Larry C. Johnson
Wie ich in meinem letzten Artikel dargelegt habe, hat jemand in der Trump-Administration, der über Trumps bevorstehende Erklärungen zum Krieg mit dem Iran informiert worden war, gestern einen erheblichen finanziellen Gewinn erzielt. Dies ist Teil eines anhaltenden Musters vorsätzlicher Täuschung durch Trump – also des Vortäuschens großer Fortschritte bei den Gesprächen mit dem Iran, was wiederum einen Aufschwung an der US-Börse und einen Rückgang der Ölterminpreise bewirkt.
Hier ist die Realität: Es wird in den nächsten sechs Monaten keine verhandelte Lösung des Krieges mit dem Iran geben, weil die amerikanische Erzählung und die iranische Erzählung unvereinbar sind.
Beginnen wir mit der amerikanischen Position bzw. Erzählung… Der Iran ist ein unverbesserlicher islamischer Terrorstaat, der am Rande des Zusammenbruchs steht. Irans politische und militärische Führung ist tief gespalten. Die iranische Wirtschaft hat keine Möglichkeit zur Erholung, solange der Krieg anhält. Irans militärische Fähigkeiten wurden dezimiert. Der Iran muß die Urananreicherung einstellen und muß vollständige, ungehinderte Inspektionen seiner Nuklearanlagen zulassen. Dies ist die Überzeugung der überwältigenden Mehrheit der Trump-Berater und amerikanischen politischen Kommentatoren.
Die iranische Führung ist gleichermaßen unnachgiebig… Der Iran wird einer verhandelten Lösung zur Beendigung der Blockade der Straße von Hormuz nur dann zustimmen, wenn Israel einer vollständigen Waffenruhe im Libanon und in Gaza zustimmt. Die Straße von Hormuz werde unter iranischer Kontrolle bleiben, und man werde die Kontrolle über die Straße von Hormuz niemals aufgeben. Am 5. Mai 2026 rief der Iran eine neue Behörde ins Leben, die „Persian Gulf Strait Authority“ (PGSA), welche alle Schiffe, die die Straße von Hormuz passieren wollen, zur Registrierung, zum Ausfüllen von Formularen und zur Entrichtung einer Maut verpflichtet, bevor sie eine Transitgenehmigung erhalten. Der Iran werde seinen Bestand an angereichertem Uran niemals aufgeben und werde als souveräner Staat und Unterzeichner des Atomwaffensperrvertrags sein Recht auf Urananreicherung zu friedlichen Zwecken ausüben. Der Iran werde das palästinensische Volk und seinen Kampf um Freiheit und Selbstbestimmung weiterhin unterstützen und die Hisbollah weiterhin mit Hilfe versorgen. Schließlich werde der Iran nicht von seinem Recht auf den Bau ballistischer Raketen abrücken.
Dies, liebe Leute, nennt man eine Sackgasse. Die amerikanische Position beruht auf einer Reihe falscher Annahmen. Erstens ist der Iran nicht der führende Förderer des Terrorismus und hat keine Pläne verfolgt, seine arabischen Nachbarn am Golf zu destabilisieren. Zweitens gibt es keinen Riss zwischen der politischen Führung des Iran und den Revolutionsgarden (IRGC) – der Präsident, der Außenminister, der Parlamentspräsident und der Ayatollah haben alle während des Krieges gegen den Irak für die IRGC gekämpft und gedient. Drittens beginnt sich die iranische Wirtschaft dank der Unterstützung durch Rußland, China und Pakistan sowie durch den hohen Ölpreis zu erholen. Viertens sind – Trumps gegenteiligen Behauptungen zum Trotz – die iranische Marine, Luftwaffe sowie die Bestände an ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen intakt und in der Lage, den Schlagabtausch mit den USA und Israel fortzusetzen.
Donald Trump steht vor mehreren Dilemmata… Die US-Wirtschaft beginnt zu schwächeln, begleitet von wachsendem öffentlichen Unmut über die stark gestiegenen Benzinpreise. Es gibt keine tragfähigen militärischen Optionen, um im Iran einen Regimewechsel herbeizuführen oder den Iran zur Annahme der amerikanischen Forderungen zu zwingen. Die amerikanischen Bestände an kritischen Waffensystemen würden weiter erschöpft, sollten die USA ihre Luft- und Raketenangriffe auf den Iran wiederaufnehmen, und die iranischen Vergeltungsmaßnahmen gegen amerikanische und israelische Ziele würden erhebliche Schäden anrichten. Solange die USA den Iran weiterhin angreifen, werden ihre Beziehungen zu Rußland und China sich weiter verschlechtern.
Die eigentliche Bedrohung für die USA ist nicht militärischer, sondern wirtschaftlicher Natur. Die anhaltende Blockade der Straße von Hormuz durch den Iran konfrontiert die Welt mit einer beispiellosen wirtschaftlichen Bedrohung. Amerikanische Versuche, dieser entgegenzuwirken, werden nur das verschlimmern, was zu einer globalen Wirtschaftskatastrophe zu werden droht.
| Rohstoff | Ungefährer Anteil des Persischen Golfs an der Weltproduktion (2025) | Anmerkungen |
|---|---|---|
| Erdöl (Rohöl und Kondensat) | ~32 % (Region Naher Osten/Persischer Golf) | Die wichtigsten Förderländer (Saudi-Arabien, Irak, Iran, VAE, Kuwait) dominieren; ca. ein Drittel des Weltangebots. |
| LNG | ~20 % (hauptsächlich Katar; Golf insgesamt ~20–22 %) | Katar ist der dominante Golf-Produzent und einer der weltweit führenden LNG-Exporteure. |
| Harnstoff | Erheblich (Golf ~36 % der weltweiten Exporte; Produktionsanteil geringer, aber dennoch bedeutend) | Golfstaaten (Iran, Katar, Saudi-Arabien) sind die weltgrößte Harnstoff-Exportregion. |
| Schwefel | 44 % der weltweiten Schwefelproduktion | Die Anwendungsgebiete von Schwefel umfassen: Phosphatdüngerproduktion (60–70 % der weltweiten Schwefelsäurenachfrage), Erzverarbeitung (Kupfer-, Nickel-, Kobaltlaugung), Erdölraffinierung, Reinigung von Halbleiter-Wafern (verwendet von TSMC, Intel und Samsung), Batterieherstellung sowie Pharmazeutika. |
| Helium | ~33 % (hauptsächlich Katar) | Katar ist nach den USA der zweitgrößte Produzent der Welt. |
| Aluminium (Primär) | ~8–9 % (GCC/Nahost-Hütten) | VAE, Bahrain, Saudi-Arabien und Katar sind wichtige Produzenten außerhalb Chinas. |
Der Iran verfolgt diplomatische Kontakte mit Saudi-Arabien, Katar und Kuwait, um den Export dieser Rohstoffe in die Welt unter der iranischen PGSA wiederherzustellen. Wenn Katar und Saudi-Arabien einen Deal mit dem Iran schließen, wird der amerikanische Einfluß in der Region kastriert sein. Kommt es zu einer globalen Finanzkrise verbunden mit einer schweren Rezession, wenn nicht gar einer Depression, dann werden die USA unter enormem Druck stehen, mit dem Iran ein Abkommen zu schließen, das den internationalen Handel und die Lieferungen aus dem Persischen Golf wieder in Gang bringt. Der Iran hält den letztendlichen Trumpf in der Hand – Trump hält keinen.