Die geplante Tabaksteuererhöhung ist nicht nur ein Schlag ins Gesicht der Raucher, sondern könnte auch den Schwarzmarkt ankurbeln. Aber wenn sie schon kommen muss, sollte sie zur Stärkung des maroden Gesundheitssystems dienen. Eine Glosse

Die Bundesregierung will die Tabaksteuer erhöhen. Haben die noch alle Kippen in der Schachtel? Denn schon jetzt kostet eine Packung Zigaretten über neun Euro. Schon ab dem Spätsommer werde ich wohl fluchend einen Zehner für 20 Zigaretten hinblättern müssen, während ich die letzten warmen Abende mit einem alkoholfreien Bier und einer Fluppe im Biergarten genießen werde.

Ja, Rauchen ist für mich mehr Genuss als Sucht. Ich liebe es, mich in der Redaktion auf eine Zigarette mit Kolleg*innen zu treffen oder eine Feierabendkippe zu rauchen. Meine besten Momente wurden mit einer Zigarette ein- oder ausgeläutet: Trennungen, Konzerte oder nette Abende im Biergarten – ohne Kippe möglich, aber für mich nur halb so erträglich.

Was sollen wir Raucherinnen und Raucher denn noch alles aushalten? Erst wurden wir aus den Innenräumen von Gaststätten verbannt, und nun müssen wir auch noch über die steigende Tabaksteuer die Löcher im Bundeshaushalt stopfen.

Die Tabaksteuererhöhung sollte zunächst die 1.000 Euro Entlastungsprämie sponsern, die Arbeitgeber ihren Mitarbeiter*innen hätten steuerfrei auszahlen können sollen. Warum nun ausgerechnet mein Laster – und das von elf Millionen weiteren Raucher*innen in diesem Land – dieses Modell gegenfinanzieren sollte, ist nicht ganz klar und ergibt, sorry, keinen Sinn. Der Bundesrat sah es offenbar ähnlich.

Besser angelegt im maroden Gesundheitssystem

Frei nach Reinhard Mey („was ich noch zu sagen hätte, dauert eine Zigarette“) würde ich der Regierung gern auf eine Zigarettenlänge etwas anderes vorschlagen: Wenn sie denn nun kommen sollte, die Tabaksteuer, dann aber bitte sinnvoll. Meine teuer erkauften Zigaretten wären in gute Präventionsprogramme zur Rauchfreiheit (denn eigentlich will jeder, der regelmäßig zur Zichte greift, irgendwann damit aufhören) oder im maroden Gesundheitssystem besser angelegt.

Und man müsste nicht mehr mit den abschreckenden Bildchen von Raucherbeinen oder toten Männern auf den Verpackungen arbeiten, die Studien zufolge kaum nachweislich auf das Rauchverhalten Einfluss haben. Denn mit einem Slogan auf den Verpackungen wie: „Rauchen für die Gesundheit! Danke, dass Sie unser Gesundheitssystem mitsponsern“, lasse ich mich vielleicht eher überzeugen.

Und schon jetzt warnt etwa der Europäische Bund der Steuerzahler, dass eine Erhöhung der Tabaksteuer bedeute, dass der Schwarzmarkt für illegale Zigarettenprodukte blühen wird. So wie in Frankreich oder den Niederlanden: Dort decken sich die Raucher*innen in den Grenzgebieten mit Zigaretten und Tabak ein, was zumindest legal wäre, aber die Steuer im eigenen Land nicht unbedingt anhebt. Auch hier fahren viele in meinem Umfeld gern an die deutsch-polnische Grenze, um sich dort ihre Zigaretten billiger zu kaufen.

Ich möchte selbst entscheiden, ob ich weiterrauche

Die Milliarden, die man sich verspricht, könnten also wie Zigarettenrauch verpuffen: So gingen in den Niederlanden laut einem Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG im Auftrag des Zigarettenherstellers Philip Morris 869 Milliarden Steuern verloren. Eben weil die Süchtigen sich anderswo eindecken, auf legalen und illegalen Wegen.

Also könnte das ganze Aufheben auch nach hinten losgehen und die erhofften Steuergelder könnten am Ende sogar fehlen. Nur müsste diese Info mal den Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) erreichen, der selbst lange Jahre Raucher war, bevor ihn eine Zungenkrebserkrankung, von der er sich glücklicherweise erholte, zum Nichtraucher machte.

Klar, Rauchen ist gesundheitsgefährdend. Aber ich möchte selbst entscheiden können, ob ich weiterrauche. Nun glaubt aber auch der Drogenbeauftragte Hendrick Streeck (CDU), dass die Erhöhung der Tabaksteuer zu einer besseren Nichtraucherquote im Land führt. Bitte? Seit wann sorgen sich Regierungsmitglieder um die Gesundheit der anderen Erwachsenen?

In der Türkei glaubte der Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan, ein exzessiver Nichtraucher, auch, dass er nur oft genug die Zigarettenpackungen kameratauglich aus den Hemdtaschen reißen und zerknüllen müsse, damit das Volk endlich kapiert, dass Zigaretten schädlich sind. Doch die Zahlen sind laut den türkischen Gesundheitsbehörden so hoch wie nie – etwa jeder Dritte pafft weiterhin trotzig und munter weiter.

Darauf erst einmal eine Kippe.

r Zigarette ein- oder ausgeläutet: Trennungen, Konzerte oder nette Abende im Biergarten – ohne Kippe möglich, aber für mich nur halb so erträglich.Was sollen wir Raucherinnen und Raucher denn noch alles aushalten? Erst wurden wir aus den Innenräumen von Gaststätten verbannt, und nun müssen wir auch noch über die steigende Tabaksteuer die Löcher im Bundeshaushalt stopfen.Die Tabaksteuererhöhung sollte zunächst die 1.000 Euro Entlastungsprämie sponsern, die Arbeitgeber ihren Mitarbeiter*innen hätten steuerfrei auszahlen können sollen. Warum nun ausgerechnet mein Laster – und das von elf Millionen weiteren Raucher*innen in diesem Land – dieses Modell gegenfinanzieren sollte, ist nicht ganz klar und ergibt, sorry, keinen Sinn. Der Bundesrat sah es offenbar ähnlich.Besser angelegt im maroden GesundheitssystemFrei nach Reinhard Mey („was ich noch zu sagen hätte, dauert eine Zigarette“) würde ich der Regierung gern auf eine Zigarettenlänge etwas anderes vorschlagen: Wenn sie denn nun kommen sollte, die Tabaksteuer, dann aber bitte sinnvoll. Meine teuer erkauften Zigaretten wären in gute Präventionsprogramme zur Rauchfreiheit (denn eigentlich will jeder, der regelmäßig zur Zichte greift, irgendwann damit aufhören) oder im maroden Gesundheitssystem besser angelegt.Und man müsste nicht mehr mit den abschreckenden Bildchen von Raucherbeinen oder toten Männern auf den Verpackungen arbeiten, die Studien zufolge kaum nachweislich auf das Rauchverhalten Einfluss haben. Denn mit einem Slogan auf den Verpackungen wie: „Rauchen für die Gesundheit! Danke, dass Sie unser Gesundheitssystem mitsponsern“, lasse ich mich vielleicht eher überzeugen.Und schon jetzt warnt etwa der Europäische Bund der Steuerzahler, dass eine Erhöhung der Tabaksteuer bedeute, dass der Schwarzmarkt für illegale Zigarettenprodukte blühen wird. So wie in Frankreich oder den Niederlanden: Dort decken sich die Raucher*innen in den Grenzgebieten mit Zigaretten und Tabak ein, was zumindest legal wäre, aber die Steuer im eigenen Land nicht unbedingt anhebt. Auch hier fahren viele in meinem Umfeld gern an die deutsch-polnische Grenze, um sich dort ihre Zigaretten billiger zu kaufen.Ich möchte selbst entscheiden, ob ich weiterraucheDie Milliarden, die man sich verspricht, könnten also wie Zigarettenrauch verpuffen: So gingen in den Niederlanden laut einem Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG im Auftrag des Zigarettenherstellers Philip Morris 869 Milliarden Steuern verloren. Eben weil die Süchtigen sich anderswo eindecken, auf legalen und illegalen Wegen.Also könnte das ganze Aufheben auch nach hinten losgehen und die erhofften Steuergelder könnten am Ende sogar fehlen. Nur müsste diese Info mal den Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) erreichen, der selbst lange Jahre Raucher war, bevor ihn eine Zungenkrebserkrankung, von der er sich glücklicherweise erholte, zum Nichtraucher machte.Klar, Rauchen ist gesundheitsgefährdend. Aber ich möchte selbst entscheiden können, ob ich weiterrauche. Nun glaubt aber auch der Drogenbeauftragte Hendrick Streeck (CDU), dass die Erhöhung der Tabaksteuer zu einer besseren Nichtraucherquote im Land führt. Bitte? Seit wann sorgen sich Regierungsmitglieder um die Gesundheit der anderen Erwachsenen?In der Türkei glaubte der Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan, ein exzessiver Nichtraucher, auch, dass er nur oft genug die Zigarettenpackungen kameratauglich aus den Hemdtaschen reißen und zerknüllen müsse, damit das Volk endlich kapiert, dass Zigaretten schädlich sind. Doch die Zahlen sind laut den türkischen Gesundheitsbehörden so hoch wie nie – etwa jeder Dritte pafft weiterhin trotzig und munter weiter.Darauf erst einmal eine Kippe.



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