US-Präsident Donald Trump drohte erneut mit Angriffen auf iranische Kraftwerke und Brücken, sollte die strategisch wichtige Straße von Hormus nicht geöffnet werden, und setzte eine Frist bis zum 7. April. Iran reagierte mit eigenen Drohungen und erklärte, die Meerenge werde erst nach Entschädigung für die durch den Konflikt entstandenen Schäden wieder geöffnet; das Marinekommando der Revolutionsgarden kündigte zudem an, die Passage werde „niemals wieder in ihren früheren Zustand zurückkehren, insbesondere nicht für die USA und Israel“. Die Eskalation führte bereits zu Schäden an ziviler Infrastruktur in Teheran sowie in mehreren Golfstaaten, treibt die Ölpreise nach oben und verschärft die Spannungen in der Region, während diplomatische Bemühungen zur Deeskalation bislang noch unbestätigt bleiben.
Die Entwicklungen im Nahen Osten vom 6. April:
Zwei Tote nach direktem Einschlag von iranischer Rakete in Wohnhaus in Haifa
Nach dem direkten Einschlag einer iranischen Rakete in ein Wohnhaus in der israelischen Stadt Haifa sind mindestens zwei Menschen getötet worden. Zwei der vier unter den Trümmern Verschütteten seien tot geborgen worden, teilte die israelische Feuerwehr am Montag mit. Laut einem Armeevertreter wurde das Haus direkt von einer iranischen Rakete getroffen.
Der Stabschef des israelischen Heimatschutzkommandos, Elad Edri, hatte zuvor von vier Vermissten gesprochen. „Wir haben ein riesiges Zerstörungsgebiet“, sagte er in einer Videobotschaft.
Die Rakete hatte das Wohnhaus in der nördlichen israelischen Stadt am Sonntagabend getroffen. Der direkte Treffer in das siebenstöckige Gebäude riss Teile des Wohnhauses ab, wie die Armee und Rettungsdienste mitteilten. Nach Angaben der Feuerwehr stürzte das siebenstöckige Gebäude teilweise ein, Feuerwehrleute suchten demnach in den Trümmern weiter nach den Vermissten. Zuvor waren vier Verletzte geborgen worden.
Nach Angaben des israelischen Rettungsdienstes Magen David Adom wurde ein 82-jähriger Mann schwer verletzt aus den Trümmern geborgen. Zwei Frauen im Alter von 77 und 38 Jahren hätten leichtere Verletzungen erlitten. Ein zehn Monate altes Baby wurde demnach am Kopf verletzt.
Aufnahmen der Nachrichtenagentur AFP zeigten Rettungskräfte, die mit Taschenlampen in den Trümmern und zwischen verstreuten Betonblöcken suchten. Ein AFP-Korrespondent berichtete, dass dutzende israelische Sicherheitskräfte und Rettungskräfte am Ort des Angriffs im Einsatz waren. Auf von Magen David Adom veröffentlichten Bildern und Videoaufnahmen war Rauch über den Trümmern eines zerstörten Gebäudes in einem dicht besiedelten Wohngebiet zu sehen.
Der Angriff erfolgte nach Angaben der Armee wenige Minuten nach einer Warnung vor einer neuen Welle iranischer Angriffe. Insgesamt registrierte die Armee am Sonntag fünf Angriffswellen.
Mindestens 15 Tote bei israelischen Angriffen im Libanon
Bei erneuten israelischen Angriffen im Libanon sind libanesischen Angaben zufolge mindestens 15 Menschen getötet worden. Ein Luftangriff habe das südliche Beiruter Viertel Dschnah getroffen, dabei seien fünf Menschen getötet und 52 weitere verletzt worden, meldete das Gesundheitsministerium am Sonntag. Zehn weitere Menschen wurden den Behörden zufolge bei Angriffen östlich von Beirut sowie im Südlibanon getötet. Israels Armeechef Ejal Samir sprach von Angriffen auf die vom Iran unterstützte Hisbollah „an mehreren Fronten“.
Östlich von Beirut erfolgte ein israelischer Angriff auf ein Wohngebäude in dem Dorf Ain Saadeh. Dabei wurden dem libanesischen Gesundheitsministerium zufolge drei Menschen getötet, darunter zwei Frauen. Weitere drei Menschen seien verletzt worden. Das Gebiet war bislang von Angriffen verschont geblieben. Laut libanesische Staatsmedien wurde zudem am späten Sonntag ein Wohngebäude im Osten Beiruts von israelischen Luftangriffen getroffen.
Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten von dunklen Rauchwolken über Beirut und Krankenwagen, die mit heulenden Sirenen durch den Stadtteil Dschnah fuhren. Das Viertel gilt als Hochburg der pro-iranischen Hisbollah-Miliz. Nach Angaben der israelischen Armee waren von der Hisbollah genutzte Gebäude und Anlagen in Beirut Ziel der Angriffe.
Ein Luftangriff erfolgte laut Gesundheitsministerium rund hundert Meter vom Rafik-Hariri-Krankenhaus entfernt erfolgt – einem der größten öffentlichen Krankenhäuser des Landes. Viele Fenster des Krankenhauses seien während des Beschusses zerstört worden, „einige unserer Patienten erlitten Panikattacken“, sagte der stellvertretende Krankenhausleiter Sakaria Taubeh AFP.
Bei weiteren Angriffen im Südlibanon wurde unter anderem das Dorf Kfar Hatta getroffen, wie AFP aus libanesischen Zivilschutzkreisen erfuhr. Dabei seien sieben Menschen getötet worden, darunter sechs Mitglieder einer Familie. Unter den Todesopfern sei auch ein vierjähriges Mädchen.
Die israelische Armee hatte zuvor die Bewohner von Kfar Hatta zum Verlassen der Stadt aufgefordert. Die sechsköpfige Familie, die kein Auto besaß und bereits aus einem weiter südlich gelegenen Ort vertrieben worden war, wartete den libanesischen Angaben zufolge auf einen Verwandten, der sie abholen wollte. Auch dieser Mann sei bei dem israelischen Angriff ums Leben gekommen.
Der libanesische Präsident Joseph Aoun erneuerte derweil seinen Aufruf zu Friedensverhandlungen mit Israel. „Warum verhandeln wir nicht, solange wir zumindest noch die Häuser retten können, die noch nicht zerstört wurden“, sagte er in einer Fernsehansprache.

Israel griff erneut Ziele in der libanesischen Hauptstadt Beirut an. (Archivbild)
Iran: Straße von Hormus öffnet erst nach Kriegsentschädigung
Der Iran hat nach dem jüngsten Ultimatum von US-Präsident Donald Trump zur Öffnung der Straße von Hormus mit eigenen Drohungen reagiert. Die für den globalen Öl- und Gasmarkt wichtige Meerenge werde erst dann wieder geöffnet, „wenn im Rahmen einer neuen Rechtsordnung die Schäden des aufgezwungenen Krieges vollständig aus einem Teil der Transitgebühren kompensiert werden“, schrieb Mehdi Tabatabaei, für Kommunikation zuständiger Beamter im Büro des iranischen Präsidenten.
Das Marinekommando der Revolutionsgarden, Irans Elitestreitmacht, wurde von iranischen Medien mit den Worten zitiert, die Straße von Hormus werde „niemals wieder in ihren früheren Zustand zurückkehren, insbesondere nicht für die USA und Israel.“ Der Iran beansprucht die Kontrolle über die gesamte Passage und plant ein Mautsystem für die Durchfahrt.
Die iranische UN-Mission schrieb auf X, Trump drohe erneut „offen damit, die für das Überleben der Zivilbevölkerung im Iran essenzielle Infrastruktur zu zerstören“. Die internationale Gemeinschaft und alle Staaten seien „verpflichtet, solche grausamen Kriegsverbrechen zu verhindern. Sie müssen jetzt handeln. Morgen ist es zu spät“, heißt es in dem Post der UN-Mission.

Der US-Präsident will die faktische Blockade der Straße von Hormus beenden. (Archivbild)
Foto: Mark Schiefelbein/AP/dpa
Spannungen zwischen USA und Iran eskalieren: Ultimatum, Luftangriffe und Rettungsmission
Parallel zu den Drohungen eskaliert auch die militärische Lage: Die USA und Israel haben bereits iranische Infrastruktur und militärische Ziele bombardiert, während Iran und seine Verbündeten Raketen- und Drohnenangriffe auf Israel gestartet haben. Die Spannungen werden durch frühere Operationen verschärft, darunter der Abschuss eines US-F-15-Kampfjets über Iran am 2. April. US-Spezialkräfte führten eine riskante Rettungsmission durch, bei der zwei Besatzungsmitglieder erfolgreich gerettet wurden, eine Aktion, die Trump als „Osterwunder“ bezeichnete.
Die Reaktionen sind gemischt, während US-Senatoren wie Lindsey Graham Trumps Drohungen unterstützen, kritisieren andere wie Chuck Schumer die Eskalation als riskant und potenziell kriegsrechtswidrig. Das iranische Regime droht mit weiteren Vergeltungsangriffen auf US-Infrastruktur und Unternehmen in der Region, ohne jedoch genaue Ziele zu nennen.
Trotz der Spannungen gibt es diplomatische Ansätze. Beispielsweise bietet Pakistan an, Friedensgespräche zwischen den USA und Iran zu moderieren, und es besteht die Hoffnung, dass Iran und die USA eine Vereinbarung treffen könnten, um eine weitere Eskalation zu verhindern. Bislang sind diese Bemühungen aber noch unbestätigt, und die Situation in der Region bleibt äußerst angespannt, da sowohl militärische Aktionen als auch wirtschaftliche Bedrohungen eine schnelle Eskalation auslösen könnten.
Iran-Krieg: Ölpreis steigt auf mehr als 110 Dollar
Vor dem Hintergrund des Iran-Krieges ist der Ölpreis am Montag weiter angestiegen. Zum Wochenauftakt legte der Preis für ein Barrel der US-Referenzsorte WTI um 1,86 Prozent auf 113,62 Dollar (98,71 Euro) zu. Die Nordseesorte Brent stieg um knapp 1,16 Prozent auf 110,30 Dollar.
Teheran droht bei Angriffen auf zivile Ziele mit Vergeltung
Das oberste Kommando der iranischen Streitkräfte hat im Falle von Angriffen auf zivile Ziele im Iran mit Vergeltung gedroht. „Sollten Angriffe auf zivile Ziele wiederholt werden, werden die nächsten Phasen unserer Offensiv- und Vergeltungsoperationen weitaus verheerender und umfassender ausfallen“, erklärte ein Sprecher des zentralen Einsatzkommandos Chatam al-Anbija am Montag in einer Stellungnahme, die vom iranischen Staatssender Irib im Onlinedienst Telegram veröffentlicht wurde.
Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump damit gedroht, die zivile Infrastruktur des Iran zu zerstören. Zugleich forderte er Teheran dazu auf, seinen Forderungen nach einem Abkommen zur Wiederöffnung des Golfs für den Schiffsverkehr nachzukommen.
Später berichtete das iranische Staatsfernsehen von Gasausfällen in Teilen der iranischen Hauptstadt Teheran nach einem Angriff auf eine Universität. Der Angriff „traf die Tankstelle der Sharif-Universität, und wir haben im Stadtteil Sharif mit einem vorübergehenden Gasausfall zu kämpfen“, zitierte Irib den Leiter des neunten Stadtbezirks von Teheran.
Erneut iranische Angriffe auf zivile Infrastruktur in mehreren Golfstaaten
Die iranischen Streitkräfte haben örtlichen Behörden zufolge erneut zivile Infrastruktur in mehreren Golfstaaten angegriffen. Iranische Drohnen verursachten „schwere“ Schäden an mehreren kuwaitischen Ölanlagen und petrochemischen Anlagen, wie die staatliche Erdölgesellschaft Kuwaits am Sonntag mitteilte. In mehreren Anlagen seien Brände verursacht worden.
Das kuwaitische Strom- und Wasserministerium teilte zudem mit, zwei Strom- und Meerwasserentsalzungsanlagen seien durch einen Drohnenangriff aus dem Iran beschädigt worden, was „erhebliche Sachschäden und die Abschaltung von zwei Stromerzeugungseinheiten“ zur Folge gehabt habe. Das Finanzministerium erklärte, ein iranischer Drohnenangriff in Kuwait-Stadt habe „umfangreiche“ Schäden an einem Regierungsgebäude verursacht. Dabei seien jedoch „keine menschlichen Opfer zu verzeichnen“ gewesen.
In Bahrain gab der staatliche Energiekonzern bekannt, ein iranischer Drohnenangriff habe ein Feuer in einem Lagertank ausgelöst, das später gelöscht worden sei.
Örtliche Behörden in den Vereinigten Arabischen Emiraten meldeten derweil, der Hafen von Chor Fakkan an der Ostküste des Golfstaates unweit der Einfahrt zur Straße von Hormus, sei Ziel eines Angriffs gewesen. Dabei seien vier Menschen durch herabfallende Trümmerteile verletzt worden, die beim Abfangen des von den Behörden nicht identifizierten Geschosses entstanden seien. Ein Schwerverletzter sei nepalesischer Staatsangehörigkeit, drei weitere Menschen, die „mittelschwere bis leichte“ Verletzungen erlitten hätten, seien pakistanischer Staatsangehörigkeit. Ein bei dem Vorfall verursachter Brand habe später unter Kontrolle gebracht werden können.
Die britische Behörde für maritime Sicherheit (UKMTO) berichtete ebenfalls von dem Vorfall und sprach von „unbekannten Geschossen“, die in „unmittelbarer Nähe“ eines Containerschiffs eingeschlagen seien, das gerade am Kai beladen worden sei.
Die USA und Israel hatten am 28. Februar mit Luftangriffen auf den Iran begonnen. Teheran reagiert seitdem mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel sowie auf mehrere Golfstaaten und US-Einrichtungen in der Region.
Mit Material der Nachrichtenagenturen