung. Die Nachdenkseiten sollten ihre Leser unbedingt auf das Buch Limitarismus von Ingrid Robeyns hinweisen. Eine niederländische Professorin untersucht in gut verständlicher und fundierter Art inwieweit die Superreichen nicht bloß die Normalgesellschaft sondern auch die Demokratie bedrohen und zeigt Wege auf, wie man demokratisch und unblutig dagegenhalten kann. Die nötige Debatte darüber müssen wir schon selber anstoßen, die Hochwohlgeborenen und Hochmögenden sowie ihre Marionetten werden es nicht tun.

Freundliche Grüße
Heidemarie Wegener

3. Leserbrief

Hallo liebe Nachdenkseiten,

mit dem Artikel “Algorithmen kaufen keine Algorithmen” trifft Jens Berger genau den entscheidenden Punkt. Wir werden ein erhebliches Nachfrageproblem bekommen, wobei ich hinzufügen möchte, dass wir das doch auch jetzt schon haben, weil die Sparrate der privaten Haushalte von im Schnitt 10 %, dem Wirtschaftskreislauf kontinuierlich Geld entzieht, wobei Arme logischerweise kaum sparen können und die Sparrate mit dem Einkommen steigt. Schließlich funktioniert unsere Wirtschaft doch im Grunde nur noch deshalb, weil sich die Staaten erheblich verschulden und so die Sparrate der privaten Haushalte ausgleichen. Deutschland war hier in der Vergangenheit ein Sonderfall, weil andere Länder verstärkt deutsche Güter nachfragten. Dadurch verschuldeten wir die anderen Länder durch unseren Exportüberschuss und konnten uns mit einer verhältnismäßig geringen Staatsverschuldung brüsten. KI wird dieses Nachfrageproblem verschärfen. Mich würde doch sehr interessieren wie die Eliten der Welt dieses Problem lösen wollen. Elon Musk favorisiert ein bedingungsloses Grundeinkommen. Nun weist Jens Berger zurecht darauf hin, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen aus den Taschen der Steuerzahler ein linke Tasche, rechte Tasche Nullsummenspiel ist. Warum aber nicht, die Zentralbank eine gewisse Summe X zinslos als Helikoptergeld schöpfen lassen und an alle verteilen? Die Summe wird von der als unabhängig wahrgenommenen Zentralbank bestimmt und ist so hoch, dass es weder zu einer zu hohen Inflation noch zu einer Deflation kommt. Die Schulden würden in der Bilanz der Zentralbank aufsummiert, aber sie belasten niemanden, da es sich lediglich um eine Zahl auf einem Computer handelt, die jedes Jahr erhöht wird. Damit könnte das Nachfrageproblem beseitigt werden. Es sieht gerecht aus und die Reichen müssten nicht zur Kasse gebeten werden und das dürfte den Eliten beim WEF, Bilderberger und Co. doch am Wichtigsten sein. Andernfalls könnte man das Nachfrageproblem nur lösen, wenn man das Vermögen der Reichen abschöpft und nach unten umverteilt. Das scheue Reh des Kapitals wird das sicher zu verhindern wissen. Einzig dem neoliberal indoktrinierten Bürger in Deutschland wird das schwierig zu vermitteln sein, wenn man ihm einfach so was schenkt, er nicht leiden darf und der Stacheldraht in seinem Kopf ihn nur Inflationsangst fühlen lässt.

Viele Grüße
J. Schubert

4. Leserbrief

Lieber Herr Berger,

“… dass Gleichstellungsbeauftragte, Yogalehrer und taz-Kolumnistinnen allein nicht ausreichen, um den gesellschaftlichen Wohlstand zu erhalten.”

sehr schön, das mit den “taz-Kolumnistinnen”!

Schaut man sich die Entwicklung der Produktion und die damit verbundene der menschlichen Gesellschaft an, so ging das richtig los mit dem Übergang von der Stammes- zur Agrargesellschaft. Dann die Stadtstaaten. Verbunden jeweils mit einer Differenzierung in den Bereichen Produktion und Arbeit. Zu vorletzt dann die Industrielle Revolution. Jedes mal war das Maximum an Intelligenz und Differenzierung in der obersten Stufe konzentriert. Daraus folgt, dass mit dem Übergang zur künstlichen Intelligenz der Mensch überflüssig wird.

Militär und Politik arbeiten schon daran, letzteren abzuschaffen.

Was wäre die Rettung? Laut Einstein: “So einfach wie möglich, so kompliziert wie nötig.” Für einen Nagel genügt ein Hammer. Und KI ist zum überwiegenden Teil ein Spielzeug für Tech-Milliardäre und asoziale Freaks. Buddha Shakyamuni hat die “Gier” als eines der größten der Übel der Menschheit identifiziert. Was Karl-Marx dann zur Zeit der Industriellen Revolution in systemtheoretische Sprache, gestützt auf aktuelle Beobachtungen, übersetzt hat.

Bei Individuen kann das funktionieren, dass der natürliche Drang nach Entwicklung sich heilsamere Wege sucht, wenn einer sich als zerstörerisch erweist. Ob das auch bei ganzen Gesellschaften, der Menschheit, funktioniert, daran habe ich so meine Zweifel. Ken Wilber sagt ja. Daraus wird dann der Yogalehrer (s.o.). Jiddu Krishnamurti sagt nein.

Viele Grüße,
Rolf Henze

p.s.: Dass Sie “100 Jahre alt werden mögen”, wünsche ich Ihnen jetzt nicht. Am Ende werden Sie 103 und ich bin der Gelackmeierte. Also: Gesundheit und ein langes Leben!

5. Leserbrief

Hallo Herr Berger, dies ist eine interessante Aussage (Algorithmen kaufen keine Algorithmen).

Aber diese Frage stellte sich auch ein Herr Harari:

“Was machen wir nur mit den unnützen Essern”

Der neue Feudalismus braucht keine 8 – 10 Milliarden Menschen.

Auf jeden Fall will man diese nicht alimentieren.

mfg
Wolfgang Weißberg

Anmerkung Jens Berger: Hallo Herr Weißberg,

Mal ganz amoralisch gesprochen: Harari hat recht und unrecht zugleich. Denn auch der neue Feudalismus braucht Kunden. Ähnlich hatte sich auch mal Peter Thiel geäußert. Was beide „vergessen“. Wie soll die schöne neue KI-Welt funktionieren, wenn es kaum noch Nachfrage gibt? Zurzeit wird das ganze AI-Business vor allem durch Werbeeinnahmen (Google, Facebook und Co.) von außen gespeist. Der große Rest sind reine Kreislaufgeschäfte. Dazu hatte ich mal was geschrieben: https://www.nachdenkseiten.de/?p=141525

Wem will man aber Werbung zeigen (und warum?), wenn es keine Massenkaufkraft mehr gibt?

Beste Grüße
Jens Berger

6. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Berger

Die Auflösung des Paradoxons ist im Grunde sehr einfach: Die Auszahlung des wie auch immer finanzierten Grundeinkommens (dafür werden sich Möglichkeiten finden) wird an Wohlverhalten gekoppelt sein. Die Abhängigikeit des Kapitals von Lohnarbeit (Streikgefahr! etc.) war dem Kapital schon immer ein Dorn im Auge.

“Sonne auf Kredit” oder “Wir werden nichts besitzen, aber glücklich sein” zeigen die Richtung an.

Die totale Abhängigkeit und die Kontrolle sind das Ziel. Die KI-Revolution ist ein hervorragendes Werkzeug.

Freundliche Grüße,
Peter Poser

7. Leserbrief

Danke für diesen Beitrag! Ich bin auf die Diskussion gespannt.

Ich denke, KI ist und bleibt, wie die ganze IT bisher, ultra schnelle und präzise Nachahmung menschlichen Planens und Handelns, inzwischen halt auf der Basis eines riesigen Erfahrungsschatzes, aber auch nicht mehr.

Die Motivation, ihre Freunde zum 100.Geburtstag zum Kaffee einzuladen, wird KI nie empfinden, höchstens nachahmen.

Wir haben jetzt (z.B. in Westeuropa) 80 exzeptionelle Jahre in Fortschritt und Frieden erlebt und sind maßlos träge und unflexibel geworden, auch eingeengt durch Gutmenschentum und Die-Welt-Retten-Wollen.

Die Menschheit geht durch ihre Energieblindheit, und weil sie nicht gut in Systemen denken kann, wir denken und handeln hauptsächlich auf uns selbst bezogen, und zynisch ausgedrückt: auch durch den medizinischen Fortschritt einer Unmenge von Krisen und Problemen entgegen.

Wenn aus Krisen wie in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts vielleicht große Kriege entstehen, kann KI das nicht vorhersagen, wie ja gerade festgestellt wurde, geschweige denn verhindern.

Wie es im Jahr 2072 aussieht, wer weiß das. Unsere natürliche Ur-Motivation, die 3 N, Neid, Neugier und Nachkommen, die bleibt uns unverändert erhalten. Aus diesem Potential an Veränderung wird immer viel Arbeit zum Abreißen, Aufbauen und zum Reparieren entstehen, wenn wir Solidarität und Freiheit verteidigen.

Arbeitslosigkeit, Sorgen und Unglücklich-sein werden durch Pharmaprodukte und Leben in virtuellen Welten behandelt, wie jetzt schon.

Brave new world, oder Leben wie in Nordkorea, wird Total-Manipulation wahrscheinlicher durch Algorithmen? Im 3. Reich hat es auch ohne funktioniert.

Michael Wüst

8. Leserbrief

Gute Frage, mit der Jens Berger seinen Artikel beendet:

“Wäre eine Umorientierung des Steuersystems von der Arbeit zum Kapital nicht eine sinnvolle Alternative? Hier ist die Politik gefragt! Doch wo findet die dafür nötige Debatte statt?”

Ja, diese sinnvolle Alternatiative gehört breit in der Bevölkerung debattiert und zwar im Rahmen geloster Bürgerräte die allen “politische Machtgleichheit” ermöglichen würde, was eine Verfassungsreform erforderlich macht. Der Parteien-Staat gehört überflüssig gemacht, da eine Fehlkonstruktion.

Wann setzt sich die NDS-Redaktion damit auseinander?

Hier ein Strohhalm für alle Verzweifelten:

“Werde Losdemokrat, dann kannst Du ruhigen Blicks in alle gesellschaftlichen Abgründe blicken!” 😉

https://www.youtube.com/watch?v=NSllVB3vouQ

Und natürlich ganz ernsthaft gemeint:

Demokratie: Ein Neuanfang:

https://www.youtube.com/watch?v=4XdFqxzNSHY&t=8s

Friedensbewegte Grüße
Ute Plass

9. Leserbrief

Hallo Herr Berger,

Sie hängen zu sehr am Geld.

Einer der nächsten, theoretisch möglichen Schritte, könnte die Abschaffung des Bargeldes sein – in Verbindung mit einer Zuteilungswirtschaft, für alle nur denk- und vorstellbaren Güter und Dienstleistungen, basierend auf einem Punkte-gestüzten “social-score” eines verhaltens-basierendem Verhaltens- und Belohnungssystems.

Über die verschiedlichen Ausprägungen zur Gestaltung dieses Systems mögen bitte andere spekulieren… In der Tat ist leider, trotz Grundgesetz, sehr viel vorstellbar, schaut man sich die menschliche Geschichte und Entwicklung an – bis hin zur erwarteten oder verpflichtenden Organspende.

Wer diese Möglichkeiten für nicht sehr wahrscheinlich hält, möge sich bitte vor Augen halten, wie die erzielten Produktivitätsfortschritte heute an die Arbeitnehmer weitergegeben werden.

Alleine bei den Überstunden:

  1. Vergütung von Mehrarbeit, Wie viele Überstunden fallen pro Arbeitnehmer:in an? https://de.statista.com/infografik/17994/so-viele-eeberstunden-machen-die-deutschen/
  2. Beschäftigte in Deutschland leisten 1,3 Milliarden Überstunden, Auf jeden Beschäftigten entfallen im Schnitt rund 32 Überstunden. Die Summe entspricht 835.000 Vollzeitstellen. https://www.manager-magazin.de/politik/ueberstunden-grossteil-der-1-3-milliarden-stunden-mehrarbeit-in-deutschland-sind-unbezahlt-a-3cb68788-9f42-437b-81e6-2f6cb69de012

Gruß
Lothar Glück

10. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Berger

Erste Artikel die die angesprochene Problematik thematisierten hatte ich in den 1970ern oder -80ern gelesen, allerdings noch nicht so weit gedacht. Aber damals ging es noch um Industrieroboter, die punktschweißen. Es war die Zeit der ersten historischen Roboter-made-Köpfung beim Robotereinrichten…auch mir wäre im programmierten Maschinenbau fast mal ein Finger maschinenprogrammiert abhanden gekommen.

Was nicht vorausgeschaut wurde ist, dass die Entwicklung “humanoider” Roboter – die artikelentsprechende Bezeichnung wäre “Maschinen jeglicher Form, die blue collar Arbeiten durchführen” – jetzt auch nicht mehr in ferner Zukunft liegt. Ingenieure mit Haus-Boot-Frau konstruieren für Geld, für Ihre Lieben alles außer Waffensysteme :))

Ist es off-topic auf ein ganz anderes Problem hinzuweisen?
Im nicht kastrierten heise.de-newsletter (IT) wurde vor einiger Zeit eine Meldung veröffentlicht, die über ein KI-Experiment berichtete: Eine bildgestaltende KI-Software wurde mit von KI gestalteten Bildern trainiert. Dabei sollen “entstellte”, grausame Bilder entstanden sein. Wenn die Menschheit ihrer Faulheit bzw. dem Profit-Schnelldruck nachgibt, welche Welt wird dann aus der KI-Unterstützung entstehen? Aktuell erleben wir noch die Zusammenfassung menschlich Erdachtens. Quasi eine Datenbankabfrage mit völlig freier Abfragesprache-Syntax. Was aber, wenn die Maschinen aus ihren eigenen Ergüssen Neues kreieren? Mit jedem Schritt wird es gruseliger. Man könnte es Dateninzucht nennen. ¹) Was dann wohl als Ersatz für die klappernde Kaffeemaschine geliefert wird?

Sollte es anders werden, wenn die Speicherkapazitäten die des menschlichen Gehirns übertreffen werden???

Liebe Grüße
Michael Besteck

p.s. Wer das mal selbst ausprobieren möchte kann den aktuell ersten Schritt visualisieren. Dazu braucht es einen Nachrichtenartikel mit einem eindeutig KI-generiertem Bild. Auf dem Bild sekundäre (rechte) Maustaste, dann speichern. Das gespeicherte Bild mit einem Bildverarbeitungsprogramm öffnen (z.B. Gimp) und dann um z.B. das Zehnfache horizontal (vertikal könnte auch interessant sein) strecken. (Wie, das kann KI erklären.) Das so entstandene große Bild mit mindestens 100% Darstellungsgröße ansehen und auf die Details achten.

¹) Interessant: https://kontrafunk.radio/de/sendung-nachhoeren/politik-und-zeitgeschehen/oesterreich-magazin/oesterreich-magazin-600-000-euro-fuer-urin-provokation-was-erlaubt-sich-der-kulturbetrieb ab Min. (14:40 bzw.) 20:43 (die Nichthuldingung des Marxismus mag nicht huldingswürdig sein, aber was über KI berichtet wird, schon – “unpolitische” Kritik an KI)

11. Leserbrief

Lieber Jens Berger,

da haben Sie eine tolle Fundmentalfrage gestellt! Der Kabarettist Matthias Eggersdörfer hat das 2014 WUNDERVOLL gesagt:

https://www.youtube.com/watch?v=D6xiFdtFu5w

Tja – die KI … Viele sagen ja: „So schlimm wird das schon nicht!“ Aber zur aller-ersten Dampfmaschine hatte man vielleicht auch gesagt: „Dieser schnaufende Kasten? der nicht mal so stark ist wie ein halbes Pferd? und wo ich immer Kohlen nachschippen muss?“ – aber ein paar Jahrzehnte später hatte der schnaufende Kasten die Welt verändert …

Ich glaube, wir leben an der entscheidendsten Weichenstellung der Menschheits-geschichte. Ja, ich weiß: Zeitenwenden werden überbewertet, jeder glaubt, aus-gerechnet ER lebe in einer ganz wichtigen Zeitphase – aber was, wenn es wirklich mal so IST?

Die Menschheitsgeschichte ist – denke ich – eine Oper in 3 Akten:

1.Akt: ES GIBT NUR UNTERE – in der Steinzeit waren wir alle gleich arm und es gab keine Technik (nur 1 Faustkeil).

2.Akt: ES GIBT OBERE UND UNTERE – und die Oberen (vom Pharao bis BlackRock) beherrschen die Untertanen, und die Technik wächst von der Töpferscheibe zur Fabrik.

3.Akt: ES GIBT NUR NOCH OBERE? Weil sie die Unteren nicht mal mehr zum Ausbeuten brauchen, weil die Technik und die KI alles macht??

Wir stehen an der Schwelle vom 2. zum 3. Akt – die Menschheit muss sich jetzt häuten. Zu zwei Zukünften: eine schöne oder eine schreckliche …

Zukunft A: so schön wie in Star Trek, ich liiiebe ja diese Szene:

https://www.youtube.com/watch?v=cj4owPyklts

bei Minute 2:44 fragt Lily, die (ungefähr) aus unserer Zeit stammt, wie viel Geld das alles gekostet hat, und Picard antwortet, dass die Ökonomie der Zukunft gar nicht mehr so funktioniert mit Geld ……. Und es stimmt ja: Die KI heißt ja nicht, dass die Wirtschaft nicht mehr funktionieren kann, sondern nur, dass sie nicht mehr KAPI-TALISTISCH funktionieren kann – eigentlich würde uns die schöne Technik ja sooo viele Möglichkeiten eröffnen, wir könnten so vieles werden – Sternenentdecker oder liebende Gärtner dieser Erde …

Zukunft B: eine schreckliche kalte Maschinenwelt, wo einige wenige stinkreiche Menschen alles besitzen und sich an ihrem kalten Glanz erfreuen – und wir un-nötig gewordenen Unteren aus der Welt verschwunden sind (auf die eine oder andere Weise, sage ich mal bewusst vage…). Ja, das klingt wie finstere Ver-schwörungsfantasien – aber kann man nicht 2 + 2 zusammenzählen? Was werden die, die uns schon jetzt so herzlos behandelten, wo sie uns noch zum Ausbeuten brauchten, tun, wenn wir überflüssig sind? Dann ganz plötzlich ihr Herz für uns entdecken und einen Gnadenhof für uns bauen?

Also – ich seh schwarz. Zumindest für diesen Teil der Welt. Wie es anderswo aussehen wird, weiß ich nicht. Wenn der nächste Putin wieder ein Jelzin ist, könnte ja auch Russland wieder in den westlichen BlackRock-Sumpf, dem die Zukunft B gewiss ist, zurückrutschen … Und China, wo es schon jetzt so viel Kontrollmechanismen und KI gibt, macht mir auch keine große Hoffnung …

Ach, manchmal denk ich, unsere Chance ist nur noch, lauter kleine Dörfer zu bauen wie die Amish, um dieser „Schönen neuen Welt“ zu entgehen …

LG Martin

12. Leserbrief

Aufruf zum Neoluddismus
Ein Manifest

Wir leben in einer Zeit, in der jede neue Maschine als Fortschritt verkauft wird, jede Automatisierung als Befreiung, jede digitale Vernetzung als unausweichliches Schicksal. Uns wird gesagt, Technologie sei neutral. Doch Technologien entstehen nicht im luftleeren Raum. Sie dienen Interessen. Sie formen Gesellschaften. Sie verändern Menschen.

Der moderne Mensch arbeitet schneller als je zuvor und hat dennoch weniger Zeit. Er ist vernetzter als je zuvor und zugleich isolierter. Er besitzt Zugang zu unendlichen Informationen und verliert die Fähigkeit zur Konzentration. Die Maschinen, die uns dienen sollten, organisieren inzwischen unseren Alltag, unsere Aufmerksamkeit, unsere Beziehungen und unsere Arbeit.

Der Neoluddismus ist kein blinder Hass auf Technik. Er ist die Weigerung, jede technische Entwicklung automatisch als Fortschritt anzuerkennen.

Wir stellen einfache Fragen:

  • Wem nützt diese Technologie?
  • Was ersetzt sie?
  • Was zerstört sie?
  • Wer gewinnt Macht durch sie?
  • Was macht sie mit unserer Würde, unserem Denken, unseren Gemeinschaften?

Wir lehnen eine Welt ab, in der Menschen zu Anhängseln algorithmischer Systeme werden. Wir lehnen eine Wirtschaft ab, die Menschen überflüssig machen will. Wir lehnen die Idee ab, dass Effizienz wichtiger sei als Erfahrung, Geschwindigkeit wichtiger als Weisheit und Daten wichtiger als Leben.

Nicht alles, was möglich ist, sollte gebaut werden.

Wir verteidigen:

  • menschliches Handwerk gegen totale Automatisierung,
  • lokale Gemeinschaften gegen digitale Entwurzelung,
  • Stille gegen permanente Beschallung,
  • Reparatur gegen Wegwerfproduktion,
  • Konzentration gegen Aufmerksamkeitsökonomie,
  • menschliche Entscheidung gegen algorithmische Verwaltung.

Der neoluddistische Gedanke fordert Grenzen. Nicht jede Innovation verdient Akzeptanz. Gesellschaften müssen das Recht besitzen, Technologien abzulehnen, die sie entmenschlichen.

Wir glauben:

  • Eine langsamere Welt kann eine freiere Welt sein.
  • Abhängigkeit von gigantischen technischen Systemen macht Gesellschaften verletzlich.
  • Wahre Autonomie entsteht nicht durch totale Vernetzung, sondern durch Fähigkeiten, Gemeinschaft und Selbstbegrenzung.

Der Kult des permanenten technologischen Wachstums hat ökologische Verwüstung, psychische Erschöpfung und soziale Vereinzelung hervorgebracht. Während Maschinen effizienter werden, werden Menschen austauschbarer.

Genug.

Wir rufen nicht zur Zerstörung von Maschinen auf, sondern zur Wiedergewinnung menschlicher Maßstäbe. Technik muss dem Menschen dienen — nicht der Mensch der Technik.

Der Neoluddismus ist Widerstand gegen Entfremdung.
Er ist Zweifel am digitalen Absolutismus.
Er ist die Verteidigung des Menschlichen.

Und vielleicht beginnt Freiheit heute mit einer einfachen Handlung:
dem Mut, sich dem Zwang zur permanenten technologischen Beschleunigung zu verweigern.

Vielleicht hilft uns die KI ja bei der Revolution.

(Ich gestehe, habe ich mir von Chatgpt schreiben lassen)
MM

13. Leserbrief

Liebe Nachdenkseiten,

nach der zum Nachdenken anregenden Lektuere von Jens Berger’s Artikel “Algorithmen kaufen keine Algorithmen” biete ich in meinem Leserbrief (angehaengt als txt-Datei) eine andere Sicht auf die Dinge an. Ich wuerde mich freuen, wenn mein Artikel zur Debatte in Form eines Leserbriefes beitraegt.

Mit freundlichen Gruessen,

Philipp

„Das große Paradox des Kapitalismus des 21. Jahrhunderts“ lautet laut Jens Berger: „Algorithmen kaufen keine Algorithmen“. Die Möglichkeit, dass KI ein Großteil der Arbeitsplätze wegrationalisiert, wird für einen Einbruch der Massenkaufkraft sorgen, sodass am Ende die Wirtschaft von der KI gar „totrationalisiert“ wird. Damit die Massenkaufkraft, welche direkt an die materielle Lebensqualität koppelt, erhalten bleibt, müssen daher „schnell genug neue Einkommensquellen entstehen.“

Ich glaube, jeder Mainstream-Ökonom würde hier jubelnd zustimmen: eine brilliante und korrekte Analyse – zumindest solange man sich in den geistigen Fesseln des Kapitalismus bewegt. Um diese Fesseln zu sprengen, erlaube ich mir hier mal drei ungefragte Annahmen von Jens Berger in Frage zu stellen.

These 1: Vor der KI wurden zwar auch Produktionsprozesse rationalisiert und viele Arbeitsplätze gingen verloren, aber diese wurden durch neue und wichtige Arbeitsplätze ersetzt, wie z.B. dem des Onlineredakteurs (jedoch nicht denen des Gleichstellungsbeauftragten, Yogalehrers oder taz-Kolumnisten).

Antithese 1: Schon seit langem ist die Anzahl nützlicher Jobs signifikant geschrumpft – laut Graeber‘s viel beachteten Buchs „Bullsshit Jobs“ sind circa 40% der Jobs nutzlos (und oft genug sogar explizit schädlich) für die Gesellschaft. Diese Schätzung scheint nicht verkehrt, wenn man bedenkt, dass die meisten historischen Gesellschaften, und auch Naturvölker, nur circa halb so viel arbeiteten wie wir (vgl. Sahlins‘ berühmtes Buch “Stone age economics”). Ein Grossteil der „White Collar“ Management- und Verwaltungsjobs (die sich sowohl in der Privatwirtschaft wie auch im öffentlichen Dienst zu Hauf befinden) werden also nicht durch KI nutzlos: sie waren es vorher schon, und sie wurden bis heute nicht wegrationalisiert.

These 2. Massenkaufkraft (und damit Massenkonsum) ist eine gute Sache: sie ist wichtig für das Wachstum und sie muss unbedingt aufrecht erhalten werden, damit der materielle Lebensstandard nicht gefährdet ist.

Antithese 2. Mehr Massenkaufkraft und Wachstum sind schon lange entkoppelt vom Wohlbefinden der westlichen Bevölkerung, und langsam dämmert es dem einen oder anderen sogar, dass es vielleicht sogar schädlich sein könnte. Ich zumindest habe keine Lust in 40 Jahren doppelt so viel zu essen, meine Handy jedes Jahr zu wechseln, und mit Ryanair zu 10 Junggesellenabschieden zu fliegen – aber gerne kann Jens Berger das für mich ausgleichen, und vier mal so viel essen, sein Handy jedes halbe Jahr wechseln, und zu 20 Junggesellenabschieden fliegen.

These 3. Das „vollends dumme“ bedingungslose Grundeinkommen ist dazu da, die Massenkaufkraft aufrecht zu erhalten.

Antithese 3. Das bedingunslose Grundeinkommen ist dazu da, um (zum ersten Mal in der Geschichte der „Zivilisation“) Arbeitszwang und elementare Menschrenrechte zu entkoppeln. Das bedingungslose Grundeinkommen würde die Wirtschaft und Gesellschaft, wie wir sie kennen, auf den Kopf stellen, und – ganz im Gegenteil zu Berger’s These – sorgt es dafür, dass man ein selbstbestimmtes Leben ohne Konsumzwang führen kann.

Schlussbemerkungen:

Berger’s Analyse ist ein Paradebeispiel für Fisher’s „Capitalist Realism“ (kapitalistischen Realismus): Die Unfähigkeit selbst von Kritikern, noch außerhalb des Kapitalismus denken zu können – oder wie es Fredric Jameson formulierte: „Es ist einfacher sich das Ende der Welt als das Ende des Kapitalismus vorzustellen.“ Vielleicht sollte man mal das Nachdenken-einengende Vokabular in Frage stellen: Massenkaufkraft, Wachstum, Wohlstand – Wie bitte? Was ist denn zum Beispiel der zentrale Aspekt, bei dem sich linke wie auch rechte Parteien sofort einig sind? Könnte das vielleicht der Grund der Misere sein?

Das große Paradox des Kapitalismus des 21. Jahrhunderts ist für mich nämlich die Frage: Wie kann es sein, dass trotz allen Wissens, aller Kritik, aller negativen Tendenzen und Hiobsbotschaften der Kapitalismus heutzutage ungefährdeter denn je mit seinen Krakenarmen die Menscheinheit als Geisel hält? Eine erste Antwort darauf liefert Jens Berger’s Text.

14. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Berger,

Sie schreiben: “Das soll vor allem durch die Verdrängung teurer menschlicher Arbeitskraft gelingen und anders als bei der Automatisierung ist davon weniger der Arbeiter in der Produktion („Blue Collar“), sondern mehr der Angestellte am Schreibtisch („White Collar“) betroffen.”

Anmerkung: Es dürfte allerdings auch zu einem Downgrading und Verdrängungswettbewerb nach unten kommen. Die ehemals (gut bezahlten) Schreibtisch-Angestellten verdrängen die weniger gut bezahlten Angestellten und Arbeiterinnen/Arbeiter im produzierenden Gewerbe inklusive Dienstleistungssektor.

Wenn der Bedarf an “Fachkräften” dann gedeckt ist, werden viele schlecht bezahlte Jobs, die sich nicht so schnell durch die KI ersetzen lassen oder nicht durch die KI ersetzt werden, weil Drohnen, Roboter usw. zu teuer sind, dann noch günstiger bzw “billiger”.

Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Eine kleine Angestellte der ARD („Na herzlichen Dank an alle Ungeimpften! Dank euch droht der nächste Winter im Lockdown”) fiel 2025 die Karierreleiter ganz steil nach oben und ist seitdem Leiterin des Pressereferats im BMI und Sprecherin des Bundesinnenministers und ausgewiesenen Experten für Pkw-Maut Alexander Dobrind (CSU).

Zitat: “Ohne ausreichend breite Erwerbseinkommen und Transfersysteme gerät die Massenkaufkraft jedoch unter Druck.”

Anmerkung: Dazu fällt mir diese wunderbare Passage aus dem Vorwort eines kleines Buches mit dem Titel: “Wohlstand für Alle” ein. Das Buch stammt aus den 1950er Jahren (= Nachkriegszeit), Autor ist offiziell ein gewisser Ludwig Erhard. Erhard, der bislang noch nicht als “links” geframt wurde, war schließlich einmal der Vorvorvorvor…gänger von Katherina Reiche von der CDU (seit 2025 Bundesministerin für Wirtschaft und Energie) und ein Parteikollege unseres “geliebten” Bundeskanzlers Friedrich Merz (CDU).

… “So wollte ich jeden Zweifel beseitigt wissen, daß ich die Verwirklichung einer Wirtschaftsverfassung anstrebe, die immer weitere und breitere Schichten unseres Volkes zu Wohlstand zu führen vermag. Am Ausgangspunkt stand der Wunsch, über eine breitgeschichtete Massenkaufkraft die alte konservative soziale Struktur endgültig zu überwinden.

Diese überkommene Hierarchie war auf der einen Seite durch eine dünne Oberschicht, welche sich jeden Konsum leisten konnte, wie andererseits durch eine quantitativ sehr breite Unterschicht mit unzureichender Kaufkraft gekennzeichnet.

Zum Verständnis und historischen Einordnung sollte man hinzufügen, dass sich die Bezeichnung “alte konservative soziale Struktur” auf die Demokratie der Weimarer Republik und das Dritte Reich bezieht.

Die amtierende schwarz-rote Bundesregierung aus CDU und SPD macht 2026 mit ihrer Politik allerdings genau das Gegenteil. Sie macht die “dünne Oberschicht, welche sich jeden Konsum leisten” kann , noch leistungsfähiger und entzieht der “quantitativ breiten Unterschicht mit unzureichender Kaufkraft” noch mehr Kaufkraft.

Zitat: Nun werden Anhänger der KI-Revolution sicher argumentieren, dass die damit verbundenen Kostenvorteile ja an den Kunden weitergegeben werden können, und im Kern kann man da auch gar nicht widersprechen.

Anmerkung: Das ist auch sicherlich richtig, die Kostenvorteile können und könnten (theoretisch und auch praktisch) an die Kunden weitergegeben werden. Aber sie müssen in der Realität nicht weitergegeben werden, wenn die Produzenten der Kostenvorteile das nicht wollen und das Unternehmen auf andere Art und Weise wächst z. B. durch Fusionen oder durch die Übernahme konkurrierender Unternehmen.

Die menschliche Gier ist bekanntlich grenzenlos, schrankenlos, uferlos und maßlos. Der US-amerikanische Tech-Milliardär William Henry Gates III (“Mr. Microsoft”) und der reichste Ladeninhaber der Welt, ein gewisser Jeffrey Preston Bezos (“Mr. Amazon”), kaufen seit geraumer Zeit in den USA jeden Quadratmeter Farmland auf, den sie bekommen können (Quellen: agrarheute.de und kontrast.at). Sie machen das sicherlich nicht, weil sie Freude daran haben, demnächst als Landwirt bzw. Bauer zu arbeiten und mit dem Traktor auf den Acker zu fahren, um Zuckerrüben oder Mais anzupflanzen.

Ein bekannter indischer Rechtsanwalt sagte schon vor langer Zeit: “Die Welt hat genug [Ressourcen] für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.”

Die relevante gesellschaftspolitische Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellt, ist: Warum wählt die Mehrheit in sogenannten “Demokratien” Politiker und Regierungen, die diese Einkommens- und Vermögenskonzentration zulassen oder sogar noch pushen?

Zitat: “Dieses Problem wird von den Tech-Gurus und paradoxerweise auch vielen Linken zwar sehr wohl erkannt, aber nicht als Problem, sondern als Chance gesehen.”

Anmerkung: Ich bin mir sicher, dass das vielen milliardenschweren Tech-Gurus und besserverdienenden Pseudo-Linken auch ganz einfach am gepolsterten Hintern vorbeigeht. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel wie z. B. dieser Fabio de Masi, ein ehemaliger Bundestagsabgeordneter und ehemaliges Mitglied der “Linken”.

Zitat: “Mir persönlich fehlt auch jede Fantasie, dass man dies auf internationaler Ebene – die nationale Ebene scheidet hier logischerweise aus – lösen könnte.”

Anmerkung: Auch meine Fantasie hat in dieser Hinsicht Grenzen. Die ökonomische und soziale Realität wird für viele Menschen allerdings brutal werden, wenn man diese Entwicklung einfach so weiterlaufen lässt nach dem Motto: Der Markt und die Marktwirtschaft werden das schon richten. Die “Krönung” des Marktes ist der Krieg und zwar der Krieg zwischen den Staaten und innerhalb der Staaten. Innerhalb der Staaten kommt es dann entweder zu einem Bürgerkrieg oder die Regierung erklärt Armut zum Straftatbestand, wie dies in einigen Bundesstaaten der USA bereits der Fall ist, und steckt die Armen in den Knast. Vielleicht lässt die Regierung auch auf die Armen schießen, wenn es “zu viele” werden und der Knast überfüllt ist?

Zitat: “Erst wenn der letzte Bandarbeiter bei VW entlassen wurde und der letzte Ingenieur bei BASF zum Pfleger umgeschult wurde, werdet ihr merken, dass Gleichstellungsbeauftragte, Yogalehrer und taz-Kolumnistinnen allein nicht ausreichen, um den gesellschaftlichen Wohlstand zu erhalten.”

Anmerkung: Ist zwar etwas lang, aber wäre das nicht ein guter Wahlslogan für das BSW? Man sollte den potentiellen Wählerinnen und Wählern allerdings erklären, was damit gemeint ist, damit sie es verstehen können. Letzteres könnte bei einigen taz-Kolumnistinnen in der Tat schwierig werden.

Zitat: “Doch wo findet die dafür nötige Debatte statt?”

Anmerkung: Im Deutschen Bundestag, in den öffentlich-rechtlichen Talkshows von Markus Lanz, Maybrit Illner, Louis Klamroth, Sandra Maischberger und Caren Miosga sicherlich nicht und an den Lehrstühlen deutscher Universitäten und Hochschulen, an denen “Wirtschaftswissenschaften” gelehrt wird, leider auch nicht.

Mit freundlichen Grüßen
Detlef Schmiedel



Source link