Es ist immer wieder aufs Neue erschreckend, mit welcher Dreistigkeit und Regelmäßigkeit diejenigen, die sich für Demokraten halten und das laut ausposaunen, entlarven, wie wenig sie von Demokratie begriffen haben und wie sehr sie deren grundlegende Grundsätze missachten. Statt zu verstehen, dass Demokratie sich vor allem durch feste Spielregeln und damit auch einen Schutz derjenigen auszeichnet, die politisch in der Minderheit sind, treten sie dieses Grundprinzip mit Füßen. Sie verhalten sich wie Falschspieler, die mitten im Spiel die Spielregeln ändern. Und wundern sich dann, wenn immer mehr Menschen dieses Spiel durchschauen und sich angewidert abwenden. Wer ihnen dabei auf die Finger klopft, den denunzieren sie als  „Delegitimierer der Demokratie“ – also als genau das, was sie selbst sind. Projektion nennt man das in der Psychologie, wenn man anderen genau das vorwirft, was man selbst tut. 

Das aktuellste Beispiel kommt aus Rheinland-Pfalz. CDU, SPD und Grüne wollen dort nun mit ihrer alten Mehrheit und dem alten Landtag die Verfassung ändern – um der AfD im neugewählten Landtag Rechte zu nehmen, die ihr wie jeder Oppositionspartei eigentlich heilig zustehen.

Ziel dieses als Verfassungsänderung bezeichneten Hütchenspielertricks: Der AfD im neuen Landtag die Möglichkeit zu nehmen, einen Untersuchungsausschuss einzusetzen. Denn bisher reichte dafür ein Fünftel der Stimmen. Weil die AfD diese nun hat, will die Einheitsfront aus CDU, SPD und Grünen nun einfach das Quorum auf ein Viertel anheben. 

Das ist so, als würde der DFB kurz vor Abpfiff schnell noch abstimmen, dass ein Tor der Gegner des FC Bayern ab sofort zwei Gegentore zählt – rückwirkend, natürlich, und mit sofortiger Wirkung für die nächste Saison.