Von Thomas Rießinger.

Es ist mehr als 40 Jahre her, dass Désirée Nosbusch in damals eher jugendlichem Alter versuchte, Klaus Kinski ein Interview abzuringen. Das war, wie alle Interviews mit Kinski, nicht unbedingt ein reines Vergnügen, aber ein Satz dieses Gesprächs – oder vielleicht eher: des von gelegentlichen Einwürfen Nosbuschs unterbrochenen Monologes Kinskis – ist seither im Gedächtnis geblieben: „Es ist ja geradezu rührend“, sagte Kinski zu ihr, „wie dumm du bist.“

Ich bin keineswegs in der Lage, über Nosbuschs Intelligenz, sei es damals, sei es jetzt, ein Urteil abzugeben, doch Kinskis Satz ist und bleibt gerade heute von annähernd unheimlicher Aktualität: Es ist geradezu rührend, wie dumm sie sind.

Bekanntlich hat die glorreiche Bundesregierung ein kleines, aber feines Maßnahmenpaket zur Entlastung der Autofahrer auf den Weg gebracht, das bereits vom Bundestag beschlossen wurde. Es beinhaltet unter anderem die segensreiche Erlaubnis für die Arbeitgeber, ihren Mitarbeitern eine Prämie in Höhe von 1.000 Euro auszuzahlen, für die weder Steuern noch Abgaben anfallen sollen. Man war auf Arbeitgeberseite wenig beeindruckt von dieser Großzügigkeit, denn die Prämie sollte ja nicht aus der Staatskasse überwiesen, sondern von den Unternehmen getragen werden. Nun ist Großzügigkeit auf Kosten anderer Leute immer eine feine Sache, aber in der Regierung wollte man einen derart kleinlichen Vorwurf nicht auf sich sitzen lassen und wies darauf hin, dass diese 1.000 Euro als Betriebsausgaben schließlich von der Steuer abgesetzt werden könnten, sodass auch die Staatskasse darben müsse. Das ist zwar korrekt, läuft aber trotzdem darauf hinaus, dass die Arbeitnehmer den größten Teil der Prämie bezahlen sollten, während der Staat nur zu einem kleineren Teil belastet wird.