Der rasche Zubau bei Windkraft und Solar macht sich in der Energieerzeugung bemerkbar.
Die Windkraft bleibt hinter den Erwartungen zurück, trotz Zubau scheint der Ertrag zu stagnieren.
Von 2020 bis 2025 stieg die Nennleistung um 25,2 Prozent, der Stromertrag aber nur um 1,2 Prozent.
Das liegt unter anderem am Wind selbst, sowie an Abschaltungen durch die Netzbetreiber.
Aufgrund der Energiewende treten Minuspreise an der Strombörse immer häufiger auf.
In der Nordsee, in der Ostsee, vor allem in Norddeutschland, aber auch zunehmend in Süddeutschland: An immer mehr Orten entstehen Windkraftanlagen. Gleichzeitig findet vielerorts das sogenannte Repowering statt, bei dem die Betreiber ältere Windräder durch neuere und immer größere und leistungsstärkere ersetzen.
Das alles hat dazu geführt, dass die installierte Leistung der Windkraft in den vergangenen Jahren stetig zugenommen hat. Der Blick auf die tatsächlich erzeugte Jahresleistung der Windkraft überrascht jedoch: hier ist kein entsprechender Anstieg erkennbar.
‚Erneuerbare‘ legen in Summe zu
Doch werfen wir zunächst einen Blick auf die Nettostromerzeugung aller ‚erneuerbaren‘ Energiequellen. Hierzu zählen neben der Windkraft auch Photovoltaikanlagen, Wasserkraftwerke, Biogasanlagen und die Geothermie.
Die Leistung der drei letztgenannten Kraftwerksarten blieb in den vergangenen Jahren seit 2012 weitestgehend konstant. Sie zählen zu den grundlastfähigen Kraftwerken, die unabhängig vom Wetter konstant Strom liefern. 2025 kamen sie zusammen auf 51,7 TWh. Aufgrund der Geografie der Bundesrepublik kann die Wasserkraft jedoch kaum weiter ausgebaut werden.
Stärkere Veränderungen waren hingegen bei Wind und Solar zu beobachten – aufgrund des massiven Zubaus. Vor allem der Gesamtertrag bei den Solaranlagen legte kräftig zu. Von 2015 bis 2025 hat er sich auf zuletzt 70,1 TWh nahezu verdoppelt. Der größte Anstieg ereignete sich mit 10,4 TWh im vergangenen Jahr.
Jährliche Nettostromerzeugung von der erneuerbaren Energiequellen seit 2002.
Trotz dieser Steigerung ging die Gesamtjahresleistung der ‚erneuerbaren‘ zuletzt minimal um 0,7 auf 252,9 TWh zurück. Das deckt sich auch mit Meldungen über leicht rückläufige Stromeinspeisungsanteile der ‚Erneuerbaren“.
Neben Rückgängen bei der Wasserkraft und bei Biogas sank ebenfalls der Ertrag bei der Windkraft um 5,1 auf 131,2 TWh. Die Windkraft hat damit den zweiten Jahresrückgang in Folge erlebt. Zuvor, also 2022 und 2023 ging es allerdings gut bergauf.
Doch im Jahr 2020 war der Ertrag mit 129,6 TWh fast auf dem Niveau von 2025. Der Zuwachs beim Vergleich dieser beiden Jahre liegt lediglich bei 1,2 Prozent.
Jährliche Nettostromerzeugung von Windkraft seit 2002.
Das überrascht: Durch den konstanten Zubau kletterte die installierte Leistung der Windkraftanlagen von 62,3 GW im Jahr 2020 auf 78,0 GW im Jahr 2025. Hier beträgt der Anstieg 25,2 Prozent.
Die installierte Leistung bei der Windkraft in Deutschland seit 2002.
Die Frage nach den fehlenden 24 Prozent
Schwächer werdender Wind
Wo sind also die fehlenden 24 Prozent geblieben? Ein Grund liegt im Treibstoff der Windräder: dem Wind. Gerade für die Jahre 2024 und 2025 haben Forscher bei Winduntersuchungen „außergewöhnlich windarme Witterungen“ registriert. Davon sind sowohl Windkraftanlagen an Land wie auch auf See betroffen.
Die Abschwächung der Windstärke liegt mitunter an den inzwischen rund 31.000 Windkraftanlagen hierzulande selbst. Nach dem Energieerhaltungssatz muss ein Windrad dem Wind Energie entziehen. Diese Energie wandelt sich erst in Bewegungsenergie – die Drehbewegung der Rotorblätter – um und diese wiederum in elektrischen Strom. Somit bleibt in der Atmosphäre letztlich weniger Windenergie zurück.
„Windkraftanlagen sind Wettermacher. An immer mehr Standorten und daher in immer mehr regionalen und globalen Windsystemen fehlt Wind“, sagte der ehemalige Wirtschaftsredakteur und Ressortleiter der FAZ, Klaus Peter Krause.
Auch der Physiker Dieter Böhme bestätigte diese Energieverschiebung schon vor rund vier Jahren. Seiner Aussage nach würden die Windkraftanlagen in Deutschland der Atmosphäre eine Energiemenge von 20 Hiroshima-Atombomben entziehen – und das jeden Tag.
Zunehmende Abschaltungen
Ein weiterer Faktor sind die häufigen Abschaltungen von Windkraftanlagen. Hierzu liegen keine konkreten Daten vor, welche Strommengen Drosselungen zum Opfer fallen. Windräder sind im Vergleich zu Solaranlagen in diesem Punkt im Nachteil, weil alle Turbinen steuerbar sein müssen.
Das ist bei Solaranlagen unter 25 kWp (Kilowatt peak) nicht der Fall und hat dazu geführt, dass aktuell mindestens 48,8 GW an installierter Solarleistung nicht steuerbar ist, das heißt, der Netzbetreiber kann sie bei Bedarf nicht drosseln. Wenn die Sonne scheint, schieben sie ihren Strom ungebremst in die Netze.
Um einen Stromüberschuss und somit Störungen im Netz zu vermeiden, drosselt der Netzbetreiber hingegen die Windkraftanlagen herunter. Dieser Effekt ist bereits regelmäßig in den Stromdaten zu erkennen. Vormittags sinkt der Windkraftertrag, ist zur Solarspitze vergleichsweise niedrig und steigt am späten Nachmittag wieder an.
Nachlaufeffekt in Windparks
Zudem können sich hintereinanderstehende Windkraftanlagen in Windparks gegenseitig den Wind wegnehmen. Die erste Windkraftanlage, auf die der Wind ungebremst trifft, kann noch die meiste Energie aus dem Wind ziehen.
Alle dahinterliegenden Anlagen stehen im Windschatten der ersten Anlage und sind ihren Turbulenzen ausgesetzt. Insgesamt steht ihnen somit ein weniger starker Wind zur Verfügung. Dadurch sinkt letztlich deren Stromertrag. Entsprechende Simulationen kamen auf einen Ertragsverlust von insgesamt 34,1 bis 38,2 Prozent.
Windkraftausbau hinkt hinterher
Dabei verläuft der Ausbau der Windkraft nicht so schnell wie von der Bundesregierung erhofft. Ihre gesteckten Windkraftziele werden voraussichtlich verfehlt – zumindest für die Windkraft auf See, vermuten Verbände. Gesetzliches Ziel ist, die Kapazität zur Stromerzeugung aus Windenergie auf See von aktuell 10,2 GW auf mindestens 30 GW bis 2030 auszubauen.
Bei der Windenergie an Land strebt die Bundesregierung bis 2030 eine Gesamtnennleistung von 115 GW an. Im vergangenen Jahr lag der Leistungszuwachs bei 5,2 GW. Sollte die Brache diesen Anstieg bis dahin halten können, würde sie das Ziel mit 104 erreichten GW [für Red.: 78GW + 5,2GWx5] verfehlen.
Hier müsste die Branche also weiter Gas geben. Da 2024 der Anstieg bei nur 3,3 GW lag und sie demnach 2025 schon zulegen konnte, könnte eine weitere Steigerung noch im Bereich des Möglichen liegen.
Verschiebung der Kraftwerksanteile
Dass die ‚Erneuerbaren‘ eine immer zentralere Rolle in der Stromerzeugung einnehmen, zeigt sich an der installierten Leistung. Wie bereits erwähnt, steigt der von Solar und Windkraft regelmäßig aufgrund des anhaltenden Zubaus. Von 108,9 GW im Jahr 2020 stieg die Nennleistung auf inzwischen 202,2 GW an. Das bedeutet innerhalb von knapp 5,5 Jahren fast eine Verdoppelung.
Gleichzeitig sinkt die installierte Leistung im Bereich der fossilen Kraftwerke, vor allem beim Kohlestrom. Hintergrund davon ist der gesetzlich festgelegte Ausstieg aus der Kohleverstromung bis spätestens 2038. Im Jahr 2020 hatte die Bundesrepublik noch Braun- und Steinkohlekraftwerke im Umfang von 44,6 GW Nennleistung. Heute sind es nur noch insgesamt 30,2 GW.
Minuspreise
Ein immer häufiger auftretender Nebeneffekt durch diese zunehmend wetterabhängige Stromerzeugung sind Minusstunden an den Strombörsen. Wie bei allen Produkten entscheiden auch bei der Stromerzeugung Angebot und Nachfrage den Preis. Hier sogar mehr als bei anderen Waren. Denn überschüssiger Strom kann bisher kaum gespeichert werden. Um das Netz aufrecht und stabil zu halten, müssen zudem Stromerzeugung und -verbrauch stets auf dem selben Niveau sein.
Wenn Windkraft und Solar bei der sogenannten Hellbrise viel Strom erzeugen, ist das aufgrund der hohen installierten Leistung häufig schon viel zu viel. Dieses Überangebot sorgt für niedrige Preise, die immer öfter deutlich unter Null Euro pro Megawattstunde (€/MWh) fallen. Normalerwesie bietet ein Händler seine Ware nicht zu einem Minuspreis an, weil er dem „Käufer“ dann Geld geben muss. Das ist normalerweise bei Abfall so, den der Inhaber loswerden will.
Erst kürzlich am 1. Mai fiel der Börsenstrompreis auf die technische Untergrenze von –499,99 €/MWh. Das sind 49,99 Cent pro Kilowattstunde. Der Grund: neben Deutschland haben auch die Nachbarländer mit viel Hellbrisen-Strom zu kämpfen gehabt. Auch sie hatten teils ähnlich niedrige Börsenstrompreise am frühen Nachmittag.
Eine Hellbrise sorgt am 1. Mai 2026 für viel Wind- und Solarstrom. Gleichzeitig war an diesem Feiertsag der Stromverbrauch vergleichsweise niedrig.
Dabei stieg die Anzahl der Stunden mit Null- oder Minusstunden in den vergangenen 16 Jahren massiv an. Während es davon im gesamten Jahr 2010 nur 12 Stunden gab, waren es im vergangenen Jahr 652 Stunden – ein neuer Rekordwert, wie der Datenexperte Rolf Schuster von der Bundesinitiative Vernunftkraft ermittelte.